The Long Goodbye Tour – Deep Purple am 30.05.2017 in der Barclaycard Arena, Hamburg

“Die Hard Rock Dinos verabschieden sich in Hamburg!“

Eventname: The Long Goodbye Tour

Headliner: Deep Purple

Vorband: Monster Truck

Ort: Barclaycard Arena, Hamburg

Datum: 30.05.2017

Kosten:  60,50 € – 96,50 € VK, 63,00 € – 99,50 € AK ,123,50 € Golden Circle (Front Of Stage), Ticket+ 179,50 € Premium Tickets inkl. Meet and Greet

Genre: Hard Rock, Blues Rock

Besucher: ca. 6000 Besucher

Veranstalter: Global Konzerts (http://www.globalconcerts.de)

Link: http://www.deeppurple-infinite.com

Setliste:

  1. Old Train
  2. Don’t Tell Me How To Live
  3. The Enforcer
  4. She’s A Witch
  5. For The Sun
  6. Sweet Mountain River
  7. New Soul
  8. The Lion

  1. Time For Bedlam
  2. Fireball
  3. Bloodsucker
  4. Strange Kind Of Woman
  5. Johnny’s Band
  6. The Surprising
  7. Lazy
  8. Bird Of Prey
  9. Hell To Pay
  10. Keyboard Solo
  11. Perfect Strangers
  12. Space Truckin’
  13. Smoke on the Water

Encore:

  1. Hush
  2. Bass Solo
  3. Black Night

Nun ist sie also auch in Hamburg angekommen – die The Last Goodbye Tour von Deep Purple. Der Tross macht in der Barclaycard Arena halt und beschert den Zuschauern die voraussichtlich letzte große Tour der Rock Veteranen, die seit immerhin fast 50 Jahren für unvergessliche Songs stehen. Für mich ist es das 16. Mal, dass ich die inzwischen leicht ergrauten Herren in unterschiedlichen Konstellationen sehen darf. Von der erfolgreichsten Besetzung sind noch Ian Gillan, Roger Glover und, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, Ian Paice dabei. Komplettiert werden sie durch Don Airey, der 2001 Jon Lord ersetzte, und Steve Morse, der seit 1995 die Position des Gitarristen besetzt. Diese beiden gehören seitdem zum festen Bandgefüge.

Aber von Anfang an. Aufgrund der Vorkommnisse in Manchester, ist auch dieses Event geprägt durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Bereits vor der Halle werden Rucksackträger oder auch Frauen mit großen Handtaschen aufgefordert, diese in einem bereitgestellten Container abzugeben. Sicherheitsschleusen, wie auf dem Flughafen, verzögern dann den Einlass, sodass die pünktlich beginnende Vorband Monster Truck nicht von allen Zuschauern gesehen werden kann. Diese legen aber trotz allem beherzt los und liefern einen souveränen Gig ab. Ich kannte diese Band bisher nicht, bin aber doch recht angetan von dem, was die vier Kanadier hier abliefern. Hard Rock mit Südstaaten Rock Einflüssen vermischt sich mit den Songstrukturen der Vorbilder Black Sabbath, Deep Purple oder auch Lynyrd Skynyrd. Songs wie Old Train, The Enforcer, oder For The Sun begeistern die gut gefüllte aber nicht ausverkaufte Halle. Da wir Fotografen nur die ersten 3 Songs begleiten dürfen und die Abgabe des Equipments und erneute Abholung zum Hauptact sehr zeitaufwendig ist, hören wir nur im abgesperrten Bereich die restlichen Lieder. Dafür sehen wir aber diverse Prominenz im VIP-Bereich, die auch hier das letzte Mal dem Auftritt entgegenfiebert.

Zu Deep Purple kommen dann weitere Pressevertreter, sodass sich im Graben nun gut dreißig Fotografen den Platz um das beste Bild streitig machen. Der Set beginnt mit einer Überraschung. Nicht Highway Star eröffnet den rund 100-minütigen Auftritt, sondern die Show beginnt mit einem Sprechgesang, der Time For Badlam von der neuen Scheibe Infinite einläutet. Nahtlos folgt Fireball, ein Klassiker der gleichnamigen Platte aus dem Jahre 1971. Hier wird bereits deutlich, dass die meisten der Zuschauer gerade dieser „alten“ Songs wegen den Weg hierher gefunden haben. Beim Blick durch das Publikum sind auch viele Jüngere dabei, die bei den alten Sachen abgehen. Nicht nur Mittvierziger, die die Reunion von Deep Purple im Jahre 1985 gefeiert haben, sondern auch viele U 20 sind zu sehen. Die Generation, die Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger die Band erleben durfte und die brachialen Songs als Aufbruch in ein neues, härteres Zeitalter erlebt habt, überwiegt aber deutlich. Deshalb ist die Erwartung natürlich hoch, dass ein Best Of der fast 50-jährigen Geschichte gespielt wird. Aber bereits in der ersten Hälfte des Auftrittes sind vier Tracks des jüngsten Werkes vertreten. Nach dem etwas blassen Bloodsucker folgt erst einmal Strange Kind Of Woman. Da wird das bereits schüttere Haar geschüttelt und die eine oder andere Luftgitarre rausgeholt. Hiernach richtet erstmalig der gut bei Stimme scheinende Ian Gillan das Wort an die Zuschauer und bedankt sich für den freundlichen Empfang, den Beifall und dafür, dass die Band hier nochmals auftreten darf. „It’s Good To Be Back Home in Hamburg“. Hierfür bekommt er weitere Sympathiepunkte.

