Festivalname: Rock In Rautheim
Bands: Amaranthe, Beast In Black, Primal Fear, Seven Spires, Grand Magus, Metalite, Devil’s Train, Tailgunner, Ad Infinitum, Kosmonovski, Sascha Paeth’s Masters Of Ceremony, Infinitas, Blessed Child, Till Burgwächter
Ort: Braunschweig-Rautheim
Datum: 09.05.2025 – 10.05.2025
Kosten: 60,00 Euro bis 74,80 Euro
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Modern Metal, Melodic Metal, Folk Metal, Hard Rock, Punk Rock
Besucher: ca. 3000 Besucher (sold out)
Veranstalter: Lebenshilfe Braunschweig gemeinnützige GmbH (https://www.lebenshilfe-braunschweig.de)
Link: https://www.rock-in-rautheim.de/
Kommen wir gleich zum Start und der Frage in der Headline? Was zeichnet das Rock In Rautheim aus? Gelebte Inklusion, gelebtes Miteinander, gelebte Toleranz und gelebte Offenheit. Klingt so, als wären diese Eigenschaften völlig normale Dinge im Leben. Dass diese Eigenschaften im täglichen Leben vielen Menschen abhandengekommen sind, merken zum Beispiel Menschen mit Einschränkungen viel schneller als Menschen ohne Einschränkungen. Hast du nicht auch schon gemotzt, wenn es an der Kasse beim Supermarkt nicht schnell genug vorwärtsgeht, weil ältere Menschen einfach länger benötigen? Oder weil Kinder nicht mit den täglichen Prozessen so vertraut sind wie du selbst? Das, was du hier erlebst, sind aber Menschen, die am täglichen Leben teilhaben können. Die Lebenshilfe Braunschweig kümmert sich um die Menschen, die nicht oder nur zum Teil selbst am täglichen Leben teilhaben können.
Das Rock In Rautheim integriert Menschen mit Einschränkungen genau in diese täglichen Prozesse bei einem Festival, wo zum Beispiel Menschen mit und ohne Einschränkungen den Stand für die Pommes gemeinsam betreiben. Klar, du wartest eventuell einen Tick länger, bis du die Kartoffelstäbchen bekommst. Fängst du dann bereits an zu motzen und hast für ein derartiges Miteinander nichts übrig, dann bleib zu Hause oder fahr zu den bekannten Mainstream-Festivals – aber komm nicht nach Braunschweig zum Rock In Rautheim. Gleiches gilt auch für Menschen, die ihre Mitmenschen wegen Äußerlichkeiten, Herkunft oder anderen Vorurteilen diskriminieren. Alle anderen Menschen, egal woher oder mit welchen Fehlern behaftet, sind willkommen.

Das Veranstaltungsteam vom Rock In Rautheim hat unter anderem den Inklusionspreis 2023 erhalten, und selbst der NDR berichtete über das Metalfestival. Die Folge ist ein ausverkauftes Gelände mit circa 3000 Menschen. Die Aufteilung des Geländes ist identisch zum Vorjahr. Das Haus der Lebenshilfe Braunschweig fungiert als Backstage und Lager, der Außenbereich ist das Festivalgelände. Der erste Weg ist für die Merchstände der Bands und für das Festival selbst, der zweite für die Fressmeile. Dazu kommen Foodtrucks, zum Beispiel für Kaffee und Süßigkeiten. Fleischesser, Vegetarier und Veganer werden fündig und müssen sich nicht selbst versorgen. Einziges selbst festgestelltes Manko: Wasser ohne Kohlensäure wurde nicht angeboten. Da wären zwei Varianten für 2026 super.
Noch ein Wort zu dem Merch des Festivals. Viele Produkte kommen aus der eigenen Fertigung der Lebenshilfe. Die Hoodies kommen nicht komplett geschneidert und bedruckt aus China. Genug der Einleitung und Vorrede – was gibt es an Musik?
Auch wenn viele Musikfans auf dem Festival behaupten, dass das musikalische Programm zweitrangig ist – ohne Musik wäre niemand hier. Die Musik ist der elementare Bestandteil des Festivals und die Favoriten sind bei der Besucherschaft sehr unterschiedlich. Wie die Menschen auf dem Festival, so auch die Bands auf der Bühne – divers und unterschiedlich.
Der musikalische Auftakt obliegt dem Lokalmatador Blessed Child, der bereits am frühen Nachmittag den bereits reichlich anwesenden Menschen eine ordentliche Runde Thrash auf die Ohren haut. Das sonnige Wetter zieht die Fans schon früh aufs Gelände. Wie üblich geht der erste Track in die Binsen, dann läuft die Soundmaschine mit einem ordentlichen Groove. Blessed Child nutzen ihre sehr knapp bemessene Zeit für einen riffigen Festivalauftakt.

