Ausführliches Interview mit Igel vs. Shark aus Wien zum Albumrelease

Die "braven" Rock 'n' Roller nehmen Fahrt auf und stellen sich vor

Artist: Igel vs. Shark

Herkunft: Wien, Österreich

Album: Igel vs. Shark

Genre: Garagenrock, Rock ’n‘ Roll

Label: Pogo´s Empire

Links: www.igelvsshark.com
https://www.facebook.com/igelvsshark/

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Lukas „Lux“ Reichhold
Bass, Gesang – Julia Lorünser
Schlagzeug – Lukas Linschinger

Nach dem CD-Review zum selbst betitelten Debüt (hier) von Igel vs. Shark aus Wien, haben wir die Chance genutzt und dem Trio einige Fragen gestellt. Leider ging das ja aus den bekannten Gründen nicht persönlich vor Ort oder im Rahmen eines Konzertes und so haben wir uns per Messenger ausgetauscht. Das Ergebnis lest ihr hier.

Wer zum Teufel sind Igel vs. Shark? Der Pressetext lässt mich schmunzeln: Igel vs. Shark, das sind Lukas Reichhold, Julia Lorünser und Lukas Linschinger. Jop, keine coolen Spitznamen, keine Tattoos und keine Lederjacken.“ Also genau das Gegenteil der genregleichen Supersuckers, mit denen sie in der Woche vor dem Corona-Lockdown zusammen auf der Bühne standen. Sie begannen 2009. Von 2012 bis 2014 machten sie eine kleine Pause und kehrten 2015 mit einer 4-Track-EP umso stärker zurück. Vier Jahre später nun ihr selbst betiteltes Debütalbum.

Time For Metal / Norbert:
Erst mal vielen Dank, dass wir euch ein paar Fragen stellen dürfen. Aufgrund der Pandemie ja leider nur als Mailer, was die Sache auch nicht einfacher macht.

Igel vs. Shark / Julia:
Wir sagen danke, für euer/dein Interesse und dass wir bei euch dabei sein dürfen!

Time For Metal/ Norbert:
Du hast uns via E-Mail kontaktiert und ich muss gestehen, dass ich euch vor der Kontaktaufnahme noch nicht kannte. Allerdings liegen zwischen Schleswig-Holstein und Wien auch mal eben 1.000 Kilometer. Als ich die CD hörte, war ich jedenfalls sofort begeistert. Wäre es möglich, dass du euch einmal in ein paar Sätzen vorstellst? Was macht ihr? Wo kommt ihr her? Warum seid ihr erst jetzt bei unserem Magazin aufgetaucht?

Igel vs. Shark / Julia:
Wir sind die “Igels” und kommen aus Wien bzw. kommen wir alle aus anderen Teilen Österreichs,  leben aber alle schon viele Jahre in Wien. Ja, und wir machen seit 2009 zusammen, was wir am liebsten tun, nämlich laute Rockmusik.
Durch die Corona-Krise sind uns ja leider alle unsere Shows weggefallen und deshalb haben wir uns wieder vermehrt aufs Internet usw. konzentriert, um unsere Musik an die Frau und den Mann zu bringen. Da dachten wir, verschicken wir doch einfach mal wieder unser Album ein bisschen, um es unter die Leute zu bringen.

Time For Metal / Norbert:
Igel vs. Shark. Natürlich muss und werde ich sofort mit dem Namen anfangen… Der Igel war doch bestimmt mal ein Eagle?

Igel vs. Shark / Julia:
Ganz genau 🙂 Den Namen haben wir von einem unserer Lieblingsfilme von Taika Waititi übernommen, Eagle vs. Shark und um Copyright Problemen vorzubeugen, wurde aus dem “Eagle” eben ein “Igel”.

Time For Metal / Norbert:
Der Satz in der Bandvorstellung „keine coolen Spitznamen, keine Tattoos und keine Lederjacken“ lässt mich nicht los. Konzept? Absicht? Zufall? Wie steht ihr zu  Spitznamen, Tattoos und Lederjacken?

