Festivalname: Rock In Rautheim 2026
Bands: Burning Witches, Edge Of Paradise, Eleine, Feuerschwanz, Firewind, Grailknights, MH:LK Experience, Moonlight Haze, Orden Ogan, Stereo Start, Terra Atlantica, Victorius, Visions Of Atlantis
Ort: Braunschweig-Rautheim
Datum: 08.05. und 09.05.2026
Kosten: Wochenendtickets: ab 55 Euro (erm.), ab 82,50 Euro | Tagesticket: ab 16,50 Euro (erm.), ab 55 Euro
Genres: Heavy Metal, Power Metal, Symphonic Metal, Folk Metal, Indie Rock
Besucher: ca. 3.500 pro Tag (ausverkauft)
Veranstalter: Lebenshilfe Braunschweig gemeinnützige GmbH (https://www.lebenshilfe-braunschweig.de)
Link: www.rock-in-rautheim.de
Die Festivalsaison ist eröffnet und beginnt direkt liebenswert. Dieses Adjektiv trifft wohl am besten auf das inklusive Festival Rock In Rautheim zu. Man möchte es einfach umarmen. Zum zweiten Mal in Folge kann das Festival „ausverkauft“ in großen Lettern auf die Festivalplakate schreiben. Ca. 3.500 Menschen aller Altersklassen haben den Weg in den Braunschweiger Stadtteil Rautheim gefunden. Bei dieser Besucherzahl wird im Verlauf des Wochenendes ein erster Kritikpunkt laut: Die Wege, in erster Linie vor den Essensständen, werden immer enger, was vor allem den Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, zu schaffen macht. Als ich das Festival zwei Jahre zuvor besuchte, waren es pro Tag noch gut 1.000 Nasen weniger auf dem Gelände der Lebenshilfe. Sollte man bei der Anzahl der verkauften Tickets bleiben, darf man gerne über Optimierungen der Wege nachdenken. Das soll es aber auch schon gewesen sein mit der Kritik. Musikalisch kommen an diesem Wochenende vor allem Power- und Symphonic-Metal-Fans auf ihre Kosten. Wärmt eure Stimmen gut auf, denn der Wetterbericht sagt eine kühle Brise voraus. Nach der reibungslosen und sehr freundlichen Begrüßung bei der Akkreditierung fange ich doch schon leicht an zu zittern, bei Temperaturen knapp im zweistelligen Bereich. Zum Glück bin ich mit einer Gruppe guter Freunde angereist, was die Wartezeit bis zum Einlass versüßt. Let’s do this!
Ein Dankeschön sei an dieser Stelle an meinen Kollegen Jürgen F. gerichtet, der an diesem Wochenende für weitere Eindrücke in Form von Worten, O-Tönen und Fotos sorgt. (Flo W.)
Hisst das scharlachrote Banner im Namen der Revolution!

Das epische Conquest Of Paradise des griechischen Komponisten Vangelis ertönt aus den Lautsprechern, als die Steampunk-Piraten von Terra Atlantica die Bühne betreten. Das Publikum ist sofort wach und ich kann den Spirit alter Rhapsody-Hymnen riechen. Obwohl ich eine Abneigung gegen Chöre und Orchesterpassagen vom Band habe, macht die Gruppe um Mastermind Tristan Harders diese Tatsache mit viel Spielfreude wett. Tristan punktet mit starkem Gesang und seiner Ausstrahlung. Drummer Nico hat trotz schneller Parts immer ein fettes Grinsen im Gesicht. Metal muss nicht immer böse sein. So sehr sich der zweite Gitarrist auch bemüht, aus seinem Mikro kommt kein Ton. Alle Matrosinnen und Matrosen sind an Bord und starten mit Scarlet Banners gemeinsam „eine Revolution gegen eine scheiß Zeit“. Dass U-Boote auch Überschallgeschwindigkeit erreichen können, beweisen Terra Atlantica in Land Of Submarines. Die gelegentlich in den Himmel schießenden Feuerbälle kommen bei den Temperaturen gelegen. Zu Across The Sea Of Time bin ich endgültig auf Betriebstemperatur und voll im Piratenmodus. „Whohohohooo Atlanticaaaa“ – das Rautheimer Publikum stellt zur frühen Stunde seine Qualitäten unter Beweis und feiert die Bandhymne vom Debütalbum A City Once Divine. Ein erster Erfolg des Festivals? Aye! (Flo W.)
Starke Stimme trifft auf symphonische Magerkost