Schon während der ersten vier Titel zeigt sich die Band in Spielfreude. Ian Paice hämmert auf seine Drums ein wie ein Jungspund, und der leichte Schlaganfall von vor einem Jahr ist ihm nicht mehr anzumerken. Die rasanten Bassläufe von Roger Glover treiben, gerade bei Fireball deutlich zu spüren, die Songs nach vorne. Don Airey grinst über alle Backen und Steve Morse lässt seine blonde Mähne im künstlichen Wind wehen. Ian Gillan erscheint seriöser, ohne aufgesetzt zu wirken, gut bei Laune und mit kräftiger Stimme.

Die Songs Johnny’s Band und The Surprising werden vom Publikum eher verhalten aufgenommen, da diese Songs noch nicht so präsent sind. Gerade The Surprising hätte es verdient, genauer angehört zu werden. Es beginnt verhalten, fast schon balladenhaft und steigert sich dann grandios. Auffällig auch hierbei der hohe Anteil Don Aireys an diesem Abend. Viele Keyboardsoloeinlagen prägen diesen Auftritt und setzen den auf der CD Infinite zu beobachtenden Trend fort. Überdeutlich wird dieses beim Intro zu Lazy. Hier war früher die Hammond-Orgel schon dominierend, aber das wird hier nochmals getoppt. Trotzdem immer wieder ein klasse Song, der die Virtuosität von Deep Purples Songwriting hervorhebt. Der hohe Instrumentalanteil könnte natürlich auch der Schonung von Ian Gillans Stimme dienen, denn der 72-Jährige verschwindet öfters von der Bühne. Die Mundharmonika-Einlage klappt jedoch noch super.

Nach Lazy, bei dem auch Steve Morse wieder gekonnt die Saiten zupft, und die Menge mitwippt, als wenn es kein Morgen mehr gibt, folgt Bird Of Pray. Der etwas sperrig wirkende Track verhallt eher unspektakulär im Rund. Auch Hell to Pay der vorletzten Scheibe Now What! überzeugt die Menge nicht. Es werden halt die Kracher der früheren Phasen erwartet.

Die Überpräsenz der Tastenfraktion wird sehr deutlich beim Keyboard-Solo, welches Perfect Strangers einläutet. Im Anbetracht dessen, dass wir in Hamburg sind, wird Auf der Reeperbahn nachts um halb eins sowie die Nationalhymne eingebaut. Natürlich ist Don Airey ein Virtuose auf den Tasten und weiß auch die von Jon Lord geliebte Hammond-Orgel kunstvoll einzusetzen. Es geht aber auch nicht ohne, denn dieses Instrument hat den Sound von Deep Purple maßgeblich beeinflusst. Aber eventuell ist es hier etwas zu viel des Guten. Das ändert nichts daran, dass Perfect Strangers ein geiler Song ist und entsprechend abgefeiert wird. Das anschließende Space Truckin wird durch ein Sternenmeer auf der im Hintergrund befindlichen Leinwand untermalt. Ansonsten sind hier meist alle Akteure in Großaufnahme zu sehen. In den frühen 70ern wurde Space Truckin immer für ausufernde Improvisationen genutzt. Wer da mal was richtig Gutes hören will, der ziehe sich Made In Japan von 1972 rein. Genial.

Heute ist es nicht so lang, aber trotz allem ein passendes Stück, und das wollen die Leute hören – zumindest meine Generation. Dann (ist etwa schon Schluss?) – es erklingt das wohl berühmteste von Ritchie Blackmore kreierte Riff – wird nochmals die Geschichte um die Entstehung des Longplayers Machine Head eingeläutet. Smoke On The Water beendet das reguläre Set. Hier darf dann noch mal Steve Morse glänzen, der zu einem würdigen Gitarristen der wohl größten Hard Rock Formation geworden ist. Auch das Publikum darf zum Einsatz kommen und singt lautstark den Refrain mit. Immer noch ein aktuelles Stück, und ab und an scheint es, dass alle nur darauf gewartet haben. Im Hintergrund werden alte Aufnahmen aus der Zeit gezeigt, unter anderem das brennende Kasino in Montreux in dem damals Frank Zappa auftrat.

Der laute Beifall lässt die Band schnell wieder auf der Bühne erscheinen. Der einzige Song der sogenannten Mark I Phase, der den Weg auf die Setlist geschafft hat, ertönt. Hush, seit Jahren bereits dabei und immer noch aktuell und modern intoniert. Hier wird etwas ausufernder improvisiert. Don Airey und Steve Morse liefern sich im Mittelteil ein Duell nach bester Lord/Blackmore Manier. Jetzt darf Roger Glover nochmals sein ganzes Können zeigen und legt mit einem fulminanten Bass-Solo los. Dabei zeigt er, dass dieses Instrument nicht nur als Rhythmusgrundlage dient, sondern auch sehr gut eigenständig genutzt werden kann. Dieses Solo dient als Intro für den nun letzten Track. Black Night beendet wie fast immer diesen Auftritt. Noch einmal wird alles gegeben und auch das Publikum darf noch mal singen.

Die ganze Truppe verabschiedet sich dann brav von den Zuschauern. Es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass Deep Purple hier aufgetreten sind und so schwingt eine gewisse Wehmut durch die Halle. Vielleicht gibt es noch mal eine Chance, die Jungs in einem kleineren Rahmen zu sehen, aber die großen Bühnen der Welt werden wohl nicht mehr besucht werden. Somit habe ich mir aber noch Berlin ausgesucht und werde noch mal hingehen. Trotzdem merkt man diesen Vollblutmusikern an, dass sie Spaß an der Sache haben und nicht nur ein Programm runterspulen. Somit dürfte über kurz oder lang eine Ära zu Ende gehen. Die Erinnerung an diese großartige Band mit unvergesslichen Platten und Auftritten bleibt aber erhalten.

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