„Das Interview mit János und Max von Seeking Raven zur Geschichte der Band, zu besonderen Erlebnissen und zum neuen Album“

Artist: Seeking Raven

Herkunft: Duisburg, Deutschland

Genre: Progressive Rock, Rock

Link: https://www.facebook.com/seekingraven/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre und Keyboard – János Romualdo Krusenbaum
Gitarre und Backgroundgesang – Max Krüger
Bassgitarre und Backgroundgesang – Jan Jerig
Schlagzeug und Backgroundgesang – Martin Zang

 

 

Eigentlich schon ziemlich kurz nach meinem Review zum letzten Album The Ending Collage aus September 2016 hatten János und der Manager von Seeking Raven mit mir besprochen, dass wir auch noch ein Interview machen. Wie es dann aber immer so ist, es geriet zwar nicht in Vergessenheit aber doch irgendwie ins Hintertreffen. Jetzt ergab sich Ende August doch endlich die Gelegenheit, und da die meisten Arbeiten für das neue Album schon abgeschlossen sind, kam ich auch in den Genuss eines Studiobesuches inklusive Pre-Listening von einigen Songs, die so wunderbar tiefsinnige Titel haben, als da wären A Tale Of Life, Pen To Paper, Snow White Perfect, Farewell To Harmony und Introducing Demons. Ohne schon zu viel verraten zu wollen, aber wenn die restlichen Songs auch nur ansatzweise so gut sind, wie das, was ich am 23.08 hören durfte, werden Seeking Raven die 8 Punkte vom letzten Album locker toppen. Da hat János definitiv wieder mal ein feines Händchen beim Songwriting bewiesen und hat das dann gemeinsam mit der Band toll umgesetzt. Das war zwar nicht immer ganz einfach, aber… Lest einfach selbst, was János und Max zu sagen hatten:

 

Time For Metal / Heike L.:

János, Du hast ja schon früh damit begonnen, die verschiedensten Instrumente zu spielen, aber wann ging es an konkrete Pläne für Seeking Raven? 2012 erschien das Debüt Lonely Art, wie lange war der Vorlauf bzw. haben die Überlegungen gedauert, überhaupt als Seeking Raven ein Album zu veröffentlichen?

Seeking Raven / János:

Ich habe auch schon lange vor Seeking Raven immer Alben für mich selbst aufgenommen, die allerdings nie veröffentlicht wurden. Auch Max kannte ich schon lange aus verschiedenen Bands, in denen wir gemeinsam gespielt haben. Irgendwann habe ich dann aber die letzte Band verlassen, weil ich mich auf meine eigenen Sachen konzentrieren wollte. Mit dem Album, das ich zu dem Zeitpunkt gerade fertiggestellt hatte, habe ich dann über Umwege einen Plattenvertrag in Österreich bekommen, und dann lag natürlich der Gedanke relativ nahe, da eine richtige Band draus zu machen, damit das nicht ein „Kellerprojekt“ bleibt. Ich hatte damals schon gute Kontakte geknüpft und das Album in Amerika, genauer gesagt in Denver, produzieren lassen. So fing es dann langsam an, ich habe zunächst mit Max gesprochen, wir waren dann zu zweit und haben uns das restliche Line-Up zusammengesucht. Anfang 2013 haben wir angefangen, live zu spielen, waren viel unterwegs und haben versucht, so viel wie möglich zu machen. Da waren wir aber noch gar nicht richtig bereit, und es gab immer mal wieder schwierigere Phasen. Dann kam das zweite Album, das ich auch selbst geschrieben und erst mal allein aufgenommen hatte. Damit wollte ich „back to the roots“, und zwar auch, weil ich mit der Situation unzufrieden war. Dann kam die Entscheidung, die Band aufzulösen. Ich habe erst einmal allein weitergemacht und sehr spezielle Akustikkonzerte mit wechselnden Musikern gespielt. Dann kam Ende 2016 The Ending Collage doch noch raus, und während dieser Phase habe ich aus dem Projekt dann eine Band gemacht, wobei Max zu dem Zeitpunkt noch gefehlt hat. Das Release war auch super, wir haben zu dritt viele Shows gespielt, und dann kam noch einmal ein Aufwind. Wir haben einen Manager gefunden, den Du ja auch kennst, und dann kam Max auch wieder dazu, und jetzt sind wir hier und produzieren gerade unser drittes Album.

