Nachdem wir die Band Isaac Vacuum schon auf einigen Shows live erleben durften und jetzt ja auch bald die Veröffentlichung des Debütalbums Lords ansteht, wurde es doch mal Zeit, den Jungs einige Fragen zur Band, zu Bandcontests, zum Album und zu anderen Themen zu stellen. Das Interview haben Sebastian und ich gemeinsam geführt, wobei Sebastian eher für den „technischen“ Teil zuständig war 😉

Artist: Isaac Vacuum

Herkunft: Krefeld/Essen, Deutschland

Genre: Progressive Rock, Post Rock

Link: https://www.facebook.com/IsaacVacuum/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Dan Müller
Gitarre und Gesang – Philipp Maike
Touch Gitarre und Moog Synths – Stefan Huth
Schlagzeug – Michael Schallenberg

 

Time For Metal / Heike L.:
Wenn ich das auf Facebook richtig gelesen habe, habt Ihr die Band Isaac Vacuum tatsächlich erst in 2013 gegründet, kanntet Euch aber schon vorher aus anderen Bands, in denen z. B. Dan und Phil gemeinsam gespielt haben. Wie seid Ihr dann als Isaac Vacuum zusammengekommen?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Dan
und Phil haben damals mit einigen Freunden zusammen ein Projekt gehabt, und der Sänger und der Schlagzeuger haben daraus die Idee entwickelt, doch mal mit uns beiden eine progressive Band zu gründen. Als Phil dann Stefan mit ins Boot geholt hat und es dadurch doch sehr vertrackt wurde, sind sie ausgestiegen. Das war für uns dann erstmal ein Rückschlag, aber als wir dann Michel als Drummer gewinnen konnten und Dan sich bereit erklärt hat zu singen, ging es richtig los. Genau, das hat sich alles 2013 abgespielt.

Time For Metal / Heike L.:
Wenn ich versuche, meinen Bekannten zu beschreiben, was Ihr macht, komme ich immer wieder ins Grübeln, denn einfach nur „Progressive Rock“ bzw. „Progressive Metal“ greift für mich ein wenig zu kurz. Wie würdet Ihr denn Eure Musik selbst beschreiben?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Wir nennen es post.prog.rock. Es ist tatsächlich eine Melange, die weder das eine – noch das andere so richtig ist. Vom Postrock haben wir die vielen atmosphärischen und instrumentalen Parts und vom Progressive Stefans ausgeklügelten Touch Guitars-Pattern in der Symbiose mit Michels teilweise sehr jazzigem Schlagzeugspiel. Dan und Phil kommen mit ihrer Gitarrenarbeit aber eher vom Sludge und Stoner. Vom Metal sind wir aufgrund des meist cleanen Gesangs dann aber doch wieder weit entfernt – auch wenn es mitunter doch sehr brachial ist. Es ist sind vier verschiedene Charaktere mit einem unterschiedlichen musikalischen Background in der Band – und das hört man eben auch in der Musik.

Time For Metal / Heike L.:
Ich habe Euch zufällig beim Bandcontest Best of Unsigned in Oberhausen entdeckt, den Ihr ja gewonnen habt, und auch am SPH Bandcontest habt Ihr teilgenommen. Der Preis für den Gewinn des Best of Unsigned war unter anderem ein Auftritt beim Olga’s Rock. Gab es beim Olga’s Rock in Oberhausen direkte Reaktionen auf Eure Show bzw. habt Ihr daraufhin gemerkt, dass sich die Fanbase verbreitert hat?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Olga‘s Rock
war unser erster Festival-Gig. Wir sind da schon sehr dankbar für, dass wir mit unserer doch sehr sperrigen Musik die Möglichkeit bekommen haben, für Leute zu spielen, die sonst nicht mit unserer Musik in Kontakt gekommen wären. Und dann halt auf dieser riesigen Bühne unter höchst professionellen Bedingungen. Das hat schon richtig Spaß gemacht – und natürlich auch den Kids vor der Bühne. Wir denken, dass sie wiederkommen werden. 😉 Also: Ja!

Time For Metal / Heike L.:
Wie ist denn nach diesen Erfahrungen Eure generelle Meinung zu den diversen Contests? Kann man da als hoffnungsvolle, junge Band noch was mitnehmen? Für mich persönlich wart Ihr ja insbesondere für den SPH Bandcontest doch fast schon zu professionell…

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Wir haben 2015 unsere Live-Gigs gestartet und wollten einfach viel spielen. So ein Contest mit den vielen Stationen ist schon ganz gut um einfach mit der Live-Situation warm zu werden. Der SPH-Contest ist riesig und jeder macht mit. Da bleibt es nicht aus, dass das musikalische Niveau „schwankt“. 😉

Time For Metal / Heike L.:
Auch abseits der ganzen Contests seid Ihr ja immer mal wieder auf verschiedensten Bühnen zu sehen, so habe ich Euch zum Beispiel als Support für Port Noir erleben dürfen. Wie ist denn das Verhältnis zu den Main Acts, die Ihr dann supportet? Kommt man da auch ins Gespräch, oder ist das nur ein kurzes „Hallo“ und dann „Tschüss“?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Eigentlich schon. Bei Port Noir war es eher schwierig, weil an dem Abend zeitlich alles sehr eng war und man nur mit Equipment hin- und her bugsieren beschäftigt war. Unsere Gigs mit The Intersphere und The Hirsch Effekt waren da wesentlich entspannter und wir haben uns natürlich ausgetauscht. Gerade in Equipmentfragen sind beide Bands wirklich bewundernswert, weil es einfach tierisch ausgereift ist, was die da auffahren.

