Wacken Winter Nights III, vom 22.02-24.02.2019 in Wacken

“Die Wacken Winter Nights könnten dieses Jahr auch Wacken Spring Nights heißen!“

Eventname: Wacken Winter Nights III 2019

Bands: Apocalypse Orchestra, Arkona, Bannkreis, Eluveitie, Ereb Altor, Faun, Feuerschwanz, Grimner, Haggefugg, Harpyie, Heilung, Helsott, Huldre, Koplikaani, Moonsorrow, Saltatio Mortis, Serenity, Skiltron, The Dreadcrew Of Oddwood, The O’Reillys And The Paddyhats, Trollfaust, Trollfest, Turisas, Vogelfrey, McCabe & Kanaka, Comes Vagantes, Dragol, Sidonius, Pressgëng, Pill und Pankratz, Duo Hyttis, Holly Loose, Skaldenment, Incantatem

Ort: Wacken, Schleswig-Holstein

Datum: 22. – 24.02.2019

Kosten: Reguläres 3-Tages-Ticket 89,- €, Camping muss separat gebucht werden.
10,- € pro Person. Zelt je nach Länge ab 10,- €, Pkw, je nachdem ob mit oder ohne Anhänger ab 10,- €

Tages/Zweitages Tickets:
Freitag, 22.02.2019: 39,00 Euro (inkl. Gebühren)
Samstag, 23.02.2019: 49,00 Euro (inkl. Gebühren)
Sonntag, 24.02.2019: 29,00 Euro. (inkl. Gebühren)
Freitag, 22.02. und Samstag 23.02.: 75 Euro (inkl. Gebühren)
Samstag, 23.02. und Sonntag, 24.02.: 65,00 Euro (inkl. Gebühren)

Genre: Rock, Hard Rock, Mittelalter Rock, Alternative/Indie, Fun-Shanty, Symphonic Metal, Progressive Metal, Gothik-Pop, Metal, Pop, Pagan Metal, Folk, Piraten Rock, Irish Folk Punk

Besucher: ca. 4500 täglich

Veranstalter: ICS Festival Service GmbH

Link: http://www.wacken-winter-nights.com

Nun geht es bereits in das dritte Wacken Winter Nights. Das Konzept scheint sich zu bewähren und einer weiteren Fortsetzung steht nichts mehr im Weg. Kleine Verbesserungen machen das Event immer komfortabler und „wärmer“. So sorgt das Zelt, das auf die Reaktionen der Premierengäste beim ersten WWN aufgestellt wurde, für Musikgenuss im Warmen. Dieses Jahr wurde das Festivalgelände erweitert, und es entzerrt sich die Gesamtsituation. Allerdings führte dies zu den Stoßzeiten, also zu den Hauptacts im Ice Palace zu ordentlichem Gedränge auf dem einzigen Zuweg. Auch die Toilettensituation wurde dieses Jahr erneut verbessert und auch weitere Möglichkeiten zum Aufwärmen wurden etabliert. Das tut, zumindest tagsüber, kaum Not, da diesmal die Temperaturen in der Sonne deutlich über Null liegen. Der Ice Palace wurde verlegt und die Mystic Woods bekamen eine weitere kleine Bühne, die auch gut angenommen wird. Durch diese Erweiterungen haben weitere Händler Zugang zum Festivalgelände bekommen und das sorgt zwischen den Auftritten für Abwechslung. Auch neu: Ein für die Pressevertreter geschaffener Bereich, der in einem großen Container untergebracht ist. Zu unserer Freude stehen da die bekannten Gesichter des Wacken Open Air, Kathrin und Tini, die für nette Gespräche und Informationen immer da sind.

Musikalisch geht das Line-Up dieses Jahr wieder mehr in Richtung Mittelalter und Folk Metal. Das wird an den Bands wie Bannkreis, Korpiklaani aus Finnland sowie Vogelfrey, Faun und Feuerschwanz deutlich. Das Wackinger ist wieder in der Gaststätte Zur Post aufgebaut, sodass auch hier zu vorgerückter Stunde für die Nimmersatten Veranstaltungen stattfinden. Auch gibt’s wieder den Shuttle, der sich immer besser organisiert.