Bereits mit Masters Of Ceremony wird es symphonischer und runder. Der Ableger von Avantasia um Gitarrist Sascha Paeth überzeugt vor allem durch die stimmliche Vielfalt von Sängerin Adrienne Cowan, die mit einer spielerischen Leichtigkeit zwischen gutturalen Vocals und hohen symphonischen Tönen springt. Das Material der Truppe hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert, sodass Sings Of Wings noch immer im Fokus steht. Acht Stücke liefern Masters Of Ceremony in gerade einmal 40 Minuten Spielzeit, dann steht der nächste Umbau auf dem Programm.
Ganz andere Töne kommen von Infinitas aus der Schweiz. Sich selbst ordnen die Eidgenossen dem melodischen Metal zu. Allerdings gibt es eine Geige und auch mal gutturale Töne, sodass Modern Metal mit Folkeinflüssen passend erscheint. Sieben Tracks gibt es von Sängerin Mary Crane und Co. in circa 35 Minuten und der Genremix macht dem Motto des Festivals alle Ehre. Unterschiedlicher kann der Auftakt kaum sein als mit diesen drei Bands.

Zeit für Heavy Metal. Tailgunner sind Wiederholungstäter. Das Festival beeindruckt nicht nur die Menschen, die nach Rautheim pilgern. Auch die Künstlerschaft unterstützt den Ansatz der Inklusion und kümmert sich nach ihrem Gig um ihre Fans, die natürlich sowohl mit als auch ohne Einschränkungen am Merchstand zu finden sind. Vergangenes Jahr sprangen Tailgunner kurzfristig für Riot ein, die ein Problem mit ihrem Drummer hatten. Dieses Jahr sind Tailgunner eine feste Größe mit circa 45 Minuten Spielzeit, in der es auch zwei neue Nummern aus dem im Oktober zur Veröffentlichung anstehenden neuen Album als Kostprobe gibt. Dazu covert die Truppe Metallica und Hit The Light. Tailgunner sind der erwartete Act für die Headbanger und Old-School-Metaller. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Truppe sowohl spielerisch als auch von der Eigenständigkeit nochmals zugelegt und dürfte zukünftig nicht nur in England größere Clubs und Konzerthallen füllen. Nach dem Gig steht die Band für Bilder etc. wie selbstverständlich am Merch zur Verfügung und verfolgt später den Co-Headliner Primal Fear.

Nach Metal Heavy folgt Metalite. Es wird sehr modern auf dem Rock In Rautheim und rhythmische Computerklänge unterstützen den Auftritt des Fünfers aus Schweden. Die Technik will aber nicht so mitspielen, sodass nach der ersten Nummer ein Restart erforderlich ist, da der Computer nicht das macht, was er tun soll. Sängerin Erica Ohlsson unterhält die Meute mit einigen Animationen, dann geht es mit Sachen wie Cyberdome oder der neuen Single We Stand Tall weiter. Eine Überraschung ist das Sonata Arctica-Cover FullMoon, wo die moderne Interpretation von Metalite dem Original aber nicht das Wasser reichen kann. Insgesamt gibt es zwölf Stücke in circa einer Stunde Spielzeit, die vor allem die jüngere Generation vollumfänglich ansprechen und kompatibel mit dem späteren Headliner rüberkommen. Die Gatekeeper werden den Bandnamen in Metallight verändern.

