Bands: Mufflon, Carson
Ort: Highlander Pub, Marktstraße 56, 56727 Mayen
Datum: 17.04.2026
Kosten: 10 €
Genre: Stoner Rock, Alternativ Rock, Indie Rock
Veranstalter: Broken Music
Link: https://www.facebook.com/events/781883558015206
Heute geht es für uns nach Mayen, wo wir zum ersten Mal im Highlander Pub sind. Dort spielen überraschenderweise Carson aus der Schweiz, zu deren letzten Album When Gods Know Why ich im letzten Jahr ein Review gemacht habe (hier nachzulesen). Die Chance, Carson endlich live zu sehen, will ich mir nicht entgehen lassen.
Kurz vor dem offiziellen Beginn um 20:00 Uhr angekommen, treffe ich auf einige Bekannte und Freunde und auch Thomas von Broken Music, der die aktuelle Tour von Carson organisiert, treffe ich an der Theke.
Erdiger Auftakt im Highlander Pub mit Mufflon
Im Highlander Pub füllt sich der Raum langsam, während sich die Spannung aufbaut. An diesem Abend eröffnet die Plaidter Band Mufflon für Carson – und schon vor dem ersten Ton wird klar: Das hier ist kein schneller Standard-Support-Slot.
Mufflon nehmen sich Zeit für ihren Soundcheck. Christian (Bass, Gesang), Brosch und Giddi (beide Gitarre) sowie Spaziba (Schlagzeug) feilen an Details, justieren Lautstärken, testen Riffs, stimmen nach. Es wirkt konzentriert und fast schon entschleunigt. Als alles sitzt, verschwindet die Band noch einmal kurz von der Bühne – ein letzter Moment der Sammlung, bevor es dann wirklich losgeht.
Dann der Einstieg: ohne großes Gerede, aber mit umso mehr Druck. Nach dem Opener In The Ground zeigt sich danach direkt der erhabene Mufflord: schwer, wuchtig und mit genau dem staubigen Groove, der den Abend prägt. Das ist hier True Stoner Rock in der Tradition von Kyuss, und das kann die Band auch gar nicht verleugnen.
Der Sound füllt den Raum sofort. Vor allem die beiden Gitarren von Brosch und Giddi greifen kraftvoll ineinander und legen ein dichtes Riff-Fundament, während Spaziba am spärlich erleuchteten Schlagzeug im Hintergrund die Songs mit einem treibenden, zugleich lässigen Groove nach vorne schiebt. Christian hält mit seinem Bass alles zusammen und setzt mit seinem rauen, ungekünstelten Gesang genau die richtige Kante obendrauf. Der Highlander Pub zeigt sich dabei von seiner besten Seite – eng, direkt, laut.

Es folgen weitere Songs wie Golden Cage, The Sun, Grow und The Herd, die den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Jeder Track baut auf diesem schweren, erdigen Fundament auf, variiert aber genug, um das Set spannend zu halten. Mufflon spielen sich nicht in den Vordergrund – sie lassen die Musik sprechen, und genau das funktioniert in dieser Club-Atmosphäre hervorragend.
Im Publikum nicken die Köpfe im Takt, die Leute rücken näher zusammen, die Energie im Raum steigt spürbar. Mufflon brauchen keine großen Gesten, ihre Präsenz entsteht aus dem Sound heraus.
Mit Legend folgt schließlich der abschließende Track: ein passender, fast schon programmatischer Titel für das Finale dieses Sets. Ein legendärer Abschluss des Gigs und gleichzeitig ein richtig starker Support für Carson. Am Ende bleibt der Eindruck eines durchweg starken Auftritts einer Band, die für viele – auch für mich – durchaus noch Neuland ist, sich hier aber mit Nachdruck empfiehlt. Mufflon liefern keinen überladenen Auftritt, sondern einen, der wirkt: direkt, ehrlich und mit ordentlich Wucht.
