Event: Dortmund Deathfest 2025
Bands: Decapitated, Illdisposed, Undeath, Deserted Fear, Severe Torture, Celestical Sanctuary, Defeated Sanity, Maceration, Deadsquad, Teething, Cognitive, Omnivortex, Mammoth Grinder, Dying Fetus, Brujeria, Macabre, Malevolent Creation, Fulci, Warside, Extermination Dismemberment, Arcanius, Gutslit, Begging For Incest, Caedere, Embedded, Plagueborne
Ort: JunkYard, Schlägelstraße 57, 44145 Dortmund
Datum: 01.08.2025 – 02.08.2025
Kosten: 99,00 Euro VVK beide Tage
Genre: Death Metal, Technical Death Metal, Old School Death Metal
Veranstalter: Deathfest Dortmund
Link: https://www.facebook.com/DortmundDeathfest.Official
Gestern hatten wir bereits das Vergnügen, die wunderbare Preparty zum Dortmund Deathfest zu erleben (hier nachzulesen). Heute machen wir uns etwas verspätet auf den Weg vom Hotel zum Junkyard, um den Festivalbeginn zu feiern. Der Start ist für 14:00 Uhr angesetzt. Am Eingang treffen wir Lukas, der uns informiert, dass sich der Beginn etwas verzögern wird. Der Grund dafür ist, dass die zweite Band heute auf der Indoor-Stage leider ausgefallen ist – die Flüge für Omnivortex wurden wohl gecancelt. Es wird keinen Ersatz geben, sodass das Festival heute mit Celestial Sanctuary auf der Outdoor-Stage eröffnet.
Heute und morgen stehen uns wirklich harte Zeitpläne bevor. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Indoor- und Outdoor-Bühne geplant, ohne Pausen dazwischen. Mein Vorteil ist, dass ich direkt Backstage unterwegs sein kann, sodass ich mir den Weg durch die Menge sparen und die Bands in Ruhe beobachten kann. Das Wetter zeigt sich wieder wechselhaft: Nach trockenen Phasen folgen immer wieder heftige Schauer. Das scheint die Festivalbesucher hier jedoch kaum zu stören – die Stimmung ist trotzdem großartig.

Celestial Sanctuary wurden im Jahr 2019 ins Leben gerufen und haben seitdem mit ihrer kraftvollen Death-Metal-Mischung für Aufsehen gesorgt. Dabei greifen sie Einflüsse von Bands wie Carcass, Dying Fetus und Cannibal Corpse auf, um ihrer Musik eine derbe, unverwechselbare Note zu verleihen. Nach Auftritten und Touren mit Szenegrößen wie Obituary, Cattle Decapitation, Gatecreeper, Frozen Soul und Undeath (auch heute hier) haben Celestial Sanctuary bewiesen, dass es in Großbritannien eine aufstrebende Band gibt, die man definitiv im Blick behalten sollte. Mit zwei veröffentlichten Alben präsentieren sie heute ohne große Schnörkel ihre klare Vision von Death Metal. Besonders auffällig ist dabei Gitarrist Matt Adnett, der mit seinem bösen Blick die Bühne dominiert.

Schnell stürmen wir in die Halle, denn dort drinnen wälzen sich nun Mammoth Grinder durch die Menge. Die Band beeindruckt mich doch erheblich. Die Texaner um Frontmann und Sänger Chris Ulsh, bekannt von Power Trip, wurden 2017 neu belebt und bringen heute eine äußerst starke Duftmarke mit ihrer Mischung aus Death Metal und Hardcore. Für mich gehört ihr Auftritt definitiv zu den Highlights des Tages. Irgendwann möchte ich mir die Band auch einmal in einem Clubkonzert in Ruhe ansehen.

Nach diesem intensiven Auftritt geht es wieder nach draußen, zur Outdoor-Bühne, auf der Severe Torture aus den Niederlanden die Festivalbesucher mit ihrem brutalen Death Metal aus Nord Brabant begeistern. Das Infield ist richtig gut gefüllt, und die Energie der niederländischen Band sorgt für eine klasse Atmosphäre.

