Time For Metal / Rene:
Moin Raimund,

wir haben in letzter Zeit viel über deine beiden Bands Nailed To Obscurity und Burial Vaultgesprochen. Heute möchten wir etwas mehr über dich erfahren und freuen uns, dass du Zeit für ein paar Worte über deine Person gefunden hast.

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Moin! Es ist für mich eine besondere Ehre und ich bedanke mich ebenfalls dafür, dass ihr euch diese Zeit nehmt.

Time For Metal / Rene:
Wann hast du die härteste Musik der Welt für dich gefunden und zu welchem Zeitpunkt wurde dir klar, dass du mit deinem markanten Gesang aktiv mitmischen möchtest?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Gitarrenlastige Musik hat mich schon recht früh fasziniert, weil es etwas Urwüchsiges hat. Irgendwie möchte ich hier sogar ein Stück weit von Unberechenbarkeit und Rebellion sprechen (auch wenn viele sagen, dass dies dem Rock’n’Roll dieser Tage gänzlich abhanden gekommen ist.) Den Einstieg fand ich durch Bands, die es bis in den Mainstream geschafft hatten, wie Korn undMetallica, aber so richtig um mich geschehen war es, als mein Cousin mir irgendwann um die Jahrhundertwende (ja, ich bin verhältnismäßig spät) die Alben „Arise“„Chaos A.D.“ und„Roots“ von Sepultura ausgeliehen hatte. Ab da veränderten sich meine Hörgewohnheiten. Jede „neue“ Band war wie ein kleines Abenteuer und da ich immer eher der „Stille“ war, konnte ich alleine durch das Hören dieser Musik unheimlich viele Ängste und Gefühle verarbeiten, die ich mich nie traute auszuleben. Für mich ist Musik in jeder Form Ausdruck von Emotionen, und wenn man diese als solche nicht nach außen tragen möchte oder nicht nach außen tragen kann, ist die Musik ein Ventil, um besser damit umzugehen.

Dass ich aber selbst einmal mein „Zuhause“ im härteren Metal finden würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Mit Burial Vault habe ich 2006 aus dem Nichts angefangen zu Growlen und zu Keifen, ohne Kalkül, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben, was ich da gerade mache. Zugegeben, ich hatte in meinen Bands davor mit meiner klaren Stimme gesunden, aber nie zuvor habe ich mich am „Extremgesang“ versucht. Dennoch fühlte es sich irgendwie schon nach kurzer Zeit richtig an. Da ich bis zu dem Zeitpunkt geradezu „gemäßigte“ Bands (in Relation zu Bands, die heute ständige Begleiter sind) gehört habe, hatte ich eigentlich kaum „Vorbilder“, denen ich nachgeeifert habe. Diese Welt ist mir quasi erst durch Tobias und Alexander (beide Gitarre bei Burial Vault) und mit der Zeit vollends erschlossen worden. Der Gedanke „aktiv mitmischen zu wollen“ kam also step-by-step.

Time For Metal / Rene:
Nach meinem Kenntnisstand bist du das erste mal als Sänger von Burial Vault aktiv geworden. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit deinen Bandkollegen ergeben und bist du selber an einem Instrument in deiner Freizeit aktiv?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Daniel (der ehemalige Schlagzeuger von Burial Vault) und ich hatten gemeinsam in einer eher Rock-lastigen Band gespielt, die sich gerade frisch aufgelöst hatte. Er wusste ja, wie ich zu Metal stehe, und ich glaube, dass ich behaupten darf, dass ich ihn auch ordentlich mit dem Virus infiziert habe. Jedenfalls kam er im April 2006 auf mich zu und sagte: „Raimund, ich habe da was und ich glaube, dass es dir gefallen wird. Es gibt da so drei Typen, die wollen eine Death Metal-Band gründen und ich habe im Moment Kontakt mit einem von denen.“ Im gleichen Moment hatte ich gleich Vorurteile, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass im beschaulichen Papenburg, wo man doch vermeintlich jeden kennt, noch Leute rumlaufen würden, die Interesse an Metal haben könnten. Wir sind dennoch zusammen hingefahren und ich war vollends perplex, was ich da hörte. Die Jungs (Tobias, Alexander und unser ehemaliger Bassist Eugen) drehten die Stereoanlage auf, von der ein Drumcomputer lief, und spielten ihre Songs (eine Menge davon sind auch auf unserem Debüt„… There Is No Resort“ gelandet) und legten dabei ein amtliches Fundament vor. Daniel hatte noch nie so extreme Schlagzeugparts gespielt und ich hatte noch niemals „herumgebrüllt“, dennoch triezte er mich dahin es auszuprobieren (wofür ich ihm bis heute dankbar bin).

Was meine Aktivitäten an einem Instrument angeht, muss ich gestehen, dass ich immer gerne Gitarrist geworden wäre, aber mein Atem dafür recht kurz war. Nachdem ich ein paar Akkorde aneinanderreihen konnte, habe ich sofort gesungen, ungeachtet dessen, wie schäbig ich gespielt habe. Da auf dem Triangel-Gag bereits zu viel Staub liegt, muss ich also ehrlich gestehen, dass ich kein Instrument spiele.