Time For Metal / Heike L.:

Wie kam es zu dem Namen Seeking Raven? Was sucht denn der Rabe?

Seeking Raven / Max:

Im Grunde ist es egal, worum es geht, ob es nun um die Texte geht oder den Bandnamen. Man kann Hinweise zur Bedeutung geben, aber wir würden nie sagen, was der Name ganz genau bedeutet, weil wir möchten, dass jeder seine eigene Bedeutung darin findet.

Time For Metal / Heike L.:

Ich hatte natürlich auch was im Hinterkopf und musste bei dem Bandnamen sofort an Edgar Allan Poe denken…

Seeking Raven / János:

Ja, das wurde in einem anderen Interview auch schon gefragt. Aber auch Max, die anderen Bandmitglieder und ich haben unsere eigene Interpretation des Bandnamens. Als ich mir den Namen ausgedacht habe, hatte ich eine ganz konkrete Sache im Kopf, aber das habe ich nie preisgegeben. Ich habe eigentlich immer nur angedeutet, dass es ein wenig mit der mythologischen Bedeutung von Raben zu tun hat, und das war es. Und wie Max schon sagte, so wollen wir es. Jeder soll seine eigenen Ideen haben, und jede Idee ist irgendwie richtig, solange sie nicht beleidigend ist 😀

Time For Metal / Heike L.:

Eigentlich wäre die Frage gewesen, ob das nächste Album auch so ruhig gehalten ist, wie The Ending Collage oder ob da auch was anderes geplant ist. Nachdem ich ja schon einige Songs hören durfte, kann ich die Frage im Grunde selbst beantworten… 😀

Seeking Raven / János:

Es ist ja sehr leicht, Seeking Raven in eine falsche Schublade zu stecken, weil wir einfach in keine Schublade passen. Ich weiß, das sagen tausend Bands, aber bei uns ist es ja wirklich so. Das erste Album ist sehr metal-lastig, das war halt eine Sparte von Seeking Raven. Damit haben wir gezeigt, ok, wir sind eine „fucking laute Band“. Dann ging es mit dem zweiten Album mehr in die folky Richtung, das lag auch ein wenig daran, dass sich mein Musikgeschmack in diesem Zeitraum ein wenig mehr in die Folk-Richtung entwickelt hatte. Das ist aber auch nur ein Teil von Seeking Raven, halt genau das andere Extrem. Unser Manager hat ja genau aus diesem Grund auch immer beide Alben versandt, damit die Leute nicht denken, Seeking Raven sind eine Folk-Band. Jetzt kommt hoffentlich mit dem dritten Album der endgültige Beweis: Das sind wir! So würde ich das beschreiben. Das ist die Quintessenz von Seeking Raven, d. h. Du hast den Querschnitt aus beiden Welten in einem Album, das ist es.

Time For Metal / Heike L.:

Ich habe Euch ja bei mir mit „Progressive Rock“ getaggt, denn das passt am besten zu meinen Playlisten.

Seeking Raven / János:

Das passt schon, und damit können wir auch gut leben. Ich persönlich mag aber auch nicht zur Progressive Szene gehören, denn da gibt es zu viele Elitäre, und wir wollen keine elitäre Band sein. Wir sind ja nicht Prog um des Prog willen, sondern weil wir die Möglichkeiten haben wollen, vielseitig zu sein. Wir nennen uns Prog, weil wir vielleicht auch mal Bock haben, einen Lizzard-Song zu machen oder vielleicht auch mal einen akustischen irischen Folksong oder vielleicht auch mal einen thrashigen Part einbauen, das ist alles schon passiert. Aber egal welches Genre, hör es Dir an! Es gibt so viele gute Musik, hör sie Dir an! Scheiß drauf, was für eine Musikrichtung das ist, wenn es gut ist, ist es gut! Fertig!

Time For Metal / Heike L.:

Waren auch die vorbereitenden Prozesse, also z.B. Songwriting, die gleichen?