Gastronomisch sind einmal mehr mittelalterliche Gaumenfreuden der Spitzenklasse und andere Spezialitäten zu finden und zu unserer großen Freude hat sich das Wacken Winter Nights mit der Beer Of The Goods Brauerei zusammengetan. Die Brüder Prahl schenken in einem eigenen Craft Tent die gesamte Palette ihrer Kreationen aus und an den offiziellen Getränkeständen bekommt der durstige Gast das helle Sleipnir und das Julbock Ullr vom Hahn geboten. Das kommt gut an und ist eine deutliche Bereicherung. Es passt einfach zu diesem Festival, wie die Faust aufs Auge.

Natürlich gibt es auch was zu monieren. Zum einen ist da die scheinbar willkürliche Verteilung von Pit-Pässen für die Fotografen. Dass es dieses Jahr so etwas gibt, war im Vorfeld nicht bekannt und führt zumindest bei dem einen oder anderen Pressevertreter zu deutlichen Irritationen. Zum Glück gibt es da aber später eine schnelle unbürokratische Lösung und auch Kollegen, die selbstlos helfen. Danke Roberto und danke an die Mädels im Pressecontainer.

Zum Zweiten sollte auf dem großen Vorplatz des Ice Palace ein Getränkestand mit alkoholfreien Getränken etabliert werden, denn nicht immer kommt man in das Zelt, in dem ja reichlich Getränkestände sind, problemlos rein, denn gerade zu den Headlinern ist es entsprechend voll. Und gerade am Sonntag mit den vielen Kindern wäre das bestimmt gut gewesen. Auch, dass es unterschiedliche Pfandbecher gibt, die nicht an jedem Getränkestand abgegeben werden können, ist schon etwas nervig.

Zum Dritten ist es das Parken für die Pressevertreter/VIP. Es gibt einen schnell erreichbaren und nicht übermäßig vollen Parkplatz in der Nähe, aber da durfte dieses Jahr nicht geparkt werden, was ja letztes Jahr noch problemlos möglich war. Platz gäbe es genügend, denn es ist ja ein großes Feld. So wurde dann an vielen Stellen im Wohngebiet geparkt.

Geht man von den inofiziellen Zahlen aus, ist die dritte Auflage der Wacken Winter Nights wieder sehr gut besucht. Die Zuschauerzahlen sollen zwischen 4000 und 5000 pro Tag gelegen haben. Ich tippe da auf einen Mittelwert. Gefühlt ist der Freitag der vollste Tag und das macht das Durchkommen oftmals schwierig. Es gibt einige Nadelöhre, die für Geschiebe und Gedränge sorgen. Der Samstag ist da zumindest die ersten Stunden wesentlich entspannter. Der Sonntag als Familientag, bringt viel Nachwuchs auf das Gelände, was natürlich für viel Quirligkeit sorgt. Keine Frage, das Festival soll wachsen, aber dann muss auch über weitere Auslaufflächen bzw. breitere Gänge nachgedacht werden.

Vielleicht sollte auch über den Standort des Theater Of Grace diskutiert werden, denn in dieser Halle finden ca. 500 Zuschauer Platz, und dann ist es bereits kuschelig. So sind bei Bannkreis bestimmt 200 mehr in der engen Halle und das könnte bei einer Panik schon zu Problemen führen. Klar wurde der Zugang dann eingeschränkt, aber trotzdem ist es oftmals zu voll da. Vielleicht noch ein kleineres Zelt?

Nun kommen wir mal zur Musik.

