„50 Jahre Wahnsinn, 50 Jahre Chaos, 50 Jahre Bernd“ – Birthdayparty mit Strain Of Madness & Invoke – Burgheim am Kaiserstuhl, 03.03.2018

„50 Jahre Wahnsinn, 50 Jahre Chaos, 50 Jahre Bernd – Birthdayparty mit Strain Of Madness & Invoke – Burgheim am Kaiserstuhl, 03.03.2018“

Unter dem Motto 50 Jahre Wahnsinn, 50 Jahre Chaos, 50 Jahre Bernd wurde am Samstag dem 03.03.2018 nach Burgheim an den schönen Kaiserstuhl geladen, um mit guten Freunden, der einen oder anderen Gerstenkaltschale und einer ordentlichen Portion Livemucke den runden Geburtstag des Altrockers Bernd W. zu feiern. Die Anreise bei schönstem Wetter verlief problemlos und auch die Location, direkt am Stadttor der historischen Altstadt gelegen, war schnell gefunden. Notgedrungen konnte man sich auch an der Geräuschkulisse orientieren, denn schon von Weitem waren metalische Klänge zu vernehmen. Meine anfänglichen Befürchtungen, als es hieß, das Ganze finde im renommierten Restaurant & Gasthaus Zum Adler statt, waren schnell verflogen, denn extra zu solchen Zwecken hatte man eine alte Scheune im Anbau zu einer genialen Partylocation mit Theke, Küche und Bühne umgebaut. Die Begrüßung ging recht locker vonstatten und schnell wurde ich mit Hochprozentigem versorgt. Die etwa 60-70 Gäste (etwa 20 hatten wegen Grippe abgesagt) waren bunt gemischt, vom langhaarigen Bombenleger im Meddl – Shirt, über alteingesessene, gutbürgerliche Einwohner Burkheims und selbst die ortsansässige Fasnetszunft der Rhinwaldhexen hatte eine Abordnung geschickt. Zu Klängen aus der Konserve von Metallica, Ektomorf, Death Angel … ect. wurde bald eine Unterlage in Form von Pulled Pork – Brötchen mit Salat oder Suppe, gereicht. Kurz nach 21:00 Uhr tat sich dann auch endlich etwas auf der relativ großzügig angelegten Bühne.

Die Opener des Abends, die Stoner Metaller Diabas aus dem Großraum Freiburg, mussten leider kurzfristig absagen, da Sänger und Gitarrist Ben Rogg am Morgen in die Klinik eingeliefert wurde. An dieser Stelle, gute Besserung und eine schnelle Genesung, Benni! Somit war die Bühne frei für die Stoner Rocker Strain Of Madness aus dem Schweizer Kanton Bern, die sich selber so gar nicht gerne in eine Genreschublade stecken lassen und ihren Mix kurzerhand als „Dirty und high octane Rock`n Roll“ bezeichnen. Ich wusste zuvor so gar nicht, was mich erwartet, da ich die Band nicht kannte und zuvor auch nicht die Zeit gefunden hatte, bei Youtube mal rein zuhören. Wie ich im Gespräch erfuhr, musste die 2010 gegründete Band um den charismatischen Sänger Jonny Jaggy erst einmal einige Besetzungswechsel überstehen, bevor sie in der jetzigen Besetzung ihren Stil fand und 2015 durchstarten konnte. 2015 wurde dann auch gleich das Debüt Dancing With The Dead eingespielt. Auf die Ohren gab es heute dann auch knapp 75 Min. – fast das gesamte Erstlingswerk des Schweizer Fünfers. Das bunt zusammengewürfelte Publikum konnte mit dem Mix aus schnellem und teils sehr melancholischem Rock mit ausgeprägten Instrumentalpassagen und eingängigen Gitarrenriffs, u.a. Take My Heart, Rollercoaster, Werewolf, Mosquito, Dancing With The Dead, nicht allzu viel anfangen. Vor der Bühne herrschte wenig Bewegung und zu viel mehr als einem Höflichkeitsapplaus ließ man sich nicht hinreißen. Der Mann mit Zylinder machte gute Miene zum bösen Publikum und bedankte sich jedes Mal artig. Die Band trat sehr professionell auf und es war wenig davon zu merken, dass es Underground-Bands in der Schweiz sehr schwer haben und dass sich ohne Vitamin B kaum Auftrittsmöglichkeiten bieten. Auch der Sound war, für eine kleine Geburtstagsfeier, echt ordentlich. Als die letzten Töne von I Know verklungen waren, gab es dann doch noch einige Zugaberufe und alle hatten sich wieder lieb.

Nach kurzer Umbaupause und gefühlt 30 Min. Rede auf das Geburtstags“kind“, ging es dann nahtlos über zu Invoker. Die Band reiste extra 680 km aus Köthen in Sachsen Anhalt nach Burkheim an und war eine besondere Geburtstagsüberraschung von Bernds Frau. Die Nackenbrecher aus dem Osten der Republik konnten seit ihrer Gründung 2010 schon einige Hürden nehmen, so nahmen sie nach anfänglichen Besetzungswechseln 2012 ihren ersten Silberling A New Age auf und absolvierten zahlreiche Gigs, z.B. mit Deserted Fear, Melechesh, Koldbrann oder Eisregen. Mit Hunger gingen die vier Köthener, die sich dem Melodic Death / Black Metal verschrieben haben, dann auch gleich in die Vollen und holten den Abrisshammer raus. Auch vor der Bühne tat sich nun endlich was und ein paar Mädels schüttelten kräftig ihr Haupthaar, während die Herren der Schöpfung sich zunächst noch lieber dem Kraftsport in der Halbliter-Klasse widmeten. Das sollte sich aber bei Songs wie z.B. Armageddon Rises, Across The Abyss und In The Womb Of Arrogance schnell ändern. Neben Sänger – und Gitarrist Tino Büttner sorgte vor allem das Tier hinter der Schießbude, Tino Schumann, dafür, dass der extreme Metal einen nach dem anderen vor die Bühne zog. Spätestens bei Devil`s Door war der Bann gebrochen und selbst die Nicht-Metaller wippten zumindest mit dem Fuß im Takt. Verwunderlich war der Spannungsaufbau, den die Köthener nahezu perfekt beherrschten, denn meist starteten die Songs nicht gleich mit voller Wucht durch. Dynamik wurde groß geschrieben, um dann gleich danach wieder den Vorschlaghammer auszupacken. Auch hier immer wieder recht lange Instrumentalpassagen, die den bombastischen Songs Zeit zum Entfalten gaben. Gespannt wartete ich auf The Wolves Chant, ein Song, von dem die Band im Vorfeld mehrfach redete, weil hier offenbar wildromantische Klavier- und Geigenklänge mit brachialem Death Metal in Einklang gebracht wurden, doch leider wurde der Song nicht gespielt. Den Abschluss machte nach gut 80 Min. Aeon, der Titelsong des noch aktuellen Albums. Mit Doublebass und den sehr tiefen, hysterischen Riffs fühlte man sich nach Norwegen versetzt. Überhaupt hat man noch nicht wirklich einen eigenen Stil gefunden, einmal zu oft lassen Bands wie Bolt Thrower oder Dissection grüßen, doch live machte die Band Spaß – und Nackenschmerzen sind garantiert.

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