Das Interview unseres Redakteurs Jürgen Simon am 07.08.2017 mit Markus „Infernal“ Kuschke von Desaster

Artist: Desaster

Herkunft: Koblenz, Deutschland

Genre: Black Metal, Thrash Metal

Link: http://total-desaster.com

Bandmitglieder:

Gesang –  Guido „Sataniac“ Wissmann
Gitarre –  Markus „Infernal“ Kuschke
Bass  – Volker „Odin“ Moritz
Schlagzeug – Stefan „Tormentor“ Hüskens

Unser Redakteur interviewte den Gitarristen von Desaster Markus „Infernal“ Kuschke am 07. August bei einem gemeinsamen Mittagessen mit einem gepflegten (alkoholfreien) Bier und Pizza in der Pizzeria Milano (ein Insidertipp der beiden!) in Neuwied. Die Idee hierfür entstand nach zig Bieren in einer durchzechten Nacht beim diesjährigen Der Detze Rockt in Daun.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Hallo Markus, ihr habt ja 30 Jahre Bandbestehen von Desaster nächstes Jahr.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Nächstes Jahr…, eigentlich übernächstes Jahr. Offizielles Gründungsdatum haben wir mal 1989 festgelegt, da war das erste Konzert. 1988 haben wir schon angefangen zusammen was zu machen und haben uns schon Desaster genannt. Aber richtig angefangen zu Proben mit einem Schlagzeuger haben wir 1989, um dieses erste Konzert vorzubereiten. Das war ja so eine lustige Geschichte am Anfang, als wir schon das erste Konzert gebucht, geplant hatten. Die Grillhütte war schon gemietet. Wir haben aber noch keinen einzigen Song gehabt (lacht). War wohl ein bisschen voreilig (lacht). Und 1988 haben wir angefangen, im Kinderzimmer so ein bisschen auf dem Sessel rum zu trommeln und zu brüllen. Richtig ernsthaft ging es dann (in Anführungszeichen) 1989 los. Deswegen haben wir mal gesagt offizielle Bandgründung ist 1989. Das erste Konzert war dann im Juni 1989 (glaube ich). Das ist quasi Gründungsdatum.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Da fällt mir gerade ein: ich war zu der Zeit (ja müsste es gewesen sein) bei einem Mädel in Koblenz zum 30 jährigen Geburtstag eingeladen. Große Fete mit Mutter, Vater, Oma, Schwestern und Kleinkindern. Als super Überraschung spielte dann eine Metalband. Das Ganze endete wirklich im Desaster. Spätestens beim zweiten Song waren 80 Prozent der Geburtstagsgesellschaft verschwunden. Die restlichen 20 Prozent dann nach dem fünften Stück. Seid ihr das vielleicht gewesen, die den Geburtstag zum Desaster machten (lacht…)
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Würde gut zu uns passen, gell. Desaster eben, totales Desaster eben. Aber nee, das waren wir nicht. Das erste Konzert war in Mülheim-Kärlich auf der Grillhütte. Das war auch zunächst mal das einzige Konzert. Wir haben uns dann 1990 aufgelöst. 1990 bis 1992 war Funkstille. Da habe ich immer noch weiter versucht Musik zu machen mit Leuten, habe aber keine Leute gefunden.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Ja, habe da irgendwo mal was gelesen, dass zwischenzeitlich mal Schluss war.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja genau. 