Auch die italienische Band Moonlight Haze kommt mangels Keyboard und Bass nicht ohne zahlreiche Backing-Tracks aus. Nach dem epischen Intro erstrahlt die Stimme von Sängerin Chiara in einem dramatischen Solospot. Und was soll ich sagen: „She’s got pipes.“ Ohne Umschweife fordert sie das Publikum auf, lauter zu werden: „Come on you guys, this is a Heavy Metal show, you have to get a little louder.“ Ihr Vocal-Fry und Sopran haben es in sich, die Songs bieten dagegen nur Symphonic-Metal-Magerkost. Richtig cheesy wird es mit Chase The Light. Spaß macht es trotzdem, ich bin doch auch nur ein einfacher Metalhead. Zu The Rabbit Of The Moon (was für ein Titel?) fordert die Frontfrau das Publikum zum Hüpfen auf und findet die Darbietung „megageil“. Moonlight Legion ist einer der stärkeren Songs im Set und ist allen gewidmet, die der Band treu zur Seite stehen. Die kürzlich erschienene Single Shine feiert Live-Premiere auf dem Rock In Rautheim. Da ich und der italienische Power Metal bis auf wenige Ausnahmen keine Freunde mehr werden, schließe ich mit Chiaras Worten: „Wir sehen uns am Merch, Bier trinken.“ Cheers! (Flo W.)
Comedy und Metal par excellence

Es wird Zeit für ein bisschen Superhero-Metal. Den weiten Weg aus Grailham City haben die Grailknights angetreten. Stilecht fliegen sie zu Bonnie Tylers Holding Out for A Hero auf die Bühne. Viele Fans sind im Cosplay passend zur Band in den ersten Reihen zu sehen. Lange fackeln oder gleich die Muskeln spielen lassen? Zweiteres ist der Fall und zu Muscle Bound For Glory wird ordentlich geflext. Zeit für ein kurzes Posing ist immer – einfach eine Augenweide. Entschuldigung, kann ich mal eben den Grailknights Battlechoir hören? Yes Sire! Der Sound hat ebenfalls ein paar Gewichte draufgepackt und ist viel druckvoller als bei Moonlight Haze. Schamlose Werbung gefällig? Das Laser-Katana – „für Legenden, nicht für Lappen“ – gibt es heute im Sonderangebot für schlappe 9,99 Euro (statt 10,99 Euro), weil „hier so eine geile Energie herrscht“. Während Powerlift dem 90s-Techno huldigt, kommt Laser Raptor 3D mit Sabaton-Vibes um die Ecke – nur mit Dinos anstatt Panzern. Niedrige Temperaturen? Kein Problem, denn jetzt steht eine Runde Grailrobic auf dem Plan, gefolgt von den pumpenden Beats aus dem Grail Gym. Weiter geht’s im Showprogramm mit einem epischen Laser-Katana-Kampf in Zeitlupe. Queens unsterbliche Hymne We Are The Champions sorgt für Gänsehaut. Licht, Feuer, Bier, heiliger Gral – Prost auf alles und jeden. Sänger Sir Optimus Prime hat seiner Mutti ein Video versprochen und wünscht sich als Ergebnis „10.000 neue Follower bei Social Media am Ende des Tages“. Zu den Klängen von Pumping Iron Power „fliegt“ der Sir via Crodsurfing zum Bierstand und spielt bei seiner Rückkehr Luftgitarre auf dem „heiligen Aal“, der anschließend zu seinem Herrchen zurückschwimmen darf. Bei den Dreharbeiten dieser Show kamen keine Aale zu Schaden. (Flo W.)
Tanzen wie in der Diskothek

