Witchbound – End Of Paradise

Facettenreicher, abwechslungsreicher Power Metal aus Baden-Württemberg

Artist: Witchbound

Herkunft: Herbrechtingen, Deutschland

Album: End Of Paradise

Spiellänge: 59:05 Minuten

Genre: Melodic Metal, Power Metal, Heavy Metal

Release: 30.04.2021

Label: El Puerto Records Gbr

Link: https://www.witchbound.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Natalie Pereira dos Santos
Gesang – Tobias Schwenk
Gitarre – Stefan Kauffmann
Gitarre – Julian Steiner
Bass – Frank Bittermann
Schlagzeug – Peter Langer

Tracklist:

01. Prelude
02. Battle Of Kadesh
03. Interstellar Odyssey
04. End Of Paradise
05. Carved In Stone
06. Flags Of Freedom
07. Torquemada
08. Nevermore
09. Last Divide
10. Sea Of Sorrow
11. Foreign Shores
12. Dance Of The Dead
13. These Tears
14. As Long As We Can Rock
15. Our Hope

Quelle: El Puerto Records GbR

Zu irgendetwas muss die Walpurgisnacht ja gut sein. Witchbound bringen, wie auch schon den Vorgänger Tarot’s Legacy vor sechs Jahren, das zweite Album End Of Paradise in dieser heiligen Nacht heraus.

Eigentlich führen Witchbound mit diesem Album das musikalische Erbe der Band Stormwich weiter. Nachdem Gitarrist Harald Spengler (alias Lee Tarot) verstorben war, übernahm der zweite Gitarrist Stefan Kauffmann bereits geschriebene Stücke sowie das Personal der alten Band und machte unter neuem Namen weiter. Martin Winkler als Co-Autor verstarb jedoch ebenso. So war die Zukunft lange Zeit ungewiss, man entschied sich jedoch weiterzumachen. Als neues Personal verpflichteten die verbliebenen Stefan Kauffmann und Peter Langer in einem neu formierten Line-Up das Gesangsduo Tobias Schwenk und Natalie Pereira Dos Santos sowie Bassist Frank Bittermann und Gitarrist Julian Steiner. Das fast fertige Material zu End Of Paradise von Kauffmann und Winkler wurde von dem neuen Team komplettiert und aufgenommen.

Witchbound ist nun aber bei Weitem keine Stormwich-Coverband, denn durch den Wegfall von Harald Spengler hat sich das Songwriting stark verändert. Deutlich mehr feingliedrigeres Gitarrenspiel, melodische Hooklines und vollerer Sound heben sich klar von der Ursprungsband ab. Dazu unterscheidet sich natürlich der Gesang. Nun zwei Sänger, zudem eine weibliche Stimme. Dazu kommt, dass sich Tobias Schwenk angenehm zurückhält und nur einen Cleargesang darbietet. Die Würze und verschiedenen Tonlagen bringt Natalie Pereira Dos Santos ins Spiel. Dass sie es draufhat, hat sie bei Envinya schon bewiesen.

In Symphonic-Manier beginnt die Scheibe mit einem einminütigen instrumentalen Prolog. Battle Of Kadesh legt dann aber unvermittelt los und beweist, wozu diese neue Besetzung in der Lage ist. Harte Riffs und ein markant galoppierendes Schlagzeug sorgen für eingängigen Power Metal. Grandiose Gitarrensoli blasen bei Interstellar Odyssey das Universum durcheinander. Gesanglich tritt Natalie in den Hintergrund, was dem Werk guttut. Den folgenden Titeltrack End Of Paradise dominiert sie dann wieder als erste Stimme. Der Song besticht durch schöne chorale Elemente. Carved in Stone beginnt wieder mit einem kurzen instrumentalen Intro. Der ruhige Song wird wieder von Tobias Schwenk als erste Stimme gesungen. Flags Of Freedom ist für mich einer der wenigen schwächeren Songs des Albums. Tempowechsel, Duette, eingängige Melodie – eigentlich alles da, trotzdem ist für mich das hart arbeitende Schlagzeug von Peter Langer das einzig Nachhaltige. Torquemada ist dann wieder ein ganz anderes Stück. Der Song über eine der Hauptfiguren der spanischen Inquisition ist ein absolutes Highlight. Natalie als growlende Witch ist ganz großer Stuff. Brenne Hexe! Auch in Nevermore zeigt sie ihre gesanglichen Facetten. Growlings, Cleangesang, erste und zweite Stimme. Power Metal trifft Black Metal. Ein Song, der zu der düsteren Seite der Scheibe passt. Last Divide ist wie Flags Of Freedom ein gut hörbarer Song ohne Highlights. Zwar muss auch hier das tolle Gitarrensolo erwähnt werden, aber das ist ja nicht songbestimmend. Sea Of Sorrow nimmt dann aus dem Flow das Tempo. Ein melodiöses Midtempo-Stück, das dann zum Ende anzieht und dem Drummer auch wieder Arbeit beschert. Weiter geht es mit einem weiteren Stilmix, denn Foreign Shores kommt mit einem Folkeinschlag daher, bevor es in den schnelleren Part umschaltet. Fehlen eigentlich nur die Dudelsäcke… Dance Of The Dead knüpft genau da an, nimmt aber mehr Tempo auf. These Tears kehrt langsam wieder zu alten Elementen zurück, nutzt aber weiterhin den Folk-Modus. Auf die Geigen wird auch hier nicht verzichtet. Es bleibt dabei. Dem Folk gehört die Welt. Zumindest in der ersten Minute. As Long As We Can Rock wandelt sich dann wieder zu einem Power-Drum-Gewitter, das den Song nach vorne treibt und zu einem Gitarrensolo einlädt. So soll das. Our Hope? Dass davon bald mehr zu hören ist. War das schon wieder ne Stunde Power auf die Ohren? Gut, der letzte Song ist dann doch eine Schunkelballade, aber ansonsten Hut ab. Das Album hat einen handwerklichen Grundaufbau, variiert mit Tempo und ist stilübergreifend. Das macht das Album extravagant. Mag nicht jeder, wird aber nicht langweilig. 

Das Album erscheint neben den üblichen Streaming- und Downloadplattformen als CD und in einer auf 111 weltweit limitierten Sammlerbox. Diese Magnet-Box im Cover Design ist einzeln handschriftlich nummeriert. Neben der CD enthält es einen Aufkleber und ein signiertes Autogramm-Set.

Witchbound – End Of Paradise
Fazit
Eine Vermischung von Symphonic, Folk, Heavy und Black Metal lässt hier eine Stunde Power Metal entstehen - das schreit nach mehr. Natalie nervt nicht mit einer Sopran-Stimme, ebenso wird nicht krampfhaft immer im Duett vorgetragen. Eine nahezu perfekte Mischung mit entsprechenden Tempowechseln. Eine Zusammensetzung mit mehrstimmigem Gesang, knallharten und perfekt gespielten Gitarrensoli sowie hart arbeitenden Drums lässt mich auf ein weiteres, dann hoffentlich unbelastetes Album dieser Combo hoffen.

Anspieltipps: Interstellar Odyssey, Torquemada und As Long As We Can Rock
Norbert C.
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8
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