Freitag, 22.02.2019

Doors Open ist um 14.00 Uhr. Bedingt durch den Job, sind wir erst gegen 17:45 Uhr auf dem Gelände. Bändchenausgabe ist wie immer problemlos, und auch wie immer gibt’s nur ein schmuckloses Papierbändchen für die Presse. Ansonsten klappt alles gut und wir können aufs Gelände. Die Einlasskontrolle, auch diesmal getrennt nach Damen und Herren, geht schnell. Auf den beiden Hauptbühnen, also der im Ice Palace und der im Theatre Of Grace, beginnen die ersten Auftritte um 15.00 Uhr bzw. um 15:50 Uhr. Wer sich bereits sofort berieseln lassen möchte, kann in den Mystic Woods bereits McCabe & Kanaka bewundern, die hier auf einer der beiden Waldbühnen ehrlichen und authentischen Folk darbieten. So wird mitten im Wald mit Shanties und a cappella die richtige Stimmung erzeugt.

Nach einer ersten Orientierung und Begutachtung der Neuerungen, erleben wir noch ein paar Töne von Skiltron, die im

Theatre Of Grace

für gute Laune und eine volle Hütte sorgen. Die Argentiner mischen Metal mit keltischen Einflüssen und sind damit in ihrem Land ein zünftiger Vertreter dieses Genres. Auch hier gibt es diverse Anhänger, die den Auftritt lautstark begleiten. Zu den Dudelsackklängen gesellen sich fette Riffs, die jeder Power Metal Band gut zu Gesicht stehen würden. Da ein Reinkommen in die Halle unmöglich ist, hören wir uns das von draußen an. Rechtzeitig machen wir uns aber auf den Weg zum

Ice Palace,

denn hier sollen als Nächstes Heilung auftreten. Die deutsch-dänische Pagan-Folk Band präsentiert eine Mischung aus Klängen und Lauten, die auf Texten basieren, die auf Artefakten aus der Eisen- und Wikingerzeit gefunden wurden. Das muss man schon mögen, wenn Maria Franz Laute aus vergangenen Zeiten darbietet. Dazu kommt Getrommel auf Fellen oder anderen Klanginstrumenten, unter Zuhilfenahme von Knochen oder Speeren. Die gutturalen Kehlkopfgesänge von Uwe Faust erinnern an tibetische Mönche. Das alles soll zu Mediations- bzw. Trancezuständen führen, was bei dem einen oder anderen Zuhörer wohl auch wirkt. Passend ist die Bühnengestaltung, und auch das Bühnenoutfit sorgt für ein stimmiges Bild. Uns ist das zu esoterisch und abgefahren, deshalb verlassen wir die Location..

Auf dem Weg zurück zum nächsten Auftritt kommen wir an der kleinen

Mystic Woods II

Bühne vorbei. Comes Vagantes treten auf und haben diverse Zuschauer angelockt, die dem Treiben der mittelalterlichen Spielleute frönen und die Musik mit Sackpfeifen und Trommeln beklatschen.

 Theatre Of Grace

Der Auftritt des Apocalypse Orchestra steht hier nun an. Durch die gute Planung gibt es keine Überschneidungen und so ist die Halle gut gefüllt. Auch hier ist eine Mischung aus mittelalterlichen Instrumenten und Heavy Gitarren verantwortlich für den kräftigen Sound. Fast schon doomartig erschallen Songs aus dem 2017 erschienenen ersten Album The End Is Nigh. In den 45 Minuten können die Schweden ihre Fans voll und ganz überzeugen.

Mystic Woods I

Auf der kleinen Bühne, eher die oberste Stufe einer der breiten Treppen in den mystischen Wald, tritt das Duo Hyttis auf. Sackpfeifer Hytti und sein Waldfroylein Carola mit der Davul (orientalische Trommel) haben den weiten Weg aus Bookholzberg in Lower Saxonia hierher gefunden, um zu zweit zu beweisen, dass es für schöne Melodien nicht viel braucht. Dabei vertilgen wir passenderweise einen leckeren Fleischspieß und nehmen ein leider süffiges Bockbier zu uns, um frisch gestärkt zurück zum