Time For Metal / Heike L.:
Apropos Bühnen: Steht denn absehbar oder auch später im Jahr außer der Releaseshow noch etwas Anderes an, vielleicht auch mal ein Auftritt bei einem der diversen Festivals? Es gibt ja auch Festivals, die sich eher den progressiven Klängen widmen.

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Ja natürlich. Ein paar Eisen haben wir für dieses Jahr noch im Feuer. Mehr dazu, wenn die Tinte trocken ist 😉

Time For Metal / Heike L.:
Eure Debüt-EP ist im Jahr 2015 erschienen, jetzt steht für März die Veröffentlichung des ersten Full-Length-Albums an. Hat sich in der Herangehensweise an die Arbeiten, z. B. beim Songwriting, irgendwas geändert?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Auf jeden Fall. Die EP bestand aus den ersten drei Songs, die wir geschrieben hatten. Danach haben wir mit einem leeren Blatt Papier einen Neustart gewagt. So haben wir 2014 ausschließlich im Proberaum gejammt, alles mitgeschnitten und anschließend daraus Songstrukturen entwickelt. Die ersten neueren Songs wie Pagoda, Double Helix und Golem haben wird dann ja auch 2015 mit auf die Bühne genommen. Danach sind noch einige weitere entstanden, die wir bislang auch noch nie live gespielt wurden. Gerade die Idee zum Titeltrack Lords schleppen wir jetzt seit einer geraumen Zeit mit uns herum. Aber eigentlich bringt er von der Stimmung ganz gut rüber, wo wir 2017 stehen und wie es in Zukunft musikalisch weitergehen könnte.

Time For Metal / Sebastian S.:
Ihr seid ja große Fans des Improvisierens. Wieviel 50% des neuen Albums sind denn schätzungsweise aus einer Stimmung heraus direkt aufgenommen worden?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Die Songs an sich sind nicht improvisiert. Die Ideen, die zu einem Großteil der Songs geführt haben, sind es natürlich. Wir haben aber zwei Instrumental-Nummern auf dem Album, die eigentlich improvisierte Klangcollagen sind. Sie sind zusammengesetzt aus mehr oder weniger willkürlich aufgenommenen Sounds. Im Prinzip so etwas, was wir live auch zwischen den Songs im Set machen. Da passiert einfach etwas. Insofern bringt das Album schon ganz gut rüber, was wir auch live machen – zumal es wirklich auch 1:1 der Sound ist, der aus unseren Amps kommt. Das war uns bei der Produktion sehr wichtig.

Time For Metal / Sebastian S.:
Hat Phil sich für die Aufnahmen auch seinen Viersaiter-Bass umgehängt oder stammen alle tiefen Töne von Stefans Touch Guitar?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Die Rollenverteilung bei uns ist ja etwas untypisch. Phil hat bei einigen Songs seinen Bass eingesetzt, ja. – Wohl aber über seinen Gitarrenverstärker. Manchmal schiebt aber auch Dan mit seinem Octaver ganz gut unten rum. Generell ist es aber Stefan, der den Bassbereich bedient. Wenn er hochfrequente Figuren spielt, übernimmt jemand anderes diese Rolle oder Stefan selbst spielt mit seinen Füßen seinen Moog für zusätzlichen Sub-Bass.

Time For Metal / Sebastian S.:
Stefan
ist in der progressive-alternativen Musikszene mit seinen beiden Touch Guitars von Ed Reynolds und Rüdiger Ziesemann (Bassline Bass) schon etwas Besonderes. Seit 2012 werden diese Instrumente von Markus Kirchmayr in Österreich gefertigt. Wie kam es dazu, dass anfangs zwei unterschiedliche Instrumentenbauer dieses beinahe kunstvolle Instrument bauten und die Hoheit nun bei Markus liegt?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Markus Reuter
(Stick Men, Centrozoon…) hat die Instrumente in Zusammenarbeit mit Ed Reynolds im Jahre 2008 entwickelt und Touch Guitars gegründet. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Instrumente. Seit einigen Jahren werden die Gitarren wie schon erwähnt in Österreich gebaut. Mittlerweile arbeitet Stefan für Touch Guitars, ist sozusagen Markus’ rechte Hand und macht u. a. Demonstrationen auf Messen und Konzerten. Auf der Suche nach einem geeigneten Gitarrenbauer wurden in den Anfangstagen u. a. auch einige Gitarren bei BassLine gebaut. Lustigerweise haben sich Stefan und Phil, der ja für Bassline arbeitet, dadurch kennengelernt. Es ist schon irgendwie interessant zwei Musiker in der Band zu haben, die für Gitarrenhersteller arbeiten, auch wenn man die Jungs ab und zu bei der Probe von allzu viel Fachsimpelei abhalten muss.

