Kurzinterview mit Jan Köpke zum Gedanken und den Hintergründen des Record Store Days

Offene Fragen zum Record Store Day direkt vom GSA (Germany, Switzerland, Austria) Koordinator kompetent beantwortet

Zum Record Store Day 2020 (Artikel hier) ist ja nun bereits das eine oder andere im Interview mit Petra Peters vom Remedy Records erzählt worden (hier nachzulesen). Trotzdem blieben noch einige Fragen offen. So lag es nahe, sich mit dem Verantwortlichen des Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen Record Store Day Jan Köpke zu unterhalten.

Time For Metal / Kay:
Hi Jan, schön, dass du dir so kurzfristig Zeit nehmen konntest, um mir noch einige Fragen zum RSD zu beantworten. Ich war ja in der letzten Woche bei Remedy Records in Hamburg und hab mich da mit der Petra über den Record Store Day unterhalten. Die hat mir auch schon bereitwillig Auskunft gegeben. Trotzdem sind noch ein paar Sachen offengeblieben. Kannst du mir vielleicht kurz was zum Gedanken des RSD sagen und was mich vor allem interessiert, wer legt fest, welche Platten veröffentlicht werden sollen?

Record Store Day / Jan:
Lass mich in Amerika anfangen, denn da nahm das ja alles seinen Anfang. Die großen Plattenfirmen überlegen sich etwas und fragen dann bei den entsprechenden Agenten oder Managern nach, ob sich da ein Künstler für interessiert oder begeistern kann. Dieses sind in der Regel namhafte Künstler und keine Newcomer. Dabei wird eher Wert auf Qualität gelegt und nicht auf Quantität. Diese Künstler geben dann entweder ihr Ok, oder kommen auch mit eigenen Ideen, die angenommen werden oder auch nicht, wenn das uninteressant klingt. So entwickelt sich dann eine Liste, die auf 300 unterschiedliche Platten gedeckelt ist. Somit kommt von da die Masse an Veröffentlichungen, um, wie du ja schon bemerktest, wieder mehr Menschen in die Läden zu holen, um dort dann seltene oder Kleinauflagen zu erwerben. Aber nun kommt UK. Da gibt es ebenfalls viele internationale große und bekannte Künstler und die wollen da mitmischen. Da läuft das genauso ab und die Labels sprechen sich vor Ort ab. Dann wird nochmals quergeredet und eruiert, ob das auch in den internationalen Markt geht. Die Briten sind da eher etwas forscher und Branden auch gern mal Sachen als RSD-Release, was oftmals als nicht notwendig erscheint. Aber trotz allem sind es die beiden Länder, die am meisten Platten festlegen. Und schwupps, sind wir bei 500 Releases zum Record Store Day. Andere Länder sind da eher unerwähnenswert.

Time For Metal / Kay:
Da stellt sich mir die Frage, werden die Sachen dann nur lokal oder weltweit vertrieben?

Record Store Day / Jan:
Sowohl als auch. Einiges bekommst du überall, bei anderen wird dann gesagt: nur UK oder USA. Dann gucken wir hier in die Röhre.

Time For Metal / Kay:
Außer du hast gute Kontakte in das jeweilige Land und kennst jemanden, der das besorgen kann.

Record Store Day / Jan:
Ja, das geht. Oder, was passiert, ist, dass Sachen doch mehr hergestellt werden, als vorgesehen und dann ein gewiefter Händler mehr bestellt und diese dann über seinen Store anbietet oder jemand kauft mehrere Exemplare in unterschiedlichen Läden, behält eins davon und vertickt den Rest über Ebay teurer als normal. Das Model ist eigentlich ein perfektes, außer, es wird in der Art umgangen. Manchmal erhöht ein Label auch einfach so die Auflage, um ein lukratives Nebengeschäft zu tätigen.

Time For Metal / Kay:
Ok verstehe, das sind die, die man teuer kaufen kann. Nun stellt sich die Frage, wie viel werden von den jeweiligen Ausgaben hergestellt? Ich hab z.B. gelesen, dass von der Ace Of Spades von Motörhead 4000 Exemplare hergestellt wurden.

Record Store Day / Jan:
Ja, das stimmt, aber für die ganze Welt, und schon relativiert sich das.

Time For Metal / Kay:
Ok, aber sind dann ja aber doch einige, wenn man bedenkt, dass von einigen Platten, gerade farbigen Ausgaben von z.B. Nuclear Blast nur dreihundert aufgelegt werden.

