Psychonaut 4 – Beautyfall

Post Soviet Black Metal aus Georgien

Artist: Psychonaut 4

Herkunft: Tbilisi, Georgien

Album: Beautyfall

Genre: Black Metal, Depressive Black Metal

Spiellänge: 57:31 Minuten

Release: 31.10.2020

Label: Talheim Records

Link: https://www.facebook.com/psychonaut4.official

Bandmitglieder:

Gesang – Graf
Gitarre – Glixxx
Gitarre, Gesang – Drifter
Schlagzeug – Nepho
Gitarre, Gesang – S.D. Ramirez
Bass – Alex Menabde

Tracklist:

  1. მარტო მებრძოლი ველზე / One Man’s War
  2. თბილისური ტრაგედია / Tbilisian Tragedy
  3. …და შენ როგორ ხარ? / …And How Are You?
  4. Sana-Sana-Sana – Cura-Cura-Cura
  5. #შენახვადამოხმარება / #Tokeepandtouse
  6. ის სევდა, ისევ და / And Sorrow, Again
  7. მტ(ვ)ერი / Dust, The Enemy
  8. Sterile Nails and Thunderbowels (Silencer cover) (CD Bonus)

Bereits Ende Oktober letzten Jahres ist das neue, vierte Album von Psychonaut 4 mit dem Titel Beautyfall bei Talheim Records erschienen. Erhältlich ist es in den Vinylvarianten Black, White und Picture. Für die Fans, die keinen Dreher zu Hause stehen haben gibt es noch einen CD-Digipack (limitiert auf 500 Stück), der zudem als Bonussong ein Silencer Cover enthält.

Der Kaukasus ist eine Region mit erheblichem Konfliktpotenzial. Aktuell ist der Armenien/Aserbaidschan Konflikt in aller Munde. Aber auch die Georgier, ehemals Teil der Sowjetunion, haben mit Russland Konflikte, welche in den sogenannten Kaukasuskrieg 2008 gipfelten. Nicht nur äußere Zerrissenheit, sondern auch eine innere Zerrissenheit bestimmen die Region, die auch in depressive Verstimmungen münden können…

Psychonaut 4 sind Depressive Black Metaller aus Georgien. Gerne auch mal wegen ihrer geografischen Herkunft als Post Soviet Black Metal bezeichnet.

Genretypisch geht es in den Songs von Psychonaut 4 natürlich um depressive Verstimmungen und Gefühle, Verzweiflung und alles, was dazugehört. Dabei geht es der Band nicht, wie bei manch anderer Band aus diesem Genre um die Verherrlichung solcher Dinge, sondern sie sehen in ihrer Musik eine therapeutische Wirkung im Sinne der Befreiung von psychischen/seelischen Konflikten.

Die Georgier haben sich dem Sound der seeligen Depressive Black Metaller Lifelover verschrieben. Ihre Texte auf Beautyfull sind in Georgisch gehalten, was für mich den Songs eine weitere (depressive) Dramatik gibt. Ich kann zwar nichts verstehen, die Stimmung wird aber auch so klar.

Nachdem man 2015 (Dipsomania) und 2016 (Neurasthenia) gleich zwei Alben innerhalb von zwei Jahren herausgebracht hatte, hat man sich seit dem letzten Album nun vier Jahre Zeit gelassen.

Das Album beginnt rhythmisch recht schnell mit dem Opener One Man’s War, einem Song, der so richtig ins Bild dieser Band passt. Ein Aufschrei der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Die Riffs springen und tanzen.

Das Herzstück dieses Albums ist die Tbilisian Tragedy. Eine Tragödie voller Verzweiflung und Leidenschaft. Folkloristisch anmutender Klargesang unterbricht die intonierte Eiseskälte und weckt irgendwie Hoffnung. Alles scheint von unendlicher Dunkelheit eingehüllt. And How Are You? / Und wie geht es dir (dabei) scheint uns der darauffolgende Song zu fragen? Das kann ich nun wirklich nicht sagen, denn irgendwie ist das faszinierend und verstörend. Das Schreien in And How Are You? und der Sprechgesang im Hintergrund von And How Are You?haben die Struktur einer Litanei und versuchen auf dich einzuprügeln.

Sana Sana Sana, Cura Cura Cura beginnt zunächst fließend, fast versöhnlich. Dann folgen die zu erwartenden Riffs und keifender Gesang und alle Fröhlichkeit ist gleich dahin. Der Song hält in der Mitte inne, man will den Hörer mit akustischer Gitarre wohl versöhnen. Alleine die anklagende Stimme hält davon ab, bevor der Song voller Melodien ist und ein Chorus mit Sprechgesang ihn melodramatisch auf die Spitze führt.

#Tokeepandtouse ist voller scharfer Vocals, die von Bass- und Gitarrenläufen begleitet werden. And Sorrow Again wirkt eisig. Entsprechend hören wir einen eisigen Wind, der uns mit der Gitarre und anschließendem Akkordeonklang in diesen Song einführt. Gequälter Gesang schaltet sich hinzu, bevor wir Black Metal Ausbrüche vernehmen. Dieses Szenario wechselt sich anschließend ab.

Dust, The Enemy ist irgendwie dann ein ganz anderer Song. Tiefer, eindringlicher Sprechgesang. Fast jazzartiges Saxofon-Gesumme und -Gebrumme. Ein Song, der mich unheimlich begeistert und zeigt, dass die Georgier weitab vom Klischee eines gängigen Depressiv Black Metals arbeiten. Dieser Song erfindet sich immer neu. Das sind für mich 6 ½ äußerst spannende Minuten mit einem allerletzten Aufschrei des Saxofons.

Im Bonussong, dem Silencer Cover Sterile Nails And Thunderbowels, verschmelzen Aggression und Depression mit Old School Black Metal Ausbrüchen.

Vielleicht abschließend noch eine Anmerkung zum Bandnamen: Ein Psychonaut ist ein Mensch, der seinen eigenen Geist gründlich erforscht (normalerweise mithilfe des Drogenkonsums in der Freizeit). Die „4“ im Namen der Band bezieht sich auf die Anzahl der Plateaus im Wirkstoff Dextromethorphan. Dextromethorphan ist ein Arzneistoff, der auf das Nervensystem wirkt. Heute weiß man, dass die Substanz ein potentes Psychotropikum ist, das auf zahlreiche Hirnfunktionen Einfluss nimmt. Weiter will ich jetzt hierzu nichts ausführen. Der Leser kann sich bestimmt denken, wohin der Konsum von Dextromethorphan einen Psychonauten führt….Aus unbestätigten Quellen habe ich erfahren, dass unter den Bandmitgliedern Psychonauten verweilen…

Psychonaut 4 – Beautyfall
Fazit
Depressive Black Metal der georgischen Band Psychonaut 4, der zwar auf dem Sound der legendären Lifelover fußt, sich trotzdem einiger (innovativer) anderen Stilmittel bedient und auf eigenen Füßen steht. Ein gutes Album, welches ich den Genrefans nur empfehlen kann.

Anspieltipps: ...And How Are You?, And Sorrow, Again und Dust The Enemy
Juergen S.
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