Symphony X und Savage Messiah am 08.05.2019 im Z7 in Pratteln

Prog - Flächenbombardement und Saitengehexe...

Event: European Tour 2019

Headliner: Symphony X

Vorband: Savage Messiah

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 08.05.2019

Kosten: 39,90 € VVK

Genre: Progressive Metal, Heavy Metal, Thrash Metal, Power Metal, Power Prog

Besucher: ca. 800

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/771506906519189/

Setlisten:

Savage Messiah:
01. Virtue Signal
02. Heretic In The Modern World
03. The Bitter Truth
04. The Lights Are Going Out
05. Under No Illusions
06. What Dreams May Come
07. Parachute
08. The Fateful Dark
09. Down And Out

Symphony X:
01. Iconoclast
02. Evolution (The Grand Design)
03. Serpent`s Kiss
04. Nevermore
05. Without You
06. Domination
07. Run With The Devil
08. Sea Of Lies
09. Set The World On Fire
10. The Odyssey


Rechtzeitig zum 25-jährigen Jubiläum kehren die US Progressive Metaler Symphony X nach gut drei Jahren Auszeit zurück ins Rampenlicht und wollen es in der Konzertfabrik Z7 so richtig krachen lassen. Als Support sind die Briten von Savage Messiah mit im Boot. Eigentlich hatte ich heute gar keine Lust und wäre am liebsten zu Hause geblieben, denn gestern Abend bei Marduk, Valkyrja, Attic und Survival Is Suicide wurde es verdammt spät und ich habe kaum noch ein Auge zu gekriegt, aber das Line-Up heute hat eben doch zwei verdammt gute Gründe, sich auf den Weg über die Grenze zu machen und meinem zweiten Zuhause einen weiteren Besuch abzustatten. Vor dem Z7 ist noch nicht viel los, als ich um kurz vor 19:00 Uhr dort ankomme, doch das liegt wahrscheinlich am Sauwetter, denn schon seit dem frühen Nachmittag schüttet es wie aus Kübeln. Ein paar Hundert Meter vom Auto zum Eingang reichen aus, um völlig durchnässt zu sein, aber Mairegen macht ja bekanntlich schön.

