Event: Tattoo & Metal Music Fest 2024
Bands: Rotting Christ, Born Of Osiris, Humanity’s Last Breath, Maceration, Distant, Endseeker, Unverkalt, Rise Of Kronos, Detraktor, Creeping Flesh, Through The Void und Bæst
Ort: Messe Halle Hamburg-Schnelsen, Modering 1a, 22457 Hamburg
Datum: 30.08.2024 bis 01.09.2024
Kosten: 23 € Tagesticket Messe, 55 € Tagesticket Messe und Konzert, 149 € Weekend-Pass
Zuschauer: ca. 150
Genre: Death Metal, Thrash Metal, Post Metal, Melodic Black Metal, Gothic Metal, Modern Metal, Metalcore, Deathcore, Djent, Progressive Death Metal
Veranstalter: Vikink Tattoo
Links: Tattoo Titans (tattootitanshamburg.com)

Es gibt eine neue Location in Hamburg zu entdecken. Für die meisten Menschen aus Hamburg und Umgebung ist der Besuch der Messehalle im Stadtteil Schnelsen eine Premiere. Problem eins: es gibt keine U-Bahn oder S-Bahn nach Schnelsen. Das ist für die Menschen in der Hansestadt immer ein Grund, mit der Nase zu rümpfen. Die Locations auf dem Kiez, Dammtor, Billstedt und natürlich die Markthalle direkt am Hauptbahnhof liegen verkehrsgünstig und sind fix mit dem ÖPNV zu erreichen.
Problem zwei: niemand weiß Genaues. Es spielen am Freitag vier Bands. Ab 17 Uhr soll es losgehen. Wer, wann, wie und wie lange spielt, ist ein Fragezeichen. Dazu ist die Preispolitik für die Musikfans nachteilhaft. Wer die Konzerte mitnehmen möchte, der muss sich auch den Zugang für die Tattoomesse kaufen. Knapp 60 € für vier Bands ist ein stolzer Preis. Das führt dazu, dass bei der ersten Band, dem Lokalmatador Detraktor, die Besucherschaft sehr überschaubar ist. Viel mehr als 30 Menschen tummeln sich nicht vor der Bühne. Selbst beim Headliner Rotting Christ sind es kaum mehr als 150 Menschen, wobei es schwer zu sagen ist, wer vor der Bühne Aussteller bei der Tattoomesse ist und wer nur zur Musik kommt.
Noch ein paar Worte zu der Tattoomesse. Menschen können sich frisch bemalen lassen. Wer das tut, der achtet auf seine neuen Farben. Ob es dann passend ist, bei einem Metalkonzert herumzuspringen, scheint mehr als zweifelhaft. Frisch tätowierte Damen und Herren finden sich so gut wie gar nicht vor der Bühne ein.

Die Metalszene in Hamburg hat einen Vorteil. Bands wie auch Fans fahren ÖPNV. Der Zufall will es, dass Teile von DeTraktor den gleichen Weg per ÖPNV zur Location zurücklegen und so die ersten Infos eingesammelt werden. 17:15 Uhr soll es losgehen. Die Herren haben einen klaren Ablaufplan bzgl. Soundcheck etc. erhalten. Somit gibt es einen ersten Ansatz, wann heute die Musik spielt. Tatsächlich starten DeTraktor aber erst um 17:45 Uhr. Der Zuschauerandrang ist aber kaum größer als um 17:15 Uhr.
Noch ein paar Worte zur sonstigen Preisgestaltung. Bier (Astra) fünf Euro, Pommes fünf Euro, für einen Döner liegt der Preis bei zehn Euro. Blöd nur, wenn kaum mehr als fünf Gehminuten entfernt ein Supermarkt das kalte Jever für 99 Cent anbietet. Auch einige Imbissvarianten sind nach kurzem Fußweg erreichbar, wo sich die Meute in den Pausen entsprechend versorgt.
Der geringe Zuschauerandrang hält DeTraktor nicht davon ab, ein ordentliches Brett aufs Parkett zu legen. Die Bühne, der Sound, Licht – alles top. Nur die Fans fehlen. Nur circa 30 Menschen vor der Bühne, wo circa 1500 Menschen Platz finden würden, ist ein seltsames Gefühl. Es gibt Traktor Metal, wie die Herren ihren Style selbst beschreiben. Die Basis ist Thrash, der von den Saiten mit einem ordentlichen Groove versehen wird. Sänger Boris Pavlov ist in der Hansestadt auch von dem Projekt Sacrifire bekannt, bei dem er mit dem Warpath-Fronter Dirk Weiß musiziert. Circa 45 Minuten gibt es Musik von den beiden Platten Grinder und Full Body Stomp, dann ist Zeit für den ersten Umbau. Pavlov verweist zum Ende des Gigs, dass DeTraktor die Band ist, die kein Merch dabeihat. Schade eigentlich.

