Kulturgesichter0761: Freiburger Kulturschaffende zeigen sich

Kampagne soll Kulturschaffenden ein Gesicht verleihen

Photo by Kulturgesichter0761/Felix Groteloh

Deutschland befindet sich aktuell im zweiten Lockdown und das Leben ist auf ein Minimum runtergefahren. Schulen sind geschlossen, der Einzelhandel musste schließen, selbst die Gastronomie wurde runtergefahren und darf nur Liefer- bzw. Abholservice anbieten und es gelten Ausgangsbeschränkungen. Was viele Menschen nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr erleben, gilt für die Kunst und Kultur bereits seit zehn Monaten durchgehend. Seit März dieses Jahres liegt die Veranstaltungs- und Eventbranche aufgrund der Coronakrise weitestgehend komplett brach und Deutschland ist still geworden. So gab es in diesem Jahr keine Sommerfestivals, keine Mittelaltermärkte und gefühlt nur eine Handvoll Konzerte. Durften zwischendurch einmal Konzerte stattfinden, so mussten diese unter erheblichen Sicherheitsmaßnahmen wie Mund/Nasenschutz, Abstandsregelungen und verminderten Besucherzahlen durchgeführt werden.

Alle sind von der Coronakrise mehr oder weniger betroffen. Den Einzelhandel und die Gastronomie trifft dieser zweite Lockdown sicherlich hart, besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit, doch ein paar Wochen lassen sich, insbesondere mit Hilfsgeldern der Regierung, sicherlich irgendwie überstehen. Die Veranstaltungsbranche trifft es da viel härter, denn die Kulturschaffenden waren die Ersten, die ihren Job nicht mehr ausüben konnten und sie werden die Letzten sein, die irgendwann wieder durchstarten können, sofern sie nicht längst aufgeben mussten. Zig tausend Menschen können bereits seit zehn Monaten ihren Beruf nicht mehr ausüben und verfügen seit zehn Monaten über keinerlei Einkommen mehr. Tausende Existenzen sind derzeit massiv bedroht und die oftmals versprochene Hilfe der Regierung bleibt aus. Wird doch einmal der Geldhahn aufgedreht, so sind die ausgezahlten Summen ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein, während wichtige Großkonzerne und bestimmte Wirtschaftszweige Millionen einstreichen. Die Kulturbranche hat derzeit keine Perspektive und bekommt so wenig Unterstützung wie keine andere Branche. Kunst und Kultur sind in Deutschland nicht wichtig, so scheint es.

Auch die Presse berichtet im Verhältnis gesehen relativ wenig über die Not der Kulturschaffenden. In der Öffentlichkeit herrscht oft noch immer die Meinung, dass Kulturschaffende ja in erster Linie ihrem Hobby nachgehen. Das mag für eine ganze Reihe von Künstlern und Bands durchaus stimmen, da man von Kunst und Musik heutzutage oftmals nur noch schwer leben kann. Die anderen Bands und Künstler mussten sich während der Pandemie völlig neu erfinden, um irgendwie ein paar Euro in die leeren Bandkassen zu spülen, sei es nun mit Abstandskonzerten, Gigs in Autokinos und vor Strandkörben, speziellem Corona-Merch, oder auch mit Crowdfunding-Kampagnen. Doch sind Musiker nur ein relativ kleiner Teil im ganzen Veranstaltungszirkus und die breite Öffentlichkeit hat oftmals keine Ahnung, wie viele verschiedene Berufsgruppen in der Kulturbranche von dem seit zehn Monaten andauernden Lockdown betroffen sind. Der Fokus der Berichterstattung liegt meist bei Großveranstaltungen wie Festivals, Sportveranstaltungen, Jahrmärkten … und Konzerten der großen Stars. All die Menschen, die für gewöhnlich nicht im Rampenlicht stehen wie Veranstalter, Clubbesitzer, Merchandiser, Techniker, Stagehands, Fotografen, Tourmanager, Logistiker, Equipment Firmen, Caterer… u.v.m. werden regelmäßig vergessen. So entsteht ein verfälschtes und oberflächliches Bild. Die kulturelle Vielfalt in Deutschland ist in Gefahr, was zwangsläufig zu geistiger Armut in der Gesellschaft führt, sollte nicht endlich gehandelt werden.

Photo by Kulturgesichter0761/Felix Groteloh

Mit verschiedenen Kampagnen wie z.B. Alarmstufe Rot, Ohne Kunst Wird`s still oder Kulturgesichter versuchen die Kulturschaffenden seit einiger Zeit auf sich und ihre Not aufmerksam zu machen. Auch die Kulturschaffenden in Freiburg im Breisgau haben sich unter der Schirmherrschaft von Freiburgs Erstem Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (u.a. Kultur) zusammengeschlossen. Über alle Genregrenzen hinweg beteiligen und zeigen sich zahlreiche Freiburger, die sonst oft hinter den Kulissen tätig sind, an der bundesweiten Kampagne und weisen so auf die prekäre Situation aller VeranstalterInnen, KünstlerInnen, DienstleisterInnen und vor allem der soloselbstständigen KulturunternehmerInnen im Großraum Freiburg hin.