Igel vs. Shark / Julia:
Haha, ich denke, das Konzept dahinter ist, dass wir kein wirkliches Konzept haben 😀
Oder um die Frage ganz ehrlich zu beantworten: Uns war einfach immer schon wichtig, dass wir uns nicht zu ernst nehmen. Daher auch der Bandname mit einem Augenzwinkern, so wie auch unser Albumcover. Das ist ja in der Welt des Rocks was ganz Wichtiges, cool sein, hart sein, quasi Tattoos haben und Lederjacken tragen (wir haben übrigens absolut nichts gegen Tattoos und Lederjacken!), für uns steht und stand aber immer schon die Musik im Vordergrund und nicht das “Cool-sein”. Uns ist es einfach viel wichtiger, dass wir live ohne Ende von der Bühne runterballern und eine geile Zeit haben und nicht, ob wir dabei besonders cool ausschauen 🙂

Time For Metal / Norbert:
Die CD Igel vs. Shark habt ihr selbst produziert. Das macht den Vertrieb und das Marketing ja nicht einfacher. Habt ihr noch kein Label und Vertriebspartner gefunden?

Igel vs. Shark / Julia:
Das stimmt, wir haben die CD selber produziert. Dabei haben wir mit dem großartigen Toni Meloni von den Nautilus Studios zusammengearbeitet. Für den digitalen Vertrieb haben wir unser Label Pogo’s Empire, die SONY angehören. Den physikalischen Vertrieb machen wir noch selber, mal schauen, wie sich die Sache in Zukunft entwickelt.

Time For Metal / Norbert:
Ich habe gelesen, ihr habt die ersten Aufnahmen zu dem Album komplett über den Haufen geworfen und alle Songs neu arrangiert und nochmals eingespielt. Wie viel Arbeit steckt in Wirklichkeit hinter solch einem Album? Das Ergebnis kann sich ja nun sehen lassen…

Igel vs. Shark / Julia:
Jop, richtig. Das war eine schwere, aber die einzig richtige Entscheidung, dass wir alles noch einmal komplett neu aufgenommen haben. Wir haben uns damals die ersten Aufnahmen im Studio angehört und hatten einfach alle drei kein gutes Gefühl dabei. Da fehlte einfach noch der gewisse “Wumms” und da wir uns für unser Debütalbum eh schon so lange Zeit gelassen hatten, wollten wir auch einfach, das es ‘gscheid wird, wie wir in Österreich sagen würden.
Und da hängt dann natürlich viel Arbeit, Zeit, Organisation (und natürlich auch Geld) dran. Aber es hat sich, denk ich, gelohnt.

Time For Metal / Norbert:
Die meisten, die dieses Interview lesen, kennen euch nicht. Welche Kernaussagen wollt ihr mit euren Texten treffen? Habt ihr ein Konzept?

Igel vs. Shark / Julia:
Das ist ganz unterschiedlich eigentlich. Also so eine grundlegende Kernaussage gibt es, denke ich, nicht. Es gibt verschiedene Themen, die uns beschäftigen, dazu gehört natürlich der Rock und die Musik, die wir machen (deshalb kommt auch das Wort “Rock” des Öfteren mal vor in den Texten 😉 ). In manchen Songs werden aber auch einfach Erlebnisse oder Geschichten verarbeitet, die wir erlebt haben. Und wir sind zwar keine allzu politische Band, aber es gibt natürlich auch politische oder gesellschaftliche Themen, die uns beschäftigen und die finden dann auch ab und an den Weg in unsere Texte.

Time For Metal / Norbert:
Female Front End ist momentan angesagt. Auf der CD wirkt deine Stimme jedoch stets etwas leise, manchmal nur im Hintergrund. Absicht oder suggestive Empfindung? Ich kenne ja leider nicht den Vergleich zu einem Livekonzert.

Igel vs. Shark / Julia:
Das ist tatsächlich Absicht. Lux ist der Sänger – meine Stimme soll im Hintergrund bleiben, ich bin einfach definitiv keine Sängerin 😉

Time For Metal / Norbert:
Für eine kleine Band habt ihr auf eurem Debütalbum ein unwahrscheinlich aufwendiges und künstlerisch hochwertiges Cover. Wer ist der Künstler und wie kam es dazu?