Es gibt aber direkt wieder Metal Heavy im Anschluss mit dem schwäbischen Schwergewicht Primal Fear. Alles neu macht der Mai, zumindest steht eine neue Bandbesetzung von Primal Fear auf der Bühne, die nach dem Genuss der circa 60 Minuten noch einiges an Luft nach oben hat. Klar, einen erfahrenen Gitarristen wie Alex Beyrodt zu ersetzen, ist mehr als schwierig. Die neue Gitarristin Thalìa Bellazecca gibt ihr Bestes, aber an einen Beyrodt kommt die Dame heute nicht annährend heran. Dazu ist glücklicherweise Mat Sinner nach fünfjähriger Krankheit erstmals wieder auf der Bühne. Fit ist Sinner noch nicht, sodass hier bereits vor dem Gig klar war, dass Abstriche in Kauf genommen werden müssen. Der neue Mensch an den Drums ist ein alter Bekannter. Die ehemalige Rage-Rhythmusmaschine André Hilgers liefert und ist einer der Aktivposten auf der Bühne. Gleiches gilt für Magnus Karlsson an der zweiten Gitarre. Dreh- und Angelpunkt ist aber Ralf Schepers, der nach wie vor sein herausragendes Organ sprechen lässt und der Show seinen Stempel aufdrückt.
Wie bei fast allen Bands dauert es einen Track, bis der Sound passt. Festival halt, da wechselt der Mensch am Mischpult öfter. Mit Nuclear Fire und Angel In Black läuft Schepers warm und mit jeder weiteren Nummer in Richtung Hochform. Der Blick auf den Bassisten Sinner stimmt glücklich – dass er wieder auf der Bühne stehen kann – aber auch traurig, wie er auf der Bühne steht. Das wird in der aktuellen Verfassung nicht einfach. Bei den Übergängen fällt das Fehlen der Beyrodt-Gitarre mehr als deutlich auf. Es ist noch einiges zu tun im Hause Primal Fear, bis zum Release des neuen Albums, von dem es heute mit The Hunter eine erste Kostprobe gibt. Anfang September soll es auf Tour gehen, auf der dann hoffentlich Sachen wie Chainbreaker, Metal Is Forever oder Running In The Dust ebenfalls im Set zu finden sind und die gesamte Performance der Band sich weiter verbessert. So bleibt am Ende ein kritischer Blick auf die Bühne, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Truppe besteht aus Profis und ist erfahren genug, um aus der heutigen Show ihre Erkenntnisse zu ziehen und bis zum Frühherbst die ersichtlichen Mankos abzustellen. Ein Ralf Schepers ist bereits in Hochform.

Den Schlusspunkt am ersten Festivaltag setzen bunte und fröhliche Töne. Aber fangen wir mit dem Namen der Band an. Beast In Black, das passt nicht. Beast In Colours wäre deutlich treffender. Quietschbunt von den Gitarren bis zur verwendeten Pyrotechnik präsentieren sich die Finnen. Ein Blick auf das aktuelle Werk Dark Connection zeigt den bunten und poppigen Ansatz der Truppe, der wie Metalite vor allem die jüngere Generation abholt. Aktuell ist noch das Album aus dem Jahr 2021. Aber bereits zwei Singles mit Power Of The Beast und Enter The Behelit präsentieren Beast In Black, immer unterlegt von Dingen, die wahlweise bunt knallen oder zischen. Insgesamt knapp 90 Minuten rocken die Herren und liefern einen Querschnitt ihrer bisherigen Diskografie, wobei die drei veröffentlichten Alben quasi gleichmäßig bedacht werden. Die Truppe trifft den Nerv des feierwütigen Publikums und gibt den Veranstaltern recht, auf junge und neue Bands zu setzen im Vergleich zu Rage oder Dirkschneider 2024.
Gegen 23 Uhr endet der erste Festivaltag. Das Gelände liegt in einem Wohngebiet, da muss um 23 Uhr Ruhe sein. Bei Musik aus der Konserve gibt es noch das eine oder andere Getränk, dann ist der erste Festivaltag durch und die Menschen verschwinden in ihre Behausungen.
Hier kommt ihr zum Bericht von Tag zwei:
Rock In Rautheim am 09.05. und 10.05.2025 in Braunschweig – Tag zwei





























































