Scarlet – Obey The Queen

Die anonyme Scarlet verbirgt ihr wahres Gesicht

Artist: Scarlet

Herkunft: Stockholm, Schweden

Album: Obey The Queen

Spiellänge: 33:54 Minuten

Genre: NU Metal, Metal Core, Industrial Metal

Release: 13.11.2020

Label: Arising Empire (Warner)

Link: www.scarlethunts.com

Bandmitglieder:

Gesang – Scarlet

Tracklist:

  1. Obey The Queen
  2. I Spit Fire
  3. Ugly Fucker
  4. #Bossbitch feat. Thirsty & Åsa Netterbrant
  5. Love Heroin
  6. Zodiac
  7. Krokodil
  8. Beauty & Beast
  9. Devil Twins
  10. Final Shot feat. Martin Westerstrand

Die Schwedin Scarlet hat am 13.11.2020 ihr Debütalbum Obey The Queen herausgebracht. Erschienen ist es auf CD bei Arising Empire. Da hätte ich die messerscharfe Scarlet doch beinahe übersehen. Gut, dass ich zum Ende des Jahres unseren Promopool immer noch von rechts auf links kippe, um zu schauen, ob vielleicht doch noch etwas Interessantes liegen geblieben ist. Im Falle von Scarlet wäre es dann doch im wahrsten Sinne des Wortes der Horror gewesen, den ich liegengelassen hätte.

So richtig blicke ich (und wohl nicht nur ich) da nicht durch, wer oder was denn Scarlet ist! Künstlerin ja, steht dahinter aber auch eine Band? Dem beiliegenden Promosheet kann ich das Line-Up entnehmen, denn da steht: Scarlet – Gesang. Keine weiteren Angaben zu irgendwelchen anderen Musikern oder Bandmitgliedern. Selbst eingespielt hat das Album diese Scarlet dann wohl ja doch nicht! Man erfährt eigentlich nichts von Scarlet, außer ein paar nichtssagende Aussagen. Ihr Gesicht verbirgt sie ausschließlich hinter aufgemalten mexikanischen Totenmasken, so wie sie dort am Día de los Muertos getragen werden. Mysteriös ist das schon, denn so weiß man nicht, wer hinter der La Catrina bzw. Scarlet steckt. Auch der beiliegende Text im Promosheet vernebelt nur und trägt dazu bei, das Ganze noch seltsamer zu gestalten: „…Sie ist eine wunderschöne Kreatur, die die dunkelsten, hässlichsten Ecken des menschlichen Geistes verkörpert, und sie ist niemals die, für die Sie sie halten.“ Aha, schön und gut. Das scheint ein guter Marketingschachzug zu sein. Bereits vor Veröffentlichung des Albums Obey The Queen wurden ein paar sehr professionelle Videos veröffentlicht, die die mysteriöse Dame immer nur masked zeigen. Musikalisch lässt sie aber auf jeden Fall die Maske fallen. Da zeigt sie ein starkes Stück an Nu Metal. Voll in die Fresse, toll angereichert mit Technospielereien, Rapppassagen bis hin zu Industrial Metal.

Die Songs klingen wild und sind voller Kraft. Ich würde schon jetzt solche Songs wie Obey The Queen und Zodiac einmal als Nu Metal Klassiker des Jahres 2020 bezeichnen. Das ist für mich die konsequente Weiterentwicklung des Nu Metals mit groovigen Hits. Scarlett ist selbst dabei stimmlich sehr präsent. In dem einen oder anderen Song holt sie sich sogar noch gesangliche Unterstützung. Im Song #Bossbitch sind es mit Thirsty und Åsa Netterbrant sogar zwei weitere Sängerinnen. In diesem Song wird gesungen, gerappt und geschrien. Die Wucht, mit denen die Songs herausgefeuert werden, erinnert mich in einigen Teilen sogar ein wenig an die Performances, wie sie die Butcher Babies bringen. Hier könnte ich mir auch vorstellen, dass das live seine Wirkung nicht verfehlen wird. Ich weiß allerdings nicht, ob in diesem Fall bereits an eine Liveperformance der Songs gedacht wurde.

Neben ihrer Stimme (und der Stimmen, die sie begleiten) fallen groovende und ebenso sich hervorhebende Gitarren auf. Das Ganze ist eingebettet in vielfältigen Elektro/Techno Elementen, die mich dann auch ein wenig an Sequenzen von Songs von Die Antwoord erinnern, bezeichnend hierfür würde ich einmal I Spit Fire nennen.

Neben den groovigen und schnellen Tracks des Nu Metals gibt es aber auch andere Songs, wie zum Beispiel Love Heroin. Eine Ballade, in der sie vom Klavier begleitet, stimmlich stark auftrumpfen kann. Zwei Tracks später kann sie Krokodil sehr creepy im Stil einer Kleinmädchenstimme einführen, bevor sie den Rest kraftvoll fast dahinrotzt.

Die einzelnen Songs sind dabei sehr vielfältig und kreativ. Groovige Parts werden auch schon mal durch ein plötzliches und unerwartetes Break unterbrochen, bevor wieder aus allen Rohren geschossen wird. Ziemlich wandlungsfähig zeigt sich die Lady, sorry Scarlet hier. Aber Lady ist doch irgendwie schon richtig, denn Scarlet ist so wandlungsfähig wie Lady Gaga, nur dass Scarlet hier einen starken metallischen Boden betritt. Ganz zum Schluss gibt es mit Final Shot, ganz Lady Gaga like, sogar noch eine rein akustische Ballade. Als Duettpartner hat sie sich hier Martin Westerstrand von der schwedischen Band Lillasyster ausgesucht. Jetzt ist aber genug Shallow 😉

Ich denke mal, dass das, was Scarlet hier auf dem Debütalbum gemacht hat, viele Fans begeistern wird. Die Old School Fraktion aber bestimmt nicht, denn die hat ja bereits bei Limp Bizkit ihre metallische Welt nicht mehr verstanden.

Scarlet – Obey The Queen
Fazit
Irgendwie ein faszinierendes Debüt der geheimnisvollen Scarlet. Webetechnisch natürlich sehr gut von ihrem Label in Szene gesetzt. Das hat schon was und ich denke, die Strategie dürfte aufgehen. Sex sells! Wer auf Nu Metal steht, wird hier sicherlich gut bedient. Die Old School Fraktion der Metaller wird sich wahrscheinlich schütteln, aber die dürften hier sowieso nicht angesprochen sein. Für meinen persönlichen Geschmack hätte ich auf der Scheibe auf die beiden Balladen durchaus verzichten können. Gesanglich ist das zwar sehr gut, aber ich bin ja ein bekennender Balladenhasser.

Anspieltipps: Obey The Queen, I Spit Fire und #Bossbitch
Juergen S.
8.7
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