Karg – Resilienz (EP)

30 Minuten Liebe zum Detail

Artist: Karg

Herkunft: Salzburg, Österreich

Album: Resilienz

Spiellänge: 35:10 Minuten

Genre: Atmospheric Black Metal

Release: 22.01.2021

Label: AOP Records

Link: https://karg.bandcamp.com

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – J.J.
Schlagzeug – Paul Färber

Tracklist:

  1. Abbitte feat. Nico Ziska
  2. Lorazepam

2020 ist für den Sänger J.J. ein sehr aktives Jahr. Am Anfang wurde das neue Album Mære für Harakiri For The Sky aufgenommen und durch die Lockdown-Isolation war dann noch genügend Zeit, eine EP für Karg zu schreiben. Obwohl das nach viel klingt in einem Jahr, klingen die beiden Werke nicht gezwungen, ganz im Gegenteil – die Lockdownphase spricht prinzipiell für den Stil Resilienzs und man kann davon ausgehen, dass die Isolationszeit sinnvoll genutzt wurde.

Den atmosphärischen Stil, den wir von Karg gewohnt sind, bekommen wir in voller Länge geboten. Die beiden Songs schaffen es zusammen auf eine Spielzeit von 35 Minuten, was für zwei Songs beeindruckend ist, aber keinen verwundert. Die Lieder von J.J. haben nicht wirklich die Eigenschaft, kurz zu sein und man kann sich vor allem in Lorazepam unglaublich gut verlieren – in andere Welten abdriften. Unterstützt wird das Ganze noch von den unglaublichen Kompositionen, die bemerkenswert sind. Schnelle, hastige Melodien, kombiniert mit sturem Doublebass Geballer wechseln sich mit einschläfernden ruhigen Melodien ab, welche von klar definierten Gitarren kommen und einen warm umhüllen, bis es sich langsam wieder aufbaut zu komplizierteren Melodien und Rhythmen und dann am Ende förmlich explodiert.

Für mich geht das ganze Konzept auf und man merkt, wie auf die Kleinigkeiten geachtet wird – ganz nach dem Motto: Es darf nichts untergehen. Kleine, für die meisten vermutlich unbedeutende Melodien erhalten bei Karg viel Aufmerksamkeit und kleine einzelne Puzzleteile setzen sich zusammen zu einem großen Werk, zu einer Harmonie, die sich über den Song legt, wie eine wärmende Decke im Winter.

Unterlegt wird das Ganze natürlich mit J.J.s Stimme, die sein Inneres nahezu ungefiltert wiedergibt und der Seele freien Lauf lässt. Die Stimme des Salzburgers gehört einfach zu Karg, ebenso wie zu Harakiri For The Sky und kann nicht weggedacht werden, denn es macht manchmal gefühlt die Hälfte des Stils aus. J.J. ist aber nicht der einzige Sänger auf Resilienz, der Sänger von Der Weg Einer Freiheit unterstützt bei Abbitte und verleiht dem Lied dadurch noch mal so einen Hauch gewisses Etwas.

Zu betonen ist noch Lorazepam, weil es hier ein komplett unerwartetes Ende gibt. Der Song löst sich ins Positive auf und lässt einen nicht verlassen dastehen. Für Karg ist dieses glückliche Ende was absolut Neues, es geht aber komplett auf. Vor allem, wenn man kurz vor dem Ende noch mal aufgeweckt wird, weil die ganz Harmonie und Melodie umgeworfen werden, während der Rhythmus eindeutig dem Punk zugeordnet werden könnte. Was dahintersteckt, kann man nur erahnen, aber es zeigt Wirkung und ich bin absolut begeistert von dem Umschwung, der nach achtzehn Minuten aufkommt.

Karg – Resilienz (EP)
Fazit
Insgesamt ist das Album komplett gelungen. Auf den zwei Liedern finden sich unglaublich viele Facetten, die den Stil Kargs verarbeiten und überhaupt erst möglich machen. Es wird auf viele Kleinigkeiten geachtet und man hört es deutlich raus, wie viel Liebe ins Detail gesteckt wird.

Anspieltipp: Lorazepam
Pau M.
10
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10
Punkte
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