Seit dem 10. März 2020 bereits steht die Freiburger Kulturbranche aufgrund des coronabedingten Veranstaltungsverbotes still. Nach einigen Neustarts und Projekten im Sommer 2020, mit aufwendig ausgearbeiteten Hygienekonzepten und unter strenger Beachtung der AHA-Regeln, gilt seit Montag, den 2.November 2020, abermals ein allgemeines Veranstaltungsverbot bis mindestens 10. Januar 2021, eher länger, ohne Aussicht auf eine signifikante Verbesserung und ohne wirklichen politischen Weitblick für die Situation von Kulturschaffenden und Institutionen.

Die Unzufriedenheit in der Branche könnte kaum größer sein und so soll mit der Aktion Kulturgesichter0761 – Ohne Uns Ist´s Still ein Statement für die Kultur gesetzt werden, es soll in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die aktuelle Situation geschaffen werden und all den betroffenen Freiburger Kulturschaffenden, die sonst anonym bleiben, ein Gesicht verliehen werden, um der Bevölkerung und der Politik zu vermitteln, wie viele Betroffene tatsächlich hinter dem Oberbegriff Kultur stecken. Unterstrichen wird der Hilferuf Kulturgesichter0761 mittels der ernsten Blicke der ProtagonistInnen, den dunklen Oberteilen und dem dunklen Hintergrund der Bilder. Man hofft auf Verständnis für all die betroffenen Menschen, möchte sie durch die Fotoshootings sichtbar machen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen.

Photo by Kulturgesichter0761/Felix Groteloh

Dieses Projekt soll aufzeigen, wer alles an der Umsetzung eines Konzerts, Tanz- oder Theaterstücks beteiligt ist – ein Blick auf die Gesichter, besonders auch hinter den Kulissen sozusagen. Es soll auf alle Personen hinweisen, die im Dienst der Kultur- und Veranstaltungsbranche in Freiburg stehen und Teil des sechstgrößten Wirtschaftszweiges der Bundesrepublik mit über 1,5 Millionen AkteurInnen sind. All diese Menschen kämpfen derzeit um die Erfüllung und Erhaltung ihrer Kunst, ihres bisherigen Schaffens oder gar um ihre Existenz! Die Bedeutung von Kunst und Kultur muss in der Gesellschaft wieder gefestigt werden, Kunst und Kultur in Deutschland sind wichtig!

Ein seit zehn Monaten bestehendes de-facto-Berufsverbot bedeutet für viele KünstlerInnen, Caterer, TontechnikerInnen, VeranstalterInnen … u.v.m. auch, sich mit Themen wie Unzufriedenheit, Unsicherheit und in manchen Fällen gar mit einer Abkehr vom bisherigen Lebensentwurf zu beschäftigen. Neben noch immer nicht passgenauer Hilfen seitens des Staates und mangelnder vorausschauender Pläne für eine regulierte, schrittweise Rückkehr der Kultur in den Alltag der Freiburger Allgemeinheit darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es nicht nur um das reine Überleben in puncto Geld und Finanzen geht – diese Unterstützung ist unerlässlich und muss so oder so weiter angepasst werden!

Vielen Kulturschaffenden fehlt derzeit eine Zukunftsperspektive für sich und die Kultur im Gesamten, worauf das Team der Kulturgesichter0761 aufmerksam machen möchte – zumal in Fachkreisen mittlerweile von einer Rückkehr der Kultur nicht vor Herbst 2021 gesprochen wird. So wurden die Bilder und Videos der TeilnehmerInnen mit Statements versehen und auf der Kulturgesichter-Homepage und in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram veröffentlicht. Es wurden Spenden gesammelt, um die Kulturgesichter zu drucken, Plakate und Banner wurden an Litfaßsäulen und ausgewählten Venues platziert. Es gab Podiumsdiskussionen zwischen VertreterInnen der Freiburger Kulturbranche sowie Oberbürgermeister Horn oder dem Ersten Bürgermeister von Kirchbach zu verschiedenen Themen wie Kulturneustart und Vision für 2021 in Freiburg, weitere Unterstützungsmöglichkeiten, Bedeutung des Standortes Freiburg, des aktuellen Kulturkonzeptes, Veranstaltungsplanung und Zusammenarbeit … u.a. geben. Darüber hinaus wird es Ausstellungen in der Stadt mit ausgewählten Kulturgesichtern und Erläuterungen der diversen Berufsfelder geben, um der Freiburger Bevölkerung interaktiv Gesicht zeigen zu können. Auch soll ein Kulturwirtschaft Freiburg-Netzwerk geschaffen werden, um so zukünftig einfacher Ziele gemeinsam erarbeiten und erreichen zu können.

Photo by Kulturgesichter0761/Felix Groteloh

Hier könnt ihr die Aktion weiter unterstützen und spenden: https://www.betterplace.me/kulturgesichter0761

Das Team #KULTURGESICHTER0761:
Alexander Hässler Projektleitung info@kulturgesichter0761.de, Tel.: 0171-547 38 69
Felix Groteloh Fotograf
Sarah Schneider Grafik / Design (Sarah Schneider Design)
Rudi Raschke Presse (Netzwerk Südbaden)
Jan Obri Presse (Vaddi Concerts)
Hanna Teepe Förderkonzepte (Zelt-Musik-Festival Freiburg)

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