Dauþuz / Rimruna / Schattenvald / Nemesis Sopor – Quintessenz (Split)

Vier Perlen aus dem Black Metal-Underground

Artists: Dauþuz, Rimruna, Schattenvald und Nemesis Sopor

Herkunft: Deutschland

Album: Quintessenz

Spiellänge: 47:13 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 30.04.2021

Label: Schattenpfade und Sol Records

Links: https://www.facebook.com/DauthuzBM,
https://www.facebook.com/Rimruna.de,
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https://www.facebook.com/nsopor

Tracklist:

  1. Erþæ (Dauþuz)
  2. Winterreigen (Rimruna)
  3. Wenn Der Blutdunst Von Den Zinnen Weht (Schattenvald)
  4. Demiurg (Nemesis Sopor)

Dieses Split-Album Quintessenz wurde bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht, zu dem Zeitpunkt allerdings nur in einer Vinyl-Ausgabe. Dann haben sich Schattenpfade und Sol Records aber zusammengetan und am 30.03. eine auf 500 Exemplare limitierte CD-Edition veröffentlicht. Die kommt schön eingepackt in einem flachen Digisleeve daher, in dem sich auch ein achtseitiges Booklet mit den Texten befindet. Zum Lesen brauche ich dann allerdings tatsächlich eine Lupe, das mag aber meinem Alter geschuldet sein.

Vier Undergroundbands, die alle auf schwarzmetallischen Pfaden wandeln, sind auf Quintessenz zu hören. Als Erstes treten Dauþuz auf den Plan. Der Bandname ist übrigens das germanische Wort für Tod. Seit 2016 ist die Band aktiv und hat seitdem schon drei Full-Length-Alben und zwei EPs veröffentlicht. Die beiden Mitglieder Aragonyth S. und Syderyth G. konnte man auch schon in verschiedenen anderen Bands antreffen, gemeinsam halten sie seit der Bandgründung die Flagge für Dauþuz hoch.

Gleich beim ersten Song auf Quintessenz, Erþæ, wird einiges geboten. Rein musikalisch erinnern Dauþuz mich ein wenig an Imperium Dekadenz, die auch mit schönem Gitarrenspiel, gern auch mal als Twin-Guitar aufwarten. Gesangstechnisch ist allerdings in Erþæ mehr los, denn hier wird die ganze Palette ausgebreitet: harscher Gesang, wunderbarer Klargesang, Flüstern, Keifen… Auch Chöre sind immer mal wieder zu hören, die Gefahr, dass das Ganze zu kitschig wird, besteht aber zu keinem Zeitpunkt.

Schon ein wenig länger am Start, nämlich seit 2011, ist die Berliner Band Rimruna. Die kommt ebenfalls als Duo daher und hat bislang eine Demo, zwei Full-Length-Alben, zwei Splits und sogar ein Livealbum veröffentlicht. Auch Hiverfroid und Wintergrimm waren bzw. sind noch in anderen Bands aktiv. Auf Quintessenz liefern sie mit dem knapp 14 Minuten langen Winterreigen den längsten Track, aber wenn ich mir ihre Diskografie so anschaue, ist diese Songlänge für sie Standard.

Nach einem leicht folkloristisch klingenden Beginn schlagen auch bei Winterreigen irgendwann die schwarzmetallischen Wurzeln durch. Auch dieser Song kommt mit großartigem, hellem Gitarrenspiel daher, es klingt fast, als ob ein Quintett oder Sextett aufspielt. Nach leicht verhaltenem Start nimmt Winterreigen ordentlich Fahrt auf, wobei ich schon nach den ersten fünf Minuten aufgehört habe, die Tempowechsel zu zählen.

Auf die längste Bandgeschichte, wenn auch mit einigen Unterbrechungen, kann das Duo Schattenvald zurückblicken. Gegründet wurde es von Nachtsturm bereits im Jahr 1998, damals war es eigentlich als Soloprojekt gedacht und auch geführt, bis sich in 2011 Iskharian dazugesellte. Nach fünf Demos aus den frühen 2000ern erschienen fünf Full-Length-Alben, die schlicht I, II, III, IV und V betitelt wurden, und einige Compilations, Splits und EPs. Ihr Song Wenn Der Blutdunst Von Den Zinnen Weht ist nur unwesentlich kürzer als der von Rimruna, wobei sie überwiegend kürzere Songs als diesen im Programm haben und ihre Texte gern auch mal in Bayrisch verfassen, denn aus diesem Bundesland kommen sie.

Sehr viel roher als die beiden ersten Tracks kommt Wenn Der Blutdunst Von Den Zinnen Weht daher. Schattenvald können aber auch episch, monumental, symphonisch und mit Chor. Wie das Duo diese furiose Klanggewalt entfesselt, dabei aber konsequent den schwarzmetallischen Pfaden folgt, ist sehr bemerkenswert.

Last but not least sei die Dresdner Band Nemesis Sopor genannt, die mit ihrem Song Demiurg dieses Split-Album vervollständigt. Nach den drei Duos haben wir es hier mit einem Quartett zu tun, wobei nur Schlagzeuger F.K. seit der Gründung im Jahr 2008 dabei ist. Den letzten Wechsel gab es vor drei Jahren, als X.M. die Position am Bass übernahm. Auf drei Full-Length-Alben, eine EP und ein Splitalbum kommen Nemesis Sopor bislang. Wie die Songs der drei vorgenannten Bands erzählt auch der von Nemesis Sopor eine Geschichte, die mit einem der vier Elemente verbunden ist.

Wie schon Rimruna starten auch Nemesis Sopor ihren Song sehr verhalten, erst nach fast drei Minuten nimmt Demiurg Fahrt auf. Diesen Song würde ich tatsächlich mit Progressive Black Metal taggen. Hier gibt es selten das „typische“ Black Metal-Shredding, es bleibt sogar Zeit für das eine oder andere schöne Gitarrensolo. Auch mit Klargesang und akustischen Gitarren warten Nemesis Sopor auf, das hat definitiv was!

Dauþuz / Rimruna / Schattenvald / Nemesis Sopor – Quintessenz (Split)
Fazit
Wenn ich Post von Schattenpfade kriege, weiß ich mittlerweile schon, dass hier wieder eine Perle des Undergrounds darauf wartet, angehört zu werden. Auch wenn natürlich nicht alles nun 100%ig was für mich ist, beweist Adam immer wieder, dass er einen exquisiten Geschmack und eine Vorliebe für die außergewöhnlicheren Bands hat. Auf Quintessenz sind schon mal vier davon versammelt, und ich kann nur jedem Black Metal-Fan empfehlen, sich dieses Album zuzulegen. Was ich mir beim nächsten Bandcamp Friday zulege, weiß ich auch schon; es wird einiges aus den Diskografien der vier Bands sein.

Anspieltipps: alle, wobei meine Favoriten Erþæ und Wenn Der Blutdunst Von Den Zinnen Weht sind
Heike L.
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