Seeking Raven / János:

Musik und Texte habe wieder ich geschrieben, aber es war insofern eine ganz andere Vorgehensweise, weil ich ja die ersten beiden Seeking Raven-Alben komplett allein geschrieben und allein produziert habe. Mit einigen Abstrichen habe ich die Alben auch allein eingespielt. Jetzt konnten wir aber bewusst sagen, wir haben ein Line-Up, das funktioniert, wir haben eine Basis, die steht, wir sind super aufgestellt. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir endlich auch als Band ein Album aufnehmen können.

Time For Metal / Heike L.:

Das heißt, Du hast schon beim Songwriting die Sachen speziellen Leuten zugeschrieben?

Seeking Raven / János:

Genau, das kann man so sagen. Am Anfang habe ich ja nur das lyrische Konzept im Kopf gehabt, das aktuelle Album ist auch wieder ein Konzeptalbum. Dann bin ich erst einmal allein an die Vorproduktion gegangen, d. h. ich habe alles erst einmal grob aufgenommen, um es den Jungs vorspielen zu können. Selbst da habe ich schon gedacht „Max ist in der Band, Martin ist in der Band, Jan ist in der Band“. Speziell beim Gesang habe ich von Anfang an immer gehört „das ist Max“. Ich habe das zwar in der Vorproduktion selbst eingesungen, aber witzigerweise habe ich da schon wie Max geklungen, ich habe immer seine Stimme gehört.

Time For Metal / Heike L.:

Und bei dem einen tollen Gitarrensolo bei Snow White Perfect hast Du dann wahrscheinlich auch gleich an Max gedacht?

Seeking Raven / János:

Jein. Das Solo besteht ja neben dem Intro und dem Outro noch aus der Hauptmelodie. Ich hatte erst einmal alles komplett eingespielt und dann zu Max gesagt, er soll sich irgendwie an der Hauptmelodie langhangeln.

Seeking Raven / Max:

János hatte das Ding in der Vorproduktion erst einmal komplett eingespielt. Wir sind dann gemeinsam ins Studio gegangen, haben uns mehrere Tage um die Ohren gehauen und haben weiter daran gearbeitet.

Seeking Raven / János:

Zusammenfassend kann man die Frage damit beantworten, dass das Songwriting lief, wie auch bei den ersten beiden Alben. Aber bei diesem Album haben die anderen Bandmitglieder dann ihre eigenen Ideen und Vorstellungen eingebracht, und das ist sehr positiv und genau der Punkt: Was ich vorher nicht hatte, waren fremde Ohren, die dieses Produkt vorher schon mit bewerten konnten. Wenn Du da sitzt, und drei Leute sitzen neben Dir, die einfach noch ein frisches Gehör haben und ihre eigenen Ideen und Vorstellungen rein bringen, und sogar alles d’accord geht, dann ist das einfach saugeil. Ich glaube, das ist für mich persönlich auf jeden Fall das Beste, an dem ich jemals gearbeitet habe.

Seeking Raven / Max:

Und genau das funktioniert so super, weil wir einfach gegenseitig verstehen, was wir wollen, uns extremst in die Sachen reindenken können. So war das ein positives Ping-Pong-Spiel, die Parts wurden immer besser, und das Endprodukt kann sich auch hören und sehen lassen. Sehen lassen, weil wir auch an einem richtig geilen Artwork dran sind 😀

Seeking Raven / János:

Das ist auch das erste Mal, dass ich mich wirklich voll dahinter stellen kann. Ich hatte bei allen anderen Alben, die ich jemals gemacht habe, am Ende des Prozesses immer gedacht „ok, das ist jetzt nicht bis zum Maximum gebracht worden“. Es ist natürlich ok, wenn Jemand das Scheiße findet, aber dann mag der halt kein Seeking Raven, und dann ist es auch völlig ok. Für uns ist das in dieser Phase das perfekte Album.

Time For Metal / Heike L.:

Ihr habt die Aufnahmen zum neuen Album in zwei Studios gemacht, und zwar einen Teil im Heimstudio, einen anderen Teil in Wuppertal. Warum?