1992 haben wir dann wieder weitergemacht. Da habe ich quasi die richtigen Leute gefunden. Wir haben am Anfang wieder in Kärlich auf der Grillhütte gespielt. Und auch tatsächlich mal auf einer Geburtstagsfeier in Lay. Aber das war von unserem Schlagzeuger etwas. Was wir mal gemacht haben, das war so eine ähnliche Story 1992. Da hatten wir nach den ersten Proben ein paar Sachen, die wir spielen konnten. Am Anfang haben wir meistens gecovert. Wir haben von Venom Countless Bathory gecovert. Das war recht einfach zu spielen. Haben das aufgenommen auf Kassette mit einem Mördersound (lacht). Da waren wir so stolz drauf, das haben wir mitgenommen. Wir waren bei einem Mädel tatsächlich auf einem Geburtstag eingeladen. Wir haben dann die Anlage übernommen und die ganze Zeit unsere Aufnahme laufen lassen (lacht), weil wir so stolz drauf waren, dass wir schon was aufgenommen hatten. Die Partygäste wurden immer unruhiger und haben rumgemacht. Haben rumgemault, die sind doch bescheuert die Jungs. Die Hütte wurde immer leerer und das Mädel war am Heulen nachher (lacht). Irgendwann hat sie sich getraut uns zu bitten, dass wir doch bitte gehen sollten. Und das haben wir dann auch gemacht. War ganz witzig.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Wann fing es dann an, so richtig, wie soll ich es nennen, semiprofessionell zu werden?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Man kann sagen, als wir angefangen haben Demos in Eigenregie rauszubringen. Farbkopierte Covers wurden dann im Copyshop gemacht.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Demos auf Band, also Kassette?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja, das war ja damals üblich. Gab noch keine CDs. War üblich, dass man ein Demotape hatte. Kennt man heute nicht mehr. Heute ist alles direkt auf CD. Professionell wurde es dann, als wir die erste Anfrage bekommen haben eine Platte zu machen. Ein Split war das damals. Eine 7‘ Vinyl., muss so 1995 gewesen sein. 1995 kam die raus mit der Band Ungod. Die Band hatte schon ein Album draußen. Eine Black Metal Band aus Deutschland. Aus Schweinfurt. Da waren wir natürlich stolz. Die hatten schon ein Album raus, was die Szene in Deutschland damals beeinflusst hat. Die haben uns gefragt, ob wir nicht eine Splitsingle machen wollten. Das Label, Merciless Records war das damals, ist an uns herangetreten. Ab da, wie gesagt, ging es los. Die Demos kamen schon gut an. Das hat uns damals schon umgehauen, dass aufgrund einer Anzeige im Rockhard Magazin unheimlich viele Bestellungen reinkamen.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Auf welche anderen Bands beruft ihr euch. Wer waren eure Vorbilder?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Vor allem müssen wir da Venom nennen. Venom hat dazu geführt, dass wir uns damals überhaupt gegründet haben. Früher war es nicht so wie heute. Es gab kein Internet und es gab auch noch keine Metal-Videos im TV, weil nahezu unbekannt. Auf RTL gab es mal die Sendung Mosh, aber das war auch wieder relativ schnell vorbei. Man war halt auf Videokassetten angewiesen, um Bands auch mal live zu sehen. Mit 13 oder 14 durften wir von den Eltern aus noch nicht irgendwohin auf ein Konzert. Deswegen waren wir froh, dass einer aus der Nachbarschaft Venom auf Videokassette hatte. Einmal die Woche durften wir zu ihm kommen und uns dann das Video anschauen. Da haben wir fast gekniet vor dem Fernsehapparat. Was die da auf der Bühne abgefeiert haben mit Feuerwerk und Satanskreuzen und so was, da waren wir natürlich als Jugendliche mächtig beeindruckt von. Wir haben gesagt, wenn wir mal eine Band machen, dann muss das so sein, wie bei Venom. Also war von Anfang an klar, dass wir etwas in die dunklere Richtung – so nenne ich es heutzutage mal – gehen. Bei Venom war das mit dem ganzen Satanskram auch nicht so ernst gemeint.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Doch eigentlich bei den wenigsten, oder?