Record Store Day / Jan:
Das stimmt, aber dann kann ich dir auch was dazu erzählen. Ich hab bei Warner Music angefragt wegen der Pink Floyd Auflage und die haben mir sozusagen ein internes Verbot gegeben, die Zahl zu kommunizieren. Ich kenn die Zahl, aber darf sie nicht nennen. Aber es sind schon viele gepresst worden. Da geht man von entsprechend vielen Abnehmern aus. Ansonsten ist das ganz unterschiedlich, je nachdem, wie sich da Label, Künstler und auch die Verantwortlichen einigen können. Kleinere bekannte Bands haben dann so 100 Stück, größere Bands so um die 5000. Es kann aber auch schon mal bis zu 10.000 Einheiten geben. Was dann aber noch zu uns rüberkommt, ist wesentlich geringer, oftmals nur ein Zehntel der Gesamtauflage. In anderen Ländern sogar noch weniger. Wäre der Record Store Day hier entstanden und Bands wie Rammstein würden da mitmachen, dann wäre das hier genauso.

Time For Metal / Kay:
Dann stellt sich mir die Frage nach Gamma Ray. Die sind zwar international bekannt, aber doch eher eine deutsche Band. Wird diese Platte dann nur hier vertrieben und in welcher Zahl?

Record Store Day / Jan:
Das kann ich gar nicht so genau sagen, das hab ich nicht recherchiert, aber vorsichtig vermutet, würde ich sagen, dass die Auflage höchstens 500 Stück hat, denn die wird nur hier verkauft. Da haben wir dann die Erfahrungen, was geht und sagen, wie viel gepresst werden sollte. Oftmals nur 300, aber es können auch mal mehr sein. Die sollen ja auch verkauft werden und bei 180 teilnehmenden Händlern wären das drei pro Laden, wenn jeder eine nehmen würde. Wenn du das nimmst, was ich gerade für die Staaten und UK erzählt habe, dann kann das ggf. auch mal andersrum gelten. Eine bekannte deutsche Band macht da mit und dann kann die Auflage für den internationalen Markt entsprechend hoch sein. Das ist aber eher selten der Fall.

Time For Metal / Kay:
Das kann natürlich auch für den Plattenladen zu einem Problem werden. Die gehen ja in Vorkasse und haben kein Retourenrecht. Somit ist das schon ein Risikogeschäft. Und außerdem sind die Preise für die einzelnen Platten recht hoch. Wenn da nicht alles verkauft wird, dann bleibt nur abwarten oder es dann irgendwann billiger zu verticken.

Record Store Day / Jan:
Das stimmt, das muss der jeweilige Plattenladen schon berücksichtigen. Aber in der Regel weiß der jeweilige Shop schon, was geht oder was nicht. Dann bekommt er oftmals aber auch nur einige wenige Stücke, die dann ihre Liebhaber finden. Zu den Preisen sei gesagt, dass hier der Grundpreis schon festgelegt wird. Der jeweilige Laden stellt die dann zu seinen Konditionen ein. Es gibt ja keine Preisbindung, deshalb sind hier auch unterschiedliche Preise möglich. Dafür bekommt der Käufer aber auch etwas ganz Exklusives, das es so bisher nicht gab. Das sind dann besondere Ausgaben, Picture Discs oder zusätzliche Tracks, besonderes Cover und Ähnliches. Das hat dann halt auch seinen Preis. Natürlich haben das auch die Plattenfirmen gemerkt, die sich dann auch sagen, da kann man mal nen Euro oder Dollar mehr verlangen. Der Sammler hat dafür eben etwas, dass es nur in einer begrenzten Menge gibt. Der gesamte Gedanke des Record Store Day ist ja eben, dass damit Geld verdient werden soll. Natürlich darf ein Plattenladen das nicht ausnutzen und die Preise exorbitant erhöhen, denn dann sind die Kunden natürlich sauer.

Time For Metal / Kay:
Das kann ich verstehen, aber dass man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss, ist verständlich. Aber es schmerzt schon, wenn eine Single von Pink Floyd mit 24 Euro zu Buche schlägt.

Record Store Day / Jan:
Das ist schon richtig, aber es ist eben der Gedanke dahinter, und das war ja der Grund für die Einführung des RSD, dass dadurch der Vinyl-Platte neues Leben eingehaucht wird und damit auch einhergeht, dass der Händler eine höhere Marge erhält. Der Rest kommt hinterher und will davon partizipieren. Auch die Presswerke erkennen dies und veröffentlichen halbjährlich neue Preislisten. Das ist Marktwirtschaft.

Time For Metal / Kay:
Mensch Jan, da hast mir viele zusätzliche Infos gegeben, und dafür möchte ich mich bedanken. Wenn es mal wieder eine Frage gibt, werde ich mich vertrauensvoll an dich wenden.

Damit endet das Interview mit Jan Köpke, der hauptberuflich der Chef von popup Records in Hamburg ist. Seine Firma kümmert sich seit 2001 um das Booking und die Promotion im Bereich der Indie/Tronic/Alternative/Pop/ Musikszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu kommt die Koordination des RSD in ebenfalls diesen Ländern.

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