Seeking Raven / Max:

Ein Heimstudio ist natürlich super. Du hast so viel Zeit, kannst viel selbst machen, und natürlich ist es auch preisgünstig. Darauf wollten wir nicht verzichten. Vor allem der zeitliche Aspekt ist auch wichtig, man kann halt auch mal Sonntagnachmittag was aufnehmen. Für die Drums brauchst Du aber ein richtiges Studio, richtige Räume, richtige Mikros und Jemanden, der Ahnung hat.

Seeking Raven / János:

Richtige Mikros hätten wir auch gehabt, und man kann Drums auch im Heimstudio aufnehmen, auch wenn es schwierig ist. Aber wenn man soundtechnisch auf einem internationalen Level mitspielen will, was wir mit dem Album auf jeden Fall wollen, dann ist es sehr schwer, das selbst hinzubekommen. Also haben wir die Drums in Wuppertal aufgenommen, auch der Mix und das Mastering werden dort gemacht. Wir haben da ein professionelles Studio gefunden, nämlich Carousel Productions. Ein super geiles Studio und ein super Typ. Wir sind total glücklich mit ihm und lassen uns das endlich auch mal ein bisschen was kosten, einfach, um dieses Mal das Maximum rauszuholen. Im Grunde also das Perfekte aus beiden Welten.

Time For Metal / Heike L.:

Und wie ist jetzt der aktuelle Stand beim Album?

Seeking Raven / János:

Genau heute ist der letzte Tag im Mix und Mastering. Im September wird noch einmal nachkorrigiert, wenn wir uns reingehört haben, aber das werden nur noch Kleinigkeiten sein. Die Veröffentlichung ist dann noch einmal eine separate Geschichte. Wir wissen noch nicht genau, wie wir es veröffentlichen. Mit dem letzten Label, bei dem The Ending Collage veröffentlicht wurde, waren wir extremst unzufrieden, und da wollen wir nicht noch einmal veröffentlichen. Daher sind wir auf der Suche nach einem neuen Label, und wenn kein Label, dann zumindest eine große Promokampagne. Wir machen das zwar wieder DIY, aber eine Promokampagne selbst fahren, kann man nicht. So planen wir im Moment idealerweise das Release für Ende März/Anfang April 2018. Das soll dann auch direkt mit einer Releasetour verbunden werden, die wir jetzt ebenfalls langsam anfangen zu planen.

Time For Metal / Heike L.:

Und wie ist das Verhältnis zu den anderen Bands, mit denen Ihr dann vielleicht auch gemeinsam auftretet? Auch da gibt es ja die unterschiedlichsten Menschentypen, aber Euch eint ja die Freude am Musik machen…

Seeking Raven / Max:

Ich will ja nicht die „Heulband“ sein, aber als Prog-Band, die versucht, ihr eigenes Ding zu machen, hat man es echt nicht leicht. Es fehlt wirklich die Szene, die direkt anpackt und dass man sich gegenseitig unterstützt. Es gibt einige Bands, wie z. B. Ashby, die sehr gute Freunde von uns sind, da weiß man, dass man sich darauf verlassen kann. Ansonsten nervt es manchmal, dass man so das Gefühl hat, eigentlich möchte man lieber Hand in Hand gehen anstatt immer nur gegeneinander zu schießen. Das klingt jetzt auch übertrieben, aber es ist so.

Seeking Raven / János:

Es ist auch einfach schade. Wir versuchen halt immer, alles fair zu machen, d. h. auch mit Bands zusammenzuarbeiten, die Bands auch zu pushen. Ich sage auch immer „Musiker müssen zusammenhalten“, aber das ist halt der Witz. Auch wenn es blöd klingt, aber Du willst halt auch was zurückbekommen, und Du willst, dass es ein Geben und Nehmen ist. Insgesamt ist es schwer geworden, und diese Ellbogengesellschaft setzt sich auch im Underground immer mehr durch. Das ist das, was wir anprangern, denn das macht es unschön. Es denken immer alle, dass das Musikerleben eben Freundschaft und Liebe ist, aber es ist halt Gruppenbildung und Ellbogengesellschaft. Das ist das, was nervt und wo wir auch gegen antreten möchten. Das muss man halt offen aussprechen, damit es sich ändert.

