Korpiklaani – Jylhä

"Majestätisch" gegen den Winterblues

Album: Jylhä

Spiellänge: 60:36 Minuten

Genre: Folk Metal

Release: 05.02.2021

Label: Nuclear Blast Records

Link: http://www.korpiklaani.com/

Besetzung:

Gesang, Gitarre –  Jonne Järvelä
Violine – Tuomas Rounakari
Akkordeon – Sami Perttula
Bass – Jarkko Aaltonen
Gitarre – Kalle „Cane“ Savijärvi
Schlagzeug – Samuli Mikkonen

Tracklist:

1. Verikoira
2. Niemi
3. Leväluhta
4. Mylly
5. Tuuleton
6. Sanaton Maa
7. Kiuru
8. Miero
9. Pohja
10. Huolettomat
11. Anolan Aukeat
12. Pidot
13. Juuret

Grausam, barbarisch, wütend, rasend, derb – das sind nur die ersten fünf Optionen, die mir die Übersetzungssoftware für das Wort Jylhä vorschlägt, das man so direkt wohl nicht übersetzen kann. So entsteht in meinem Gehirn eine grundlegende Idee, was mich auf dem nunmehr elften Studioalbum der Finnen von Korpiklaani zu erwarten hat.  Mit dreizehn neuen Tracks bieten sie uns 60 Minuten Unterhaltung in einer Art, wie nur sie es können.

Mit dem ersten Song Verikoira geht es direkt mit Volldampf los. Urtümlich anmutende Drums werden mit starken Gitarren unterstützt und später mit einem für Korpiklaani sehr schrillen Gesang abgerundet. Laut Frontmann Jonne Järvelä orientierte er sich am Klassiker Painkiller von Judas Priest und schaffte hier sein einzigartiges Tribut an seine Idole. Niemi hingegen ist ein klassischer Song aus den Tiefen finnischer Wälder und erinnert mich sehr an Stücke der frühen Langspieler Voice Of Wilderness und Tales Along This Road. Eine schwere Grundmelodie, die sich stetig vorwärtsbewegt und von fröhlichen Violinenklängen aufgelockert wird. Der dritte Titel Leväluhta zeichnet sich durch seinen starken Humppaeinfluss aus. Durch diese simple Melodie lädt er allerdings dazu ein, sich schunkelnd zu bewegen. Der bereits veröffentlich Track Mylly ist der emotionale Titel, der auf keinem Album des „Klan des Waldes“ fehlen darf. Hier beweisen die sechs Finnen aber wieder einmal, dass sie durchaus ein breites Spektrum an Emotionen abdecken und nicht nur vom Bier und Feiern singen können.

Noch mehr Melancholie hält Tuuleton bereit. Wie schon so oft schafft es Jonne Järvelä, mir mit seiner Stimme eine Gänsehaut zu verpassen, denn auch wenn man – wie die meisten Hörer – des Finnischen nicht mächtig ist, so fühlt man mit ihm einen undefinierbaren, angenehmen Schmerz. Sanaton Maa ist hingegen wieder ein typischer Song, der eine Leichtigkeit und gute Laune vermittelt. Ohne große Schnörkel kann man sich hier gut berieseln lassen und sich wieder für den nächsten Song mit mehr Inhalt bereit machen. Passend darauf folgt dann auch Kiuru, der sich mit mehr Schwere und Wehmut dahinschleppt. Trotz dieser Art zieht er die Stimmung jedoch nicht nach unten, sondern füllt eine Lücke wie im reellen Leben, wo Fröhlichkeit noch mehr wahrgenommen werden kann, wenn sie zwischen Schwermut und Melancholie eingebettet wird. Mit harten Gitarrenriffs kann Miero zunächst überzeugen, jedoch fehlt mir hier eine klare Richtung. Schleppender Gesang, aber treibende Melodien, härtere Gitarren und doch ein langsames Schlagzeug. Hier ist die Mischung für mich nicht gelungen. Wesentlich überzeugender ist Pohja. Durch Tempo und Rhythmus dominiert, könnte dies ein Lied werden, zu dem vor der Bühne richtig Stimmung aufkommen wird. Auch das für die Band typische Akkordeon kommt hier wirklich zur Geltung. Schon die ersten Takte von Huolettomat lösen einen unwiderstehlichen Bewegungsdrang in mir aus! Dieser Track vermittelt einfach eine positive Energie und gute Laune, bleibt dem Konzept des Albums treu und entwickelt die beliebte Partymusik der Finnen weiter. Anolan Aukeat bietet wieder ein wenig Entspannung. Ein solider Song, der zum Runterfahren und Durchatmen einlädt. Pidot schlägt musikalisch eine Brücke zurück zu Leväluhta. Auch hier finden sich die deutlichen Humppaeinflüsse wieder und geben dem Album eine beschwingte Note. Mit Juuret hat das Sextett einen perfekten Abschluss dieses Langspielers gefunden. Hier vereinen sich alle Stimmungen des Albums durch das Lied hinweg und verabschieden sich mit einer positiven Grundstimmung, die dazu einlädt, direkt den Repeatknopf zu drücken.

Korpiklaani – Jylhä
Fazit
Mit ihrem elften Studioalbum haben die Finnen um Folk Metal Mastermind Jonne Järvelä ein Werk geschaffen, das sich nicht nur in die Ohren, sondern auch die Herzen der Hörer spielt. Abgesehen von einer Ausnahme präsentieren sie uns ein rundes Album - stilistisch ihrer Linie treu, hat sich das Sextett handwerklich jedoch weiterentwickelt und kann so wahrscheinlich neue Fans gewinnen. Für mich haben sie leider etwas an Härte und Rohheit verloren, aber ein solides Gesamtwerk abgeliefert. Final könnte man sagen, dass sie ein Album produziert haben, was uns den Winter mit positiver Stimmung versüßt und die Wartezeit auf den Sommer verkürzt.

Anspieltipps: Verikoira, Huolettonat und Juuret
Shoshannah G.
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Punkte
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