An Evening With Sons Of Apollo – ZUSATZSHOW – 28.02.2020 in Karlsruhe – Rock Shop – Crystal-Ballroom

Ausnahmemusiker trotzen technischen Widrigkeiten

Eventname: An Evening With Sons Of Apollo

Artist: Sons Of Apollo

Ort: Crystal-Ballroom, Rock Shop Karlsruhe, Am Sandfeld 21, 76149 Karlsruhe

Datum: 28.02.2020, Einlass: 18:00 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr

Kosten: 39,00 € (inkl. MwSt.)

Genre: Progressive Rock

Besucher: ausverkauft, 310 Gäste

Veranstalter: Rock Shop Karlsruhe, eine Division der fein.media GmbH https://www.rockshop.de/

Link: https://www.facebook.com/events/685106572018469/

Setlist:

(Intro)

  1. Goodbye Divinity
  2. Fall To Ascend
  3. Signs Of The Time
  4. Wither To Black
  5. Asphyxiation
  6. Labyrinth
  7. Lost In Oblivion
  8. Desolate July
  9. King Of Delusion
  10. Alive
  11. New World Today
  12. God Of The Sun

    Zugabe:

  1. Coming Home

Freitag, 28.02.2020, es ist 15:30 Uhr: Simon, sein Vater Gunther und ich starten von Rottweil aus zu einem langersehnten und für uns herausragenden Event Richtung Karlsruhe. Es liegen runde 160 km vor uns und um die Nadelöhre um das Stuttgarter Kreuz und Pforzheim begegnen uns, wie erwartet, am Freitagmittag diverse Staus. Diese meistern wir allerdings und um Punkt 18:00 Uhr parken wir das Auto vor dem Rock Shop in Karlsruhe.

Vorab ein paar Worte zum Veranstaltungsort. Der Rock Shop, eine Division der fein.media GmbH, ist mit einer Fläche von über 3000 m² und einem Team aus rund 50 Mitarbeitern eines der größten Musikhäuser in Deutschland. Neben dem traditionellen Verkauf von Musikinstrumenten sowie Licht- & Tontechnik, steht im Rock Shop auch ein kompetentes und erfahrenes B2B Team bereit. Zu den Stammkunden zählen Profis aus den Branchen Film, Theater, Rundfunk, Universitäten, Veranstaltungsfirmen, Verleiher sowie Musiker und Bands.

Die fein.media GmbH bietet audiovisuelle Festinstallationen mit einer gesamtkonzeptionellen Planung und Umsetzung für Multimediaräume, Diskotheken, Kirchen bis hin zu Konzerthallen und Stadien. Abgerundet wird das Angebot durch die Zusammenarbeit mit der Schwester-Firma Crystal Sound, welche einen der führenden professionellen Verleihservice der Veranstaltungstechnik sowie mit ihrem Backline-Department einen Instrumentenverleih für Konzerte und Tourneen in Europa anbietet. Hierzu gehört auch der Crystal-Ballroom, der Ort des heutigen Geschehens. Er liegt nur runde 100 Meter vom Musikhaus selbst entfernt.

Dort angekommen läuft alles vollkommen ruhig und entspannt ab. Vor allem gibt es keine Coronavirus-Hysterie. Die Organisation am Einlass ist gut strukturiert und ich erhalte nach Prüfung der Akkreditierung gänzlich ohne Probleme meinen Fotopass und werde ganz kurz in die allgemeinen Bedingungen eingeführt.

Hervorzuheben ist das moderne und professionell gestaltete Interieur. Das Gebäude scheint noch jüngeren Datums zu sein. Im Gang zum Konzertsaal steht rechts der Merchstand von Sons Of Apollo und direkt danach gibt es eine erlesene Auswahl von Getränken, die zu sehr moderaten Preisen zu erwerben sind. Speisen kann man, wenn man denn will, draußen auf dem Gelände an einer Imbissbude kaufen, ebenfalls nicht überteuert. Im Crystal-Ballroom selbst erwartet uns zu unserer Freude keine riesige und unübersichtliche Halle, sondern ein Saal, der an den Seiten mit schwarzen Moltons abgehängt ist und eine maximale Größe von ca. 500 m² bietet. Am Einlass habe ich erfahren, dass heute Abend mit rund 310 Gästen zu rechnen ist, mehr Tickets wurden im Vorverkauf auch nicht angeboten. Ausverkaufte Hütte in einer sehr schnuckeligen Atmosphäre. Vor der Bühne gibt es zudem keinen Sperrzaun, somit auch keinen Fotograben, was das Knipsen nachher sicher nicht einfacher macht. Schauen wir mal. Näher kann man einer Band dennoch nicht sein. Ich freue mich jedenfalls auf das Konzert.

