Thoughts Factory – Elements

Fast schon ein zweites Debütalbum

Artist: Thoughts Factory

Herkunft: Frankfurt am Main, Deutschland

Album: Elements

Spiellänge: 53:55 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 24.01.2020

Label: Melodic Revolution Records

Link: https://www.facebook.com/thoughtsfactory/

Produktion: von Sven Schornstein, Mix und Mastering von Kai Stahlenberg im Kohlekeller Studio B

Bandmitglieder:

Gesang und zusätzliche Gitarren – Cornelius Wurth
Gitarre – Markus Wittmann
Bassgitarre – Bernd Schönegge
Keyboard – Sven Schornstein
Schlagzeug – Chris Maldener

Tracklist:

  1. Mind Odyssey
  2. The Burden
  3. Frozen Planet
  4. Fire Away
  5. Nightfall
  6. The Shores Of Sand And Time
  7. Dawn Pt. 1
  8. Dawn Pt. 2
  9. Our Kingdom
  10. Elements

 

Ist es tatsächlich schon fast auf den Tag genau sechs Jahre her, dass ich mein Review zum Debütalbum Lost von Thoughts Factory geschrieben habe? Damals konnten sie fast die Höchstnote einheimsen und sich von mir als Referenzen Appearance Of Nothing, Circus Maximus und auch Seventh Wonder ins Heft schreiben lassen. In diesen sechs Jahren ist natürlich einiges passiert, und auch im Bandgefüge von Thoughts Factory hat es eine Änderung gegeben. Cornelius Wurth hat das Mikro von Markus Becker übernommen, seine Stimme ist bei neun der zehn Songs von Elements zu hören – Frozen Planet ist ein Instrumental. Die Position des Sängers ist wohl die, bei der man einen Wechsel am ehesten registriert, aber, so viel kann ich schon mal sagen, so charakteristisch die Stimme von Markus damals war, so ist auch die von Cornelius. Nur die Referenzen, die mir beim Hören der Songs durch den Kopf schießen, sind andere.

Für mich, wie meistens, vernachlässigbar, soll es doch aber zumindest erwähnt werden: So wie damals schon Lost ist auch Elements ein Konzeptalbum. Protagonist ist dieses Mal ein junger Mann, der, wie ja im Grunde jeder Mensch, immer wieder zwischen den Gegensätzen von Leben und Tod, Liebe und Hass oder Hoffnung und Schwermut trudelt. Elements will uns alle dazu bewegen, in allen Belangen des Lebens nachhaltiger zu denken und zu agieren, was man ja in Anbetracht der Ereignisse auf unserem Planeten nicht oft genug betonen kann.

Dass man ein dermaßen wichtiges und mittlerweile omnipräsentes Thema in so wunderbare Songs verpacken kann, verdanken wir wohl insbesondere Sven Schornstein, der beim Schreiben der Musik in jede einzelne Note seine ganze Musikalität hat einfließen lassen. Und die Jungs von Thoughts Factory wissen auch genau, wie sie das musikalisch umsetzen müssen. Dabei greift Cornelius neben dem Mikrofon ab und zu auch noch zur Gitarre, was den ohnehin teilweise schon cineastisch anmutenden Klangwelten noch mehr Raum gibt.

Zunächst geht es aber mal ganz zurückgenommen nur mit Piano und dem Gesang von Cornelius los. Mind Odyssey fängt sehr verhalten an, aber schon nach einer halben Minute darf man gewiss sein, dass das nicht so bleibt. Es klingt fast, als ob sich die Jungs erst einmal warm spielen, bevor nach einer weiteren Minute der Fokus scharfgestellt ist und den Blick auf unendliche (musikalische) Weiten freigibt – da passt das Cover von Elements schon sehr gut. Trotz der Progressivität, mit der Thoughts Factory hier schon aufwarten können, bieten sie einen federleichten Einstieg und führen so in die Welt der vielen Elemente ein. Gepflegtes Kopfnicken ist hier schon mal angesagt, bei The Burden darf dann in den Strophen und im Pre-Chorus auch gern mal ordentlich geheadbangt werden.

