Wolfchant – Omega:Bestia

Ein Lagerfeuer in stürmischen Zeiten, welches seine Schatten weit ins Land wirft

Artist: Wolfchant

Herkunft: St. Oswald, Deutschland

Album: Omega:Bestia

Spiellänge: 41:16 Minuten

Genre: Pagan Metal, Viking Metal, Melodic Death Metal

Release: 09.04.2021

Label: Reaper Entertainment

Link: https://www.facebook.com/wolfchantofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Mario „Lokhi“ Möginger
Gesang – Michael „Nortwin“ Seifert
Gitarre – Mario „Skaahl“ Liebl
Bassgitarre – Sertorius
Schlagzeug – Thomas „Lug“ Schmid

Tracklist:

  1. Omega Bestia
  2. Komet
  3. Into Eternal Darkness
  4. Im Zeichen Des Tiers
  5. Der Geist Und Die Dunkelheit
  6. Bestie
  7. Jäger Der Nacht
  8. Out In The Dark
  9. The Flame

Die Wölfe heulen wieder laut im bayrischen Wald. Das einst fast ausgerottet Raubtier schleicht dieser Tage wieder über die Länder und hinterlässt nicht nur Schrecken, sondern auch Faszination. In St. Oswald gibt es von dieser Spezies eine ganz besondere Gattung, die der erst neu entdeckten Reaper Entertainment Familie angehörig ist. Die Rede ist natürlich von unseren heidnischen Freunden Wolfchant, die ihre Wanderung mit Omega:Bestia aufs Neue fortsetzen. Das zweite Werk aus dem Jahre 2007, A Pagan Storm, hat nachhaltig Eindruck hinterlassen. Im Anschluss folgte eine Findungsphase – vor allem die beiden Alben, die über Massacre Records erschienen waren, wurden genutzt, um die eigene Position in der Pagan Metal Szene in Deutschland zu finden. Das letzte Werk Bloodwinter hat viele positive Elemente gezeigt und die Truppe um die beiden Sänger Mario „Lokhi“ Möginger und Michael „Nortwin“ Seifert zurück in die Spitze der nationalen Liga geführt. Mit neun Titeln und über 40 Minuten geht der Raubzug in diesem Monat weiter.

Musikalisch bringt das Quartett einen frischen, modernen Anstrich mit. Wolfchant vereinen die klaren Momente von Varg, die nicht elektronischen Momente von Equilibrium und schaffen trotzdem ein Klangbild, das nicht nur aus Melodic Death Metal Riffs besteht, sondern auch Freunden des heidnischen Gedankenguts gefallen könnte. Die schroffen, kantigen wie unpolierten Songs gehören bei der Elite längst der Vergangenheit an. Wo früher die Bäume noch selber gefällt wurden, setzen auch Wolfchant auf eine saubere Produktion und gehen schlicht und ergreifend mit der Zeit. Als Wikingerfan würde man zwar das Songwriting aus einer Urzeithöhle in klirrender Kälte oder ein tobendes Meer, welches das Schiff wie eine Nussschale hin und her schleudert zurückwünschen – diese Kompositionen bedienen im Jahr 2021 jedoch eher die kleineren Gruppen aus der Underground-Szene, wozu die Bayern ganz sicher nicht mehr gehören. Kernige Passagen gehören jedoch nicht grundsätzlich der Vergangenheit an, dafür sorgt alleine Mario „Lokhi“ Möginger mit seinen würzigen Growls. Dem Mix aus deutschen und englischen Lyrics bleiben die Wölfe treu, setzen aber wie bei Bloodwinter eher auf die Landessprache. Nach dem Intro folgt Komet, bei dem ich persönlich etwas zwiegespalten bin. Eine coole Nummer, die man aber zu Beginn nicht gerade auf dem Zettel gehabt hätte. Geht man mal ganz von den geistigen Ketten weg, greifen die Jungs sogar Facetten von Powerwolf, Heidevolk und anderen epischen Metal Bands auf, die tatsächlich eher im melodischen Death Metal Hausieren gehen. Für den nächsten Vergleich brauchte es ein paar mehr Durchläufe, aber ja, dann klingelt es. Der Name, den die grauen Zellen ausspucken, lautet Die Apoklypischen Reiter. Wer jetzt denkt, viele Köche verderben den Brei, liegt zum Glück völlig falsch. Mit Into Eternal Darkness beginnt das Fest. Stimmige Refrains greifen wie Schaufelräder in den ruhig dahinplätschernden Fluss, um aus der Kraft der Natur Großes anzutreiben. Bombastische Atmosphären zünden bei Im Zeichen Des Tiers und das Duett der beiden Sänger ist ein klares Markenzeichen, auf das die Süddeutschen zu Recht setzen. Zum Glück gehen Mario „Skaahl“ Liebl, Sertorius und Thomas „Lug“ Schmid an den Instrumenten vom schunkelnden Sauflied-Getue einen gesunden Schritt weg, ohne dem Hörer Spaß am Konsumieren zu untersagen. Was man jedoch anmerken muss, ist der Spagat aus den verschiedensprachigen Lyrics und den jeweils durchtränkten hellen und bissigen Vocals. Ein Old School Aufschrei folgt durch Der Geist Und Die Dunkelheit. Bestie hingegen beweist, dass Wolfchant gelernt haben, gekonnt auf die Kacke zu hauen. Stimmig, authentisch, mit imposanten Melodiebögen kann der Spannungsbogen über den gesamten Silberling hochgehalten werden – das war in den letzten Jahren nicht immer so. Das Finale spuckt Out In The Dark und The Flame aus, die noch mal die internationale Fanschar ansprechen sollen und das Konzept von Omega:Bestia ohne Makel abrundet.

Wolfchant – Omega:Bestia
Fazit
Zwischenzeitlich sah es fast danach aus, dass bei Wolfchant bald die Lichter ausgehen könnten. Die große Pagan Metal Zeit war mit Anbruch des letzten Jahrzehnts Geschichte und die musizierenden Truppen mussten mit der Zeit gehen, um größere Erfolge einfahren zu können. Mit etwas durchschnittlichen Alben bissen sie zu, kamen aber spätestens mit dem letzten Album wieder zurück und haben es verstanden, was die nordische Anhängerschaft im Jahr 2021 wünscht. Diesen guten Eindruck bestätigen sie auf dem neuen Werk Omega:Bestia ohne Frage. Anstatt wie andere Kollegen zurück zu den Wurzeln zu finden, nutzen sie in den neuen Werken ihre Erfahrung und ziehen den eingeschlagenen Weg in die frohlockende Zukunft fort. Totgeglaubte leben länger - dass dieser Spruch nicht nur Schall und Rauch ist, belegen Wolfchant mit Bloodwinter und eben dem aktuellen Langeisen Omega:Bestia. 

Anspieltipps: Im Zeichen Des Tiers und Out In The Dark
René W.
8.8
Leser Bewertung3 Bewertungen
7.5
8.8
Punkte
Podcast
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