Ice Palace

zu gehen, in dem Turisas auftreten sollen. Überraschung. Die nach einem finnischen Kriegsgott benannte Band startet mit As Torchess Rise. Endlich mal etwas härtere Klänge, die in diesem Zelt zu hören sind. Klar ist das Festival mittelalterlastig aufgebaut aber es gibt auch Bands, die das geschickt und heavy umsetzen können. Und das beweisen Turisas mit Bravour. Die geschminkten Gesichter sind in dem sehr gut gefüllten und dadurch aufgeheizten Zelt schnell verschwitzt. A Portage To The Unknown und To Holmgard And Beyond setzen diese unterhaltsame Show fort. Die Fans sind dankbar und es gibt einige, die sich mit rot geschminkten Gesichtern solidarisch erklären. Der epische Viking Metal erfreut und erfrischt nach den fremd anmutenden Klängen von Heilung. Die Unterstützung mit Geige durch Olli Vänskä und durch das Akkordeon von Netta Skog, hübsch dargeboten, kann überzeugen. Das hat gut getan. Selbst das Boney M. Cover Rasputin passt gut in diesen Rahmen.

Danach geht es zurück ins

Theatre Of Grace,

um den Auftritt von Bannkreis zu erleben. Puh ist die Hütte voll. Glücklicherweise habe ich die Chance bekommen, im Graben fotografieren zu dürfen und so drängele ich mich mit den anderen, gefühlten hundert Knipsern vor der kleinen Bühne. Eric Fish am Mikro, mit Mütze und Flöte und Sängerin Johanna Krins, die auch mit einigen Percussions aufwartet, werden ordentlich abgefeiert, obwohl ihre erste Headliner Tour letztes Jahr aufgrund mangelnden Interesses abgesagt wurde. Hier aber sind sie gut aufgehoben und mit Unterstützung von Bodenski, Simon Michael und Ingo Hampf, alle von Subway To Sally, sind sie klar ein Gewinner.

Wir beschließen die Halle zu verlassen und das gestaltet sich schwieriger, als angenommen. Wie bereits im Vorfeld erwähnt, ist die Halle übervoll und das macht den Weg hier raus schwierig. Selbst davor ist es noch so voll, dass es uns Mühe bereitet durchzukommen. Auf dem Weg zum

Ice Palace

können wir die farbige Beleuchtung der Bäume bewundern, die jetzt für das leicht Mystische sorgt. Das ist hübsch anzusehen und sorgt für die richtige Stimmung, um kleinere Bands wie die Pressgëng, die im Wald auftreten, gut zu präsentieren. Unser letzter Act ist der heutige Headliner Korpiklaani und der beginnt pünktlich um 22:30 Uhr. Mit Neito legen diese los und zelebrieren eine Folk Metal Show, die sehr gefällig ist. Die teilweise mythologischen Texte werden durch Instrumentalstücke unterbrochen, die auch stark von Humppa beeinflusst sind. Die meist finnischen Texte sind nicht einfach zu verstehen, aber das scheint egal zu sein. Der Funke springt über und so feiern die Finnen ein ausgiebiges Fest. Exotische Titel wie Harmaja, Kotikonnut oder Lempo lassen die Temperatur im Zelt noch weiter ansteigen. Um Mitternacht ist dann Schluss, nachdem noch der Song Vodka intoniert wurde. Davon haben scheinbar auch einige der Gäste so einiges intus.

Somit ist der erste Tag stark geprägt von mittelalterlichen Bands, einer uns nicht so bekannten sehr geilen Kapelle namens Turisas und der Erkenntnis, dass uns im letzten Jahr das Billing mehr zugesagt hat.

