Lamb Of God – Live Streaming Event vom 18.09.2020

Performen ihr Selftitled Album

Eventname: Lamb Of God – Live Streaming Event

Headliner: Lamb Of God

Vorband: Bleed From Within

Datum: 18.09.2020

Kosten: 15,00 €

Genre:  Groove Metal, Thrash Metal, Heavy Metal, Metalcore, Death Metal

Link: https://watch.lamb-of-god.com/

Nach der obligatorischen Pre-Show, mit Vorband Bleed From Within, die auf einer kleinen, im Viereck aufgestellten Bühne die Hütte abgerissen haben, und einer Q&A Session mit Randy Blythe freue ich mich darauf, dass der Headliner, fast schon pünktlich (23:12 Uhr), sein Album präsentiert. Da eine Record Release Tour dank Coronavirus dieses Jahr nicht stattfinden kann, musste eben eine Alternative her, um das bisher erfolgreichste Release der Herren einer breiten Masse zu präsentieren. Mit einem digitalen Ticket, meinem Laptop (angeschlossen an mein Soundsystem) und einer kühlen Erfrischung mache ich es mir nun also gemütlich, um zu schauen, was man sich im Hause Lamb Of God für das erste der beiden Events überlegt hat.

Atmosphärisch und fast schon ein bisschen psychotisch starten die aus Richmond stammenden Headliner des Abends. Das Bühnenbild ist sehr klassisch gehalten. Der Hintergrund wird vom Bandlogo verziert. So scheint es allgemein, als würde man in einer etwas größeren Garage spielen oder maximal in einem kleineren bis mittelgroßen Club. Da man die Lämmer Gottes sonst von größeren Bühnen gewohnt ist, bringt das Setup fast schon eine gewisse private Atmosphäre. Dieses Feeling wird davon unterstützt, dass die Kamera oftmals ein Gesicht zu suchen scheint, oder mal zu den die Gitarren schwenkt, jedoch es schlecht schafft, mal ein Gesamtbild des Sets einzufangen. Dazu kommt die schummrig neblige Umgebung, die es der Kamera trotz Full-HD-Bild schwer macht. Aber mal ehrlich, ich sitze hier mit einem Eis auf der Couch und nicht in der Menge. Also was soll es schon, es geht ja um die Musik und nicht um die Kamera – oder vielleicht doch?

Musikalisch hat man sich mit dem ersten der beiden Live-Stream-Events auf eine „Record Release Show“ des selbst betitelten Albums festgelegt, welches am 19.06.2020 via Nuclear Blast das Licht der Welt entdecken durfte.

Mit dem eingängigen Einstieg von Memento Mori bricht Randy Blythe durch die Boxen in unser Wohnzimmer hervor. Der Bass brummt (nicht genug für meinen Geschmack – das ist von Platte heftiger) und ich freue mich, dass wir echt entspannte Nachbarn haben und in einer Wohnung wohnen, die auch nach 23:00 Uhr laute Klänge für sich behält. Es geht weiter mit Checkmate, Gears und Reality Bath. Auch wenn die Tracks echt total super über die mindestens 6.472,48 km lange Leitung rüberkommen, will der Funke absolut nicht überspringen. Sorry Lamb Of God, das haben Matt Heafy und Trivium echt besser hinbekommen. So fehlen für meinen Geschmack die Dinge, die ein Konzert ausmachen. Dabei meine ich nicht das Publikum, sondern die Interaktion, die nicht einmal im Ansatz versucht wird. Einzig ein “Welcome to our broadcast – thank you for joining us. Please stay save!” schafft es über die Lippen des Frontman der Herren. Aber naja wir sind ja erst beim siebten Track. Positiv zu bemerken ist, dass auch, wenn eher weniger im Chat los zu sein scheint, doch einige Fans schreibseelig den Stream abfeiern. Da wird gefeiert mit „Mosh Mosh Mosh“, “Wanna see them live so bad – in person actually” und „Lamb Of God is all I need to live! Fuck oxygen“. So macht es mir fast mehr Spaß, den Chat zu schauen, um dabei echt genialer Musik zu folgen, als dem diffusen Kamerabild zu folgen.

Beim zweitletzten Track Bloodshot Eyes wird aber noch mal klar, was für ein hervorragender Sänger da am Mikrofon steht. Auch wenn Lamb Of God keinesfalls als dynamisch zu bezeichnen sind, ist gerade hier stark bemerkbar, dass man Glück mit Randy Blythe hat und damit, dass er den Wechsel zwischen beißend/bellenden Shouts und klaren Parts auch perfekt draufhat. Den Abschluss macht On The Hook und da man sich 100%ig an die Trackliste des Albums gehalten hat, erwarte ich auch keine Zugabe.

Mal ehrlich, dass ein Livestream niemals an ein Konzert rankommt, ist ja klar, doch wenn eine Band eben so gut klingt, wie sie selbst auf der Platte klingen, dann frage ich mich fast, wozu man so einen Stream braucht. Okay, es ist ganz nett, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, doch dafür 15 € zu zahlen, halte ich für den falschen Weg. Lamb Of God hätten sich ein Beispiel an Suicide Silence nehmen sollen, die wenigstens zwischen den Track mit ein wenig Unterhaltungsmaterial punkten konnten. So bekamen am heutigen Abend die Käufer des Tickets das Album vorgespielt, doch musikalisch fast schon zu perfekt und… ach nein, wie geil ist das denn?!? Da will ich doch schon mit dem Fazit abschließen, als Lamb Of God mit der zweiten Ansage des Abends „This is a Punkrock Song“ den Track Contractor von 2009 anteasern. Also doch eine Zugabe und mit was für einer genialen Energie. Da merkt man, dass die Herren was anderes draufhaben, als nur stumpf die Platte durchzuspielen. Mit Ruin geht der Spaß dann noch weiter und es ist erst recht lustig zu sehen, wie der Chat auf einmal abgeht. Wäre es möglich, einen Circle Pit im Chat zu starten, der wäre spätestens jetzt losgelaufen. Breakdown und improvisierter Part, so muss das sein. Es folgt ein Song „for Bill And Ted. Gemeint ist damit The Death Of Us, ein Track, den ich bisher noch nicht kannte, aber absolut ins Ohr geht. Gewillt mit der Ansage „Feel free to destroy the livingroom” auszurasten, muss ich mich fast schon zurückhalten, denn als Rauswerfer 512 zu spielen, ist absolut logisch und so träller ich noch „My hands are painted red“ während der Abspann läuft.

Da wäre mir es fast passiert, dass ich den Stream von Lamb Of God für schlecht erkläre, bevor er seinen Höhepunkt erlebt. So spielten die Herren ihr Album fast schon lieblos herunter, um dann in der Zugabe mit 120b% einen absolut genialen Endspurt hinzulegen. Würde ich mir das nochmals geben? Ja – das werde ich auch, denn das zweite Konzert ist ja bereits in der kommenden Woche. Jetzt freue ich mich doch ein wenig darauf.

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