Igel vs. Shark / Julia:
Dieses großartige Kunstwerk hat die ungarische Künstlerin Zash Ore erschaffen und wir lieben es heiß! Dazu gekommen ist es eigentlich durch unsere erste Show mit den Subways, für die Zash auch einige Shirts usw. designed hat. Der Style hat uns wirklich gut gefallen und darum haben wir Kontakt mit ihr aufgenommen. Als sie uns gefragt hat, was wir uns denn so vorstellen, haben wir (als Trash- und Filmfans) gesagt, es soll ein bisschen an ein Filmplakat eines alten Sci-Fi-Films erinnern, mit Planeten und Raumschiffen usw. Und dieses grandiose Cover ist dabei rausgekommen.

Time For Metal / Norbert:
Eure Songs ballern ja ganz ordentlich. Habt ihr diesen Stil schon von Anfang an? Was hört ihr privat für Musik und stammen daher eure Vorbilder? Wie ist euer musikalischer Werdegang?

Igel vs. Shark / Julia:
Also ich denke, das “Ballern” hatten wir schon immer, bzw. wollten wir schon immer machen. Wir haben uns aber immer ein bisschen mehr von unseren Wurzeln des Punk Rocks in Richtung des Rocks/Hardrocks entwickelt. Trotzdem hört man diese Wurzeln doch noch ganz gut raus von Zeit zu Zeit.

Privat hören wir ganz unterschiedliche Musik. Lux ist da beispielsweise die totale Rock-Fraktion. Er hört tatsächlich am liebsten AC/DC usw. Lukas hört alles mögliche: Rock, Hip Hop, Punk, … und ich eigentlich auch sehr viel unterschiedliches Zeugs. Manchmal auch ganz gern 20er/30er-Jahre Swing.

Time For Metal / Norbert:
Die Corona-Krise ist ja aktuell das Thema. Natürlich finden auch für euch keine Auftritte mehr statt. Da ihr euer Merch und das Album ausschließlich bei den Gigs verkauft, trifft es euch doppelt. Welche Auswirkungen hat die Krise bei euch? Habt ihr alle noch normale Jobs?

Igel vs. Shark / Julia:
Die Corona-Krise trifft uns zum Glück finanziell nicht wirklich in Bezug auf die Band. Wir haben ja alle normale Jobs und finanzieren mit diesen quasi unser teures “Hobby” die Band 😀
Den Merch und das Album wird man aber übrigens in Bälde auch in unserm Onlineshop kaufen können.

Time For Metal / Norbert:
Was haltet ihr von den derzeitigen Livestreams, die ja in aller Munde sind? Sind solche Geisterkonzerte eine Option für euch, um euren Fans zu zeigen „Ja, es gibt uns noch“ und um Unterstützung zu bitten?

Igel vs. Shark / Julia:
Wir haben schon des Öfteren darüber gesprochen und auch Anfragen bekommen. Ganz ehrlich…wir sind keine großen Fans von den Streams. Für uns ist bei einem Konzert das Wichtigste die Interaktion mit dem Publikum, es ist egal, ob da 1.000 Leute stehen oder 10, wenn die 10 voll dabei sind, ist es eine geile Show. Diese Interaktion ist bei den Streams einfach nicht wirklich, oder eigentlich gar nicht möglich. Vielleicht probieren wir es einmal aus…wir werden sehen. Aber im Grunde hoffen wir einfach nur, dass wir ganz bald wieder live mit dem Publikum Gas geben können.

Time For Metal / Norbert:
Digital bekommt man eure Musik auf allen bekannten Kanälen. Den physikalischen Datenträger jedoch, wie schon gesagt, nicht. Mögt ihr Amazon nicht? Bleibt bei den Streamingdiensten wie Amazon Musik oder Spotify überhaupt etwas bei euch hängen und wie steht ihr zu diesen Diensten?

Igel vs. Shark / Julia:
Das stimmt. Physisch gibt es das Album zwar nicht auf Amazon usw. aber man kann es bei uns einfach per Mail bestellen. Es wird aber, wie vorher schon mal gesagt, auch bald einen Onlineshop geben, da kann man unseren Merch und das Album dann auch bestellen.
Vom Streaming wird man in unserer Größenordnung natürlich alles andere als reich, sollte das das Ziel sein. Die Musik ist somit aber für viele leicht erreichbar.

