Freitag der 13. – der Tag, an dem die Welt still stand

Das Coronavirus hat die (Metal)Welt fest im Griff

 

Wie ihr ja schon gemerkt habt, hat sich bei Time For Metal in den letzten Tagen ein bisschen was geändert, so, wie wahrscheinlich bei jedem von euch. So haben wir die Berichterstattung über die verschiedensten Events eingestellt, denn es finden eh kaum noch welche statt. Dafür halten wir euch über Konzertabsagen und Konzertverlegungen auf dem Laufenden, wobei wir bei der Flut auch nicht jede berücksichtigen können. Wir werden uns mehr auf die laufenden News konzentrieren und haben sicherlich auch mehr Zeit für Interviews und das eine oder andere CD-Review mehr. Jedenfalls werden wir alles tun, damit uns und euch nicht langweilig wird.

Es kündigte sich in den letzten Wochen schon an, dass da etwas aus China zu uns herüberschwappt, das wir nicht kennen und überhaupt nicht einschätzen können. Erst als das Virus ganz Italien fest im Griff hatte, wurde die Situation auch für uns so richtig real und uns wurde so langsam klar, kommt das neue Virus auch zu uns, dann wird nichts mehr sein, wie es war. Während die deutsche Regierung weitestgehend die Füße still hielt und kaum nennenswerte Maßnahmen einleitete, bereitete sich die deutsche Bevölkerung auf den Dritten Weltkrieg vor und plünderte Apotheken und Supermärkte. Desinfektionsmittel und Atemmasken waren innerhalb weniger Tage deutschlandweit ausverkauft und auch in den Supermärkten herrschte Ausnahmezustand und es kam zu Engpässen vor allem bei Toilettenpapier, Nudeln, Tomatensoße, Konserven, Mehl und anderen dringend benötigten Dingen.

Nun kann man darüber streiten, ob die Situation abwendbar gewesen wäre, ob die Regierung zu spät reagiert hat, oder ob alles kam, wie es kommen musste. Fakt ist, mittlerweile ist Covid-19 auch bei uns angekommen und das Geschrei war zunächst groß, besonders in der Metalszene, wenn anfangs vereinzelt ein Konzert abgesagt wurde. Die Schweiz reagierte dann als Erstes und setzte eine Grenze von 1.000 Personen bei einer Veranstaltung als Höchstgrenze fest, was zu einer Flut von Konzertabsagen führte, sei es nun in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln, oder im Hallenstadion in Zürich, oder jeder anderen Event-Location.

Erst als auch bei uns die Grenze für Veranstaltungen jeglicher Art auf 1.000 Personen festgesetzt und alles darüber verboten wurde, da wurde vielen bewusst, dass die ganze Geschichte wohl doch etwas ernster ist. In den sozialen Netzwerken wie Facebook wurde dennoch gewettert auf Teufel komm raus und jede Beschränkung und jede Absage wurde als Hysterie abgetan. Die Schuldigen waren schnell gefunden, die Sprücheklopfer in Berlin, die lieber eine Erhöhung der Rundfunkgebühren beschlossen, anstatt mal eben schnell das Coronavirus abzuschaffen, oder zumindest wieder zurück nach China zu schicken, damit unsere geliebten Metalkonzerte weiterhin stattfinden können. Auch die Medien waren als Schuldige schnell an den Pranger gestellt, denn die hätten das alles ja schließlich nicht so sehr aufbauschen müssen, aber irgendjemand muss die ganze Geschichte ja mal auf den Punkt bringen. Nun ja, es kommt, wie es eben kommt. Mittlerweile hat uns das Coronavirus fest im Griff.

Freitag der 13., wie sollte es auch anders sein, kam es dann ganz dicke, die Höchstgrenze bei Veranstaltungen wurde auf 100, bzw. 50 Personen festgelegt und Konzerte waren von jetzt auf gleich nicht mehr durchführbar. Den ganzen Tag über hagelte es Konzert- und Festivalabsagen, Bands wie In Extremo, Krisiun, Audrey Horne, Human Zoo, Suffocation, Wirtz, Finsterforst, Machine Head, Hämatom, Suicide Silence, Kreator … u.v.m. sagten ganze Touren ab oder verlegten sie kurzerhand um einige Monate nach hinten. Konzertlocations schlossen gleich für mehrere Wochen ihre Tore und stellten den kompletten Betrieb ein.

Doch noch immer war einigen der Ernst der Lage nicht wirklich klar, weil, das alles ist ja völlig überzogen, denn wegen der jährlich umgehenden Grippe wird ja auch nicht gleich das öffentliche Leben auf null heruntergefahren, und die fordert bekanntlich ja auch alljährlich Hunderte Tote. Aber seien wir doch mal ehrlich, das neue Virus kennt keiner von uns und niemand von uns weiß, was in den nächsten Wochen und Monaten tatsächlich noch auf uns zukommt. Auch hier reicht wieder ein kurzer Blick nach Italien, denn das beliebte Urlaubsland an der Mittelmeerküste hat mittlerweile über 12.000 Infizierte und weit über 800 Tote zu beklagen. Spanien zieht aktuell ganz gewaltig nach und auch das französische Elsass ist als Risikogebiet eingestuft. Wir reden hier also nicht von einer Männergrippe mit Husten und Schnupfen. Trump stellt den Flugverkehr ein, Länder riegeln ihre Grenzen ab, schotten sich ab und bei uns werden sicherheitshalber Schulen und Kindergärten bis nach den Osterferien geschlossen.