Carson – Eigenständigkeit zwischen Wucht und Atmosphäre
Nach dem kraftvollen Auftakt von Mufflon betreten Carson die Bühne im Highlander Pub und nach kurzem Soundcheck wird schnell klar, dass sich der Sound des Abends jetzt deutlich verschiebt. Was hier folgt, ist kein klassischer Stoner-Rock nach Lehrbuch, sondern ein eigenständiger, vielschichtiger Ansatz, der sich bewusst von Genregrenzen löst.
Das Trio um Sänger und Gitarrist Kieran Jones, Schlagzeuger Jan Kurmann und Bassistin Elina Willener wirkt vom ersten Moment an fokussiert und präsent. Carson steigen mit And His Bone ein, einem Stück aus ihrem frühen Repertoire, das sofort eine dichte, leicht düstere Atmosphäre im Raum erzeugt. Direkt danach folgt Drown The Witness, dessen treibende Dynamik das Publikum im Club endgültig in ihren Bann zieht. Schnell wird klar: Carson haben den Raum komplett für sich gewonnen
Im Verlauf des Sets gibt es dann einen dieser besonderen Live-Momente: Bassistin Elina Willener greift zum Mikro und verkündet, dass Schlagzeuger Jan Kurmann an diesem Abend Geburtstag hat. Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten, der gesamte Pub stimmt ein und schickt ein lautstarkes, herzliches „Happy B-Day“ in Richtung Bühne. Ein kurzer, persönlicher Moment, der die ohnehin dichte Atmosphäre noch einmal auflockert und zeigt, wie nah Band und Publikum hier beieinander sind.
Carson spielen mit Kontrasten: rohe Energie trifft auf durchdachte Songstrukturen, druckvolle Passagen wechseln sich mit fast schwebenden Momenten ab. Man merkt, dass hier eine Band auf der Bühne steht, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat und ihren eigenen Sound gefunden hat, unabhängig von Szeneschubladen.

Ein besonderer Fokus liegt an diesem Abend auf dem aktuellen Material. Mit When Gods Know Why präsentieren sie einen Song, der sofort hängenbleibt: melodisch, kraftvoll und mit einer Energie, die den Raum mitreißt. Auch The Itch entfaltet mit seinen massiven Gitarrenwänden eine beeindruckende Wucht, während Engine Down und Snow White die Vielseitigkeit der Band unterstreichen. Gerade letzterer überrascht mit Stimmungswechseln und einer Atmosphäre, die sich erst nach und nach entfaltet.
Doch auch die Stücke aus der vorherigen Schaffensphase fügen sich nahtlos ein. Songs wie The Wilful Pursuit Of Ignorance, Dirty Dream Maker, The Last Laugh und Gimmie zeigen eine rauere, direktere Seite der Band und sorgen für zusätzliche Intensität im Set.
Live entfalten Carson eine besondere Wirkung: Der Sound ist dicht, aber nie überladen, kraftvoll, aber immer kontrolliert. Die Rhythmussektion arbeitet präzise und druckvoll, während die Gitarrenarbeit von Kieran Jones zwischen massiven Riffs und feineren Nuancen pendelt. Gleichzeitig entsteht eine spürbare Spannung im Raum, die das Publikum konstant hält. Die Band wird mit großem Applaus entlassen
Nach dem Konzert geht es am Merchstand noch eine ganze Weile weiter. Ich komme dort mit der Band ins Gespräch, wir sprechen über mein Review zu ihrer letzten Platte und die Entwicklung der neuen Songs. Dabei erzählen sie mir, dass sie tatsächlich ein Zitat aus meinem damaligen Review auf ihrer Bandcamp-Seite verwendet haben. Ich sage ihnen ehrlich, dass mich das sehr ehrt.
Am Ende liefern sie nicht nur einen starken Headliner-Auftritt, sondern auch einen spannenden Kontrast zum Opener Mufflon, der eine klasse Basis für den heutigen Abend hier im Highlander Pub gesetzt hat. Carson zeigen, dass moderner Rock auch 2026 noch überraschen kann – eigenständig, intensiv und mit einem klaren künstlerischen Anspruch.

