Samstag, 23.02.2019

Da es ein langer Tag werden wird, beginnen wir heute erst gegen 14:00 Uhr. Somit verpassen wir Harpyie, die im Ice Palace den Tag musikalisch einläuten. Wir fangen im

Theatre Of Grace

an, wo die Recken von Trollfaust ihren martialischen Mittelalterrock spielen. Auf Sackpfeifen und Trommeln werden altertümliche Weisen brachial und gewaltig dargeboten. Die fünf Jungs aus Donauwörth bestechen durch Spielfreude und gute Melodien, die schnell ins Bein übergehen. Arachon Von Der Trollfaust führt als Begründer und Sprachrohr der Band das Wort und liefert auch immer wieder belustigende Sprüche, sei es ob der möglicherweise stinkenden Spielmannskluft oder dem Verzicht auf Unterbüchsen. Das kommt gut an und so ist es hier um diese Zeit schon recht gut gefüllt. Das Wetter spielt mit und nur mit einer leichten Übergangsjacke bekleidet hält man diese Temperaturen gut aus. Die Sonne scheint ordentlich hell und so braucht es einige Zeit, bis man sich im

Ice Palace

an das schummerige Licht gewöhnt hat. Hier treten jetzt Vogelfrey auf, die als typische Mittelalterband mit Metaleinflüssen aufwartet. Die Hamburger, um die Brüder Jannik und Dominik Schmidt, gründeten sich 2003/2004 und haben sich schon eine recht große Anhängerschaft zusammengespielt. Das liegt zum einen an den bereits erschienenen Platten, zum anderen an den diversen Festivals, bei denen sie bisher schon auftraten. Die mittelalterlichen Elemente werden durch Johanna Heesch am Cello und Alexander Suck an der Violine passend dargeboten. Heute fällt uns zum ersten Mal eine junge Frau auf, die am Bühnenrand gestikuliert. Schnell wird klar, hier wird der Inklusion Rechnung getragen. Die Dolmetscherin übersetzt die Texte in Gesten und selbst Teile der Musik kann sie gekonnt umsetzen. Lobenswert diese Aktion. Wir wechseln die Location und begeben uns langsam zum

Theatre Of Grace.

Auf dem Weg dahin gibt’s noch eine kleine Stärkung und auch dem Durst muss entgegengetreten werden. Das eine oder andere Wort wird mit den Kollegen gewechselt und dann treffen wir auch noch auf Rico und Kati. Die beiden haben wir vor drei Jahren das erste Mal auf dem Rockharz getroffen und seitdem sehen wir uns immer mal wieder. Entweder treffen wir uns bei einem Konzert oder auch auf einem der Festivals des Nordens. Sehr sympathisch die beiden und sie haben auch immer gute Laune.
Haggefugg sind nun gleich dran und durch den glücklichen Umstand für heute einen Pit-Pass zu ergattern, darf ich in den Graben, um ein paar Bilder von der Truppe zu machen. Die Kölner spielen einen Mittelalter Party Rock, der bestimmt auch im Karneval gut ankommt. Hier im Norden ist es nicht viel anders. Gregor Krähenkehle fungiert als Sänger und mit Dudel Zu Lang (Künstlername) als Dudelsack-, Schalmei- und Flötenbetätiger, erkennt man schon die nicht allzu ernst genommene eigene Darstellung. Trotzdem machen sie ihre Sache gut und animieren zum Tanz und Schunkeln. Man merkt dem Volk den Spaß an.

Wir bleiben nicht ganz bis zum Ende, sondern lassen uns über das Gelände treiben. Fabelwesen wandern über die Wege und auch Gevatter Tod geht umher und erfreut sich großer Beliebtheit. Viele kleine Sitzplätze laden zum Verweilen ein und auch die vom Sommer Wacken bekannte Lemmy Bar ist umlagert. Uns treibt es zu Moonsorrow. Dabei kommen wir an der

Mystic Woods I

Bühne vorbei, auf der mal wieder McCabe & Kanaka auftreten. Diese haben hier schon richtigen Kultstatus und sind immer mal wieder an unterschiedlichen Standorten auf dem Gelände anzutreffen.