Pünktlich um 20:00 Uhr entern Savage Messiah die Bühne und steigen massiv mit dem nagelneuen Virtue Signal in ihr Set ein. Ein knackiges Riff, fette Beats und ein kurzer Schrei, so eröffnen die Briten um Frontmann Dave Silver ihr neues Album Demons (Release 17.05.2019) und eröffnen so auch ihren Gig. Während man im britischen Parlament noch immer um den Brexit rumeiert, wird hier einfach nur fett abgeliefert. Die Nummer reiht sich perfekt in die älteren melodischen Heavy Thrash Songs ein und geht durchaus als eine Mischung aus Brainstorm und Testament durch. Die Briten können vom ersten Augenblick an begeistern und punkten mit Spielfreude und viel Bewegung auf der Bühne. Auch Heretic In The Modern World und The Bitter Truth machen richtig Lust auf das neue Album. Immer wieder driftet man in lässige Thrash Gefilde ab, mal etwas heftiger, mal etwas gebremster, doch immer mit einem atmosphärischen Hammerriff in der Hinterhand. Man merkt den Jungs an, dass sie in den letzten Jahren unzählige Shows gespielt haben, denn sie präsentieren sich als professionelle Einheit. Wer nun aber gehofft hat, nach dem aktuellen Eingangs Triple einen alten Kracher der Marke Hellblazer oder The Accuser um die Ohren geblasen zu bekommen, der wird enttäuscht. Das Augenmerk liegt heute ganz offenbar auf den neuen Songs vom kommenden AlbumDemons, und so stammt auch das schleppende The Lights Are Going Out von diesem. Hier fühlt man sich fast ein wenig an gute alte Handful Of Rain Zeiten von Savatage erinnert. Hier gehen die Lichter jedoch noch lange nicht aus und wenn die Band sich weiterhin so präsentiert, braucht man sich in der Hinsicht wohl auch keine Sorgen zu machen. Fronter Silver ist stimmlich gut drauf und versteht es auch, das Publikum zu animieren. Aber auch die Saitenfraktion in Form von Gitarrist David Hruska überzeugt auf ganzer Linie und haut ein gutes Riff nach dem anderen heraus und soliert brillant. Der ständige Wechsel zwischen Hochgeschwindigkeitsthrash und vielen klassischen Heavy Metal Elementen geht gut ins Ohr. Dennoch fange ich aber an, mir Gedanken zu machen, denn auch der nächste Song, Under No Illusions, ist hochaktuell. Eine durchaus überragende Nummer, die für die Bühne gemacht ist, aber fünf neue Songs in Folge, ohne zwischendurch einen Klassiker zu spielen, ist dann doch ungewöhnlich. Und mit When Dreams May Come geht es genau so weiter, auch wenn es sich nun ausnahmsweise um eine Halbballade handelt. Der Song ist ein auf und ab, geht es gerade etwas gemäßigter zu, wird im nächsten Moment schon wieder das Gaspedal durchgetreten. Doch dann die Überraschung, denn mit Parachute kommt ein neuer Song vom Demons Album. An für sich ist das heute Abend keine besondere Überraschung, aber es ist ein Coversong, den ich zumindest schon einmal gehört habe. Tante Google gibt da schnell Auskunft, es handelt sich um den 2009er-Song Cheryl Cole, eine R&B Popnummer, die zuvor schon von Chris Stapleton in den Countrybereich transferiert wurde. Definitiv eine ungewöhnliche Wahl für eine Covernummer, aber Savage Messiah geben dem Synthpop Track einen ordentlichen Arschtritt, ohne ihn völlig zu verhunzen. Einem Großteil des Publikums ist der Song aber wohl durchaus bekannt, denn der Stimmungslevel steigt rapide an. Ansonsten sind viele aber mit den neuen Songs sichtlich überfordert, denn auch wenn hier und da gebangt wird, so ist kaum jemand in der Lage, die Texte mitzusingen. Dann aber endlich folgt mit The Fateful Dark ein älterer Titel von 2014er-Album, aber nur, um direkt danach mit Down And Out einen neuen Song aus dem Hut zu zaubern. Damit fehlen nun eigentlich nur noch drei Demons Songs, doch dafür bleibt keine Zeit mehr. Gut fünfundvierzig Minuten bieten die Engländer – ein Feuerwerk an großartigen Riffs, erstklassige Harmonien, einprägsamen Refrains und geilen Soli. Die Band gehört definitiv zur Speerspitze der jungen Thrashbands, aber ein Auftritt ohne die alten Klassiker?