Time For Metal / Rene:
Welche Musik läuft privat in deiner Anlage?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Das ist sehr unterschiedlich. Ich höre Musik immer aus der Laune heraus. Manchmal muss es der grobe Knüppel sein und dann kann es mir nicht verspielt genug sein. Dann und wann wird es regelrecht cheesy und direkt danach wird proggy gefrickelt oder geholzt. An dieser Stelle Bands aufzuzählen würde den Rahmen sprengen (da ich ja sowieso gerne weit aushole ^^), aber ich würde sagen, dass ich nahezu allen Metal-Subgenres und weiten Teilen der härteren Rockmusik etwas abgewinnen kann.

Time For Metal / Rene:
Im Sommer 2012 haben wir uns auf dem Metalfest unterhalten. Damals suchte bereits Nailed To Obscurity einen Nachfolger am Mikrofon und du wurdest als möglicher Nachfolger ins Gespräch gebracht. Eine Zweigleisigkeit neben Burial Vault kam für dich aber nicht in Frage. Nur eine Finte, um die Presse auf eine falsche Fährte zu führen, oder hat sich deine Einstellung zu diesem Punkt in den laufenden Monaten geändert?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Zu dem Zeitpunkt war noch alles so frisch und ich war mir noch gar nicht sicher, ob ich mir zutrauen würde, es zu schaffen, in beiden Bands gleichzeitig zu sein. Deshalb bin ich der Frage geschickt ausgewichen und habe mich unwissend gestellt und euch ein wenig in die Irre geführt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir dieses kleine Täuschungsmanöver und könnt das verstehen.

Time For Metal / Rene:
Wie haben deine Kollegen von Burial Vault reagiert, als du ihnen von dem Einstieg bei Nailed To Obscurity berichtet hattest? Wurde dieses mit Verständnis akzeptiert oder gab es schon die ein oder anderen Bedenken?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Wenn ich behaupten würde, dass es keine Bedenken seitens der anderen gegeben hätte, wäre das die Unwahrheit. Ich denke, dass ich mich mit Fug und Recht als eine der treibenden Kräfte hinterBurial Vault bezeichnen darf (was nicht abgehoben und schon gar nicht despektierlich klingen soll). Aber deshalb gab es da durchaus Gespräche, ob das auch alles klappen kann. Man muss dazu sagen, dass einige der anderen in der Band ebenfalls in mehreren Bands aktiv sind/ waren, weshalb das Verständnis und der Zuspruch aber bei allen Bedenken überwogen hat.

Time For Metal / Rene:
Wie hast du die ersten Einheiten im Proberaum mit Nailed to Obscurity wahrgenommen, als du in eine eingespielte Band gestoßen bist? Wurde dir der Einstieg leicht gemacht oder hattest du schon ab und an Bedenken, nicht die Erwartungen erfüllen zu können?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Das war schon ein komischer Moment, weil die Band ja eben auch eine Vorgeschichte hat, die mir vollkommen bewusst ist. Nailed To Obscurity war immer meine absolute Lieblingsband unter den lokalen Bands. Daher war der Anspruch, den ich an mich selbst gestellt habe, auch enorm hoch. Ich wollte den anderen unbedingt zeigen, dass das Vertrauen, das sie in mich gesteckt haben, auch Früchte trägt. Dazu muss ich sagen, dass die Jungs mir immer wieder den Rücken gestärkt haben und die erste Probe hat richtig viel Spaß gemacht. Wir hatten unheimlich schnell eine gemeinsame Frequenz gefunden.

Time For Metal / Rene:
Neben deinem Growling hast du auf dem letzten Burial Vault Langeisen beweisen, dass du auch die Clean Parts beherrscht und ihnen eine besondere Note verpasst. Dürfen wir in der Zukunft davon mehr hören, oder war es ein einmaliger Versuch?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Erst mal danke für das Lob. Es hat mich schon irgendwie Überwindung gekostet, clean zu singen, aber es stand immer mal im Raum. Ob ich das in Zukunft öfter machen werde, weiß ich noch nicht. Für mich ist das immer vollkommen Song-abhängig. Bei „Peculiar“ saß ich in meiner Wohnung und hatte plötzlich das Gefühl, dass genau an diese Stelle und in diesen Kontext („Incendium“ ist ja ein geschlossenes Konzeptalbum) Clean-Gesang passen würde. Mal schauen, wann und ob ich das nochmal machen werde. Niemals sag niemals 😉

Time For Metal / Rene:
Neben den beiden Death Metal Formationen bist du fleißig am Studieren. Wie schwer ist es, Alles unteren einen Hut zu bringen? Mit Nailed To Obscurity ist die Tour gerade erst zu Ende, mitBurial Vault läuft das Songwriting für ein neues Album und im Sommer wird das legendäreWacken geentert. Eine Belastung, die an die Substanz geht, oder eine Motivation, die den Stress wegspült?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Das Studium habe ich im Dezember zu Ende gebracht und zurzeit gilt es erst einmal Geld zu verdienen und berufliche Erfahrungen zu sammeln. Ich habe es immer so empfunden, dass sich beides ganz wunderbar ergänzt. Die Musik und das Arbeiten mit den Bands sind immer das perfekte Medium gewesen, um den „Alltagsfrust“ loszuwerden. Wenn alles irgendwie zu anstrengend wurde, war die Musik immer mein Rettungsanker. Daher würde ich auch sagen, dass die Motivation den Stress wegspült. Das ist übrigens eine wirklich schöne Metapher.