Aus Dänemark kommen Maceration und dürften nur Insidern bekannt sein. Die ersten Gehversuche der Herren stammen aus den 90ern. Es geht um Old-School-Death-Metal im Sinne von schwedischen Bands wie Grave oder Bloodbath, ohne dass die Dänen die musikalische Klasse aufweisen können. Während der Pandemie haben die Herren anscheinend das Musizieren wiederentdeckt und 2022 mit It Never Ends… eine neue Scheibe veröffentlicht. Das Dargebotene ist für eine Undergroundband durchweg in Ordnung, nur will die Musik nicht so richtig mitreißen.
Ähnliches gilt für die in Deutschland und Griechenland beheimatete Band Unverkalt. Handwerklich ist das Quintett im Post Metal unterwegs. Das Genre ist per se nicht unbedingt zum Mitsingen geeignet. Die Vocals von Sängerin Dimitra Kalavrezou erinnern etwas an Stefanie Mannaerts von Brutus, ohne dass Kalavrezou die Energie der singenden Drummerin ausstrahlt. Es sammeln sich immer mehr Fans vor der Tür, denn der Headliner des Abends hat mehr als deutlich die Nase vorne.

Voll ist die Halle jetzt auch nicht, aber vor der Bühne stehen circa 150 Menschen und headbangen zu den Takten von Rotting Christ. Offiziell sind nur die beiden Tolis-Brüder an den Drums und Vocals und Gitarre Bandmitglieder. Dazu gesellen sich Kostas Spades am Bass und Kostis Foukarakis für die zweite Gitarre und Backgroundgesang. Die aktuelle Scheibe Pro Xristou ist von den schwarzmetallischen Anfangstagen der Tolis-Brüder weit entfernt und im Gothic Metal beheimatet. Heute steht das Album von 2013 mit dem Namen Kata Ton Daimona Eaytoy im Vordergrund. Gleich fünf Nummern, darunter die bekannten Grandis Spiritus Diavolos und 666 gleich zum Auftakt, lässt das Quartett auf die Hörerschaft einprasseln. Es wird gebangt und selbst ein Circlepit entsteht im Laufe des circa 70-minütigen Auftritts. Vom aktuellen Werk gibt es nur Like Father, Like Son, der Live durchaus seine Wirkung erzielt. Insgesamt ein starker Gig der Herren, leider vor viel zu wenig Menschen. Rotting Christ im Kulturpalst Billstedt wäre mit 400 oder 500 Menschen über die Bühne gegangen. Gegen kurz vor 23 Uhr endet die Livemusik und die Halle leert sich entsprechend schnell.
Die Hoffnung des Veranstalters liegt auf dem Samstag. Zwei lokale Größen mit Endseeker und Rise Of Kronos – da sollte doch deutlich mehr los sein. Wie am Vortag, so auch heute: wann es eigentlich losgeht, ist bis kurz vor Konzertbeginn unklar. 17 Uhr steht auf dem Flyer, 17:15 Uhr ist der ursprüngliche Plan, der recht schnell auf 17:45 Uhr gelegt wird. Tatsächlich starten Rise Of Kronos erst um 18:15 Uhr. Grob geschätzt stehen knapp 100 Menschen vor der Bühne, die dem Death Metal der Lokalmatadoren lauschen. Es gibt neues Liedgut, unter anderem mit der Single Separate The Sheep From Goats, die einen Vorgeschmack auf das neue Album Imperium liefert. Ein Tipp: Rise Of Kronos veranstalten im Juki 42, Ahrensburg, ihr eigenes Festival mit Namen Unleash The Kraken (Link). Bei dieser Gelegenheit wird das neue Werk (Veröffentlichung am 10. Oktober) ausführlich zu hören sein. In den knapp 45 Minuten werden die Must-Play-Nummern wie der Namensgeber Rise Of Kronos oder Olympus Has Fallen selbstverständlich aufs Parkett gelegt, nur leider fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Schade für die Band, die an einem anderen Standort und unter anderen Bedingungen ganz andere Zuschauerzahlen in Hamburg und Umgebung anzieht.

