„Factory Metal Night“ am 26.11.2022 in der Factory in Magdeburg

Raus aus dem Alltag, rein in den Moshpit mit Zero Degree, KHNVM und Path Of Destiny

Eventname: Factory Metal Night „Aftermath“

Bands: Zero Degree, KHNVM, Path Of Destiny

Ort: Factory, Magdeburg

Datum: 26.11.2022

Kosten: 14 € VK, 15 € AK

Genre: Melodic Death Metal, Death Metal

Besucher: ca. 250 Besucher

Veranstalter: Metal Clash (https://www.facebook.com/metalclashofficial)

Link: https://fb.me/e/2Vvru2SUb

Setlisten:

  1. Gravity
  2. Purify
  3. Ressurection
  4. Frozen Alive
  5. Hybris/Briar Patch
  6. Whispering Age
  7. Virus
  8. Your Dead End
  9. The Fog
  10. Disease

  1. The Division Of A Spiral Synergy
  2. Erased By Light
  3. Stillborn Future
  4. Endbringer
  5. March Of The Antichrist
  6. Wave Goodbye To Sanity
  7. I, Ascending From Ashes
  8. From Heaven They Fall
  9. Two Steps To Eternity

Stellt euch vor, ihr seid zu einer Party eingeladen und der Gastgeber erscheint einfach nicht. So ergeht es mir am heutigen Tag bei meinem Besuch in der Factory. Endlich wieder Machdeburch und dann folgt die Hiobsbotschaft, die mich beim Frühstück ereilt. Es ist traurige Gewissheit: Die Lokalmatadoren von Torturized können nicht wie geplant ihr aktuelles Tech-Death-Meisterwerk Aftermath präsentieren. Drummer Lars liegt mit Corona flach – Covid sucks, gute Besserung! Nachdem bereits Sänger Lu für einige Zeit aufgrund einer Verletzung ausfiel, aber für das Konzert fit ist, nun doch noch der kurzfristige Schlag ins Gesicht. Bei meiner Ankunft stehen dem geschätzten TFM-Kollegen und Torturized-Saitenhexer Siggi der Frust und die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Schließlich wollte er zusammen mit seinen Bandkollegen endlich das neue Material auf die hungrige Meute loslassen und hatte zudem als Mitorganisator die Veranstaltung auf die Beine gestellt. Die gute Nachricht: Das Konzert des Headliners wird am 21. Januar beim Metal Clash 2023 nachgeholt.

Factory Metal Night 2022, Pic by Flo W.

So, Tränen abwischen und ordentlich absteppen. Da die Zeit für einen Ersatz zu kurzfristig ist, bekommen die drei verbliebenen Bands mehr Spielzeit. Ca. 45 Minuten dürfen die Bands jeweils dem Publikum in der Factory einheizen. Übrigens ein richtig cooler Club mit Old-School-Charme und moderner Ton- und Lichttechnik. Ca. 250 Metalheads finden den Weg an diesem Abend dorthin. Unter ihnen auch der verbliebene Rest des verhinderten Headliners.

Um kurz nach 20 Uhr steht dem ersten Wiedersehen mit einer Band, die ich bereits 2021 beim Heimburger Metalnacht Festival kennenlernen durfte, nichts mehr im Weg. Die Melo Deather von Zero Degree aus Nordhausen betreten die Bühne und haben direkt mit dem Opener Gravity und dreifacher (!) Gitarrenpower mächtig Spaß in den Backen. Vor der Absperrung sieht es noch leer aus, aber im hinteren Bereich füllt es sich zusehends. Noch etwas lichtscheu und fern vom Scheinwerferlicht fühlt sich der Metaller halt wohl. Außerdem gibt es dort Bier. 😊 Frontmann Matthias versucht die Menge anzustacheln und schafft es bei mir persönlich mit dem ultrageilen Frozen Alive vom 2010er-Album Surreal World. Mein Dank geht an den agilen Sänger für den Blickkontakt, während ich mit Kamera und Pommesgabel in der Luft lauthals „Frozeeen Aliiiiveee“ herausschreie. Diese Augenblicke machen Konzerte so besonders. Die Menge wird langsam warm und klatscht auf Geheiß des Fronters kräftig in die Hände. Nachdem noch ein bisschen Liebe an Torturized für die Einladung rausgeht, wird die Frage nach „Bock auf Melodic Death Metal?“ wohlwollend aufgenommen. Mit Your Dead End kündigt Matthias den „meistaufgerufenen Song auf Spotify an. Warum die Nummer vom 2020er-Werk Black Hole Illumination so beliebt ist, kann er jedoch nicht beantworten. Egal, mir gefällt’s und ich tanze im Bühnengraben allein im Scheinwerferlicht. Beim vorletzten Stück The Fog laden Zero Degree zum Kuscheln ein – warum auch nicht? Zum abschließenden Disease hält das Sextett nichts mehr auf der Bühne. Die Bretter, die die Welt bedeuten, werden kurzerhand erweitert. Sänger Matthias steht nicht zum letzten Mal an diesem Abend neben mir im Bühnengraben und Basser Flo sucht direkt den Weg auf die Tanzfläche des mittlerweile gut gefüllten Clubs. Energiegeladener Auftakt, danke nach Nordhausen (ja, ich spreche es in Gedanken in feinstem Nordthüringisch aus, Jungs). 😁

Zero Degree, Factory Metal Night 2022 in Magdeburg, Pic by Flo W.