Time For Metal / Heike L.:

Max war mit Aedon gerade beim Euro Rock. Das war doch bei allem Spaß bestimmt auch ziemlich anstrengend. Und das jetzt mitten im Aufnahmeprozess für das neue Album von Seeking Raven

Seeking Raven / Max:

Ja, es war ein sehr enger Zeitplan, und es war oft sehr schwierig. Hier gab es halt den ganz speziellen Druck, dass ich meine Parts und die Soli vor dem Euro Rock eingespielt kriegen musste. Das war eine Höllenarbeit, und dann ging es weiter zum Euro Rock. Das war alles auch körperlich sehr anstrengend, auch mit wenig Schlaf, und danach gab es auch eine Phase, wo ich eine Woche lang richtig krank war. Irgendwann macht der Körper dann halt zu, das ist nicht immer so leicht.

Seeking Raven / János:

Das Krasse ist ja auch, dass sich das auf den ganzen Prozess ausgewirkt hat. Max musste die Parts fertigmachen und war dann beim Euro Rock und somit weg. Da musste ich vorher erst mal ins Studio und das alles ein paar Tage lang vorbereiten. Dann kam Max, wir haben die Gitarrenparts und die Backing Vocals aufgenommen (vier Tage am Stück!). Danach kam dann Jan, der Bassist, und wir haben das direkt hinterher gemacht. Dann kam die Nachbearbeitungszeit von mir, die ich auch direkt dran gesetzt habe. Das ist auch das einzige, was mich mitunter in der Band so abfuckt; Es sind zwar super Leute, aber wir sind halt immer in so extrem engen Zeitplänen. Das ist so stressig, und ich muss auch für mich sagen, nach dieser Hardcore-Phase im Keller war ich genauso fertig. Es ist schon hart, aber dadurch, dass Max in der zweiten Band ist, und auch unser Bassist ja noch eine zweite Band hat, ist es halt teilweise echt eine zeitliche Herausforderung. Bis jetzt funktioniert es, und wir können nur hoffen, dass es auch weiterhin so handelbar ist.

Wir bzw. unser Manager arbeiten momentan auch daran, Gigs für das kommende Jahr zu buchen, damit Seeking Raven wieder stattfindet. Wir wollen in die Vollen gehen, und da müssen wir halt schauen, wie wir das zeitlich regeln.

Seeking Raven / Max:

Da muss schon viel Liebe und Wahnsinn dabei sein, und auch Herzblut. Herzblut muss!

Time For Metal / Heike L.:

Apropos auftreten: Gibt es da irgendein besonderes Erlebnis, positiv oder negativ, das Ihr so schnell nicht vergessen werdet?

Seeking Raven / János:

Bekloppte Erlebnisse gibt es Tausende 😀 Wir waren mal mit dem australischen Gitarristen Joe Matera unterwegs. Bei einem Gig in den Niederlanden war schon beim Soundcheck was Krasses passiert. Als ich lossingen wollte, habe ich plötzlich einen derben Stromschlag vom Mikro gekriegt. Das habe ich dann natürlich auch gleich gesagt, aber der Mischer meinte nur „not possible, try again“. Beim zweiten Versuch passierte dann das Gleiche, und beim dritten Versuch sah dann sogar einer der Anwesenden, dass ein Blitz vom Mikrofon auf meine Lippen übersprang. Da habe ich dann natürlich sofort abgebrochen und auch gesagt, dass ich so garantiert nicht auftreten werde. Gott sei Dank kam dann auch Joe Matera dazu und hat gesagt, dass Niemand spielen würde, bis nicht ein Elektriker gekommen ist. Der kam dann und stellte fest, dass die ganze Bühne nicht geerdet war (!). Das Problem wurde beseitigt, aber die Stimmung war dann natürlich nicht mehr so gut, und wir waren ziemlich verkrampft während der Show, weil wir natürlich immer wieder damit gerechnet haben, dass doch noch etwas passiert. Bei dem Gig gab es dann auch noch einen weiteren Vorfall während unseres letzten Songs, das war Rising Sun. Die Songs von Seeking Raven haben ja verschiedene Gitarrenstimmungen, und so hatten wir bei der Tour insgesamt 12 Saiteninstrumente dabei. Bei dem Song, der dann als Zugabe gespielt werden sollte, und den ich auch schon angesagt hatte, stellte ich aber fest, dass die passende Gitarre im Backstagebereich war, und der war sehr weit entfernt von der Bühne. Der Zeitplan war schon sehr eng, und Joe Matera wollte natürlich auch noch spielen, darum hat Max sich dann – todesmutig, wie er war 😀 – entschlossen, mir seine Gitarre zu geben, weil die richtig gestimmt war. Dann ging der Song los, und erst da hat Max gemerkt, dass zwar jetzt ich eine richtig gestimmte Gitarre habe, er aber nicht. So hat Max dann während des Songs versucht, entsprechend umzudenken und auch umzugreifen, damit das zum Song passt, und hat sich mehr auf den Gesang konzentriert. Dieser Song war allerdings genau auf zwei Gitarren aufgebaut, und am Ende des Solos, das auf die Bassbegleitung gespielt wird, würde ich normalerweise den Ton halten, bis Max dann mit dem Main Riff wieder einsteigt. Das ging aber ja nicht, also habe ich den Ton erstmal gehalten, und nur gedacht „fuck, jetzt geht es nicht weiter, weil die zweite Gitarre fehlt“.  Dann habe ich so getan, als ob ich absichtlich eine Rückkopplung eingebaut hätte, so dass alle dachten „was passiert denn jetzt?“, und dann habe ich einfach mein Pokerface aufgesetzt und mit dem Riff weiter gemacht.