Time For Metal / Sebastian S.:
Ihr seid ja schon recht speziell, was das Austüfteln von Sounds angeht. Das merkt man spätestens dann auch als Laie, wenn man Eure Fußboards bei Auftritten entdeckt. Habt Ihr einen roten Faden im Erstellen von Klängen oder heißt es „Drehen wir doch mal hier und da und dort und gucken, was passiert“?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Wahllos ist dies nicht. Jeder von uns hat seine Charakter-Sounds – und die stammen eben aus diesen Pedalen. Stefan muss gleichermaßen verzerrt brettern und aber auch hallgeschwängerte Sphären zaubern können. Ähnlich ist es bei Dan, der viele Cleansounds abrufbereit hat, die eben diesen Wiedererkennungswert haben. Phil spielt komplett in stereo für einen großen Raumklang. Das Konzept ergibt sich automatisch, weil es eben in Pedalform vor einem liegt. Die Pedale hatten wir zum großen Teil auch schon vor Isaac Vacuum. Es hat sich eben so ergeben, dass jeder seinen speziellen Sound hat – was sich natürlich im Bandsound niederschlägt und auch so gewünscht ist.

Time For Metal / Sebastian S.:
Die Effektpalette der Saiteninstrumente ist ja wie erwähnt doch recht umfangreich bei Euch. Wie sieht es denn mit Michel an den Drums aus? Habt Ihr hier Effekte auf die organischen Klänge gelegt oder vielleicht neue Instrumente aus dem perkussiven Bereich eingebunden?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Nein, das Schlagzeug klingt so, wie ein Schlagzeug zu klingen hat. Dies sogar recht organisch für eine so brachiale Produktion.

Time For Metal / Sebastian S.:
Wird Dans Doppelmikro, das man von Euren Auftritten kennt und was einen gewissen Dialog-Charakter produziert, obwohl nur eine Person damit interagiert auch in seiner Funktionsweise auf dem neuen Album vertreten sein? Behaltet Ihr das Wechselspiel der Stimmen bei?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Es ist tatsächlich so, dass das zweite Mic, welches ja mit diversen Effekten verfremdet wird, nicht nur dazu dient die Soundpalette (noch mehr) zu erweitern. Viele Parts, in denen es eingesetzt wird, geben den Song inhaltlich aus einer anderen Erzählperspektive wider. Jede Stimme, jeder Sound ist ein wichtiger Teil der Story, darum sind diese Passagen natürlich auch auf dem Album zu hören.

Time For Metal / Sebastian S.:
Phil
tritt ja live dann und wann doch auch mal Richtung Mikro. Hat er auf dem neuen Album verstärkt Gesangsparts oder ist er eher das „Backup“ für Dan?

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Wir haben auf Lords viele mehrstimmige Parts. Einige davon kommen kompakter, wenn sie von Dan allein eingesungen werden, andere wiederum bekommen viel Raum, wenn Phil die Backings übernimmt. Beide haben ganz unterschiedliche Stimmfarben – aber Dan ist die Hauptstimme. Stefan hat kurz vor dem Mixing auch noch einige Backings eingesungen, die besonders bei Collapse und Error eine ganz besondere Note reinbringen.

Time For Metal / Heike L.:
So, das war es auch schon von unserer Seite. Gibt es denn eine Frage, auf die Ihr während Eurer verschiedenen Interviews immer gewartet habt, die Euch aber noch nicht gestellt wurde? Falls ja, nennt bitte die Frage und Eure Antwort.

Isaac Vacuum / Philipp Maike:
Was ist das für ein Coverartwork für Lords?

Das ist toll, dass ihr uns das fragt! 😉 Nein, wir müssen darauf eingehen, weil wir über die Kooperation echt glücklich und überaus dankbar sind: Dies ist die Skulptur Hybris von Gerhard Hahn. Wir haben festgestellt, dass unsere Musik viel mit seiner ultra-detaillierten aber gleichermaßen roughen Materialästhetik gemeinsam hat. Thematisch liegt sein keramischer Turmbau zu Babel auch recht nah am Inhalt von Lords – insofern passt es einfach. Gerhard hat es möglich gemacht, dass wir im Rahmen seiner Ausstellung in einer Industriebrache zusammen mit Nils Voges Shootings von seiner Arbeit machen durften.

Und wenn wir dann noch ein wenig Werbung in eigener Sache machen dürfen… 😉

Unser Album Lords wird ja am 18.03. veröffentlicht, einen Teaser findet Ihr hier:

Das Video zum Titeltrack gibt es hier:

Und wenn Ihr vorbestellen möchtet, könnt Ihr das gern über unsere Bandcamp-Seite tun. Hier ist der Link:

https://isaacvacuum.bandcamp.com/album/lords

Time For Metal / Heike L.:
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass wir sehr gespannt auf das Album sind.

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