Fates Warning – Long Day Good Night

Abwechslungsreiches Werk des progressiven Quintetts

Artist: Fates Warning

Herkunft: Hartford, Connecticut, USA

Album: Long Day Good Night

Spiellänge: 72:22 Minuten

Genre: Progressive Metal, Progressive Rock

Release: 06.11.2020

Label: Metal Blade Records

Links: http://www.fateswarning.com
http://www.facebook.com/FatesWarning

Bandmitglieder:

Gesang – Ray Alder
Gitarre und Backgroundgesang – Jim Matheos
Gitarre – Frank Aresti
Bassgitarre – Joey Vera
Schlagzeug – Bobby Jarzombek

Gastmusiker:
Schlagzeug – Gavin Harrison
Gitarre – Mike Abdow

Tracklist:

  1. The Destination Onward
  2. Shuttered World
  3. Alone We Walk
  4. Now Comes The Rain
  5. The Way Home
  6. Under The Sun
  7. Scars
  8. Begin Again
  9. When Snow Falls
  10. Liar
  11. Glass Houses
  12. The Longest Shadow Of The Day
  13. The Last Song

Nach etwas mehr als vier Jahren und dem Release Theories Of Flight wieder etwas Neues aus der progressiven Metalküche Fates Warning. Was sofort auffällt: Es sind wieder fünf Namen auf der Liste. Frank Aresti fehlte offiziell auf dem letzten Longplayer. Wir haben uns im Rahmen einer kleinen Kolumne mit dem 2000er Werk Disconnected und der Geschichte von Fates Warning beschäftigt (Klick). So können wir umgehend zum neuen Album kommen.

Long Day Good Night ist das längste Album in der Fates Warning Karriere. „Die Musikstile, die wir geschrieben haben, unterscheiden diese Platte vom Rest unserer Diskografie„, sagt Sänger Ray Alder. „Es gibt einige Songs mit Elektronik und einige mit einem schönen ätherischen Gefühl sowie einige ziemlich geradlinige Grooves, zumindest für uns. Und es gibt auch einige ziemlich schwere Songs. Wir haben versucht, dem Hörer eine Menge verschiedener Dinge zu geben, die man hören kann, im Gegensatz zu einem Album, auf dem jeder Song gleich klingt.“ 13 Titel auf dem 13. Longplayer – dazu wurde die Produktion während des Lockdowns fertiggestellt. Ray Alder war in seinem Haus in Spanien. „Spanien war aufgrund der Coronavirus-Pandemie völlig gesperrt. Dies bedeutete, dass niemand sein Haus aus irgendeinem anderen Grund verlassen durfte, als Lebensmittel zu bekommen oder mit dem Hund zu gehen. Aufgrund unseres Zeitrahmens und Mixers Joe Barresi musste ich im Mai aufnehmen, oder das Album hätte sich sehr, sehr lange verzögert. Also schlich ich mich in einem fahrenden Lieferwagen ins Studio, unter dem Vorwand, dass ich mich bewegte – was erlaubt war – und schlief zwei Wochen in der Gesangskabine. Es war ziemlich nervenaufreibend, da es Kontrollpunkte auf den Autobahnen gab, um jeden zu stoppen, der ohne triftigen Grund unterwegs war. Wenn Sie erwischt würden, würden Sie mit einer Geldstrafe von rund 600 Euro belegt und vielleicht ins Gefängnis gesteckt. Ich hatte auch eine Zeitleiste, die ich beenden musste, sodass die Tage lang waren, aber es ist alles gut gelaufen und ich konnte pünktlich fertig werden,“ so Ray Alder.

Soweit die Worte von Ray zum neuen Werk. Zum Auftakt gibt es gleich mal mehr als acht Minuten The Destination Onward: recht zugänglicher Einstieg, saubere Gitarren und fast mehr ein Rocker als mit ausufernder Progressivität wird der Hörer in Empfang genommen. Shuttered World wird etwas sperriger, knüpft aber grundsätzlich an den Opener an. Alone We Walk verlässt den rockigen Sound, es wird ruhig, dunkel und melancholisch mit intensiven Ausbrüchen nach ca. einer Minute, und so baut sich die Nummer weiter auf, erstes progressives Achtungszeichen. Now Comes The Rain kommt als balladesker Metaltrack um die Ecke, mit der einen oder anderen Tempovariation während der Laufzeit, zum Ende wird es intensiver und progressiver. The Way Home legt bezüglich Ballade nochmals deutlich zu. Ray wird von akustischen Gitarren begleitet für ca. 150 Sekunden, aber Fates Warning haben noch was in der Hinterhand – die Nummer baut sich langsam auf und zur Hälfte der Spielzeit wird es etwas sperrig progressiver und intensiver von Instrumenten und Gesang mit einem recht zugänglichen Refrain. Das Ding hat was, allen voran die Saitenfraktion im zweiten Teil. Under The Sun startet ähnlich wie sein Vorgänger, eine melodische Rockballade liefern uns Ray und Co. über knapp sechs Minuten. Scars legt den Schalter um und es gibt sofort intensive Gitarren auf die Ohren, für Fates Warning recht straight und gut zu hören. Begin Again ändert natürlich erneut die Tonlage und wem es bisher nicht progressiv genug war, kommt auf seine Kosten. Mit When Snow Falls werden die Töne wieder ruhiger und melancholisch, Liar macht mit intensivem Riffing weiter und einem recht melodischen Refrain, es wird also wieder metallisch. Glass Houses knüpft an seinen Vorgänger an, eine Nuance progressiver kommt der Track für mich um die Ecke. Mit mehr als elf Minuten ist The Longest Shadow Of The Day der Langläufer auf dem Langeisen. Die ersten Töne erinnern an Gilmour & Co., nach knapp drei Minuten wird das Tempo angezogen und die Saitenfraktion darf sich austoben. Zur Hälfte der Nummer der nächste Soundwechsel, es wird leicht psychedelisch und Ray kommt stimmlich dazu, dieser Part mischt sich in Richtung Ende mit den anderen beiden Ausrichtungen, sehr cool gemacht und technisch topp. Zum Ende folgt The Last Song, ein ruhiges akustisches Outro mit Gitarre und Gesang.

Fates Warning – Long Day Good Night
Fazit
Fates Warning versprachen viel Abwechselung auf der Scheibe, da hat man absolut Wort gehalten, man schafft sogar, drei verschiedene Ausrichtungen in eine Nummer zu packen. Etliche richtig gute Tracks wie Liar oder auch The Longest Shadow Of The Day, aber auch etwas langatmig dann und wann. Gerade die Anzahl an ruhigen Songs ist evtl. einer zu viel. Technisch ist das Werk natürlich extrem hohes Niveau, was nicht anders zu erwarten war und was man von Ray, Jim und Co. gewohnt ist. Fates Warning liefern auch mit dem 13. Werk hohe Musikkunst, vieles ist am Ende auch einfach Geschmackssache eines jeden einzelnen Hörers - und wo sich die Scheibe in der gesamten Diskografie der Herren am Ende einordnet, ebenso.

Anspieltipps: The Way Home, Liar, Glass Houses und The Longest Shadow Of The Day
Jürgen F.
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