Eigenständigkeit als Markenzeichen
Mit The Red Tape Sessions legen die Stockholmer The Vice eine EP vor, die einmal mehr beweist, wie unbeirrbar die Band ihren eigenen Weg verfolgt. Digital veröffentlicht über das Label Noble Demon. Nach drei Studioalben und zahlreichen EPs präsentiert sich die Band als selbstbewusste, energiegeladene Truppe, bereit, das nächste Kapitel aufzuschlagen. Drei Songs reichen ihnen aus, um ein Klangbild zu entwerfen, das sich konsequent jeder eindeutigen Kategorisierung entzieht und zugleich erkennen lässt, aus welcher kreativen Quelle es stammt. The Vice bewegen sich erneut irgendwo zwischen dunklem Metal, flirrenden Psychedelic-Anleihen, Rock’n’Roll-Schmutz und jener eigentümlichen, nordischen Schwere, die ihre Musik seit jeher prägt. Vor fünf Jahren durfte ich schon einmal ein Review zu ihrem Album White Teeth Rebellion machen. Damals noch ein Trio, scheint die Band nun auf ein Quartett angewachsen zu sein. The Vice bestehen lt. Infosheet zur EP aus Rickard (Gesang, Gitarre), Charlie (Bass), Petter (Schlagzeug) und Joel Öhman (Gitarre).
Cardinal Tropes – Wenn Härte auf Eingängigkeit trifft
Direkt der Opener Cardinal Tropes zeigt, wie viel Gegensätzlichkeit die Band in einem einzigen Stück unterbringen kann. Die harschen Vocals schlagen immer wieder Schneisen in eine ansonsten erstaunlich eingängige Songstruktur, während die Gitarren zwischen dreckigem Rock-Drive und beinahe hypnotischen Mustern pendeln. Es ist dieses Spannungsfeld aus Punk-Attitüde, Blackened-Metal-Kälte und melodischem Gespür, das dem Track seine kantige, aber reizvolle Unberechenbarkeit verleiht.
Lilies Of The Field – Schwebende Melancholie und dunkle Andeutungen
Lilies Of The Field setzt an einer ruhigeren Stelle an, bleibt aber ebenso facettenreich. Der Song entfaltet sich eher fließend, wirkt stellenweise sanft und introspektiv, nur um kurz darauf wieder düstere Schatten an die Wand zu werfen. The Vice schaffen hier ein merkwürdig schwebendes Gefühl – zwischen melancholischer Schönheit und einer unterschwelligen Bedrohung, die nie ganz greifbar wird.
Waltz De Anima – Theatralisches Finale mit Nachdruck
Mit Waltz De Anima endet die Veröffentlichung auf eindrucksvolle Weise. Die zurückhaltenden Pianoklänge zu Beginn suggerieren eine gewisse Leichtigkeit, doch dahinter lauert bereits ein majestätischer Spannungsbogen, der sich stetig aufbaut. Der Song trägt ein fast theatralisches Flair, als würde man in eine bizarre Aufführung geraten, in der Eleganz und Finsternis miteinander kollidieren. Nach und nach entwickelt sich daraus ein kraftvoller, angeschwärzter Gothic-Rocker, der die Dramaturgie des Tracks vollendet.
Hier! geht es für weitere Informationen zu The Vice – The Red Tape Sessions in unserem Time For Metal Release-Kalender.