Noch krasser wird es mit Endseeker. Die Truppe ist das Death-Metal-Aushängeschild der Hansestadt und kommt mit einem starken schwedischen Akzent daher. Oft wird das Quintett mit Entombed oder Dismember verglichen. Die beiden Gitarristen Jury und Ben sind bereits am Vortag hier. Ben tätowiert selbst und hat ein entsprechendes Interesse an dem primären fachlichen Topic. Jury lässt sich einen Tag nach dem Gig noch neu bemalen. Der Gig selbst dürfte in die Endseeker-Geschichte eingehen, als der Auftritt 2024 vor der geringsten Kulisse. Die Crowd ist mehr oder weniger identisch zu Rise Of Kronos. Am Set und der Performance gibt es nichts zu meckern. Endseeker hämmern 45 Minuten sauber ihre Nummern in die Gehörgänge der Fans, darunter aus der Anfangszeit Into The Fire und Possessed By The Flame. Das aktuelle Werk Global Worming steht im Mittelpunkt und steuert vier Tracks zum Set bei. Geiler Gig, wie immer von Endseeker, der mehr Zuschauer verdient hätte. Die Herren verabschieden sich in eine Konzertpause für die nächsten Monate und werden vor Sommer 2025 nicht auf einer Bühne zu sehen sein.
Die dritte Band des Abends kommt aus Dänemark. Bæst spielten vor 14 Tagen auf dem Jailbreak in Horsens vor circa 2.000 Menschen. Im Herbst 2023 waren die Herren als Opener für Krisiun im Headcrash auf dem Kiez. In Dänemark ist die Truppe durch eine TV-Show mächtig angesagt. In Deutschland arbeiten die Herren um Sänger Simon Olsen an der Erweiterung der Fanbase. Das Publikum vor der Bühne ist nahezu unverändert. Das dritte Mal Death Metal, das passt gut zusammen und hätte in einer anderen Konstellation locker 300 Fans gezogen. So ergeht es der Band aus Aarhus wie den Hamburger Death-Metallern: in einer riesengroßen Halle und nur ein paar Fans vor der Bühne. Musikalisch gibt es nichts zu meckern und die Truppe räumt mächtig ab. Sound, Licht und Bandperformance – alles wunderbar – nur keine Konzertatmosphäre. Mit King Of The Sun präsentieren die Herren etwas vom kommenden Release. Ansonsten geht es vor allem um Necro Sapiens, wovon drei der insgesamt neun Tracks stammen. Danke an Bæst für die professionelle und sympathische Vorstellung. Alle Musiker sind am Merch oder in der Venue unterwegs.

Wie bekomme ich eine geringe Zuschauerzahl noch kleiner. Klar, ich lege einen ordentlichen Stilbruch hin. Um mit großen Bandnamen zu hantieren: nach Soilwork, Arch Enemy und In Flames, stelle ich Meshuggah auf die Bühne. Humanity’s Last Breath sind keine unbekannte Band. Nur passt Djent und progressive Töne nicht zu den drei Bands davor. Die Anzahl der Menschen reduziert sich nochmals. Kaum mehr als 40 Damen und Herren verfolgen das Quartett aus Schweden. Musikalisch gibt es wenig zu beanstanden – außer, dass das Licht eine Stufe niedriger sein könnte. Das wäre dann ohne Licht und hätte den Herren am Mischpult Arbeit erspart. Zugesehen hat sowieso fast niemand.
Das Event endet gegen 23 Uhr. Das Fazit von Metal in Schnelsen ist simpel: nicht geglückt. Ein Knackpunkt dürfte die Preisgestaltung sein, ein anderer die Venue an sich und die entsprechende Erreichbarkeit. Schade für die Bands, vor allem die weit gereisten Musiker:in aus Dänemark, Griechenland und Schweden.























