Wir sind aber sowieso die verfluchte Band, was die Technik betrifft. Da passiert immer nur Scheiße. Auch, als wir mit der Produktion des neuen Albums im Heimstudio angefangen haben, fing jeder Tag im Grunde damit an, dass irgendwelche technischen Probleme gelöst werden mussten. Genau an dem Tag, an dem die Produktion losging, traf es zum Beispiel die beiden Studiomonitore, die Du heute gehört hast. Beide Monitore waren tot, da kam nichts raus. Also habe ich irgendwelche anderen Monitore da hingestellt, um überhaupt irgendwas da stehen zu haben, die gingen aber gar nicht. Geendet hat es damit, dass wir die ganze Arrangement-Diskussion komplett mit Kopfhörern gemacht haben. Jeder saß da mit Kopfhörern, was natürlich noch ungemütlicher war, denn keiner hörte sich mehr.

Seeking Raven / Max:

Um auch mal zu den positiven Sachen zu kommen: Die geilsten Gigs sind immer die, wenn das Publikum abgeht und die Atmosphäre stimmt. Dann ist es auch egal, wenn da meinetwegen nur 10 Leute vor der Bühne stehen.

Seeking Raven / János:

Einer meiner favourite Gigs ist die Releaseshow im Grammatikoff in Duisburg. Die war zwar nicht perfekt, da ist wieder eine Menge Schrott gelaufen, das neue Line-Up war noch ganz frisch, und wir hatten noch nicht die Routine, aber es war ein wichtiger Moment, weil es der erste Gig mit dem neuen Line-Up war.  Und es war natürlich ein gutes Gefühl, weil endlich das Album The Ending Collage, das praktisch zwei Jahre in der Mache war, veröffentlicht war.

Die letzten Gigs liefen dann ganz gut, wobei mir das Underground in Wuppertal auch sehr gut gefallen hat. Das war ein super Abend! Eine große Location, und die Hütte war voll. Soundprobleme gab es wie immer bei Seeking Raven (haha), aber es war einfach geil. Es gibt so Momente, wo alles stimmt. An dem Abend waren auch sehr nette Bands dabei, mit denen wir auch noch befreundet sind, z. B. Diversity Of Darkness. Mit denen spielen wir auch bald wieder zusammen.

Time For Metal / Heike L.:

Und das war auch schon die letzte Frage. Noch einmal ein herzliches Dankeschön, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Treffen genommen habt. Ich freue mich nach dem heutigen Pre-Listening auf jeden Fall schon sehr auf das neue Album.

Bei der Entstehung des neuen Seeking Raven-Albums könnt Ihr Euch auch aktiv einbringen, denn die Jungs haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die Ihr hier findet: https://www.startnext.com/seekingraven/. Schaut einfach mal rein und unterstützt die Band! 🙂

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