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja, bei den wenigsten, wobei es dabei sicherlich auch einige gibt, die da voll drin aufgehen. Aber da muss ich klar zu sagen, die sind mir genauso suspekt wie irgendwelche Islamisten, Christen oder Sonstige, die in die extreme Form gehen. Religion hat schon so viel Scheiße über die Menschheit gebracht. Deshalb war für uns klar, da wir in einer westlichen Welt leben, die vom Christentum geprägt wird, dagegen zu rebellieren. Das Antichristliche, mit umgekehrten Kreuzen und Pentagramm war für uns so das Zeichen, dagegen zu rebellieren. Heutzutage hat die Kirche kaum noch die Macht wie damals. Zumindest der Alltag wird nicht mehr so stark davon geprägt. Klar, wenn man sich direkt damit beschäftig. Zum Beispiel meine Frau, die arbeitet bei der Kirche. Da gibt es schon noch ein paar Sachen, da wundert man sich auch heute noch. Da kann man nicht heiraten, ohne dass man sich den kirchlichen Segen holt. Man wird dann höflich aufgefordert, doch bitte auch kirchlich zu heiraten.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Ist dir das passiert?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja! Du musst die standesamtliche Hochzeit beim Arbeitgeber ja auch wegen der Steuern angeben. Da kam vom Arbeitgeber meiner Frau ein netter Brief, der uns aufforderte, schnellstmöglich doch bitte auch kirchlich zu heiraten.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Die wussten, dass du bei Desaster spielst?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Nein das nicht. Aber war dann doch ganz lustig. Der Pfarrer hatte noch nie so komische Gestalten in seiner Kirche gehabt. Der war dann nach der Trauung auch sehr schnell weg. Den konnte ich gar nicht mehr zur Party einladen… War schon geil. Die ganzen Kumpels kamen in Kutten und Nieten und weiß ich nicht was noch. Der Pfarrer hat schon ganz blöd aus der Wäsche gesehen. (Wir lachen beide herzhaft)
Time For Metal / Jürgen Simon:
Markus, vor Jahren hast du mir mal erzählt, dass bei euch in Koblenz, ich meine im Florinsmarkt, jemand bei euch auf dem Konzert war und euch auf eine Südamerikatour eingeladen hat. Habe ich das recht in Erinnerung?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Nein nein, das war anders. Wir haben eine Anfrage bekommen von einer südamerikanischen Plattenfirma. Die wollten gerne was von uns rausbringen. Am liebsten ein Livealbum.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Wann war das?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Das war ungefähr 2002. Wir haben denen gesagt, um eine Platte rauszubringen haben wir unser eigenes Label, dafür brauchen wir euch nicht. Dann haben die uns geschrieben, aber wir wollen das Konzert bei uns in Brasilien machen und da aufnehmen. Da haben wir gesagt, ok., das ist natürlich was anderes. Geil, nicht schlecht dahin zu fliegen. Und die haben uns wirklich nur für ein Konzert rüber geholt nach Sao Paulo. Das Wochenende wurde von denen komplett bezahlt. War ein supergeiles Konzert. Wir wussten gar nicht, dass wir da so viele Fans hatten. Da waren dann 1000 Leute beim Konzert. Wir waren dort der Headliner, die hatten noch so eine lokale Supportband. Alles war um unseren Auftritt organisiert. War ein riesen Aufwand mit der ganzen Technik und so, damit die uns richtig aufnehmen konnten. Die Platte ist richtig gut geworden.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Was war es, eine Single?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
War sogar eine Doppel LP!