Ice Palace

Nun also Moonsorrow. Darauf habe ich mich schon gefreut. Der Pagan Metal schlägt sofort an. Sänger Ville Sorvali macht noch einige Bemerkungen zu unserem Winter, denn das ist bei denen Sommer. Die Finnen sind da wohl etwas andere Temperaturen gewohnt. Auch hier wieder die auffälligen Gesichtsbemalungen, die für eine gewisse Dramatik sorgen. Auch im Publikum sind viele Anhänger dieser Truppe, die in der Vergangenheit nicht allzu oft zu sehen war. In den kommenden 75 Minuten werden gerade mal sieben Songs gespielt und das zeigt die Länge der einzelnen Tracks an. Unterbrochen von ein paar Ansagen liefern Moonsorrow solide finnische Kost ab, die ausschließlich in Muttersprache gesungen wird. So bleibt dem Zuhörer nur das Schütteln des Hauptes, das Fäusterecken und so tun, als ob man die Inhalte versteht. Aber Rauniolla und Suden Tunti oder Jotunheim gefallen ausgesprochen gut, auch ohne den Sinn der Worte zu verstehen. Das dürfte mit einer der Topauftritte der diesjährigen Winter Nights gewesen sein, zumindest für mich. Mit Sankaritarina ist dann leider Schluss.

Also wandern in Richtung

Theatre Of Grace.

Da dürfen Ereb Altor auftreten. Mit ihrem epischen Doom Metal, der schon etwas an die guten alten Bathory erinnert, erreichen sie viele der Anwesenden. Trotzdem ist es nicht so voll, wie bei anderen Acts. Sie machen ihre Sache gut und hauen Songs wie Völuspá oder Myrding unter das Volk.

Ice Palace

Hier werden gleich Eluveitie auftreten. Dem Zustrom an Menschen nach zu urteilen, ist das sehr angesagt. Viele finden den Weg hierhin, um das ehemalige reine Studioprojekt zu bewundern. Auch hier wieder Folk oder auch Celtic Metal, der von den neun Schweizer Musikern gekonnt rübergebracht wird. Fabienne Erni an der Mandola und der keltischen Harfe unterstützt auch mit Gesang, während Christian Glanzmann mit vielen weiteren mittelalterlichen Instrumenten und gutturalem Gesang aufwartet. Ategnatos als Opener gefällt ausgesprochen gut und auch die folgenden Tracks lassen sich hören. King und Nil setzen das bunte Treiben auf der Bühne fort und auch das Licht ist einigermaßen freundlich zu uns Fotografen. Die Eidgenossen bekommen einen anderthalb Stunden Slot und den nutzen sie gekonnt aus. Das ist ebenfalls ein gelungener Auftritt. Bevor dann zum Schluss hier noch Saltatio Mortis spielen, geht’s für uns noch einmal durch die Mystic Woods zum

Theatre Of Grace,

um zumindest Grimner noch kurz zu erleben. Auch darf der Speisen- und Getränkeaufnahme etwas Zeit geschuldet werden. Die Schweden sind mir gänzlich unbekannt, bewegen sich aber, wie sollte es auch anders sein, im Folk Metal. Textlich wird alles in schwedisch gesungen und, wie sollte es auch anders sein, geht um Mythologie, diesmal die schwedische. Neben den elektrischen Gitarren sind, wie sollte es auch anders sein, Flöten, Dudelsack und diverse Trommelelemente involviert. Ab und an hat man den Eindruck, es ist eher ein Fun Folk Metal. Es wird eine Mischung aus den Alben Vanadrottning, Frost Mot Held und Blydshymner geboten.

