Rammstein – Rammstein

Lang erwartet und nun endlich da. Rammsteins Nummer sieben.

Artist: Rammstein

Herkunft: Berlin, Deutschland

Album: Rammstein

Spiellänge: 46:26 Minuten

Genre: Industrial Metal, Neue Deutsche Härte

Release: 17.05.2019

Label: Eigenvertrieb

Link: https://www.rammstein.de/de/home/

Bandmitglieder:

Gesang – Till Lindemann
Gitarre, Hintergrundgesang – Richard Kruspe
Gitarre, Hintergrundgesang – Paul Landers
Schlagzeug – Christoph „Doom“ Schneider
Bassgitarre – Oliver Riedel
Keyboard, Synthesizer, Klavier – Christian „Flake“ Lorenz

Tracklist:

  1. Deutschland
  2. Radio
  3. Zeig Dich
  4. Ausländer
  5. Sex
  6. Puppe
  7. Was Ich Liebe
  8. Diamant
  9. Weit Weg
  10. Tattoo
  11. Hallomann

Da ist es nun, das siebte und mit Spannung erwartetet neue Album von Rammstein. Die bereits im Vorfeld ausgekoppelten Singles Deutschland und Radio sorgten ja bereits für ausreichend Gesprächsstoff. Gerade Deutschland mit seinem aufrüttelnden Video und der fast zehn Minuten Spieldauer sorgte für eine kontroverse Diskussion. Ist es aber nicht genau das, was erwartet wird, und dadurch für den Hype um diese Ausnahmeband sorgt? Bereits in der Vergangenheit haben sie durch skandalträchtige Videos für Platzierungen auf dem Index oder Artikel in den größten deutschen Zeitschriften, wie dem Spiegel, der Welt oder sonstigen Medien gesorgt. Und immer gab und gibt ihnen der Erfolg recht. Warum soll sich das nun mit dem neuesten Werk ändern? Die Konzerte bereits im Vorfeld alle Sold Out, die Singles millionenfach bei YouTube geklickt, die Diskussionen auf den sozialen Plattformen, die von schlecht bis genial alles bieten, sorgen dafür, dass auch in 2019 von der Faszination nichts verloren gegangen ist.

Und nun das neue Album. Tausendfach vorbestellt, der Einstieg auf Platz eins der Charts nur eine kurze Frage der Zeit. Es beinhaltet wieder elf Songs, die anders und trotzdem Rammstein-mäßig auf dem Silberling oder der Vinylausgabe zu finden sind. Was wurde erwartet? Ein Album im Stil von Herzeleid oder Mutter? Nein, sie haben etwas anderes gewagt und das nennt sich dann musikalische und künstlerische Weiterentwicklung.

Über den Opener Deutschland wurde ja bereits ausgiebig geredet und so bietet dieser Song ein politisches Statement, dass der Nationalsozialismus hier nichts zu suchen hat, aber trotzdem wird der existierende Zwiespalt in der Bevölkerung thematisiert. Musikalisch herausragend bietet der Track das, was Rammstein Fans mögen. Treibende Gitarren, fette Drums und ein Till Lindemann, der mit seiner Stimme für die nötige Tiefe sorgt. Auch Radio beschäftigt sich mit einer vergangenen Politik. Hier wird die DDR-Zeit aufgegriffen und das Medium, das für einen Blick in eine andere Welt sorgte, und außerdem ist es eine Liebeserklärung an die Musik, die oftmals nur mit dem Radio zu empfangen war. Musikalisch wird mit leichten Kraftwerk-Einflüssen gearbeitet und die poppige Melodie punktet, auch wenn es etwas befremdlich wirkt.

Nun kommen die bis dato unbekannten Songs. Zeig Dich greift ein Thema auf, das immer wieder in den Medien für Aufsehen sorgt. Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sorgen hier für die Thematik, die in der lyrischen und musikalischen Aufarbeitung mündet. Der sakrale Chor zu Anfang wird durch den stampfenden Rhythmus und den typische Rammstein Gitarrensound von Richard Kruspe und Paul Landers abgelöst und sorgt mit einer an Laichzeit erinnernden Hook für reinstes Rammstein-Feeling allererster Güte. Der anschließende Track Ausländer lässt zunächst auf ein derzeitiges europäisches Problem schließen. In einer fast schon absurden komödiantischen Art, ganz in Pussy Manier, wird sich des Themas angenommen. Allerdings geht es hier um den Sextouristen, der als Ausländer die Sprache der Damen sprechen sollte, um erfolgreich zu sein. Auch über uns Deutsche, die in anderen Ländern eben auch Ausländer sind, wird sinniert. Hier macht eben die Perspektive die Sichtweise aus. Musikalisch eher in den Mainstream gehend, funktioniert der Song gut.

