Eli van Pike – Welcome To My Dark Side

„Wenn selbst die Songtitel nicht Halt vor dem Rammstein-Klau machen“

Artist: Eli van Pike

Herkunft: Deutschland / Amerika

Album: Welcome To My Dark Side

Spiellänge: 35:50 Minuten

Genre: Industrial Metal

Release: 10.03.2017

Link: https://www.facebook.com/evpmusic/

Bandmitglieder:

Gesang, Keyboard – Thorsten Eligehausen
Gesang – Ken Pike
Gittare, Bass, Schlagzeug – Marc Vanderberg

Tracklist:

  1. Made In Germany
  2. Herzschlag
  3. 1-2-Frei
  4. World On Fire
  5. Tears Of War
  6. One Last Rose
  7. Peter, 41
  8. Welcome To My Dark Side
  9. Amen
  10. Valentine’s Day

Vom Trio Eli van Pike habe ich in der Vergangenheit zwischendurch mal gehört, jedoch nie live zu Gesicht kriegen können. Nun liegt hier ihr neuestes Werk, Welcome To My Dark Side vor, Rammstein-Beigeschmack ist vorprogrammiert.

Also dann, es beginnt Made in Germany. Kein Intro, kein Vorgeplänkel, direkt auf die Nuss! Stimmlich muss ich im Vorfeld gestehen – es ist absolut nicht mein Geschmack. Recht quakig und für den Stil sehr klar. Sogar die tieferen Passagen. Wir bleiben dennoch am Ball, bitte schön. Musikalisch wirklich gut, das Solo kommt gut zwischendurch, der Break im letzten Drittel erstickt direkt die Monotomie. Textlich ist es extrem gängig, liegt aber eher daran, dass es einfache Reime sind. Kurze Anmerkung: Was für ein geiles Ende mit den lang gezogenem Vocals!

Es geht weiter mit Herzschlag, hier beginnt bereits der Vergleich zu Rammstein. Die Vocal-Effekte und auch die Lyrics wirken sehr geklaut. Die Riffs ebenfalls – besonders bemerkbar macht sich dies nach dem ersten Refrain. Sorry, das ist eine Kopie, die Andere besser und wesentlich ausgereifter verstecken können.

Mit 1-2-Frei fällt mir auf: die relativ kurzen Intros kommen gut, aber zu kurz. Die Riffs sind und bleiben konstant gut, ohne Frage! Der Aufbau aller bisherigen Songs ist ohne üÜerraschungen gewählt. Jetzt muss es aber auch dem Letzten auffallen, dass eine extreme Rammstein-Kopie aufwartet. Der Chorus selbst sticht noch in eigene Gewässer und wirkt daher mehr wie ein kleiner Fremdkörper. Nächster! Schnell!

Hier ist der Bruch! World On Fire zeigt, was Gesang und Arrangement bei Harmonie in einer Ballade ausrichten können. Wie gesagt, stimmlich nicht meins aber Eli van Pike zeigen, dass sie ihr Handwerk können. Als hätte Florian Grey mitgemacht, wirklich gute Struktur und der Gesang ist super. Ab 2:30 Minuten begegne ich mit leicht feuchtem Auge einem, zum Ende hin gewollt disharmonischen Solo, das mich an November Rain von Guns’n’Roses erinnert.

Warum nicht vorher schon so? Wollt ihr mit dem Einstieg ins Album Massenkäufe generieren? Ihr könnt es doch! Ihr. könnt. es. doch. – wieso also Rammstein kopieren?

Tears Of War wartet nun mit Regen, Kindern und einem orchestralischem Intro auf, ehe die Palm-Mutings der Gitarre einschlagen. Auch hier wieder direkt im ersten Vers der tiefe Lindemann. Glücklicherweise ist der Chorus dieses Mal kein Fremdkörper, im Gegenteil! Ein bisheriges Highlight in allen Punkten! Kurzes Synthie-Intermezzo (klang mir nach Kontakt von Native Instruments) und schon geht es wieder mit Lindemann weiter. Next!

Zum Song One Last Rose kann ich mir keine wirkliche Meinung bilden…irgendwo klingt es in vielen Passagen nach einem guten H.I.M.-Ersatz. Dies wird durch das unpassende Schlagzeuggeplenkel immer wieder gestört. Zumindest kommt mit Peter, 41 ein stimmigeres Werk mit Samplings, dauerhaftem Druck und experimentellen Gesang und Sprache. Gutes Werk, ziemlich abgespaced, der Unterschied fällt schon sehr auf, aber kommt nicht zu sehr einem Fremdkörper gleich. Kurve gekriegt, Leute!

Das Titelstück Welcome To My Dark Side hat zwar nicht die bisher bemängelten Rammstein-Kopie-Versuche, irgendwo erinnert es mich dennoch an Irgendwem. Richtung Saltatio Mortis, man kann es schon sehr schmecken, es liegt in der Luft. Vielleicht bin ich hier einfach nicht mehr unparteiisch, daher bleibt nur zu sagen: Der Stil kommt präzise rüber, schneller Beat, monotone Riffs. Für das Titelstück ist es nicht „episch“ genug.

Amen Rammstein, Alles was man bei Rosenrot finden kann. Selbst Ostfront haben es geschafft, öfter mal aus dem Schatten zu kommen. Für Eli van Pike wird es aber eher ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir kommen zum letzten Stück, Valentine’s Day. Hier zeigen die Jungs wieder, dass sie es können. Dieses Mal mit Akustik-Gitarre, es klingt insgesamt sehr roh, die Stimme sitzt schon fast im Ohr – flüsternd, leidend. Mit einer passagenweise unterlegten Mundharmonika schließt der Longplayer mit einem extrem herausstechendem, aber überraschend gut gewählten Ende ab.

Insgesamt muss ich leider wieder bemerken, wie schnell das Genre „Industrial Metal“ gewählt wird, um nicht in der NDH-Masse unterzugehen. Aber selbst die Wahl des falschen Genres schützt einem nicht vor der traurigen Wahrheit. „Industrial Metal“ sind Psyclon Nine oder Klank oder meinetwegen auch die alten Sachen von Sielwolf. Aber bei Gott nicht Eli van Pike. Da helfen auch keine zwei Sekunden kurzen Noise-Intros in jedem vierten Song und auch keine Synthie-Melodie in jedem Dritten. Erschwerend kommt die extreme Kopie der Altherren des NDH’s dazu. Es tut mir wirklich Leid, ernsthaft – der negative Part überwiegt leider. Ein Drittel ist gut, also 33% und das Runde ich auf, in der Hoffnung darauf, Ansporn für die nächste VÖ zu geben.

Fazit: Zwei Drittel geklaut, ein Drittel pures Musiker-Gold. Eli van Pike beherrschen ihr Handwerk, jedes gottverdammte Bandmitglied ist begnadet, aber verwenden es auf falsche Weise. Bis dahin ist es wieder nur eine von vielen untergehenden Rammstein-Kopien.
Maximilian M.
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