Keimels Metalldetektor Ausgabe Juni 2017

Wenn ich in dieser Kolumne von rot-weiß-rot spreche, dann hat das zur Abwechslung mal nichts mit meiner absurden, persönlich bevorzugten Reihenfolge des Weinkonsums zu tun. Nein, es handelt sich dabei natürlich um die Nationalfarben Österreichs. Wien, Mozart, Berge, eine singende Frau mit Bart, die eigentlich ein Mann ist, der sich gerne in glamouröse Kleider zwängt, unnachahmbare Dialekte, Falco und Schnitzel! So oder so ähnlich wird der Hamster vieler wohl die Gedankengänge abspulen, denken diese an Österreich. Womit assoziiert man das Alpenland im Herzen Europas aber eigentlich wenn es um Metal, Musik der härteren Gangart geht? Viel zu wenig mit einer außerordentlich kreativen, schier neugeborenen, florierenden und aufkeimenden Metalszene, wie ich meine.

Ich werde Euch aber gerne ein paar Gründe nennen, warum sich das bald schon ändern wird, warum wir hier in Österreich einen Prozess der Veränderung eigentlich bereits erleben.

Österreich hat endgültig damit begonnen seine (Metal)Bands und Musiker zu respektieren und zu unterstützen. Natürlich gibt es da noch Luft nach oben, besonders von medialer Seite, aber Musiker und besonders auch Fans zeigen Mut und Eier. Und das ist aber so was von unerlässlich! Das Konkurrenzdenken in der Szene ist spürbar weniger geworden, man scheint an einem Strang zu ziehen und steht langsam aber sicher vor der erfreulichen Tatsache, zu einem Exportland zu werden. Sind Belphegor, Summoning, Hollenthon, Dornenreich und Konsorten vielleicht noch immer so etwas wie die Speerspitze des österreichischen Metals, könnte sich auch dies in den kommenden Jahren ändern. Wird es sich sogar, meiner Meinung nach. Denn aus der sogenannten zweiten Reihe leuchten einem da mächtig große Cojones entgegen, die sichtlich nur noch darauf warten oder gerade eben bereits dabei sind, endgültig zu platzen, um ihren kreativen Inhalt über ganz Europa zu verteilen.

Natürlich will ich nicht alles schönreden, es gibt gefühlt einfach viel zu viele inspirationslose und seichte Kopiermaschinen des Metalcores oder Schweden-Deaths, deren Kreativpotenzial im nüchternen Vergleich sogar dem Morgenschiss eines mexikanischen Chiliverkosters haushoch unterliegt. Sei es drum! Erstens ist das keinesfalls ein bloß österreichisches „Problem“ und zweitens maße ich es mir auch nicht an, jemandem das Musizieren zu verbieten oder gar einer Band ihre Berechtigung abzusprechen. Um Himmels Willen, nein! Ich möchte Euch aber gerne ein Pendant dazu vorstellen.

Black Inhale. Diese Band scheint für mich eine Ausnahme darzustellen. Weil sie furchtbar hart, präzise, gekonnt, überlegt und kompromisslos draufschlägt, dorthin, wo sie es ankündigt. Berechenbar? Ja, vielleicht! Aber verdammt verlässlich! Mit dem aktuellen Longplayer A Doctrine Of Vultures (VÖ 2016) haben die vier Wiener enorm viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen können und großartige Kritiken internationaler Presse eingefahren. Und das aber so was von verdient. Man versteht sein Handwerk, die Produktion ist soweit TOP  im internationalen Vergleich, und zudem scheint die Band im Gegensatz zu vielen anderen auch einfach zu wissen, wo ihre Stärken liegen. Man experimentiert nicht all zu viel auf dünnem Eis, sondern fokussiert sich überwiegend auf konzentrierte Ballerei im Stile eines Schwerkalibers. Vergleiche mit Pantera und Machine Head HEAD werden Black Inhale zwar nur schwer abwehren können, das Potenzial und die Durchschlagskraft der Truppe ist aber dennoch enorm und wird höchstwahrscheinlich auch dazu führen, dass sich diese Vergleiche irgendwann in Luft auflösen. Nicht umsonst wurde die Band dieses Jahr erneut für’s Nova Rock oder etwa Summer Breeze gebucht, spielte bereits am Donauinselfest und hat eine scheinbar sehr erfolgreiche Release-Tour hinter sich! Das Mastering für das aktuelle Album übernahm übrigens ein gewisser Herr Jens Bogren, ein Mann, den man nicht mehr großartig vorstellen muss, wie ich glaube. Das zweifellos imposante und originelle Artwork stammt von Seth Siro Anton, der bereits für Bands wie Belphegor, Paradise Lost oder Arch Enemy geniale Arbeit abgeliefert hat und ebenso vielen ein Begriff sein sollte. Das Mixing der Scheibe erledigte der Wiener Norbert Leitner, der mittlerweile nicht umsonst eine mehr als beliebte Adresse im Austro-Metal ist, versteht er sein Handwerk einfach außerordentlich gut. Mein persönlicher Anspieltipp stammt jedoch vom Debutalbum Rule Of Force und heißt Losing my Faith. Ein großartiges Lied mit Ohrwurmcharakter. Diesen Song, sowie die Single The Die Is Not Yet Cast vom aktuellen Album, die ich Euch übrigens ebenso ans Herz legen möchte, findet Ihr etwas weiter unten. Sänger, Gitarrist und Frontman Schlomo habe ich zudem um ein Gespräch gebeten, um ihm, sagen wir mal, ein paar durchwegs ungewöhnliche aber dennoch interessante Fragen zu stellen. Zum Interview geht es hier lang.

Das vermeintlich kleine Österreich ist also am besten Wege dazu, ein großes Ausrufezeichen zu setzen. Ein großes Ausrufezeichen hinsichtlich kreativer und hoffentlich beständiger Outputs, die den Austro-Metal im In- und Ausland weiterhin etablieren. Black Inhale ist eben eines dieser Ausrufezeichen, weitere werde ich Euch noch vorstellen.

Tja, das war es mal für‘ s Erste von meiner Seite. Ich würde deshalb vorschlagen, wir lesen uns im Juli wieder. Denn dann habe ich ein besonderes Schmankerl im Talon.

„Zwider-schaun!“, meine lieben Buben und Mädels, genießt die Sonne, dreht die Regler nach rechts und macht es gut derweilen.

Euer Markus Keimel

 

BLACK INHALE – The Die Is Not Yet Cast (OFFICIAL MUSIC VIDEO)

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