Oathbreaker am 19. Dezember 2017 im MTC, Köln

Publikum zieht Atmosphäre in den Keller

Headliner: Oathbreaker

Vorband(s): Syndrome

Ort: MTC, Köln

Datum: 19. Dezember 2017

Kosten: 18,70€

Genre: Black Metal, Shoegaze, Post-Black Metal

Besucher: ca. 300 Besucher

Veranstalter: Underdog Recordstore

Link: https://www.facebook.com/events/1960167394199657/

1. Being Able To Feel Nothing
2. Immortals
3. The Abyss Looks Into Me
4. Stay Here/Accroche-Moi
5. Where I Live
6. Where I Leave
7. Needles In Your Skin
8. 10:56
9. Second Son Of R.

Das MTC ist an diesem Abend deutlich besser besucht als bei den meisten anderen Shows. Dem Publikum nach zu urteilen, liegt das wohl daran, dass Oathbreaker in der künstlerisch-geprägten Hipster-Szene einen besseren Stand haben als die meisten anderen Metal-Acts. Im Umkehrschluss würde man einen Großteil der Besucher so nicht bei anderen Metal-Shows antreffen. Kleine Einordnung des Publikums nebenbei: Club-Mate scheint heute beliebter zu sein als Bier.

Den Anfang machen – oder besser macht – an diesem Abend Syndrome. Das One-Man-Project kommt mit sehr effektbeladenem Ambient daher, der stilistisch zwar irgendwo in der gleichen Richtung liegt wie Oathbreaker, bei denjenigen, die für eine Metal-Show mit Band, Instrumenten und einer echten Performance gekommen sind, scheint die Musik allerdings weniger gut anzukommen. Da das einzige Mitglied Mathieu Vandekerckhove meist sitzt oder mit seinen Effekten am Boden beschäftigt ist, nehmen die hinteren Reihen kaum war, dass überhaupt jemand auf der Bühne steht. Die Synthetik der Musik sorgt zusätzlich dafür, dass der Auftritt ebenso von einer Platte laufen könnte. Die Stimmung und das Verhalten des Publikums wird zunehmend ungeduldig und unruhig. Hier und da klatschen ein paar Zuschauer zwischen den langwierigen Songs – drei müssten es, in Anbetracht der Spielzeit von ca. 25 Minuten ungefähr gewesen, sein.

Oathbreaker am 19. Dezember 2017 im MTC, Köln

Die Stimmung im MTC ist für den geneigten Metal-Hörer auch bei Oathbreaker äußerst gewöhnungsbedürftig. Viele Zuschauer sind sehr empfindlich was ihre Plätze, Berührungen oder sonstige Beeinträchtigungen ihrer Experience angeht. Wenigstens steigert die Band die Qualität der Unterhaltung auf der Bühne um ein Vielfaches. Die düstere Stimmung, die die Band mit viel Nebel, wenig, dunklem und unaufgeregtem Licht erzeugt passt wunderbar zum Klangbild. Die Performance – vor Allem von Frontfrau Caro Tanghe – ist on point. Auch der weitgehende Verzicht auf Publikumsinteraktion ist stimmig. Bei der Professionalität der Musiker fällt auch der eher bescheidene Sound im MTC nicht weiter ins Gewicht. Die Setlist besteht bis auf The Abyss Looks Into Me komplett aus dem aktuellen Album Rheia, wirklich stören tut das scheinbar niemanden. Obwohl nur neun Songs gespielt werden, ist der Abend mit dem Auftritt, der etwas über eine Stunde dauert, akzeptabel gefüllt.

Oathbreaker am 19. Dezember 2017 im MTC, Köln

Oathbreaker liefern heute also genau das, was man von ihnen erwartet: atmosphärischen und stimmungsvollen Black Metal mit Hardcore-Einfluss. Das Ganze umgesetzt von präziser Bedienung der Instrumente, da kann man sich wirklich nicht beschweren. Um der Vorband Syndrome etwas abzugewinnen, muss man wohl tiefer in der Shoegaze/Amenra-Szene verankert sein oder einen anderen Background als die klassische Metal-Erziehung haben. Anspruchsvoll war die Musik auf jeden Fall, für ein Konzert aber nicht ganz die richtige Wahl. Negativ in Erinnerung bleibt hingegen das sehr gewöhnungsbedürftige und elitäre Publikum – das kennt man von der Metal-Szene völlig anders.

 

 

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