Pünktlich 19:00 Uhr folgen die Söhne Apollos dem Intro und dem Applaus der Besucher auf die Bühne und starten mit Goodbye Divinity vom neuen Album MMXX. Erwartungsgemäß legen die Herren druckvoll los und nehmen sofort Kontakt mit den Gästen auf. Die Bühnenpräsenz von Sänger Jeff Scott Soto lässt einem insgesamt auch wenig Chance, dieser zu entrinnen. Er performt gewohnt tough, ist quirlig und ständig in Bewegung. Seine Gestik und Mimik versprüht maximale Spielfreude. Letztlich Mike Portnoy vermag die Blicke gleichermaßen auf sich zu ziehen, denn auch er wirbelt am Schlagzeug wie ein Besessener.

Einziges Manko zu Beginn: Der Sound hat noch deutlich Luft nach oben, die Regler des Mischpults scheinen noch nicht richtig aufeinander abgestimmt zu sein. Der Bass ist sehr präsent, die Gitarre und Keyboard ein wenig zu sehr im Hintergrund. Auch die Vocals werden teils verschluckt. Das wird sich sicher noch einpegeln, so zumindest meine Hoffnung.

Unterdessen bin ich auf der Suche nach einem guten Standplatz zum Fotografieren, das gestaltet sich allerdings schwierig. Ein Fotograben hätte schon was, aber, wo ein Wille, da auch ein Foto. Mal links, mal rechts der Bühne, etwas zentraler in der Mitte. Ich versuche, mir Platz zu verschaffen, was mir über die ersten zwei Lieder mehr oder weniger gut gelingt. Vorne an den Bühnenrand schaffe ich es allerdings nicht. Danach ist Schluss mit Knipsen, hat man mir gesagt.

Auch vom neuen Album wird uns dann Fall To Ascend dargeboten. Nun, Sons Of Apollo komponieren keine Lieder, die nicht auch einen hohen technischen Anspruch hätten. Wie auch, stehen doch wirkliche Genies auf der Bühne. Headbangen ist somit keine wirkliche Option, denn dem würden die Konzentration und das detaillierte Lauschen der Klänge zum Opfer fallen. Das ist den Besuchern im weiten Rund ebenfalls zu entnehmen. Jene schauen gespannt auf die Bühne und sind sichtlich gebannt ob der Perfektion der Musiker. Trotz der dezenten Bewegungsarmut der Gäste ist eine stets anerkennende und wohlwollende Stimmung im Saal.

Vom Debütalbum Psychotic Symphony wird uns ein weiterer Klassiker um die Ohren gezimmert. Signs Of The Time ist sicher eine der stärksten Nummern des Debüts und die ersten Chöre sind den Zuschauern zu entlocken. Ach ja, in Sachen Sound hat sich leider noch nichts Signifikantes getan, vielmehr entnehme ich ein zusätzlich knarrig-zerrendes Rauschen und bin etwas verwundert. Ich meine auch, dass dies Gitarrengott Ron „Bumblefoot“ Thal zusehends mehr auf- bzw. missfällt, schaut er doch teils auch hilfesuchend zu den Kollegen hinüber. Kurz nach Beginn von Wither To Black dann mündet diese Verunsicherung oder vielleicht auch Vorahnung seitens Bumblefoot dann in der technischen Katastrophe. Der Song muss unterbrochen werden, da sich die Soundprobleme primär auf das Setup der Gitarre hin kristallisieren. Das ist nun in der Tat sehr schade, denn dadurch wird auch der Flow unterbrochen. Wie dem auch sei, Bumblefoot ist Profi genug, um diese Situation mit einigen Witzeleien zu überbrücken, die Gäste hingegen stören sich an der Unterbrechung nicht weiter, versuchen den Gitarristen mit Applaus noch aufzumuntern. Nach einer kurzen und hektischen Problemanalyse und Problembehebung der Crew kehren die Bandmitglieder um Bumblefoot wieder zurück auf die Bühne und Wither To Black startet erneut. So richtig zufrieden scheint der Gitarrist hingegen nicht zu sein.

Die Musiker wirken irgendwie unfertig und ob der Unterbrechung wohl selbst irritiert. Asphyxiation wird angestimmt. Man merkt, dass das technische Problem der Band selbst nicht gefällt und versucht so professionell wie möglich damit umzugehen. Und wieder muss der Song unterbrochen werden, denn das Problem tritt erneut auf. In den folgenden zehn Minuten werden diverse Amps von oben nach unten und wieder zurückgeschleppt, Kabel ein- und wieder ausgesteckt und in all den Wirren steht Bumblefoot, der quasi dazu verdammt ist, die Situation zu meistern. Und wie er diese meistert – hat er selbst doch ein sonniges Gemüt. Mit reduziertem Gitarrensound kredenz er uns gezupft den Queen Klassiker Somebody To Love. Er animiert uns Besucher immer aufs Neue miteinzustimmen und dies gelingt ihm hervorragend. Bumblefoot selbst hat zudem eine herausragende Stimme und geht in alle Höhen und im ständigen Gegenspiel singen wir mit. Das vertreibt uns allen die vorherrschende Verwirrung und verkürzt zudem den Break.