Wir bleiben nicht bis zum Ende, sondern machen uns zum letzten Mal auf in den

Ice Palace,

um zumindest die ersten Songs von Saltatio Mortis zu hören. Diese Idee haben wohl auch hunderte Andere und so ist es schön kuschelig im Zelt. Die Karlsruher sind ein würdiger Vertreter der klassischen Mittelalter Bands und getreu dem Motto „Wer tanzt, stirbt nicht“ legen sie gekonnt los. Große Träume, Dorn Im Ohr und Wo Sind Die Clowns eröffnen. Sicher und professionell stehen die sieben Mann auf der Bühne. Jörg Roth als Sänger, der aber auch diverse mittelalterliche Instrumente spielt, hat seine Jüngerinnen und Jünger im Griff und die Texte werden auch hier durch Gebärdensprache ins Publikum transportiert. Saltatio Mortis haben es durch Fleiß und Ehrgeiz geschafft, sich neben Feuerschwanz, Faun und ähnlichen Gesellen ganz nach oben zu spielen. Textsicher gehen die Zuschauer mit und nicht viele tanzen ausgelassen, eben getreu dem Motto, mit. Uns reicht es aber und so beenden wir unseren Aufenthalt im Zelt. Auf dem Rückweg treffen wir dann noch den Sänger Robin Geiss der Mainzer Metal Band Crusher, der sich mit seiner Freundin ebenfalls an dem Festival erfreut. Wir verabreden uns locker für morgen und düsen ab.

Vorher gebe ich natürlich pflichtbewusst den Pit-Pass ab, um dann am nächsten Tage einen neuen abzuholen. Hier erfahren wir auch, dass die Gäste es geschafft haben, die Bierstände leer zu trinken. Respekt, und ich kann mit Stolz behaupten, ich habe geholfen.

Sonntag 24.02.2019

Nachdem wir unsere Unterkunft im Nachbarort Hochdonn verlassen haben, machen wir uns auf den Weg. Der letzte Tag der diesjährigen Winter Nights verspricht nochmals wettertechnisch top zu werden und so haben wir auf den Zwiebellook, der bekanntlich im letzten Jahr noch nötig war, verzichtet. Schnell die Fotoerlaubnis geholt und dann ab zum

Theatre Of Grace,

wo als erstes The Dreadcrew Of Oddwood aufteten. Ihre Musik wird als Heavy Mahagoni bezeichnet und ist nichts anderes als Piraten Rock. Mit rein instrumentalen Songs haben sie es schwer sich durchzusetzen. Es sind auch noch nicht so viele Gäste da. Trotzdem sorgen sie für gute Stimmung.

Ob des guten Wetters gehen wir langsam über das Gelände und lassen uns kurz von dem Auftritt der Swordfight Show ablenken und von der Sonne wärmen. Der Weg führt uns dann aber zielsicher in den

Ice Palace,

um hier The O’Reillys And The Paddyhats zu sehen. Das haben scheinbar viele vor und so freut sich Sean O’Reilly über die begeisterten Fans. Ian Mc Flannigan auf der linken Seite wirbelt wie ein Derwisch das Mikro und sich über die Bühne. Die Temperaturen in dem eh schon aufgeheizten Zelt steigen nochmals merklich an. Barroom Lady, Where Your Heart Is oder Come On Board werden durch Mia Callagahn an der Fiedel tatkräftig unterstützt und machen einfach gute Laune. Toller Auftritt zu noch früher Stunde. Die Spielzeit vergeht wie im Fluge und so haben wir nur kurz Zeit um wieder am

Theatre Of Grace

zu sein. Wir verweilen dann aber bei der Lemmy Bar und sehen uns den Auftritt von Cemican aus der Ferne an. Die Mexikaner treten bemalt auf, was für gute Bilder sorgt. Musikalisch wird mit Rasseln, Knochen und anderen ursprünglichen Instrumenten Azteken Metal gespielt. Unterstützt wird das durch Gitarren und Drumms und das erzeugt eine Menge Lärm. Aber Respekt für die weite Anreise und die Darbietung. Ganz langsam nähern wir uns dem Ende der dritten Wacken Winter Nights. Trotzdem schauen wir noch mal bei der

Old Village Chappel

vorbei, um nochmals Trollfaust zu hören. Die sind auf der kleinen Bühne gut aufgehoben und verbreiten wieder ihre Spielmannslieder. Währenddessen ist auf der

Mystic Woods I

ein weiteres Mal der Piratenrock von den The Dreadcrew Of Oddwood angesagt und kommt hier draußen besser an. Nun aber schnell zum