Time For Metal / Jürgen Simon:
Titel?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Die heißt Brasilian Blitzkrieg Blasphemies. Die ist echt gut geworden. Hätte nie gedacht, dass die die so gut hinkriegen. Wir waren natürlich ultranervös. Wenn man mal genau hinhört, dann hört man den Schlagzeuger zwischen den Songs immer wieder rufen: Guido (das ist unser Sänger), mach mal langsam, mach mal langsam. Da musste der sein Schlagzeug noch irgendwie fixieren. Der Sänger hat aber immer wieder den nächsten Song angekündigt und es ging direkt weiter. Der Schlagzeuger war noch gar nicht fertig. Den hört man dann immer verzweifelt hinten schreien.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Aber seitdem seid ihr ja öfter in Südamerika gewesen.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Genau, das war der Auftakt. Wir waren noch, ich glaube, 2- oder 3-mal in Südamerika. Wir haben mal eine kleine Tour durch Südamerika gemacht, da sind wir in 10 Tagen in Brasilien, Peru und Kolumbien gewesen. Und in den 10 Tagen, glaube ich, ca. 25-mal geflogen. Die Veranstalter wollten natürlich Geld sparen und haben deswegen nie Direktflüge gebucht. Unter anderem gab es eine Zwischenlandung in Bolivien, obwohl wir dort nicht gespielt haben. In dieser Zeit haben wir gelernt im Flugzeugsitz zu schlafen. Im Hotel kurz mal zum Duschen, weil du musstest nach 2 Stunden meistens wieder zum nächsten Flughafen. Das Ganze war schon sehr anstrengend. Deshalb haben wir bei der dritten Südamerikatour gesagt, wir machen nur Brasilien und mal zwischendurch ein wenig Urlaub. Da haben wir nur am Wochenende Konzerte gemacht, dann 3 bis 4 Tage am Strand verbracht und dann wieder am Wochenende Konzert. Das war natürlich sehr entspannt.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Eure Platten verkaufen sich noch in Südamerika, auch die neuesten?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja. Also offizielle Zahlen kennen wir nicht. Das sagt auch nichts aus. Da unten wird fast alles gebootlegt. In Lima (Peru) zum Beispiel sind wir mal in einen Plattenladen reingegangen. Die hatten T-Shirts und CDs von uns, die kannten wir gar nicht. Wussten gar nicht, dass es das von uns gibt. Das Gleiche auch von anderen Bands. Ist schon total verrückt da.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Eure alten Platten sind ja teilweise recht gesucht. Wenn ich da mal in ebay schaue, dann werden ja ganz schön stolze Preise für aufgerufen bzw. bezahlt. Wovon hängt das ab? Waren das so kleine Auflagen?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja klar! Das waren damals gerade die Vinyl Versionen. Die CDs wurden immer mal wieder nachgepresst – bis heute. Aber die Vinylsachen waren immer limitiert, da haben wir immer drauf bestanden. Ich selbst finde es immer schade, wenn du eine handlimitierte Vinyl bis 500er oder sagen wir mal bis 1000er Auflage kaufst, dann kommt da auf einmal ein Jahr später noch mal ein Schwung. Das ist ganz klar Beschiss. Das wollen wir natürlich nicht.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Das will wirklich kein Sammler. Ich glaube, Rammstein hat das mal richtig beschissen gemacht. Limitiertes Audiobook rausgebracht. Als das direkt nach Erscheinen ausverkauft war, haben die unverzüglich die zweite Auflage hinterher geschoben.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Das ist schon Verarschung, das wollen wir nicht. Weil wir ja selber Fans sind. Wir sehen uns selbst auch nicht als Musiker an. Wir sind Plattensammler. Alle! Da willst du natürlich was Besonderes im Schrank stehen haben. Es kamen natürlich immer wieder Nachfragen, vor allem auch unser eigenes Label Merciless Records, die wollten immer mal wieder was nachpressen. Bei Vinyl haben wir aber immer wieder gesagt, nein das machen wir nicht, weil das ist nicht im Sinne der Fans. Gut, jetzt haben wir ein Einsehen. Wann kam das erste Album raus, glaube 1996, das ist ja jetzt schon 20 Jahre her. Bzw. 21 Jahre. Das wurde auch schon gebootlegt (das ist das Album, das du eben auch schon bei ebay gesehen hast. Das finden wir auch nicht gut, dass die Fans nun so minderwertiges Zeug angeboten bekommen).