Könnte man beim wunderbaren Gesang von Cornelius fast verpassen, die musikalischen Leistungen der Instrumentalfraktion zu würdigen, kriegt man bei Frozen Planet die Gelegenheit. Wie bereits erwähnt, ist das ein Instrumental, das deswegen aber nicht weniger Raum bekommt, als die übrigen Songs. Die Spielzeit liegt nämlich auch hier bei knapp fünfeinhalb Minuten, in denen man sich den verschiedenen Instrumenten widmen und die verschachtelten Strukturen bewundern darf. Mir schießen so einige Namen von Progressive Rock- und Progressive Metal-Bands durch den Kopf, aber Thoughts Factory entziehen sich immer wieder meinem Versuch, hier Vergleiche anzustellen. Was mich aber auch hier begeistern kann, ist, aus welchen versteckten Winkeln und Ecken noch irgendein Klangfragment den Weg aus den Boxen findet.

Bei der wunderbaren Ballade Nightfall habe ich dann allerdings tatsächlich eine Band gefunden, die man ansatzweise als Referenz heranziehen könnte, und das ist Subsignal. Und auch beim folgenden The Shores Of Sand And Time, die zweite Ballade des Albums, leuchtet in meinem leider immer um Vergleiche bemühten Hirn ein Lämpchen. Auf dem steht der Name Threshold, die mit ihrem letzten Album Legends Of The Shires so wunderbar kleine Geschichten erzählt haben.

Genug der Balladen, mit Dawn Pt. 1 kommt der längste Song des Albums, die Elemente beginnen wieder zu tanzen. Das grandiose Gitarrensolo wird eingerahmt von fast schon im Jazz zu verortenden Klängen. Warum der folgende Uptempo-Song dann tatsächlich Dawn Pt. 2 ist, erschließt sich mir nur beim Blick auf die netterweise mitgelieferten Lyrics. Musikalisch sind das fast schon zwei Welten, und Pt. 2 kommt mit weniger als der halben Spielzeit von Pt. 1 sehr eingängig und ohne Umschweife auf den Punkt. Man könnte es tatsächlich als heimlichen Titeltrack und somit als genialen Kunstgriff bezeichnen.

Bei Our Kingdom kann ich eigentlich nur eins denken: Schade, dass Seventh Wonder schon lange nicht mehr so grandiose Songs geschrieben haben. Wer deren Alben Become, Waiting In The Wings oder Mercy Falls gern gehört hat, der wird spätestens hier eine wahnsinnige Gänsehaut bekommen. Selbst der Gesang von Cornelius kommt dem von Tommy Karevik schon sehr nahe.

Genug Namedropping, erstaunlicherweise – für mich zumindest – ist der Titeltrack, mit dem das Album Elements abschließt, zum einen verhältnismäßig kurz und zum anderen nur mit Piano und Gesang zunächst mal sehr reduziert, bevor in der letzten Minute dann doch noch die Band einsteigt. Damit schließt sich dann allerdings auch der Kreis zum Beginn des Albums.

Nicht unbedingt repräsentativ für das Album – wobei das für ein Thoughts Factory-Album sowieso ein Ding der Unmöglichkeit wäre, aber doch einer meiner Anspieltipps, ist The Burden:

Thoughts Factory – Elements
Fazit
In meinem Review habe ich ja einige Bandnamen erwähnt, um den Progressive Metal-Fans, die Thoughts Factory noch nicht kennen, zumindest einen ungefähren Anhaltspunkt zu geben, was sie auf Elements erwartet. Ich könnte aber auch sagen "vergesst das alles", denn Thoughts Factory sind kaum zu vergleichen. Im großen Progressive-Universum haben sie ihre kleine Nische gefunden und spielen auf ihrer ganz eigenen Klaviatur. Dabei werden sie nie vertrackt oder verkopft, und so könnte ich dieses Album auch Fans von Melodic Metal oder Power Metal im Stile der frühen Stratovarius oder Sonata Arctica empfehlen. Das mag sich jetzt zwar seltsam lesen, aber die musikalischen Unterschiede sind nicht so wahnsinnig groß, wie es zunächst den Anschein haben mag. Mitsingen werde ich die Songs von Thoughts Factory allerdings nicht so schnell können, die Texte sind dann doch wesentlich anspruchsvoller. Aber das zeigt umso mehr die Klasse von Sven und Cornelius, die beide für die Lyrics verantwortlich zeichnen.

Anspieltipps: Mind Odyssey, The Burden und Nightfall
Heike L.
9.5
Leser Bewertung2 Bewertungen
9.5
9.5
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