Triggerfinger am 23.11.2017 im Gebäude 9, Köln

Künstler: Triggerfinger

Vorband(s): The Weyers

Ort: Gebäude 9, Deutz-Muelheimer-Straße 127, 50679 Köln

Datum: 23.11.2017

Kosten: 22 € VVK (plus Gebühren), 30 € AK

Genre: Rock, Blues Rock, Avantgarde

Veranstalter: E. L. Hartz Promotion GmbH http://www.noisenow.de/cms/

Link: http://www.gebaeude9.de/triggerfinger.html

Setlisten:


1. Big Mouth
2. Julia
3. Time Waits
4. O.O.O. Heads
5. Bout Love
6. Think Of You
7. Wires
8. Beep Beep Beep


1. Wollensack
2. Upstairs Box
3. Lying In Wait
4. First Taste
5. By Absence
6. Flesh Tight
7. Lying In Wait
8. Gun
9. Black P
10. Live Wild One
11. All This Dancing
12. Colossus
13. After Glow (Zugabe)
14. Man Down (Zugabe)

Ich freue mich sehr auf das Konzert heute Abend. Ich hatte heute Nachmittag ja bereits das Interview mit den sympathischen Belgiern geführt (das Interview folgt in Kürze). Daher weiß ich, dass The Weyers um 20:00 Uhr beginnen werden und der Gig von Triggerfinger so etwa um 21:00 Uhr beginnen wird. Um 19:45 Uhr bin ich wieder im Gebäude 9, nachdem ich mir die Zeit nach dem Interview mit Museumsbesuch und kleinem Stadtbummel vertrieben habe. Es ist schon recht viel los im Gebäude 9.

Ruben Block hatte mir am Vormittag gesagt, dass The Weyers heute Vorgruppe sind und so was wie Blues Rock machen. Ich habe im Vorfeld noch nichts von den Weyers gehört. Das wird sich aber jetzt gleich ändern. The Weyers, das sind die Brüder Adrian Weyermann (Gitarre und Gesang) und Lukas «Luke» Weyermann (Drums) aus der Schweiz. Das ist schon genial, was die beiden auf der Bühne machen. Sie haben ihr eigenes Reich vor den Requisiten von Triggerfinger auf ziemlich kleinem Platz aufgebaut. Da trommelt sich Lukas Weyermann die Seele aus dem Leib und Adrian Weyermann kann eigentlich kaum stillstehen. Sehr inspirierende Musik, die zu gefallen weiß und im Publikum mehr als gut ankommt. Die Brüder Weyermann versuchen auch das Publikum in ihr Tun einzubinden. Das gelingt ausgezeichnet. Musik, die frisch, kraftvoll und inspiriert wirkt. Richtig kräftiger Sound mit einprägsamen Melodien und dabei auch gelegentlich relativ hart. Handgemachte Rockmusik mit einem Schuss Blues. So würde ich das Ganze bezeichnen. Die beiden Jungs haben schnell das Eis gebrochen und das Publikum auf ihrer Seite. Hier und da wird dann auch ausgelassen getanzt. Das wirkt alles höchst professionell. Gleich der Opener Big Mouth hat einen schönen Groove und die Hüften werden geschwungen. Die beiden Schweizer Brüder wissen zu unterhalten. Das Publikum geht wunderbar mit und es wird ein toller Gig. Mit Julia folgt ein schaurig schöner Song. In der Setlist befinden sich dann ein paar Songs, die einfach aus ihrem Köpfen müssen, so der Titel ihres Albums Out Of Our Heads. Die Show endet mit dem tollen Abräumer Beep Beep Beep. Die Fans sind nochmals gefragt und die Weyers erwarten von ihren Fans, dass sie mitgehen und mitmachen. Das Publikum muss den Refrain singen: Beep Beep Beep. Klasse Show, klasse Jungs. Damit ist hier alles gesagt. An alle, die sie noch nie live gesehen haben: Die sollte man sich wirklich mal ansehen!

Die Umbauphase beginnt. Ich war bei der Show von den Weyers die ganze Zeit vor der Bühne. Die Fans, die eben vorne gestanden haben, verlassen ihren Platz während der Umbauphase nicht. Alle wollen so nah wie möglich gleich bei Triggerfinger dran sein. Ich habe mich in der Zwischenzeit mit einer kleinen Gruppe vorne angefreundet, die beim vorangegangenen Gig eine Menge Spaß hatte. Das wird sich auch gleich bei Triggerfinger so fortsetzen. Wir haben eine Menge Spaß und bekommen einen irren Sound gewaltig auf die Ohren.

Tourmanager Tom, den ich schon heute Nachmittag kennengelernt habe, bereitet oben auf der Bühne alles für seine Jungs vor. Kurz vor dem Auftritt legt er die Setlist auf der Bühne aus. Auf meine Bitte hin lässt er sie mich abfotografieren. So weiß die Gruppe um mich herum und ich selbst, welche Songs wir heute Abend hier erwarten dürfen. Dann kommen Triggerfinger auf die Bühne: Ruben Block (Gitarre, Gesang), Paul Van Bruystegem (Bass) und Mario Goossens (Schlagzeug). Moment, heute Abend sind ja vier Herren auf der Bühne. Da stimmt doch etwas nicht! Nein, es ist alles in Ordnung. Triggerfinger haben sich für die Tour um einen zusätzlichen Gitarristen verstärkt. Es ist Geoffrey Burton, ein belgischer Musiker, der schon mit einer Menge anderer Musiker, wie zum Beispiel Iggy Pop und Graces Jones, zusammengearbeitet hat. Einige Fans im Publikum sind erstaunt. Ich nicht, denn Ruben Block hatte mir das bereits heute Nachmittag im Interview gesagt.
Die Herren sind alle stilecht im feinen Zwirn. Nur so kennt man sie auf der Bühne. Das erwarten die Fans auch von Ihnen. Ruben Block trägt ein besonders schickes buntes und auch auffälliges Teil.

