Heathen – Empire Of The Blind

Nach zehn Jahren wieder da, die Heiden aus der Bay Area

Artist: Heathen

Herkunft: San Francisco, USA

Album: Empire Of The Blind

Spiellänge: 47:16 Minuten

Genre: Thrash Metal, Speed Metal, Heavy Metal

Release: 18.09.2020

Label: Nuclear Blast Records

Links: https://de-de.facebook.com/heathen.official
https://heathenthrash.bigcartel.com/

Bandmitglieder:

Gesang – David White
Gitarre – Kragen Lum
Gitarre – Lee Altus
Bassgitarre – Jason Mirza
Schlagzeug – Jim DeMaria

Tracklist:

  1. This Rotting Sphere
  2. The Blight
  3. Empire Of The Blind
  4. Dead And Gone
  5. Sun In My Hand
  6. Blood To Be Let
  7. In Black
  8. Shrine Of Apathy
  9. Devour
  10. A Fine Red Mist
  11. The Gods Divide
  12. Monument To Ruin

Seit 1984 existieren die Heiden aus der Bay Area, Gründer waren Lee Altus und der ehemalige Metal Church Drummer Carl Sacco. Der Gitarrist Jim Sanguinetti sowie Sänger Sam Kress waren das erste Line-Up, und der erste Gig 1985 fand ohne Bass statt, da man keinen würdigen Musiker für die Position fand. Sanguinetti wechselte zu Mordred, dafür kam Doug Piercy, Sam Kress wurde durch David White ersetzt und sogar einen Bassisten hatte man gefunden, es wurde Eric Wong. Mit der Besetzung verdiente man sich einen Plattenvertrag und am 01.05.1987 erschien das Debüt Breaking The Silence. Am Bass ist nun Mike “Yaz” Jastremski zu hören, eine stabile Bandbesetzung sieht ganz sicher anders aus. Die Scheibe verhalf Heathen allerdings zu größerer Bekanntheit, den sowohl der Bay Area Thrash als auch der Sound der NWoBHM beeinflussten die Musiker. Breaking The Silence gilt als einer der Klassiker der Bay Area und wird oft in einem Atemzug mit Bonded By Blood von Exodus genannt. Bezüglich der Bandbesetzung gaben sich diverse Musiker die Klinke in die Hand, so waren u.a. Paul Beloff (ex-Exodus) wie auch David Wayne (Metal Church) kurzzeitig am Mikro, zum Zweitling Victims Of Deception war David aber wieder für den Gesang zuständig, einen festen Bassisten gab es nicht, als Gast fungierte Blind Illusion Bassist Marc Biederman und eine Veränderung gab es noch an den Drums, hier verprügelte nun Darren Minter die Felle. Man tourte mit Größen wie Sepultura oder Sacred Reich, aber eine stabile Bandbesetzung kam nach wie vor nicht zustande. Mit dem Abgang von Lee Altus und Darren Minter zu Die Krupps und dem tödlichen Autounfall des neuen Bassisten Randy Laire lösten sich Heathen 1992 auf.

Das Thrash Of The Titans-Benefizfestival 2001 führte zur Reunion. Die Erlöse dieses Festivals wurden dafür benutzt, um die Krebsbehandlungen des Testament Sängers Chuck Billy und des Death Sängers/Gitarristen Chuck Schuldiner zu finanzieren. Bis zum dritten Album dauerte es aber neun weitere Jahre, das Problem bezüglich der Bandbesetzung blieb, Lee Altus war mittlerweile bei Exodus aktiv. Mit dem Einstieg von Kragen Lum 2007, dem Gitarristen der progressiven Metal Band Prototype, kam etwas mehr Kontinuität in das Line-Up. 2010 erschien The Evolution Of Chaos, neben Kragen und Lee an den Saiten ist David nach wie vor am Mikro und Darren Minter am Schlagwerk, den Bass zupfte Jon Torres. Da Gary Holt seit 2013 bei Slayer die Saiten bearbeitete, half Kragen neben Lee bei Exodus an der Gitarre aus. So wurde es wieder still um Heathen. Darren verließ die Drums und nun, zehn Jahre nach dem letzten Output, natürlich mit neuem Drummer und Bassisten, gibt es das vierte Studiowerk der Truppe aus der Bay Area.

Das Schreiben des neuen Albums begann im Jahr 2012, als wir bei Nuclear Blast unter Vertrag gingen“ sagt Gitarrist Kragen Lum. „Die Hälfte der Musik auf dem Album wurde schon im selben Jahr als Demo aufgenommen, 2014 hatten wir 2/3 des Albums als Demotape mit Gesang fertig. Unglücklicherweise haben wir in den Jahren darauf kaum Fortschritte daran gemacht, zumal Lee Altus (Gitarre) und ich in Vollzeit mit Exodus auf Tour waren. Bis 2019 hatten wir keine Pause, die lang genug war, um wieder ganz einzusteigen und die Schreibarbeit sowie die Ausnahmen für das neue Album zu beenden.

