Rock In Rautheim am 09.05. und 10.05.2025 in Braunschweig – Tag zwei

Wie tickt ein Festival, das diverse Auszeichnungen erhalten hat?

Festivalname: Rock In Rautheim

Bands: Amaranthe, Beast In Black, Primal Fear, Seven Spires, Grand Magus, Metalite, Devil’s Train, Tailgunner, Ad Infinitum, Kosmonovski, Sascha Paeth’s Masters Of Ceremony, Infinitas, Blessed Child, Till Burgwächter

Ort: Braunschweig-Rautheim

Datum: 09.05.2025 – 10.05.2025

Kosten: 60,00 Euro bis 74,80 Euro

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Modern Metal, Melodic Metal, Folk Metal, Hard Rock, Punk Rock

Besucher: ca. 3000 Besucher (sold out)

Veranstalter: Lebenshilfe Braunschweig gemeinnützige GmbH (https://www.lebenshilfe-braunschweig.de)

Link: https://www.rock-in-rautheim.de/

Der zweite Tag startet wie der Vortag (Bericht hier). Die Sonne scheint und es ist für ein Outdoor-Festival angenehm, solange es Schatten gibt. Um 14 Uhr geht das musikalische Programm weiter. Bereits vorher tummeln sich die Fans an den Merchständen und den Fressbuden. Auch heute gibt es gelebte Inklusion, wo ein zweites Frühstück – wahlweise mit und ohne Alkohol – gemeinsam genossen wird. Der musikalische Auftakt ist nicht unbedingt im Metal zu verorten, sondern eher im Punk.

Kosmonovski, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Kosmonovski sind keine unbekannte Band auf dem Rock In Rautheim. Die Truppe aus Münster wird dem Motto des Festivals gerecht. Es handelt sich um eine inklusive Band, was aber nicht auf der Fahne der Band dick aufgetragen wird. Vielmehr gehen Menschen mit und ohne Einschränkungen gemeinsam an die Instrumente, wo jeder das einbringt, was er kann. Bongos kommen zum Einsatz, genauso wie Gitarren und Drums und das Ganze wird zu einem Punk-Rock-Mix verwoben. Der Platz vor der Bühne ist bereits gut gefüllt, was auch an dem Motto von Kosmonovski liegt.

Ein bekannter Name ist Ad Inifinitum mit Sängerin Melissa Bonny. Lagen die Anfänge noch primär im Symphonic Metal, so ist spätestens mit dem Album Abyss eine deutliche Veränderung festzustellen. Die Schweizer Band setzt auf moderne Töne und Elektronik, mit denen vor allem das Partyvolk mit angesprochen wird. Breakdowns sind mittlerweile im aktuellen Songmaterial ebenfalls zu finden, sodass sich mehr als die Hälfte der Tracks zum Modern Metal sortieren. Aber auch die alten Nummern wie Live Before You Die oder Into The Night als Abschluss präsentieren Bonny und ihre Mitstreiter. Das Publikum ist in Feierlaune und bejubelt die Band mit Sprechchören. Das ausverkaufte Festival ist bereits am Nachmittag nahezu komplett belegt.

Devil’s Train, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Neue Band, neuer Sound. Wie das Motto des Festivals, so auch die Musik am zweiten Tag. Devil’s Train sind im rockigen Segment unterwegs. Bereits der Künstlername der neuen Schlagzeugerin macht klar, wohin die Reise geht: Nina Stixx. Nikki Sixx war eindeutig Pate bei der Namensfindung. Sänger ist nach wie vor R.D. Liapakis, der vor allem von seiner Tätigkeit bei Mystic Prophecy bekannt ist. Zwei Coverversionen sagen eigentlich alles aus, um was es bei Devil’s Train geht. Word Up! von Cameo und American Woman von Guess Who, den eigentlich schon die ganze Welt irgendwann einmal gecovert hat. Den alten Schinken gibt es sogar im Technoformat. Nach vorne rockende Gute-Laune-Musik ist angesagt, irgendwo zwischen Hard Rock und Glam Rock, immer mit einem Augenzwickern und ohne die Allüren von Mötley Crew. Daran wird die neue Drummerin (hoffentlich) nichts ändern.

Sevenspires, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Wie am Vortag so auch heute. Die dritte Band des Tages liefert einen weiteren musikalischen Ansatz, auch wenn ein bekanntes Gesicht auf der Bühne steht. Adrienne Cowan, bekannt von Avantasia, war gestern bereits mit Masters Of Ceremony zu erleben. Heute geht es um Seven Spires, die Symphonic Metal mit einer dunklen Attitüde liefern. Da Cowan auch gutturale Vocals zum Einsatz bringt, bieten sich Vergleiche zu Epica an. Der Unterschied: bei Seven Spires singt nur Adrienne Cowan und wechselt munter die Stimmlage.