Wie der folgende Titel es vermuten lässt, handelt es sich auch darum. Sex. Rammstein hatten schon immer eine leicht provokante Ader, wenn es um den Beischlaf geht. So kommt auch hier der Hang zum nicht ganz normalen 08/15 Sex zum Tragen. Der Song punktet durch seine groovende Art und die verzerrten Synthis. Mit Puppe folgt der sperrigste Song. Erst nach mehrmaligem Hören gewinnt er und so wird Till Lindemanns Stimme dann im Verlauf immer mehr zur Anklage ob des traumatischen Erlebnisses des Eingeschlossenseins, während die Schwester sich im Nebenzimmer vergnügt. Da wird dann der Puppe aus Frust der Kopf abgebissen. Hoffentlich kein autobiografischer Text. Song Nummer sieben wartet mit einem einfachen Beat auf. Midtempo statt rasanter Fahrt. Textlich wird das Leid beschrieben, dass alles, was geliebt wird, sterben muss und dadurch einem das Glück verwehrt bleibt. Es folgt mit Diamant die einzige Ballade. Akustikgitarre, und ein Sänger, der hier so richtig zur Geltung kommt. Immer denkt man, gleich kommt der instrumentale Einsatz. Aber der Song endet, wie er begann, mit leisen Tönen.

Bei Weit Weg deutet alles wieder auf eine sexuelle Geschichte hin. Der typische kryptische Lindemann Text handelt von dem in der Nacht verborgenen Zuschauer, der dem hüllenlosen Opfer nah und doch so weit weg ist. Flake-lastig wird viel mit Synthiesound den 80er-Jahre Elektronik Elementen gefrönt. Etwas Depeche Mode vielleicht? Trotzdem gefällt der Song. Jetzt kommt mit Tattoo eins meiner Highlights. Nun kommen auch gleich die Rammstein-mäßigen Gitarren zum Einsatz. Es folgen die fetten Drums, die Bassgitarre und der zum Titel passende Text. Lyrisch wird der derzeitigen, allgegenwärtigen Kunst auf der Haut gehuldigt und so gibt es auch noch einen kostenfreien Tipp. Wenn man sich den Namen der Liebsten tätowiert, dann muss nach deren Ende eine mit gleichem Namen gesucht werden. Der Refrain ist mal wieder einer, der sich live gut anhören wird. Auffällig noch die hier hohe Stimme von Till, sehr ungewohnt, oder singt da etwa der Herr Kruspe? Der soll ja auch einen Track mit eingesungen haben. Dann kommt, schneller als erwartet, der letzte Track. Hallomann, der die Geschichte eines entführten Mädchens erzählt. Till schlüpft dabei in die Rolle eines möglicherweise pädophilen Mannes und zeigt in dieser düsteren Industrial Halbballade eine der dunklen Seiten der Menschen auf. So endet das Album nicht mit einem lauten und vielleicht monumentalen Stück, sondern es bleibt eher ein schlichtes Stück am Ende.
Die gesamte Produktion ist kräftig und gut abgemischt. Die Gitarren sind nicht mehr so sehr im Vordergrund, dafür gibt es mehr Synthis.

Fazit
Tja, und das Fazit dieser Scheibe? Anders und doch Rammstein. Nachdenkliches, Typisches, Kritisches und doch bringt das Album bei jedem Hören etwas Neues zutage. Mir gefällt es, obwohl ich an der einen oder anderen Stelle auf etwas mehr Gitarre und etwas weniger Flake gehofft hatte. Trotzdem ein gutes Stück Musik, das leider viel zu lange auf sich warten ließ. Aber es sollen ja insgesamt über 30 Stücke geschrieben worden sein. Vielleicht geht es ja mit einer folgenden Platte, falls es eine geben sollte, schneller, als man denken kann. Bis dahin dies hier hören, und auf die Tour freuen.

Anspieltipps: Deutschland, Puppe, Tattoo, Zeig Dich, Weit Weg, Diamant, Radio, Hallomann, Ausländer, Sex und Was Ich liebe,
Kay L.10
Leser Bewertung8 Bewertungen6.2
10
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