Trotz des starken Savage Messiah Auftritts haben die meisten wohl doch auf die Prog Götter aus New Jersey gewartet, denn in der Umbaupause wird es noch um einiges voller vor der Bühne. Doch die lassen sich Zeit, für meinen Geschmack geht der Umbau etwas zu lange. Als Symphony X dann jedoch die Bühne betreten, steigen sie mit Iconoclast stark, allerdings vorhersehbar, in ihr Set ein. Leider gibt es nicht die volle elf Minuten plus Version des epischen Songs auf die Ohren, aber würden die Symphonic Progger alle Nummern in voller Länge spielen, würde das jeden Zeitrahmen sprengen. Das Publikum ist bestens aufgewärmt und steigt gleich voll mit ein und erweist sich nun auch wieder als textsicher. Frontmann Russell Allen ist sichtlich zufrieden und bekommt das breite Grinsen kaum aus dem Gesicht. Mit Evolution (The Grand Design) wird gleich ein weiterer Klassiker nachgelegt, der kaum noch von einer Setlist wegzudenken ist. Ein für Symphony X Verhältnisse recht harter Song, der aber mit einem Mitsingrefrain ausgestattet ist und in einem wahren Rifforkan mündet. Fast gelangweilt und unausgelastet läuft Russell Allen auf der Bühne herum und sonnt sich regelrecht im Applaus, so hat es den Anschein. Der Mann macht eigentlich nichts Außergewöhnliches, aber das, was er nicht tut, seine Ausstrahlung, sein Auftreten, wirkt bei ihm irgendwie immer überheblich. Das mag mein ganz persönlicher Eindruck sein, aber den habe ich heute nicht zum ersten Mal. Stimmlich gibt es dagegen rein gar nichts auszusetzen, er kitzelt alle Nuancen aus seiner Stimme heraus, singt mal hoch wie ein Goldkehlchen, dann wieder, als hätte er ein Reibeisen verschluckt. Der Mann ist neben Bruce Dickinson definitiv einer der talentiertesten Shouter überhaupt, da seien ihm dann auch kleine Überheblichkeiten verziehen. Serpent’s Kiss lässt zunächst etwas Luft raus und entwickelt sich langsam, aber umso eindringlicher und baut zum Ende hin durch all die bombastischen Elemente fast schon eine Soundtrackatmosphäre auf. Auch hier glänzt Russell wieder stimmlich, doch weit auffälliger ist noch Guitar Hero Michael Romeo, denn die Fingerfertigkeit des Mannes ist einfach unglaublich. Bei den Soli bleibt kein Auge mehr trocken und jedes Mal erntet er laute Pfiffe und Jubel. So kann er sich natürlich auch in dem extrem fickrigen Nevermore ordentlich austoben und selbst beim gitarrespielenden Publikum für Begeisterung sorgen. Aberwitzige Gitarrenläufe treffen auf eine der besten Rhythmusfraktionen der Gegenwart. Mit Without You wird noch etwas mehr auf die Bremse getreten und man driftet fast schon in kommerzielle Gefilde ab, aber nur, um danach mit Domination wieder in die Vollen zu gehen. Der Song ist ein Paradebeispiel, wie gut fette, nach vorn gestellte Gitarren zu Power Metal passen. Während Savage Messiah durchweg ihr neues Album promotet haben, setzen Symphony X heute auf altbewährte Kost und liefern einen guten Gesamtüberblick über ihr Schaffen ab. Einzig, etwas besseres Licht wäre nicht schlecht, denn da wurde der Opener besser bedient. Run With The Devil ist ein gutes Beispiel dafür, dass die US Progger es wie kaum eine andere Band verstehen, progressive Elemente derart geschickt mit Power- und Heavy Metal Melodien und mit durchschlagskräftigen Riffs zu verknüpfen. Basser Michael LePond gibt dem Song nicht nur das nötige Volumen, sondern fällt sogar noch durch diverse Frickel Eskapaden auf und sorgt für Erstaunen. Aber auch Drummer Jason Rullo kann sich mit seinen Bandkollegen auf eine Stufe stellen, denn virtuos und variabel knüppelt er sich durch das Set und sorgt so, neben Michael LePond für den nötigen Drive. Auch wenn die Band immer mal wieder umstritten war, der Erfolg gibt ihnen Recht und das feiernde Publikum im Z7 ebenfalls. Mit dem weniger schnellen und harten Sea Of Lies folgt dann eine kleine Überraschung, denn es geht erstmals heute zurück in die 90er-Jahre. Doch dann wird zum Rundumschlag ausgeholt, denn mit Set The World On Fire gibt es ein reines Prog/Thrash Flächenbombardement auf die Ohren, eine abartige Tour durch Hammerriffs und flinkes Saitengehexe. Jetzt wird den Fans alles abgefordert, Zeit zum Erholen ist morgen wieder. Für mich ist danach definitiv Schluss und ich mache mich auf den Heimweg und freue mich auf mein Bett! Wie ich aber erfahren habe, folgte eh nur noch The Odyssey zum großen Finale.

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