Zu der Lyrics ergänzt KragenEin großer Teil der Texte des Albums beschäftigt sich mit sozialen Themen, ähnlich wie bei den vorherigen Heathen Alben. Das Album ist kein Konzeptalbum oder sowas in der Art, aber es gibt eine Menge Themen, die immer wieder auf dem Album vorkommen.The Blight handelt davon, dass wir die Plage sind, welche die Welt zerstört. The Gods Divide handelt davon, dass Politiker die Massen als Bauernopfer benutzen. Andere Songs, wie Sun In My Hand und Shrine Of Apathy sind persönlicher Natur.

Reichlich viel Vorrede für ein Release, aber da man bei Heathen nie weiß, wann das nächste Werk am Start ist, kann man etwas tiefer auf die Truppe eingehen. Die Scheibe wurde in den Planet Z Studios arrangiert, produziert, gemischt und gemastert von Christopher „Zeuss“ Harris. Zusätzliche Details wie die Rhythmusgitarren etc. wurden in Lums Studio in digitale Form gebracht. Die gesamte Produktion dauerte ein ganzes Jahr.

This Rotting Sphere ist das knapp zweiminütige Intro für The Blight. Die Saitenfraktion gibt den Takt vor und typischer Bay Area Thrash kommt aus den Boxen – schnell, sauber und zum Headbangen geeignet, willkommen bei Heathen. Gleich mal ein hervorragender Einstieg. Der Titeltrack knüpft nahtlos daran an, die Leadgitarre kann voll und ganz überzeugen, da hatte Gary Holt längere Zeit einen ganz starken Vertreter bei Exodus. Es geht mehr in den Speed Metal oder vom Refrain sogar bald True Metal oder einfach Heavy Metal – so, wie bei der ersten Scheibe aus den 80ern. Dead And Gone mixt sich ähnlich wie der Titeltrack, vom Refrain finde ich das Teil etwas schwächer, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Sun In My Hand verlässt noch mehr den Thrash Pfad, es gibt einen guten Nackenbrecher, welcher so auch auf einer Scheibe der 90er hätte sein können, die Gitarren werden sauber geschrubbt, der Song hat Melodie und Atmosphäre, einfach pure Metal. Blood To Be Let zeigt, dass Heathen auch richtig thrashen können. Im Style von Exodus oder Testament kommt der Track um die Ecke. In Black thrashed im gleichen Rhythmus weiter, Shrine Of Apathy bildet das Gegenstück. Heathen können auch Ballade – mit dem Refrain nach ca. 150 Sekunden geht es im Midtempo weiter. Eine Nummer, die man so wohl nicht unbedingt von einer Band aus dem Thrash Metal erwartet, aber durchaus zu gefallen weiß. Devour beendet das Intermezzo und es geht mit Thrash/Speed weiter, wobei auch hier für mich die Saitenfraktion hervorragende Arbeit leistet. A Fine Red Mist verzichtet auf Gesang, die Gitarren dürfen sich beim Thrash/Heavy Metal Mix richtig austoben, absolut genial, so einen Track mit auf die Scheibe zu packen, da dürfte jedem Anhänger von starkem Gitarrenspiel das Herz aufgehen. Noch mal richtig auf die Mütze gibt es mit The Gods Divide, ne gute Packung Bay Area Thrash kurz vor Schluss, bevor Monument To Ruin als Outro aus der Scheibe erklingt.

Heathen – Empire Of The Blind
Fazit
Testament veröffentlichten im April ihr neues Werk Titans Of Creation, welches top ist. Heathen legen für mich mit dem neuen Langeisen konsequent nach. Die Scheibe ist abwechslungsreich, spielfreudig, guter Sound und ein unglaubliches Gitarrenspiel. Ich habe Kragen Lum bisher nur bei Exodus spielen sehen, das war schon sehr stark und ich hoffe, dass es nächstes Jahr klappt mit dem einen oder anderen Gig von Heathen in Germany. Dass er aus der progressiven Musikecke kommt, klingt dann und wann mal durch. Es ist keine reine Thrash Metal Scheibe, es gibt weitere Einflüsse wie bei den drei alten Scheiben. Die volle Punktzahl gibt es nicht, dafür sind mir die Drums etwas zu steril, aber eine klare Empfehlung für Freunde von starken Gitarren aus der Bay Area.

Anspieltipps: The Blight, Empire Of The Blind, Sun In My Hand und A Fine Red Mist
Jürgen F.
9.3
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9.3
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