Time For Metal / Jürgen Simon:
Also wollt ihr vielleicht noch mal was wiederveröffentlichen?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja richtig. Wir wollen das erste Album mit einem anderen Layout, oder auch vielleicht andersfarbigem Vinyl als Doppel LP rausbringen. Auch das zweite Album wollen wir jetzt in Angriff nehmen. Die EP Stormbringer von 1997 haben wir jetzt schon wiederveröffentlicht über Merciless Records, mit anderem Layout und haben auch noch Bonusmaterial drauf gepackt. Das kam sehr gut an. Das wollen wir jetzt mit den beiden ersten Alben auch machen, jeweils als Doppel LP, auf die zweite LP kommt eine Menge Bonusmaterial drauf.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Finde ich eine gute Sache. Die Veröffentlichungen sind zu unterscheiden. Der Fan kann sagen, da gibt es eine Erstveröffentlichung, aber da gibt es auch eine Wiederveröffentlichung, die sich doch von der Erstveröffentlichung unterscheidet.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja genau.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Du Markus, du hast eben gesagt, ihr betrachtet euch nicht als Musiker. Ist schon eine komische Aussage für eine Band. Wie habe ich das zu verstehen.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja, da werden wir oft für belächelt, oder der eine oder andere schüttelt den Kopf. Wir haben die Band damals gegründet, weil wir musikbegeistert waren. Ich glaube jeder Heavy Metal Fan träumt davon, mal eine eigene Band zu haben. Das war bei uns nicht anders. Wir haben unser Handwerk ja nie richtig gelernt zum Beispiel. Wir haben uns das Spielen selbst beigebracht. Wie das oft so ist, bei Autodidakten, da kommst du oft an Grenzen. Dann geht es auch nicht mehr weiter. Aber das reicht uns vollkommen aus. Wir wollen jetzt auch nicht technisch so absolut gut werden. Wir sind der Meinung, um Musik zu machen, jedenfalls so harte Musik, wie wir sie machen, muss man nicht unbedingt Joe Satriani sein. Das ist natürlich auch super. Aber gerade für die härtere Musik, da reichen grundlegende Kenntnisse aus. Da geht es gerade um Emotionen. Es gibt natürlich auch im harten Bereich technisch versierte Bands. Muss ich ehrlich sagen, da bin ich nicht immer der Fan davon. Mir gefallen so Rumpelkombos oft besser. Gerade im Thrashmetal hat mir technischer Thrash nie so gefallen. Und ja, das ist so eine Einstellungssache. Wir gehen in den Probenraum, wollen ein Bier trinken, Krach machen und Spaß haben. Wollen nicht einen auf Musiker machen. Wir sind halt Fans der Musik, die zufällig, nebenbei auch noch eine Band haben. Wenn wir uns treffen, auch mit anderen, dann unterhalten wir uns über Musik, über alte Stücke, neue Stücke usw. Eben nicht über die neuesten Verstärker oder Verzerrer, oder was es sonst noch auf dem Markt gibt. So sind wir halt. Ich denke, wir sind authentisch und so mögen uns unsere Fans auch.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Hatten wir eben schon angesprochen: Ihr denkt an eine Wiederveröffentlichung des ersten und zweiten Albums. Ist auch an etwas Neues, also an ein Album, gedacht?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Nein kein Album. Ist auch mittlerweile etwas schwieriger, weil die einzelnen Bandmitglieder recht verstreut wohnen. Der Schlagzeuger wohnt in Essen, der Sänger in der Eifel. Da ist das Proben eben seltener geworden. Ja wenn es dann zum Proben kommt, dann machen wir das für irgendwelche Auftritte. Man kommt halt seltener dazu neue Sachen zu schreiben. Wir haben jetzt mit der nächsten Veröffentlichung mal wieder eine Splitsingle gemacht mit einer portugiesischen Band (Decayed). Dafür haben wir einen neuen Song geschrieben. Für diesen Song haben wir dann tatsächlich ein halbes Jahr gebraucht. Wenn man das jetzt