Spock’s Beard – The First Twenty Years

“Für Einsteiger eine klasse Zusammenstellung, für Fans wohl ein Muss“

Artist: Spock’s Beard

Herkunft: Los Angeles (CA), Vereinigte Staaten von Amerika

Album: The First Twenty Years

Spiellänge: 155:20 Minuten

Genre: Progressive Rock

Release: 20.11.2015

Label: Inside Out Records

Link: https://www.facebook.com/spocksbeard und http://www.spocksbeard.com/

Produktion: Remastered von Rich Mouser

Bandmitglieder:

Gesang – Nick D’Virgilio
Gesang und Gitarre – Neal Morse
Gesang und Gitarre – Ted Leonard
Gitarre und Gesang – Alan Morse
Bassgitarre, Keyboard und Gesang – Dave Meros
Keyboard und Gesang – Ryo Okumoto
Schlagzeug und Gesang – Jimmy Keegan

Tracklist:

CD1:

  1. The Light (Remastered)
  2. Thoughts (Remastered)
  3. The Doorway (Remastered)
  4. June (Remastered)
  5. Day For Night (Remastered)
  6. At The End Of The Day (Remastered)
  7. Solitary Soul (Remastered)
  8. Wind At My Back (Remastered)

CD2:

  1. The Bottom Line (Remastered)
  2. She Is Everything (Remastered)
  3. On A Perfect Day (Remastered)
  4. Jaws Of Heaven (Remastered)
  5. Waiting For Me (Remastered)
  6. Tides Of Time (Remastered)
  7. Falling For Forever

Spocks Beard - The First Twenty Years

Falls sich jemand über die Liste der Bandmitglieder wundert, die sind wirklich alle auf dieser Compilation The First Twenty Years vertreten. Die Band Spock’s Beard besteht ja nun mal, wie der Albumname schon sagt, seit über 20 Jahren, und da hat es doch einige Wechsel gegeben. Da sich die Band aber die Mühe gemacht hat, von jedem bislang veröffentlichten Studioalbum einen, in zwei Fällen auch zwei, Songs auszuwählen, gibt es nun Stücke mit allen bisherigen und dem aktuellen Sänger zu hören. Wenn ich mir überlege, was ich für eine Mühe habe, für meine Playlisten jeweils nur einen Song aus den Alben auszuwählen, und das kann ich ja dann allein entscheiden, bin ich froh, dass ich in den Auswahlprozess für diese Compilation nicht eingebunden war. 😀 Die ebenfalls zum Release gehörende DVD lag mir leider zum Review nicht vor, so dass ich mich nur („nur“ ist gut) auf die beiden CDs beziehen kann.

Da ich Spock’s Beard zum ersten Mal mit ihrem letzten Album The Oblivion Particle gehört habe, kann ich wenig dazu sagen, wie die Songs auf den Originalalben klangen. Aber ich denke mal, Rich Mouser ist wirklich ein Meister seines Fachs, denn trotz des Remasterings klingen die alten Stücke auch weiterhin „alt“, und zwar im positiven Sinne. Gleich beim ersten und ältesten Stück The Light vom Album The Light aus dem Jahr 1995 habe ich sogar fast den Eindruck, dass das noch in mono läuft, denn von breitem und raumgreifenden Stereoklang kann hier wirklich nicht gesprochen werden. Irgendwie kommt fast alles aus der Mitte zwischen den beiden Boxen. Dieser Effekt ändert sich aber ziemlich zügig beim weiteren Hören der chronologisch aufgereihten Songs und ist spätestens bei June passé.

Was sich nicht so schnell ändert, sind die größtenteils äußerst progressiven, verschachtelten und sehr vertrackten Songstrukturen, die wirklich Progressive Rock in Reinkultur darstellen. Dann noch die Spielzeit von einigen Tracks, die manchmal weit über 10 Minuten liegt. Das macht es beim ersten Hören nicht wirklich einfach, da muss man zumindest ein Fan des Progressive Rock sein. Ich muss allerdings auch sagen, dass man das mit zunehmender Hördauer werden kann, wenn man es noch nicht ist. Mir hat es jedenfalls immer mehr Spaß gemacht, in diese wunderbaren Klangwelten einzutauchen, bei der jeder Ton seine Berechtigung hat und genau da zu hören ist, wo er zu hören sein muss. Erwähnenswert natürlich auch der immer sehr schöne Gesang, der sich watteweich durch die Gehörgänge schlängelt. Und dann gibt es ja auch die leichter zugänglichen, meist sehr ruhig gehaltenen Songs, wie z. B. June, Day For Night, Solitary Soul, Wind At My Back, The Bottom Line, She Is Everything und Waiting For Me. Da haben die Männer von Spock’s Beard schon eine schön ausgewogene Mischung zusammengestellt, wobei es wohl immer unterschiedliche Meinungen geben wird, welche Songs auf solch eine Compilation sollten. Aber wie schon geschrieben, ich hätte diese Wahl nicht treffen wollen.