Time For Metal / Norbert:
Finanziert ihr mit den Liveauftritten, dem Merch oder jetzt auch der CD nur euer Hobby oder bleibt da schon etwas hängen? Reisen, Equipment, Marketing – das sind ja auch Kostenfaktoren.

Igel vs. Shark / Julia:
Also für uns persönlich bleibt absolut gar nichts hängen. Die Gagen werden immer sofort wieder in unseren Techniker, Proberaummiete, Merch, Benzin usw. investiert. Es ist, wie gesagt, (noch) ein sehr teures Hobby 😀

Time For Metal / Norbert:
AC/DCSkunk AnansieAirbourneThe Subways, Flogging Molly und zuletzt Supersuckers. Die Liste der bekannten Bands, für die ihr supporten durftet, ist verdammt lang und namhaft. Wie seid ihr dazu gekommen und für wen würdet ihr gern mal supporten?

Igel vs. Shark / Julia:
Diese Supportshows haben sich entweder über Freunde von uns ergeben, bzw. Leute, die wir kennen. Bei manchen Shows hab ich aber auch ganz einfach die Veranstalter angeschrieben und gefragt, ob da was geht. In dem Business darf man nie darauf warten, dass man gefragt wird, man muss immer dran bleiben.
Supporten würden wir gern mal Royal Republic oder Danko Jones zum Beispiel.

Time For Metal / Norbert:
Ich habe gesehen, ihr kümmert euch um das Booking auch selbst. Habt ihr Hoffnung, dass ihr in diesem Jahr noch auftreten könnt?

Igel vs. Shark / Julia:
Wir machen das Booking nicht alleine, die österreichische Booking Agentur Rolodex Music unterstützt uns da zum Glück bei! Aber um ehrlich zu sein, bin ich oder sind wir da eher pessimistisch eingestellt. Ich kann mir vorstellen, dass es Venues geben wird, die dann eben Sitzkonzerte veranstalten, was jetzt auch nicht wirklich unser Ding ist, aber dass es dieses Jahr noch eine ganz “normale” Show geben wird, bei der alle Schulter an Schulter schwitzen und grölen dürfen, kann ich mir leider nicht vorstellen…

Time For Metal / Norbert:
Was habt ihr für Pläne in 2021? Touren, Festivals, auch mal bei uns in good old Germany?

Igel vs. Shark / Julia:
Geplant wäre natürlich: spielen was geht. Einige Shows, die abgesagt werden mussten, wurden ja auf nächstes Jahr verschoben. Falls möglich, würden wir natürlich auch gern eine Tour planen und dabei auf alle Fälle auch verdammt gern wieder nach good old Germany kommen 🙂 Im Moment ist es aber einfach noch immer nicht wirklich absehbar, wie sich die Situation entwickelt. Das ist fürs Booking etwas schwierig… Hoffen wir das Beste!

Time For Metal / Norbert:
Habt ihr vielleicht Fragen, die ihr schon immer mal einem Online-Magazin wie Time For Metal stellen wolltet?

Igel vs. Shark / Julia:
Wie viele (Review-) Anfragen kriegt ihr denn so am Tag?

Time For Metal / Norbert:
Wir bekommen circa 250 Reviewanfragen im Monat. Vor Weihnachten auch gerne mal mehr. Circa 150 kommen dann nach Vorauswahl in der Redaktion an. Jetzt zu Corona-Zeiten, wo keine Konzertberichte zu schreiben sind, liegen wir von der Redaktion bei nahezu 100 % aller Reviews, die angenommen werden. Aber auch die Zahl der Interviews hat sich drastisch erhöht. Diese kommen immer noch on Top. Ohne Corona schafft die Redaktion so zwischen 100 und 110 Reviews pro Monat.

Nochmals Danke für die Zeit, die du dir genommen hast, um euch in meinen chaotischen Fragen zu präsentieren.

Igel vs. Shark / Julia:
Vielen Dank, dass wir dabei sein durften, hat uns sehr gefreut!

Bleibt abschließend nur noch einmal auf die Links hinzuweisen, unter denen ihr die Band erreicht. Auf der eigenen Webseite www.igelvsshark.com sowie auf Facebook https://www.facebook.com/igelvsshark/ könnt ihr die Band kontakten und erfahrt weitere aktuelle Infos.

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