für ein Album hochrechnet… Klar, wenn man ein Album vorhat, dann trifft man sich öfter. Man muss aber die Zeit dafür haben. Die Zeit ist nicht mehr unbedingt da. Und auf Teufel komm raus irgendetwas zusammenzuschustern, das wollen wir nicht. Wenn es nach mir geht: Veröffentlichungen im Underground, so Singles reichen mir vollkommen. Ich muss nicht unbedingt ein Album veröffentlichen. Wir haben ja schon 8 Alben. Wir haben ein Label. Das wird in der heutigen Zeit ja auch infrage gestellt, ob man das wirklich braucht. Bands, die wirklich Geld verdienen wollen, die können gar nicht anders, als alles Selbst in die Hand zu nehmen. Von Platten einspielen, über Merchandise und Konzerte organisieren, das macht man am besten heute alles Selbst. Wenn man wirklich noch davon leben möchte. Das Ganze ist dann wieder ein Zeitfresser, das ist klar. Wenn du irgendwann mal einen Status hast, dann brauchst du natürlich einen Manager, einen Booker und eine Firma, die hinter dir steht. Aber diesen Status zu erreichen, wird halt immer schwieriger heutzutage. Wir haben das nie angestrebt. Wir waren schon immer so eine in Anführungszeichen Hobbyband. Ist aber schon was ernster wie ein Hobby. Da hängt schon sehr viel Herzblut dran. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, die Gitarre an den Nagel zu hängen und nicht mehr in der Band zu spielen. Aber wie gesagt, das ganze Business dahinter mit Platten veröffentlichen und Konzerte spielen, das war nie das, was uns so angetrieben hat. Es hat uns die Musik an sich angetrieben und Spaß zu haben. Natürlich juckt es mich auch immer wieder ein paar Riffs rauszuhauen und Songs zu machen. Aber das muss jetzt nicht mehr in Albumform sein. Nur um zu sagen, hier ist das Album, das ist jetzt fertig. Dann kommen meistens auch die Magazine und wollen ein Interview, wenn du ein neues Album raus hast. Weiß ich nicht, muss ich nicht unbedingt haben. Reicht mir, wenn eine Single oder EP von uns raus ist. Die Fans kennen uns und wissen, dass was raus ist / kommt. Da brauchen wir auch die Publicity nicht mehr, die du eigentlich bekommst, wenn du ein neues Album raus hast. Dann bekommst du wieder mehr Konzertangebote, klar. Aber auch das brauchen wir nicht mehr in der Intensität. Wir haben Familie und Jobs. Das musst du alles unter einen Hut bekommen.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Eine Frage zum Touren. Ihr habt schon auf Wacken und Party.San gespielt. Nächstes Wochenende wieder Party.San. Wie wichtig ist euch das, in welcher Häufigkeit würdet ihr gerne touren?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Ja ist so eine Sache. Das muss weiterhin Spaß machen. Für uns ist es wichtig, dass jedes Konzert was Besonderes ist. Wenn sich das irgendwann mal so als Business as usual entwickeln würde, dann wäre das nichts mehr für uns. Das haben wir gemerkt. Wir haben ja schon längere Touren gemacht. Die Längste war mit Holy Moses 3 Wochen am Stück. War so 2001/2002. Danach haben wir uns schon geschworen: Das ist nichts für uns. Da hast du gemerkt, dass du nicht mehr so richtig heiß auf jedes Konzert bist. Aber gerade das ist für uns besonders wichtig. Wir wollen halt bei jedem Konzert eine gute Show abliefern und den Fans was zeigen. Wir wollen Spaß haben. Wenn du das jeden Tag machst, dann ist das Feuer nicht mehr so da. Mittlerweile machen wir nur noch Wochenendkonzerte. Da freut man sich drauf. Ich glaube, wir haben auch den Ruf als ziemlich gute Liveband, von der Stimmung her. Wir suchen auch den Kontakt mit den Fans und anderen Bands. Party gehört für uns dazu und auch der Kontakt mit den Fans, die uns jederzeit ansprechen können. Wir sind keine Freunde von den Meet and greets und Autogrammstunden. Wir sagen immer, wenn jemand was von uns will, dann soll