Opener ist der Wollensack Walk vom neuen Album Colossus. Die Show heute ist vor allem ein Mix aus Songs von den Alben Colosus und By Absence Of The Sun. Obendrauf gibt es noch die Klassiker Gun vom Album All This Dancin‘ Around und First Taste vom Album What Grabs Ya?. Heute ist im Gig von Triggerfinger eine relative Härte angesagt. Balladen, wie I Follow Rivers fehlen. Härte, das ist aber auch das, was die Fans heute wollen. Eben noch von den Schweizern The Weyers aufgepuscht, müssen die Fans jetzt in das Soundgewitter von Triggerfinger eintauchen. Das, was die Herren in ihren Anzügen da oben bringen, ist keine einfache Kost. Es gibt Rock, Blues, Jazz, Avantgarde und das wohlgemischt. Absolut geiles Zeug, was den Fans hier geboten wird. Live sind die Songs nochmals eine Spur härter und auch irgendwie anders interpretiert. Das geht unter die Haut, da muss man mitgehen, da kann man sich nicht einfach zurücklegen und zuhören. Dieser Soundteppich hat für mich schon etwas, was David Lynch in seinen Filmen schafft. Es entsteht bei Triggerfinger so was wie eine eigene parallele Soundwelt. Für plötzlich auftretende, sich wandelnde und zerstörerische Überraschungen muss man offen sein. Während der vierte Mann Geoffrey Burton meist brav an der Seite steht und seine Arbeit macht, ist Ruben Block an der Gitarre viel unterwegs und in Bewegung. Er ist pure Energie. Paul Van Bruystegem am Bass ist die stoische Ruhe und Kraft selbst in Person. Er verströmt so was von Coolness, dass man sich fragen muss, wie kann er nur bei diesen Songs so cool bleiben. Er macht, wie die anderen auch, einen super Job. Mario Goossens am Schlagzeug ist das Sinnbild für Hyperaktivität und Klamauk schlechthin. Hatte ich ihn heute beim Interview noch total cool und lässig erlebt, so muss ich jetzt doch staunen, welche Energie er hier rauslässt. Er ballert wie ein Verrückter auf sein Schlagzeug ein. Und das im eng sitzenden Anzug. Der pure Wahnsinn, was er da an der Drummaschine macht. Zwischendurch muss immer wieder Tourmanger Tom die Schrauben an den Drums und Becken nachziehen, die sich wohl durch das extreme Spiel gelöst haben. Das macht Tom, während Mario Gossens auf seine Maschine einprügelt. Geschickt muss Tom immer wieder ausweichen, damit er nicht von einem Drumstick erschlagen wird. Und Mario Gossens ist immer zu Späßen und Klamauk aufgelegt. Als er merkt, dass ich ihn mit meiner Kamera im Fokus habe, beginnt er ein Spiel: Er weicht immer wieder aus, bückt sich oder geht zur Seite. Er grinst verschmitzt, wenn er denkt, dass ich aufgehört habe. Sobald er wieder meine Kamera bemerkt, geht er wieder in Deckung. Irgendwann bekommt das Publikum dieses Spiel zwischen ihm und mir mit und muss lachen. Große Klasse und tolle Showeinlage zwischendurch. Apropos Showeinlage. Eine wirklich große Showeinlage kommt dann noch vor dem Song All This Dancin‘ Around. Mario sitzt am Schlagzeug, Ruben und Paul platzieren sich links und rechts neben dem Schlagzeug. Jetzt gibt es ein wahnsinniges Schlagzeugsolo von allen Dreien gespielt. Und das höchst professionell. Geoffrey steht dabei im Abseits und betätigt einen Shaker. Total irre, was hier abläuft. Die Fans sind aus dem Häuschen. Nach All This Dancin‘ Around nähern wir uns aber auch leider dem Schluss. Jetzt ist der Titelsong Colossus vom gleichnamigen neuen Album dran. Ruben wechselt die Gitarre gegen einen Bass. Der Song wird mit zwei Bässen gespielt. Die Liveversion knallt schön heftig rein. So, jetzt ist die Setliste zu Ende. Die Fans wollen Triggerfinger aber noch nicht gehen lassen. Ruben schnappt sich wieder seine alte Gibson. Triggerfinger lassen sich nicht lumpen und es gibt mit After Glow und Man Down noch zwei Zugaben für die Sinne und die Ohren.

Dann ist doch wirklich nach 1 ¾ Stunden Schluss. Die meisten Fans sind noch wie betäubt. Nur sehr langsam leert sich der Konzertraum. Sehr viele gehen nach vorne zu den Merchständen. Da sind die Schweizer The Weyers bereits und bringen recht viel Merch an den Mann. Nach einer Weile kommen dann Triggerfinger auch. Sie haben sich zwischenzeitlich umgezogen und stehen jetzt voll und ganz ihren Fans zur Verfügung Sie lassen gerne Selfies mit sich machen und signieren bereitwillig. Auch das ist wieder ganz große Klasse!

Ich war dieses Jahr schon auf einer Menge von Festivals und Konzerten und habe dabei zumeist super Shows und Auftritte der Bands erlebt. Der heutige Abend war dann aber auch wirklich der i-Punkt auf dem Ganzen in diesem Jahr. Besser geht es wirklich nicht. Das hat heute Abend wirklich absolut geflasht. Also Triggerfinger und auch The Weyers: Danke für diesen geilen Konzertabend!

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