Ihsahn – Àmr

“Ihsahns Àmr – weniger wäre mehr“

Artist: Ihsahn

Herkunft: Notodden, Norwegen

Album: Àmr

Spiellänge: 43:49 Minuten

Genre: Ambient, Progressive, Black Metal

Release: 04.05.2018

Label: Spinefarm Records

Link: http://www.ihsahn.com/

Produktion: Fascination Street Studios

Bandmitglieder: Ihsahn a.k.a. Vegard Sverre Tveitan

Tracklist:

  1. Lend Me The Eyes Of Millenia
  2. Arcana Imperii (feat. Frederik Akesson)
  3. Sámr
  4. One Less Enemy
  5. Where You Are Lost And I Belong (feat. Angell Solberg Tveitan)
  6. In Rites Of Passage
  7. Marble Soul
  8. Twin Black Angels
  9. Wake
  10. Alone (Bonustrack/ Gedicht von E.A. Poe)

Als die ersten Töne des Openers Lend Me The Eyes Of The Millenia ertönen, frage ich mich zuerst, ob ich mich nicht vertan, ausversehen den falschen Track ausgewählt habe. Geballte elektronische Sounds schlagen mir entgegen, gepaart mit einer, für meinen Geschmack zu dominanten Monotonie. Wo ist hier der Metal geblieben?
Der folgende Track Arcana Imperii beginnt mit ähnlicher Schlichtheit, welche dann aber eine seltsame Wende von den Deathstars zu Stoner Rock nimmt. Im zweiten Song ist für mich noch nicht abzusehen, in welche Richtung das Album gehen wird.
Mit Sámr ist einer der wenigen stimmigen Songs geglückt, der zwar die von Ihsahn bekannte Innovation beinhaltet, aber im Gegensatz zu den anderen Songs des Albums nicht vollkommen an Stilelementen überladen scheint. Über die Clearvocals kann man grundsätzlich geteilter Meinung sein, jedoch passen sie hier in das Gesamtkonzept des Songs und leiten wie ein roter Faden durch das Hörerlebnis.
One Less Enemy beginnt härter als sein Vorgänger, aber mit ähnlich klarer Linie. Die raueren Vocals des Songs treffen meinen Geschmack deutlich besser und fügen sich ebenso gut in das Gesamtbild ein, welches durch ein Theremin einen leicht sphärischen Charakter hat. Dieser wird durch den eingesetzten choralen Gesang ideal unterstrichen.
Der fünfte Track des Albums Where You Are Lost And I belong beginnt wieder ähnlich experimentell wie die ersten Songs des Albums und versucht, zu viel in einen Song zu packen. Die Elemente überlagern sich, keines kann voll ausgekostet werden, die Stimme ist zu weich und bietet keine Energie mehr, den Song zu tragen, er schleppt sich vor sich her.
Das folgende In Rites Of Passage beginnt zwar etwas energetischer, versucht aber wieder mal zu viel in zu wenig Zeit. Die wechselnden Stimmen wirken eher verwirrend als spannungsbildend. Eine Richtung ist nicht zu erkennen und krasse Breaks zwischen den Stilen des Songs lassen den Hörer kurzzeitig denken, er wäre in einem anderen Song gelandet.
Marble Soul bietet wieder ein wenig mehr Klarheit im Ablauf, der rote Faden schimmert wieder ein wenig durch, auch wenn die Wechsel zwischen melodischen, klaren Parts und energiegeladenen, harten Riffs gewohnt schnell vollzogen werden.
Mit Twin Black Angels tritt das Album langsam sein Ende an. Deutliche Ambientelemente eröffnen den Song, der nicht mehr als Metal zu kategorisieren ist. Für eine softe Rockballade jedoch, muss er als gut gelungen eingestuft werden. Leicht aggressiv geschriene Vocals zum Ende des Songs, mit stärkeren Drums können an dieser Einstufung auch nichts ändern.
Wake als letzter regulärer Song des Albums beginnt in klassisch harter Black Metal Manier mit brachialem Schlagzeug und düster gekrächzten Vocals, wendet sich aber im Verlauf wieder seltsamen klaren Vocals zu, deren Zweck ich nicht begreife.
Das 1829 von E.A. Poe verfasste Gedicht Alone dient als Textvorlage zum gleichnamigen Bonustrack. Die düstere Stimmung wird mit viel Hingabe langsam aufbaut, und hat somit Zeit sich im Gehirn des Zuhörers zu manifestieren. Sie trägt einen gewollt schleppend, dennoch fließend durch den Song und ist für mich der Höhepunkt des Albums. Die intensiven, schmerzerfüllten Vocals packen den Hörer und lassen ihn nicht mehr los, bis sie ihn bis zum finalen Ton begleitet haben.

Fazit: Ihsahns Ámr ist ein Album voller Hören und Tiefen, was zu viel von sich verlangt, als es in dieser kurzen Zeit unterbringen kann. Für mich stellte sich wie früher in der Schule die Frage „Was möchte mir der Künstler damit sagen?“ Ein auf vielen Ebenen innovatives Album, doch ist innovativ nicht immer gleichbedeutend mit gut. Zu viele Ideen, zu stark komprimiert, dass sie ihren einzelnen Wert durch ihre Masse verlieren. Zu schnelle und häufige Stilwechsel erschweren das verfolgen des Albums eher, als dass sie es interessant gestalten. Für mich kein stimmiges Album, sondern eher eine Aneinanderreihung guter Ideen, welche so ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können. Progressiv ist es, Metal nur noch zum Teil. Mein Fazit ist ganz klar, weniger wäre mehr gewesen.

Anspieltipps: Sámr, Twin Black Angels, Alon
Rene W.
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