Aus dem sonnigen Kalifornien kommen Edge Of Paradise und spielen einen modernen Mix aus Rock und Metal. Die Truppe ist gerade mit Visions Of Atlantis unterwegs, sodass beide Bands gemeinsam den Stopp in Braunschweig einlegen. Allerdings kämpfen Margarita Monet und ihre Mitstreiter zunächst mit der Technik. Mit deutlicher Verspätung geht es in das eigentlich 45-minütige Set. Zunächst sind nur die donnernden Bässe aus der Konserve zu hören, dann irgendwann der Gesang. Step by Step folgen die Saiten und Drums. Das auf der Bühne stehende Keyboard scheint vor allem die elektronischen Einspielungen zu steuern oder geht im Bassgewitter unter.
Eigentlich liegt der Scope auf dem aktuellen Album Prophecy, wovon gleich fünf Stücke auf der Setlist stehen. Allerdings müssen auch Edge Of Paradise ihr durch die Technik und die vorherigen Verspätungen bereits gestutztes Set noch weiter verkürzen, sodass kaum ein wirklicher Eindruck von der Band bleibt. Wer auf moderne Klänge mit ordentlich Bass und Diskorhythmus steht, sollte die Truppe antesten. (Jürgen F.)
Auf den Spuren von Running Wild

Was für eine Entwicklung hat die multinationale Band Visions Of Atlantis in den vergangenen Jahren hingelegt? Mit dem Einstieg von Michele Guaitoli als zweitem Sänger hat sich das Quintett selbst das Piratenthema auf den Leib geschneidert. Dieses Piratenthema setzt die Truppe mittlerweile wie eine Art Musical oder Rockoper in Szene und folgt damit Running Wild, den Urvätern des Piraten-Metal. Wie bereits in der Hamburger Markthalle im Februar eröffnet die Sängerin Clémentine Delauney a cappella mit To Those Who Chose To Fight. Die weiteren Protagonisten entern nacheinander die Bühne. Spätestens mit The Land Of The Free (nein, kein Gamma-Ray-Cover) gibt es einen unglaublichen Ohrwurm, bei dem sich Delauney und Guaitoli gegenseitig die Bälle zuspielen und ein herausragendes Gesangsduo bilden.
Ganz wichtig: Guaitoli ergreift das Wort und gibt ein ganz wichtiges Statement ab. Musik soll Menschen zusammenbringen, egal woher du kommst, egal was du kannst oder nicht, egal ob du mit Einschränkungen lebst, egal an was du glaubst. Genau das gelingt auf dem Rock In Rautheim unglaublich gut, sodass sich Bands wie Visions Of Atlantis sehr wohl in Braunschweig fühlen.
Die Show untermalen reichlich Pyros, die immer wieder aufflackern und zum Beispiel Hellfire feurig begleiten. Eine Nummer müssen auch Visions Of Atlantis skippen, da um 23 Uhr die Boxen schweigen müssen. Über Armada, Master Of The Hurricane geht es zum Schlusspunkt Melancholy Angel, mit dem die Truppe nochmals ihren klaren Headliner-Status untermauert. Visions Of Atlantis sind auf dem Weg zur Speerspitze im Segment Symphonic Metal / Rock Oper, wobei die aktuellen Hochkaräter des Genres in den vergangenen Jahren schwächelten. Wenn das Quintett vom Showkonzept und der Musik so weitermacht, dann werden die Bühnen in Zukunft noch größer als heute hier in Rautheim. Der Sound ist von Standort zu Standort anscheinend unterschiedlich. Mittig vor der Bühne war alles perfekt, weiter an den Rändern anscheinend weniger, so die Response von anderen Fans auf dem Gelände. (Jürgen F.)
Cold, Dead And Gone