Ice Palace,

in dem Feuerschwanz ihren Auftritt haben. Hauptmann Feuerschwanz betritt die Bühne und es geht auch gleich in die Vollen. Das, was bisher schon auffällig war, ist die hohe Anzahl an Kids, die gerade hier nun vor der Bühne stehen. Scheinbar gibt es gerade viele Jüngere, die auf die Feurschwanz Musik abfahren – oder sind es die Eltern, die den Nachwuchs mitschleppen? Egal. Zum Glück ist überall Hörschutz vorhanden und auch die Gebärdensprachlerin ist wieder im Einsatz. Wer der Fans kennt die Hexenjagd, Ringelpeltz, Seemansliebe oder Krieger Des Mets nicht? Nur wenige. Textsicher geht es durch das Set. So hat neben Hauptmann Feuerschwanz auch Prinz R. Hodenherz III alias Ben Metzner ein leichtes Spiel. Dazu kommt die hübsch anzusehende Frontfrau Johanna Von Der Vogelweide, mit bürgerlichem Namen Stephanie Pracht und auch die Mizen Musch-Musch Myu und Mara, die nicht unerwähnt bleiben sollen. In einem bunten Konfettiregen endet der Auftritt und viele glückliche Kinderaugen verlassen das Zelt. Mit den gefühlt Tausenden anderen gehen wir in Richtung

Thetare Of Grace

zur letzten Band des Tages. Huldre aus dem benachbarten Dänemark machen den Abschluss und haben eine Fanbase dabei. Frontfrau Nanna Barslev scheint vielen sehr bekannt zu sein, denn immer wieder ertönt ihr Name. Auffällig: Alle Musiker sind barfuß, was in Anbetracht der Temperaturen aber nicht wirklich verwunderlich ist. Noch einmal erklingt nordischer Folk Metal, der die Halle durchzieht. Ein paar Pics und dann reicht es uns.

Den letzten Act des Tages, Faun, ersparen wir uns. Es soll ja noch nach Haus gehen und so ein Wochenende ist ja nicht ausschließlich Fun, sondern auch schon etwas an Arbeit, vor allem die Nacharbeit kommt und 3000 Bilder dürfen gesichtet und bearbeitet werden 😉

Somit verabschieden wir uns von allen, die wir hier kennen und fahren zurück und wissen, dass wir nächstes Jahr wieder hier sein werden, wenn am 14.02.-16.02.2020 die Wacken Winter Nights IV anstehen.

Fazit: Die dritte Auflage der WWN hatte mal wieder einige Neuerungen, die dem Festival gut tun und es aufwerten. Es gibt lokale Veränderungen, mehr Komfort, mehr Wärmemöglichkeiten, die abends ihre Aufgabe gut erledigen, und noch mehr WCs. Musikalisch sehr stark mittelalter- und folklastige Bands, die dem Motto aber gerecht werden. Ob das meinen Geschmack immer trifft, sei dahingestellt, aber es passt einfach zum Gesamtkonzept. Endlich hat auch der richtige Bierlieferant den Weg hierher gefunden und auch die restlichen Speisen und Getränkestände bieten die notwendige Abwechslung. Da geht aber bestimmt noch was. Händler und Handwerksleute wurden ebenfalls aufgestockt und die Erweiterung der Mystic Woods ist auch gut gelungen. Somit hat sich das dieses Jahr gelohnt und wir sind gespannt, was sich nächstes Jahr ändert. Der Chef des Ganzen, Thomas Jensen, war auch zugegen, hat sich ein Bild gemacht und bestimmt auch die eine oder andere Anregung für kommende Veranstaltungen gesammelt.  Verbesserungswürdig ist auf jeden Fall das Theatre Of Grace, denn die Größe passt nicht mehr zu der Anzahl der Gäste. Da sollte ggf. mal drüber nachgedacht werden. Auch der relativ schmale Weg zwischen den beiden Bühnen sollte überdacht werden. Ansonsten hat sich das Konzept bewährt.

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