Dass es auf dem Album Feel Euphoria aus dem Jahr 2003 mit Nick D’Virgilio einen neuen Leadsänger gab, hört man sofort mit dem ersten Song auf CD2. Ich weiß nicht, wie die restlichen Songs auf Feel Euphoria klingen, aber bei The Bottom Line kommt irgendwie gleich eine andere Klangfarbe rein, obwohl es eigentlich „nur“ ein ruhiger Song wie viele andere auch ist. Die Stimme erinnert mich ein wenig an Fish (ex-Marillion). Etwas überrascht bin ich, zu Beginn des Songs On A Perfect Day aus dem Jahr 2006 wieder die in den älteren Songs noch regelmäßig auftauchende, sehr retro klingende Hammondorgel zu hören. Auch insgesamt klingt dieser Song ein wenig rückwärtsgewandt.

Nachdem die ersten drei Songs auf CD2 für Spock’s Beard-Verhältnisse relativ kurz sind, gibt es mit Jaws Of Heaven wieder einen episch langen Song (der drittlängste auf beiden CDs) auf die Ohren. Und hier toben sich Spock’s Beard auch mal wieder richtig aus und suhlen sich im Progressive Rock. Gut so, denn langsam ist mir fast schon langweilig geworden ob der Eingängigkeit der ersten drei Songs. 😀

Mit dem folgenden Waiting For Me vom 2013er Album Brief Nocturnes And Dreamless Sleep kommt dann der nächste Wechsel am Mikrophon. Nick D’Virgilio verlässt die Band auf Grund seiner Verpflichtungen beim Cirque du Soleil, neuer Leadsänger wird Ted Leonard. Trotz eines leicht proggigen Instrumentalparts und vieler Tempowechsel definitiv wieder ein verhältnismäßig eingängiger Song. Und dann kommt der erste Song der Compilation, den ich schon kenne, denn Tides Of Time stammt vom zuletzt veröffentlichten Album The Obilivion Particle, zu dem ich auch das Review schreiben durfte. Was es da zu remastern gab, weiß ich nicht, ich höre nicht wirklich einen Unterschied.

Zum Schluss gibt es dann auf der zweiten CD mit Falling For Forever einen neuen, fast 20 (!!) Minuten langen, Track auf die Ohren. Geschrieben hat ihn Neal Morse, und hier sind dann wirklich ALLE Bandmitglieder in einem Song zu hören. Wie ich dem Promozettel der Plattenfirma entnehmen konnte, singt Neal Morse die Verse, Ted Leonard den Chorus und Nick D’Virgilio den mittleren Teil. Aber selbst, wenn hier nur ein Leadsänger vertreten wäre, dieser Song schafft es wirklich, die verschiedenen musikalischen Phasen von Spock’s Beard in 20 Minuten darzustellen. Selbst in den Gesangsparts toben sich die Männer noch einmal richtig aus; da gibt es die ruhigen, sachte vor sich hinplätschernden Strecken, dann die Parts, die mich ein wenig an die frühen Stücke von Genesis erinnern. Und auch die Instrumentalparts machen noch einmal den ganz großen Rundumschlag. Da gibt es wahnwitzige Tastenhexerei am Keyboard, spannende Duelle zwischen Schlagzeug und Gitarren, richtig gute Rhythmusarbeit am Bass… die Aufzählung könnte noch seitenlang weitergehen. Um es kurz zu machen: Also alles, wofür Spock’s Beard halt stehen.

Fazit: Wie schon geschrieben, bin ich sehr spät mit der Musik von Spock's Beard in Berührung gekommen, nämlich mit dem 2015er Album The Oblivion Particle. Und das hat nicht mehr viel mit den ganz frühen Werken zu tun. Da ich aber nie auf den Gedanken gekommen wäre, mir irgendein Album aus der sehr umfangreichen Diskographie herauszupicken, kriege ich so zumindest mal einen groben Überblick über die musikalische Entwicklung von Spock's Beard. Daher kann ich diese Veröffentlichung auf jeden Fall denjenigen ans Herz legen, denen es zumindest ähnlich geht. Richtige Fans werden das Package wohl sowieso ihrer umfangreichen Sammlung hinzufügen, und das ist auch absolut gerechtfertigt. Und ich werde mich jetzt doch mal so langsam durch die Diskographie der Band hören müssen. Trotz fehlender DVD auf jeden Fall volle Punktzahl!

Anspieltipps: schwierig, denn jeder Song hat sicher seine Berechtigung. Besonders angetan haben es mir die Songs June, Day For Night, Wind At My Back und Jaws Of Heaven
Heike L.
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