Finale Umbaupause und pünktlich geht heute so gut wie gar nix, sodass auch der Headliner aus dem Sauerland sein Set auf circa 75 Minuten verkürzt. Der Bühnenaufbau ist opulent und Drummer Dirk Meyer-Berhorn thront über dem Geschehen. F.E.V.E.R. als Auftakt nach dem bekannten Intro aus dem Sauerland ist einfach ein perfekter Opener, der mittlerweile bereits elf Jahre auf dem Buckel hat. Leider mag die Technik auch beim Headliner nicht so, wie es eigentlich soll. Der Sound verändert sich mehrfach, aber insgesamt kommt ein ziemlicher Brei aus den Boxen, wobei vor allem die Drums und der Bass vieles übertönen. Der Titeltrack vom 2025er-Album Ravenhead folgt bereits früh und kann sich durch den unausgegorenen Sound-Mix nicht so entfalten, wie es Sebastian „Seeb“ Levermann und seine Mitstreiter schon unzählige Male auf den Bühnen zelebriert haben.
Trotzdem werden Orden Ogan ihrem Headliner-Status absolut gerecht. Levermann erinnert an die Anfänge des Festivals und die jetzige Rolli-Bühne, die damals die Hauptbühne war, auf der Orden Ogan vor einigen Jahren noch spielten.
Richtig in die alten Tage von Orden Ogan, die – viele werden ungläubig staunen – 2026 bereits ihren 30. Bandgeburtstag feiern, geht es mit We Are Pirates!. Erinnert sich noch jemand an Easton Hope? Deutlich mehr Menschen werden sich an das Szenario mit dem Wilden Westen und den Titeltrack der 2017er-LP Gunmen erinnern. Mit diesen Lyrics kamen Orden Ogan 2017 nach Hamburg – gemeinsam mit einem Gunman, der zum G20-Gipfel anreiste und der jetzt wieder Präsident der USA ist. „Ich werde dich finden … Ich werde dich jagen, ich werde dein letzter Albtraum sein“. Der wilde Westen ist 2026 wieder Realität, nur in einem anderen Outfit.
Der Schlusspunkt ist das bekannte und beliebte The Things We Believe In, bei dem das Publikum auf „and so we are“ mit „Cold, Dead And Gone“ antwortet. Auch dieses Stück Musik hat mittlerweile 14 Jahre auf dem Buckel. Gegen einige Minuten vor 23 Uhr endet die Livemusik und das Gelände leert sich überraschend schnell. Klar, morgen gegen Mittag geht es bereits weiter. Falls das letzte Bier heute Abend nicht so gut war, bleibt genügend Zeit für die Verdauung. (Jürgen F.)
Aber was sagt eigentlich die Künstlerschaft zu dem Festival? Hier zwei Antworten:
Sir Optimus Prime von den Grailknights:

„Optimus Prime von den Grailknights hier und ich habe die Ehre, ein kurzes Statement zum Festival Rock In Rautheim zu geben. Ich bin befreundet mit dem Veranstalter und habe das hier seit der Geburtsstunde mitbekommen. Auf einer kleinen Bühne ging es los, jetzt riesengroß, und ich kenne kaum ein Festival, auf dem die Stimmung so unglaublich entspannt und so freundlich ist wie auf dem Rock In Rautheim. Mit was für einer Selbstverständlichkeit hier die Crew und die Helfer miteinander arbeiten, ist einfach unglaublich. Als Band fühlt man sich sehr willkommen. Es herrscht eine Normalität, die allen immer mal wieder bewusst gemacht werden muss. Es ist einfach normal, in unserer Gesellschaft so zu leben, wie wir das hier gerade erleben. Aber dass das Thema einfach in den Mittelpunkt gerückt wird, dieses Zusammensein mit allen Menschen, egal ob mit Beeinträchtigung oder ohne – das ist einfach stark. Es ist gelebte Inklusion, die gerne medienwirksam und nach außen transportiert werden soll. Und das gelingt dem Festival ganz fantastisch mit einer ganz großen Message und einem unglaublichen Impact inklusive einer wahnsinnigen Professionalität.“
Sebastian „Seeb“ Levermann von Orden Ogan:

„Seeb von Orden Ogan hier. Wir sind zum zweiten Mal beim Rock In Rautheim. Und diesmal haben wir auf der großen Bühne gespielt, beim letzten Mal auf der kleinen Bühne , die jetzt die Tribüne für die Rollifahrer ist. Und da das jetzt die Tribüne ist für die Rollifahrer, konnten wir da nicht drauf spielen. Deswegen mussten wir auf die große Bühne ausweichen und es ist ein ganz wunderbares Festival. Wir kommen gerne wieder, auch ein drittes Mal und auch ein viertes Mal, und fühlen uns immer sehr willkommen. Es ist eine großartige Atmosphäre hier. Es wird sich sehr gut um einen gesorgt, sehr familiär, und das mögen wir. Es ist auf jeden Fall ein wunderschönes Festival.“















