Dennoch, das Leben geht irgendwie weiter und wir alle müssen, trotz Corona, weiter zur Arbeit gehen, um Leben zu können. Nun kann man argumentieren, niemand hat all die Bands und Musiker zu diesem Job gezwungen, also sollen sie gefälligst ihren Job machen. Ja tatsächlich, selbst solche Sprüche habe ich gestern im Facebook gelesen, oder es war von Arbeitsverweigerung die Rede. Leute, bleibt mal auf dem Teppich, zuerst Hirn einschalten, dann reden, oder auf der Tastatur rumtippen. Natürlich machen viele Musiker ihren Job, neben dem Spaß an der Musik auch, um Geld zu verdienen, denn jeder muss von etwas leben, aber wer sagt, dass sie deswegen auch eine Corona-Infektion und ihr Leben aufs Spiel setzen müssen? Natürlich ist die Unterhaltungsbranche dazu da, dass wir alle unseren Spaß haben können, aber jede Band hat auch eine gewisse Verantwortung, für sich selbst, ihre Crew, die Veranstalter und natürlich auch für all die Konzertbesucher. Wir leben zwar in einer Spaßgesellschaft, aber die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten müssen oberste Priorität haben! Konzerte kann man nachholen, aber eure Gesundheit und euer Leben kann euch niemand wiedergeben. Tot ist tot, da hilft dann alles Schimpfen nicht mehr!

Ich kann jeden verstehen, der sagt, die ganze Situation ist Scheiße und es ist totaler Mist, dass das Konzert XY abgesagt wurde, denn die Konzertfabrik Z7 war auch mein zweites Wohnzimmer und ich muss mich jetzt auch wieder an mein eigentliches Wohnzimmer gewöhnen, aber es ist eben, wie es ist. Wie es in den nächsten Wochen weitergeht, weiß niemand von uns, vielleicht ist der ganze Spuk in ein paar Wochen vorbei, oder weitestgehend ausgestanden, vielleicht steht uns aber auch ein ganzes Jahr ohne Konzerte und Festivals bevor. Selbst das Robert Koch Institut kann momentan noch keine verlässlichen Angaben darüber machen, wie lange der Albtraum geht. Man geht davon aus, dass es bestimmt zwei Jahre + gehen wird, bis wir alles überstanden haben, da man das Virus ausdehnen muss, damit die Krankenhäuser nicht mit zu vielen Infizierten gleichzeitig völlig überfordert werden. Ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung, ein Allheilmittel kann auch niemand aus dem Ärmel schütteln, und so bleibt uns einfach nichts anderes übrig, als unser Leben etwas umzustellen und die Füße ruhig zu halten, bis sich die Situation wieder ändert und wir wieder die Matte zu einem ordentlichen Metalsound schütteln können.

Und überhaupt, denkt mal dran, viele trifft die ganze Situation noch viel härter als uns. Wir jammern, weil Konzerte abgesagt werden und wir unsere Lieblingsbands aktuell nicht live sehen können, aber für viele andere geht es um die nackte Existenz. Egal, ob nun Musiker und Veranstalter, die nun durch die ausbleibenden Konzerte, ums Überleben kämpfen müssen, oder auch Menschen in der Gastronomie oder auch in der Touristikbranche. Zwar heißt es heute noch, dass jedem geholfen wird, doch geredet wird in Berlin bekanntlich viel. Die Zeit wird die Wahrheit mit sich bringen.

Bleiben wir zunächst aber einfach mal optimistisch, dass spätestens die Outdoor-Festival-Saison ganz gewohnt starten kann. Zwar gibt es auch momentan noch die eine oder andere Band, die lauthals schreit, wir lassen uns das Singen nicht verbieten und die das eine oder andere kleine Konzert auf die Beine stellt und euch etwas Krach bietet, doch ehrlich, es sollte niemand von uns auf diese Konzerte gehen. Dieses Verhalten ist fernab jeglicher Vernunft, denn diese Bands sorgen mit ihrem Verhalten nur dafür, dass das Virus noch weiter verschleppt wird. Letztendlich bleibt uns allen sowieso nichts anderes übrig, als die Situation auszusitzen. Und umso schneller alles überstanden ist, umso eher können wir uns auch die Gehörgänge wieder durchblasen lassen. Trotzreaktionen bringen uns alle und auch euch nicht weiter. Bis der Konzertkalender wieder richtig ins Rollen kommt, haben wir alle die Möglichkeit, zu zeigen, dass die Metalszene sich vor allem durch Stärke und Zusammenhalt auszeichnet und auch solch schwierige Situationen gewuppt bekommt.

In diesem Sinne, bleibt gesund und helft euch gegenseitig durch die schwere Zeit.

Rock on!

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