er bei uns vorbeikommen. Wir sind selbst Fans und trinken mit den Fans gerne mal ein Bierchen und halten uns nicht verbarrikadiert im Backstagebereich auf. Klar bei größeren Festivals, wie zum Beispiel nächstes Wochenende Party.San, da haben wir auch mal vorher eine Autogrammstunde. Weil da sind viele Leute. Die sehen uns nicht oft. Wir wollen jetzt nicht, dass der Eindruck entsteht, wir seien hochnäsig und wollten keine Autogramme geben. Dazu noch eine lustige Anekdote: Damals in Lima (Peru) hat der Veranstalter uns gebeten, eine Autogrammstunde einen Tag vor dem Konzert zu geben. Wir haben zunächst gesagt, machen wir nicht. Jeder der ein Autogramm haben will, kann vor oder nach dem Konzert zu uns kommen und wir unterschreiben den Leuten dann die Sachen. Der Veranstalter hat dann gesagt, Autogrammstun,de wäre besser. Wir haben uns überreden lassen. War dann auch besser so. Zur Autogrammstunde standen mehr als 200 Leute da in einer Schlange. Das war ein kleiner Plattenladen in einem Einkaufzentrum. Die Leute standen da und schrien Desaster, Desaster… Die Security musste die Leute einzeln rein lassen, weil so viel Andrang war. Da haben wir gemerkt bei den großen Konzerten in Südamerika ist das nicht so einfach mit der Nähe zu den Fans. Bei einem Konzert konnten wir nicht anfangen, weil der Bassist nicht da war. Der stand im Publikum und war von so vielen Leuten umringt, dass er nicht mehr ohne Weiteres raus und zu uns auf die Bühne kam. Wir mussten dann später anfangen. Ist schon verrückt in Südamerika.
Time For Metal / Jürgen Simon:
Was steht noch an Konzerten dieses Jahr an?
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Nächstes Wochenende Party.San. Im Herbst zum ersten Mal Malta Doom Festival. Am 16.09. haben wir ein Festival in Mannheim mit Root. Und Urn aus Finnland sind jetzt bestätigt. Im Dezember ist, glaube ich, noch was geplant. Weiß ich jetzt aber nicht mehr genau.
Time for Metal / Jürgen Simon:
Ich habe eben gesagt 30 Jahre Desaster. Sind es aber nicht, wie du mich eben berichtigt hast. Wie würdest du die Zeit beschreiben. Totales Desaster? (lacht)
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Auf jeden Fall. Den Namen haben wir nicht umsonst gewählt (lacht). Manchmal zieht der Name auch das Unglück an, ich weiß es nicht. Uns passieren manchmal wirklich zu komische Sachen. Ja entstanden ist der Bandname damals wirklich, weil wir so ein Chaotenhaufen waren. Irgendwann haben wir dann gesagt, wieso nennen wir uns nicht einfach Desaster, nach einem Song der ersten Destruction Platte. Wir haben immer so einen Spruch gehabt und gesagt: Komm wir gehen ins Dorf und machen ein bisschen Desaster. Ein bisschen Blödsinn gemacht, die Leute ein wenig geärgert, laute Musik gehört, ein paar Bierflaschen kaputtgemacht. Würden wir heute natürlich nicht mehr machen. Wir machen immer noch viel Blödsinn, aber nicht mehr so Sachen, wo Sachbeschädigung dabei ist. Der Name ist weiterhin noch Programm. Manche Veranstalter haben auch ein wenig Angst, wenn sie uns buchen, habe ich jedenfalls so das Gefühl. Wir sind aber trotzdem nett. Können uns einigermaßen benehmen. Ein Hotelzimmer zum Beispiel haben wir noch nie kaputtgemacht. Wäre auch bescheuert, weil wir müssen es ja auch selbst bezahlen. Naja in einer Pension ist uns nachts mal eine Tür aus Versehen kaputtgegangen. Wie das passieren konnte, keine Ahnung wissen wir nicht … (lacht)
Time For Metal / Jürgen Simon:
Du Markus, vielen Dank für den Einblick in eure Band Desaster. Eine sehr spannende Geschichte einer Band mit tollen Anekdoten, die uns hoffentlich noch weiter erfreuen wird.
Desaster / Markus „Infernal“ Kuschke:
Danke dir und Time For Metal auch an dem Interesse an unserer Band.

 

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