Drinnen herrscht nun die Energie von Cognitive, einer Band aus New Jersey, USA, die seit 2011 im Bereich Technical Death Metal und Deathcore unterwegs ist. Ich persönlich schätze Death Metal mit einem starken technischen Anteil sehr, und daher freue ich mich immer, wenn ich Bands wie Cognitive live erleben darf. Bereits 2018 hatte ich die Gelegenheit, sie beim Deathfeast zu sehen. Besonders beeindruckt hat mich damals Ian Bainbridge an seinem grünen Bass, der mich stark an Todd „Sexy T“ Strange, den Bassisten von Crowbar, erinnerte. Leider ist Ian nicht mehr dabei und die Band hat eine Runderneuerung durchlaufen, doch die Energie und das Können sind nach wie vor ungebrochen.

Auf der Outdoor-Stage sind Deserted Fear aus Thüringen, genauer gesagt aus Eisenberg, zu erleben. Das Quartett – eigentlich in der offiziellen Besetzung ein Trio – spielt klassischen Death Metal, der deutlich von Bands wie Dismember und Asphyx beeinflusst ist. Die Jungs haben sichtlich Spaß auf der Bühne und tragen stets ein Lächeln im Gesicht. Der Sound ist richtig gut, und sie schaffen es, das Publikum aktiv einzubeziehen. Im Frühjahr haben sie ihr bisher sechstes Album veröffentlicht, das ich mir gerne auf Vinyl mitgenommen hätte. Doch bei dem teilweise heftigen Regen traue ich mich nicht, eine Platte mitzunehmen, um sie nicht durchnässt zu Hause zu haben.

Was jetzt in der Halle folgt, ist definitiv ein Highlight. Ich hatte das Vergnügen, Teething bereits im letzten Jahr beim Deathfeast in Andernach zu erleben. Diese Band würde ich als ein Quartett aus Wahnsinnigen beschreiben, die Grindcore mit der rohen Energie und Geschwindigkeit von Hardcore verbinden – und dies alles gepaart mit einer gehörigen Portion Humor. Seit 2011 sind sie unterwegs, und auf der Bühne geht es richtig ab: Es wird gesprungen, gehopst und ausgelassen gefeiert. Im Mittelpunkt steht Luis, ihr Mann am Mikro, mit ultralangen Zöpfen, der die Menge mit seiner Energie ansteckt. Zu Beginn trägt er noch eine gelbe Maske über dem Kopf, die er allerdings schnell verschwinden lässt. Damit die Band keinen Durchfall bekommt, ist Diaroe-Frontmann Christian Markwald (Ex-JAKA) auch auf einmal auf der Bühne und gibt seinen Senf bzw. Vocals dazu. Die Halle kocht förmlich vor Begeisterung. Luis wagt sogar das Stagediving, tanzt über die Köpfe der Fans hinweg – eine heiße Nummer, die hier alle mitreißt.

Draußen auf der Bühne sind wieder US-Amerikaner am Werk: Undeath aus New York. Die Band spielt Old School Death Metal mit einem Hang zum Midtempo. Seit 2018 sind die fünf Musiker zusammen unterwegs, wobei es bereits Wechsel am Bass und der Gitarre gab. More Insane (so der Titel ihres letzten Albums) als vorhin Teething in der Halle sind sie allerdings nicht.