Weg mit den Melodien, weg mit modernem Sound. Schon beim Soundcheck der Machdeburch-Bangladesch-Connection KHNVM wird klar, dass hier Old School Death vom Feinsten aus den Boxen dröhnt. Die Gitarre von Frontmann Obliterator aka Showmik ist auf „Keller“ gestimmt und Basser Martyr schlägt mit ordentlichem Geblubber in die gleiche Kerbe. Drummer Cassius komplettiert das Trio mit seinen Maschinengewehr-Drums. Nach einer 30-minütigen Umbaupause erklingt ein düsteres Intro mit tribalen Drums und sorgt für die richtige Atmosphäre. Frontmann Obliterator steht im Death-Shirt hinter seinem einzigartig gestalteten Mikroständer, während Basser Martyr mit seinem Torturized-Shirt für Solidarität sorgt. Am ganzen Abend danken die Bands aus tiefstem Herzen dem verhinderten Headliner. Das Publikum in der Factory hat richtig Bock auf das Old School Geschredder des internationalen Trios und ab der ersten Sekunde fliegen die Haare nur so durch den Club. Raus aus dem Alltag, rein in den Moshpit ist das Motto. Synchrones Headbanging bringt die Factory auf Betriebstemperatur und die ersten „Khaa-nooom, Khaa-nooom“ Chöre hallen durch den Raum. „We are here to support extrem metal … and our good friends Torturized haut Obliterator voller Inbrunst raus. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit auf der Bühne. Der Gitarren- und Basssound kann nur als ultrafett bezeichnet werden und ich muss aufpassen, dass mir unweit der Boxen nicht der Kopf wegfliegt. Es wird Zeit für einen „Circle Piiiiit“ und die Menge ist voll dabei. Inzwischen dürften alle 250 Maniacs im Raum angekommen sein und fressen KHNVM aus der Hand. Der Auftritt wird mit weiteren „Khaa-nooom“ Sprechchören quittiert. Was bleibt noch zu sagen außer: „We’re KHNVM aus Magdeburg und Bangladesh und spielen Death fuckin Metal!“

KHNVM, Factory Metal Night 2022 in Magdeburg, Pic by Flo W.

Können Path Of Destiny mit ihrem teils symphonischen Melodic Death zum Abschluss noch einen obendrauf setzen? Spoiler-Alarm, sie können. Und wie! Doch zunächst einmal gibt es volles Mett Ace Of Spades aus den Lautsprechern, damit in der Umbaupause auch ja keiner wegnickt. Dann geht’s endlich los. Ich hatte meine mitgereisten Kumpels schon auf die Energie des Quintetts aus Thüringen aufmerksam gemacht. Schon beim Auftritt auf der Heimburger Metalnacht 2021 habe ich den mitreißenden Auftritt der sympathischen Jungs in vollen Zügen genossen. Auch heute ist die Band von der ersten Sekunde an voll da und betreibt munteres Wechselspiel auf den Positionen der Bühne. Dabei zieht mich der charismatische Fronter Sebastian direkt wieder in seinen Bann. Der Mann hat Energie für drei, geht richtig steil und seine Bandkollegen müssen ihm nachts wahrscheinlich die Batterien rausnehmen. Egal, ob Material vom 2021 Album The Seed Of All Evil oder altes Material in Form der Abrissbirne Stillborn Future, die Thüringer zeigen, dass sie heute zu Recht den Headliner-Ersatz markieren. Das Publikum antwortet mit einem amtlichen Moshpit. Schweiß, fliegende Mähnen und Metal – es kann so einfach sein. Sebastian entlockt den Fans ein lautes „Schaaaaade“ für den Ausfall von Torturized und bekommt im gleichnamigen Song lauthals „Endbringer!“ entgegengeschrien. Eine Zugabe wird gefordert und mit Two Steps To Eternity prompt geliefert. Die Zeit vergeht wie im Flug und zum Nachschlag, der anfangs ohne Ton auskommen muss, steht plötzlich Zero Degree Fronter Matthias moshend neben mir im Bühnengraben. Kamera weg und mitgemacht. Bei einer Sache bin ich mir sicher: Wenn Path Of Destiny nicht Lothra/Saalfeld als Herkunft in der Bio stehen hätten, sondern Göteborg/Schweden, wären sie Stars in der Melo-Death-Szene.

Path Of Destiny, Factory Metal Night 2022 in Magdeburg, Pic by Flo W.

So geht ein Abend, der mit einer Hiobsbotschaft anfing, versöhnlich zu Ende. Anschließend laufen mir die ersten Gothics über den Weg, denn der Dark Saturday steht auf dem Programm. Dazu haben alle Besucher der Metal Night freien Eintritt. Schöne Sache, aber nichts für mich. Deshalb noch ein kurzer Stopp am Merch-Stand und dann heißt es auch schon Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett.