The Dogs – Post Mortem Portraits Of Loneliness

Punkrock aus Norwegen mit einer Prise Corona-Improvisation

Artist: The Dogs

Herkunft: Oslo, Norwegen

Album: Post Mortem Portraits Of Loneliness

Spiellänge: 33:15 Minuten

Genre: Punk Rock

Release: 04.01.2021 (Norwegen), 02.04.2021 (International)

Label: Drabant Music / Membran

Links: https://www.thedogs.no/

Bandmitglieder:

Gesang – Kristopher Schau
Gitarre, Gesang – Mads Martinsen
Bass, Gesang – Roar Nilsen
Orgel, Gesang – Stefan Höglin
Schlagzeug, Gesang – Henri Gustavsen
Percussion, Mundharmonika, Gesang – Kenneth Simonsen

Tracklist:

  1. Who’s Not Doing Great
  2. Do You Wanna
  3. The Storm
  4. Someone?
  5. Forced Hands
  6. Meat Vulgarity
  7. Everything Will Be Worse In The Morning
  8. I Should Be Better
  9. Unfound In Darkness
  10. Hope This Is A Coma

Beim virtuellen Streifzug durch unser Release-Regal in der Redaktion blieb ich intuitiv an dieser Scheibe hängen. War es der Name? Eine meiner liebsten schleswig-holsteinischen Regionalbands heißt ebenso The Dogs. Die spielen allerdings The Who und Pete Townshend im Irish-Folk-Style. Neue Musik aus Norwegen? Ist ja gerade bei uns im Norden angesagt… Es war wohl eher die Kategorisierung in „Garagen Rock“, die mich neugierig gemacht hat. Da landet in letzter Zeit viel, wo unser Kollege nicht so recht weiß, was er damit machen soll. Und somit landet es bei mir. 😉

Bandfoto-Credit Glenn Meling

Es ist bereits ihr neuntes Album. Ihre Alben erscheinen jährlich. In ihrem Heimatland Norwegen immer am Anfang des Januars. Doch was ist das für eine Band? Auf dem Cover stehen die sechs ganz in Schwarz mit einem Beffchen im Hemdausschnitt, wie von einem Pfarrer geklaut, herum. Bekannt sind sie hauptsächlich durch ihren Sänger Kristopher Schau geworden. Dieser fällt immer wieder durch radikale Aktivitäten oder krasse Shows als Moderator auf. Zusätzlich steht die Band im Rekordbuch. Noch niemand hatte einen 50 Kilogramm schweren, auf 100 Stück limitierten und für 500 Euro zu erwerbenden Gullydeckel mit Bandlogo im Merch-Katalog…
Mit dem letztjährigen Album Crossmaker im Gepäck sollte es 2020 diverse Shows und Festivals in Skandinavien und Deutschland geben. Dies fiel bekanntermaßen auch für die Norweger aus. Für die neue Platte wurden 18 Songs geschrieben, Studios in Schweden gebucht und mit Chips Kiesbye ein namhafter Produzent gefunden. Demos wurden über die Grenze nach Schweden zu dem Produzenten geschickt, der auch schon den Hellacopters, The Nomads oder Millencolin den perfekten Klang verpasst hat. Doch der Produzent steckte sich mit Covid-19 an, die Grenzen wurden geschlossen und die Hunde mussten ihre neue Platte in ihrem Proberaum in Oslo aufnehmen. Die zehn Tracks bestehen aus sechs Songs, die ihr Produzent aussortiert hat sowie vier frisch für die Platte geschriebene Songs. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Es sind waschechte, raue Punksongs. Sie setzen sich unter anderem mit dem Frust der Einsamkeit in der Pandemie auseinander. Zuerst dachte ich, auch eine krasse Aktion ihres Sängers wurde vertont. Hier setzte er sich eine Woche in ein Schaufenster und stopfte ungesundes Essen und Alkohol in sich hinein, sodass er zehn Kilo zunahm. Meat Vulgarity interpretierte ich als einen Protestsong über den übermäßigen und irrsinnigen Fleischgenuss. Es ist aber auf die ganzen hirnlosen Körper gezielt, die momentan die Runde machen.
Dass Kristopher Schau aber nicht nur seine Stimmbänder durch Schleifpapier ersetzen kann, beweist er bei Someone?, eine waschechte Ballade, bei der man nach dem Refrain jeweils zur Mundharmonika schunkeln kann. Schnörkelloser Rock bei Forced Hands oder Orgel-Punk wie bei I Should Be Better machen die B-Produktion fast vergessen. Eingängige Melodien mit straighten Tempowechseln und kurzen Gitarrensoli machen das Album nicht zu einem innovativen Klangwunder. Es reiht sich aber definitiv nicht in die Reihe „Schön, die mal gehört zu haben“ ein. Unterhaltsame 33 Minuten, nach denen ich denke, man sollte die Chance auf einen Liveauftritt wahrnehmen. Sollte die Tour tatsächlich im Herbst nachgeholt werden…
Mit fast 500.000 Kronen Fördergeld im Rücken, das entspricht etwa 50.000 Euro, sollte einer außergewöhnlichen Studioarbeit dann für die Platte 2022 nichts mehr im Wege stehen.

Das Album erscheint nicht nur im Stream und Download. Physikalisch ist es als Digipack-CD und in Vinyl erschienen. Hier gibt es, anders herum als bei anderen Bands, eine Limited Edition in Schwarz und die reguläre Ausgabe kommt in einer roten Version daher.

The Dogs – Post Mortem Portraits Of Loneliness
Fazit
Wieder einmal eine Punk-/Rock-Überraschung aus Norwegen. Allen Pandemie-Widrigkeiten zum Trotz liefern die Wikinger ein solides Album ab. Wozu noch teure Studios? Bei rotzfrecher Mukke wie dieser scheint der Trend genau wie das Online-Bestellen nicht mehr umzukehren zu sein.

Anspieltipps: I Should Be Better und Forced Hands
Norbert C.
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