Asphyxiation wird danach abermals angestimmt, allerdings nur kurz, denn nochmals gibt es Probleme. Der dritte Beginn jedoch gelingt und der Song kann fertig gespielt werden. Ich und sicher auch alle anderen Gäste hoffen, dass die technischen Probleme nun vollends beseitigt sind. Jeff kündigt Labyrinth an und auch er ist bemüht, die Stimmung im Saal wieder auf das Level zu Beginn des Konzerts zu bringen. Das soll auch gelingen, was nicht zuletzt aber auch an den Besuchern selbst liegt, denn diese sind trotz der Unterbrechung nach wie vor tiefenentspannt und tragen die Band durch den Abend hindurch. So muss das auch sein, wir alle sind nur Menschen und solche Widrigkeiten sollten nicht dazu genutzt werden, um das Haar in der Suppe zu suchen.

Die Stimmung jedenfalls ist nach wie vor gut und nun kommt die Zeit von Billy Sheehan. Ein Bassvirtuose vor dem Herrn. Sein Basssolo am Doppelhals-Bass dürfte jedem Bassisten im Saal die Tränen in die Augen getrieben haben. Mit welcher Leichtigkeit er über die Griffbretter fliegt, Töne fabriziert und Melodien kreiert, grenzt schon an Genialität. Er leitet nach guten fünf Minuten dann auch über in Lost In Oblivion vom Debütalbum. Alles wieder gut, wenngleich das gesamte Soundgefüge sich nicht mehr so richtig ins Lot bringen lässt. Die kommenden vier Lieder können zum Glück wie geplant und vor allem auf gewohnt hohem Niveau durchgespielt werden. King Of Delusion und Alive gehen runter wie Öl.

Die Ballade Desolate July jedoch lässt erstmals einige gesangliche Unsauberkeiten erkennen, die in der Mehrstimmigkeit zutage treten. Schwer auszumachen, wer da wen nicht genau gehört hat. Bei einer Ballade ist es wichtig, sauber zu intonieren, da die Musik selbst etwas zurückhaltender ist. Aber letztlich ist auch dies Jammern auf hohem Niveau. Nach dem Sechzehn-Minuten-Epos New World Today, welches alle Facetten technischer Raffinesse aufbietet und uns in psychedelische Klangwelten im Stile von Pink Floyd entführt, darf sich Derek Sherinian beweisen. Der Keyboarder fliegt über sein Keyboard-Setup und wird lichttechnisch sehr ansprechend in Szene gesetzt. Er beherrscht sein Handwerk in Perfektion und so wird dieses Solo zum Hochgenuss. Zum Abschluss des regulären Sets dürfen wir noch God Of The Sun abfeiern. Sons Of Apollo haben sich berappelt und trotzen den anfänglichen Widrigkeiten mit dieser sehr starken Performance. Ohnehin ist God Of The Sun einer der Klassiker des Debütalbums, der auch live echt zündet. Sons of Apollo lassen sich nicht lange bitten und kehren mit Coming Home nochmals zurück auf die Bühne. Dieser Song knallt uns abermals ins Gebein und wir werden vom Groove mitgerissen. Ein grandioser Abschluss, für den sich Sons Of Apollo zu Recht unter frenetischem Applaus verabschieden.

Fazit:
Leider, ja leider gab es diese technischen Probleme und diese haben uns und vermutlich auch Apollos Söhnen das Konzertvergnügen ein wenig gestohlen. Das hat Sons Of Apollo natürlich nicht verdient, vor allem tragen sie keine Verantwortung dafür. Der wiederum versöhnliche Aspekt ist, dass meine Erwartung an Groove, Rhythmus, Progressivität und sich an der Qualität dieser begnadeten Musiker laben zu dürfen, vollkommen erfüllt wurde. Es ist in jeder Hinsicht lohnend, sich diese Band zu gönnen. Sie lieferten die stärksten Songs ihrer beiden Alben ab und sorgten für jede Menge Spaß, Wucht und musikalische Macht. In 120 Minuten kam keine Sekunde Langeweile auf und ich zumindest bin zufrieden. Ich hoffe für die Band und für die Gäste, dass sich die Show am Folgetag an gleicher Stelle ohne technische Probleme gestaltet. Es war die Rede von der Champions League des Rock, und ja, das war es, ohne Zweifel. Ausnahmemusiker, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, ihre Qualität unter Beweis gestellt haben.

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