In der Halle sind nun Deadsquad bereit, das Festivalpublikum ordentlich aufzumischen. Die Jungs stammen aus Indonesien, genau wie unser Freund und Fotografenkollege Nova. Sie haben sich längst einen Namen mit ihrem intensiven Sound gemacht. Ich habe die Band erstmals 2019 beim Deathfeast in Andernach kennengelernt, wo ich sogar die Gelegenheit hatte, ein Interview mit ihnen zu führen (hier). Das Quintett aus Jakarta ist bekannt für seinen astreinen Technical Brutal Death Metal, der die Bühne mit voller Energie beherrscht und das Publikum in Ekstase versetzt. Wir nutzen allerdings die Zeit, um uns bei Pizza und Pasta zu stärken.
Draußen warten nur noch zwei große Headliner. Die vorletzte Band draußen sind Illdisposed, eine dänische Death-Metal-Institution aus Aarhus. Nächstes Jahr feiern sie ihr 35-jähriges Jubiläum. Mit In Chambers Of Sonic Disgust (2024) haben sie bereits ihr 15. Album veröffentlicht. Ich freue mich riesig, die Band endlich wieder live zu sehen – das letzte Mal war 2017 beim Metal Frenzy in Gardelegen. Die fünf Skandinavier präsentieren eine kraftvolle Mischung aus Sperrigkeit, Melodie und Atmosphäre, die die harmonischen Genremuskeln spielen lassen, ohne an Härte einzubüßen. Sänger Bo Summer ist zwar das einzige verbliebene Gründungsmitglied, doch auch die restliche Saitenfraktion ist schon seit Ewigkeiten dabei. Bo Summer unterhält das Publikum auf charmante Weise in deutscher Sprache und schafft es, die Fans schnell für die Band zu begeistern. Moshpits werden ordentlich gedreht, Crowdsurfen ist angesagt, und die Energie ist kaum zu bremsen. Der Regen wird zwischendurch wieder stärker, doch das stört kaum. Man muss zwar manchmal durch große Pfützen waten, wenn man sich ein Bier holen möchte, aber die großartige Musik macht das mehr als wett.

Gerade Outdoor-Dänen-Death-Metal-Power, nun gibt es, ebenfalls aus Aarhus, Dänen-Death-Metal-Power Indoor. Maceration sind so eine Band, die, im Gegensatz zu ihren Kollegen Illdisposed, viel zu wenig auf dem Radar der Death-Metal-Gemeinde stehen. Maceration sind so gut, dass Dan Swäno nicht nur das Mastering für das Album It Never Ends… (2022) erledigte, sondern es auch gleich eingesungen hat. Natürlich ist Dan Swäno heute nicht dabei, sondern ihr neuer Sänger Jan Bergmann Jepsen, der auch auf ihrem neuen Album Serpent Devourment zu hören ist.

Draußen wartet mit Decapitated bereits der heutige Headliner. Decapitated sind vom Namen her natürlich ein Hammer. Die Technical Death/Groove Metaller aus Polen waren 2017/2018 in aller Munde durch einen handfesten Skandal in den USA, der ihnen einen Gefängnisaufenthalt und Ausreisestopp einbrachte. Ich habe Decapitated 2019 noch mit ihrem damaligen Frontmann Rafał Piotrowski, der durch besonders lange Rastalocken auffiel, gesehen. Damals enttäuschten sie trotz aller Vorschusslorbeeren. Wacław „Vogg“ Kiełtyka an der Gitarre ist mittlerweile das einzig verbliebene Gründungsmitglied, denn da wurde heftig gewechselt. Für mich heute live in dieser Besetzung um Längen besser als damals und auch sehr überzeugend.

Den Abschluss in der Halle machen nun Defeated Sanity. Die 1993 von Drummer Lille Gruber und seinem Vater Wolfgang Teske (RIP) gegründete Band sind Pioniere des technisch versierten brutalen Death Metal mit beeindruckender technischer Präzision. Defeated Sanity überfluten die Halle von gutturalen Vocals, schwindelerregenden Riffs und halsbrecherischen Breakdowns und zeigen, dass sie Meister des Extremen sind.

Noch mit unbändiger Wucht in den Ohren gehen wir nun durch die Nordstadt von Dortmund in die Kirche zum Beichten. Ach nein, die Kirche ist ja mittlerweile das Hotel und wir legen uns schlafen! Die Vorfreude auf einen weiteren Tag Dortmund Deathfest ist in den Träumen vorhanden.
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