Time For Metal / Rene:
Das Wacken Open Air ist eine klasse Thema. Welche Highlights hast du in deiner Karriere am deutlichsten vor Augen und gibt es Momente ,wo du lieber nie wieder drüber Nachdenken magst? Um bei WOA zu bleiben, bekommst du schon weiche Knie wenn du daran denkst, in wenigen Monaten auf eine Bühne zu steigen, auf der diverse Helden gespielt haben und an dem Wochenende spielen?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Karriere ist so ein hochtrabendes Wort. Da muss ich jetzt ehrlich ein wenig schmunzeln. Es gab wirklich viele Highlights! Ich versuche mich mal auf einige wenige zu beschränken, aber es ist wirklich schwer. Seinerzeit auf dem Legacyfest 2009 (mit Burial Vault) zu spielen war für mich der Hammer. Noch nie zuvor habe ich auf einer so großen Bühne vor so viel Publikum gestanden und man konnte sich ganz kurz fühlen wie jemand vollkommen anderes. Die Aufnahmen zu„Incendium“ (Burial Vault) sind mir in sehr guter Erinnerung, weil es einfach toll war, so viel Zeit miteinander zu verbringen. Die „Dark Season Tour 2013“ (Nailed To Obscurity) war ebenfalls ein einziges Highlight und das Texteschreiben mit Ole (Gitarre bei Nailed To Obscurity) undCarsten (Bass bei Nailed To Obscurity) war auch eine ganz besondere Erfahrung. Das hat uns richtig zusammengeschweißt. Da ich, gerade was mein erklärtes „liebstes Hobby“ angeht, gerne positiv denken möchte, fällt mir spontan eigentlich gar nichts ein, an das ich nie wieder denken möchte. So ein Projekt wie eine Band ist natürlich keine stete Gerade, die nach oben zeigt, aber letztlich ist alles ein Lernprozess und alles geschieht aus einem gewissen Grund. Im Nachhinein ist man grundsätzlich immer gewachsen. Das Wacken ist ein absoluter Hammer. Da hat letztlich niemand in der Band mit gerechnet und wir waren alle völlig perplex. Dieses Festival ist bei allem öffentlichen Interesse und der Kritik vieler Szenegänger immer noch irgendwo das (!) Metalfestival! Alleine die Vorstellung ist völlig surreal und verursacht bei mir weiche
Knie.

Time For Metal / Rene:
Ein paar Sachen, die deine Fans 2014 erwarten werden, haben wir bereits angesprochen. Gibt es denn noch zusätzliche Informationen über Nailed To Obscurity oder Burial Vault, die du uns hier offenbaren möchtest.

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Ich möchte da eigentlich gar nicht zu viel vorweg nehmen. Da sollte sich selbst jeder sein eigenes Bild machen. Da beide Bands gerade im vergangenen Jahr je ein neues Album veröffentlicht haben, werden diese natürlich auch in 2014 noch fleißig mit Auftritten unterstützt. Deshalb sollte jeder Ausschau halten, ob wir nicht plötzlich ganz in der Nähe spielen 😉

Time For Metal / Rene:
Bleibt bei diesem dichten Terminkalender noch Platz, um privat ein Konzert bzw Festival zu besuchen oder konzentrierst du dich wirklich jeder freie Sekunde auf deine beiden Projekte?

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Ich glaube es wäre ungesund, wenn man 24 Stunden am Tag nur an den Bands arbeiten würde. In irgendeiner Form stimmt das natürlich. Man ist ja irgendwie auch 24 Stunden lang Teil der jeweiligen Band usw., aber dennoch braucht man auch mal Abstand. Im Moment gehe ich wieder sehr häufig auf Konzerte, darunter waren schon einige richtige Highlights. Außerdem hoffe ich in diesem Sommer wieder auf ein paar schöne Festivals, da sich das im letzten Jahr leider nicht ergeben hat.

Time For Metal / Rene:
Ich bedanke mich für deinen persönlichen Einblick in deine Bands Nailed To Obscurity und Burial Vault und möchte das letzte Wort dir an unsere Leser überlassen.

Raimund / Nailed To Obscurity und Burial Vault:
Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich in den letzten Jahren sowohl im Umfeld von Burial Vault als auch im Umfeld von Nailed To Obscurity unterstützt haben, allen voran meinen Bandkumpels. Das größte ist wirklich, dass diese Menschen zu meinen besten Freunden zählen und auch neben der Musik nicht aus meinem Leben zu denken sind! Nochmal an alle Leser von Time For Metal: Besucht uns bei einem Gig in eurer Nähe und habt eine gute Zeit!

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