Nach dem Gute-Laune-Rock wird auch das Outfit dunkel und Corpsepaint kommt zum Einsatz. Entsprechend abgestimmt ist die Lightshow. Im Fokus der knappen Stunde steht das 2024er Release A Fortress Called Home, wovon fünf der neun Stücke stammen. Ein dunkler Farbtupfer gehört auf ein Metalfestival, allen voran, wenn eine Ausnahmekünstlerin wie Adrienne Cowan auf der Bühne steht. Die Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich. Die Partyfraktion hat Pause oder geht zum Bierstand, Headbanger:innen und Eisblumen, die viel zu schön für den Tag sind, haben ihre Stunde am Nachmittag.

Grand Magus, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Hammer Of The North. Um welche Band es sich als Nächstes dreht, sollte mit dem Titel der 2010er-LP klar sein. Im Winter noch Opener für die Stockholmer Freunde von Opeth, sind Grand Magus nun auf den Festivals zu erleben, auf denen das starke 2024er-Release Sunraven präsentiert werden soll. Das schwedische Trio zieht Fans aus nah und fern, die sich bereits vor dem Gig bemerkbar machen.

Das Set kann durchaus überraschen. Gerade das Erfolgsalbum Hammer Of The North steht weit mehr im Scope als gedacht und findet mit Ravens Guide Our Way und I, The Jury starke Berücksichtigung. Selbst Iron Will aus dem Jahr 2008 ist mit Like The Oar Strikes The Water vertreten. Womit endet ein Grand-Magus-Gig? „Hammer of the north, we believe it’s our legacy, Masters of our fate – their logic won’t dictate, their gods will fail – then we rise, Hammer of the north “. Und zum Abschluss singen alle Fans das langgezogene ohhhhhh. Die Feierstunde für die Anhängerschaft von episch-doomigen Tönen endet nach circa 60 Minuten. Grand Magus haben geliefert.

Amaranthe, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Wie am Vortag, an dem Marco Spiller für seine Tätigkeit geehrt wurde, so steht heute Michael Schumann, einer der Initiatoren von Rock In Rautheim, auf der Bühne. Irgendwann nach der Jahrtausendwende wurde die Idee, ein Inklusionsfestival durchzuführen, geboren. Wie Marco bekommt auch Michael ein T-Shirt als Geschenk – jedoch mit einer Besonderheit – das Logo ist von 2002. Dazu wird den vielen unermüdlichen ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen gedankt. Ohne das Orga-Team wäre die Durchführung von Rock In Rautheim unmöglich.

Das Finale des Festivals obliegt einer Band, die vor allem bei Gatekeepern äußerst kritisch betrachtet wird. Techno-Metal? Amaranthe werden bestimmt keinen Slot beim Keep It True ergattern. Die Truppe lärmt sich bereits seit mehr als 15 Jahren über die Festivals und kombiniert verschiedene Elemente von Pop, Alternative Rock bis zu Death Metal. Zwei verschiedene Gesangsfarben mit Elize Ryd und Olof Mörck sind ein weiteres Merkmal. Olaf Mörck bedankt sich für die Einladung und findet mehr als nur herzliche Worte für das Rock In Rautheim. Egal, wie die metallische Gemeinde zur Musik von Amaranthe steht: das Herz am richtigen Fleck haben die Schweden.

Amaranthe, Rock in Rautheim, 2025, Foto: Lars Thoke

Eine aufwendige Lichtshow mit Pyro und Co. begleitet den Auftritt, der sich primär auf die beiden aktuellen LPs Manifest und The Catalyst mit zehn der 20 Stücke fokussiert. Das Publikum hat sich gegenüber des Grand-Magus-Gigs deutlich verändert und gerade die Anhängerschaft von epischen Doom verzichtet auf die genaue Betrachtung des Techno-Metal. Dafür gibt es ausreichend Stände mit Kaltgetränken, die bei bestem Frühlingswetter ein perfektes Ambiente bieten.

Wie am Vortag muss die Livemusik kurz vor 23 Uhr enden. Das Festivalgelände liegt mitten in einem Wohngebiet und das Veranstaltungsteam möchte es sich nicht mit den Menschen in der Umgebung verscherzen. Was bleibt vom Inklusionsfestival 2025? Bilder sagen mehr als Worte und die kommen sogar vom NDR:

Rock in Rautheim: Festival setzt auf Inklusion und Metal | NDR.de – Kultur – Musik