Metalacker Open Air am 24. & 25.08.2018 in Schramberg – Tennenbronn

„Metalacker Open Air am 24. & 25.08.2018 in Schramberg – Tennenbronn“

Event: Metalacker Open Air

Bands: Unherz, Tri State Corner, Civil War, Equilibrium, Arise From The Fallen, Atlasphere, Call Of The Sirens, Deep Sun, Winterstorm, Eisregen, Sepultura, Nachtschatten

Ort: Trombachhöhe, 78144 Schramberg – Tennenbronn

Datum: 24. & 25.08.2018

Kosten: 2 Tages Festival Ticket ab 16 Jahre 45,- € VVK,  2 Tages Festivalticket ermäßigt Jugendliche 12 – 15 Jahre 30,- € VVK, KFZ / Camping Ticket (pro Fahrzeug auf dem Camping Areal) 10,- € VVK

Genre: Thrash Metal, Power Metal, Epic Metal, Speed Metal, Black Metal, Folk Metal, Death Metal, Progressive Metal, Doom Metal, Extrem Metal, Pagan Metal, Dark Metal, Groove Metal …….., Stimmungsmusik, Schlager

Besucher: ca. 5000

Veranstalter: R.o.S.T.-Event UG Schramberg

Links: https://metalacker.de      https://www.facebook.com/Metalacker/?fb_dtsg_ag=AdyJjZcRTVFX4HkmG4P6FhIan0pmZJMMUYrCrqEA7zhwTg%3AAdxbTUP5HbSw5JgsI-9TCMIMuZA0LNk0GSb0az7gdVyh2Q

Bereits zum siebten Mal findet am 24. & 25.08.2018 mitten im Nirgendwo des Black Forest das Metalacker Open Air Festival statt. Schon die Anfahrt zum Festivalgelände ist abenteuerlich, denn das „mitten im Nirgendwo“ ist wortwörtlich zu nehmen. Schramberg kennt ja vielleicht noch der eine oder andere aus dem letzten Schwarzwaldurlaub, doch die Trombachhöhe zu finden ist, trotz guter Ausschilderung, eine Herausforderung. Kilometerweit geht es kreuz und quer durch den Wald, vorbei an Wiesen, Feldern und kleinen Schwarzwald Höfen, und höchstens ein paar Rehe kreuzen die Waldwege. Doch dann, man rechnet schon gar nicht mehr damit, tauchen plötzlich Langhaarige in Kutte auf und das Ziel ist erreicht.

Trotz des frühen Freitagnachmittags ist schon gut was los und das Metalacker Camp Areal ist schon gut gefüllt. Einige Hundert Headbanger haben tatsächlich schon den Weg ins Nirgendwo gefunden und machen sich mit Konservenmucke und Dosenbier warm. Vor dem Eingangsbereich bilden sich schon früh lange Warteschlangen, bis sich dann um 17 Uhr endlich die Tore öffnen. Gleich stechen ein paar tolle Schwarzwald-Totenkopfschnitzereien ins Auge, die klar machen, hier sind echte Metalfans am Werk, die mit viel Liebe zum Detail arbeiten. Das Gelände ist eine abschüssige Wiese, auf der man von überall einen super Blick auf die unten stehende Bühne hat.

Den etwas undankbaren Job des Openers machen die Pfälzer Unherz, die pünktlich um 18 Uhr die Bühne stürmen. Passend zur ersten Show des Tages mischt jedoch auch der Wettergott ordentlich mit und lässt eine etwas feuchte Showeinlage auf den Acker nieder. Frontmann Felix Orschel und seine Mannen machen das Beste draus und starten mit dem aktuellen Song Ganz Oder Gar Nicht in das Set. Obwohl man quasi direkt zu Beginn eine Stadionhymne raushaut, trauen sich nur wenige Deutschrockfans ins Infield, während die meisten versuchen, an den Merchständen und Fressbuden einen trockenen Platz zu ergattern. Den größten Zulauf hat der Festivaleigene Merchstand, denn dort gibt es für 2,- € auch Regencapes. Das ist definitiv kein Metal, obwohl die Unherz Songs, insbesondere bei der Gitarrenarbeit von Andy Arnold und den Soli, dem Metal zuzuordnen sind. Die Band gibt alles, der Sound ist durchaus okay, die Setlist, die Songs aus der ganzen Bandkarriere enthält, ist gut ausgewählt und dennoch geht der Auftritt mehr oder weniger ungehört vorbei. Ein paar Fans hat man aber doch mitgebracht und die trotzen dem Regen und feiern gemeinsam vor der Bühne. Warum man ausgerechnet Pogo Braut aus der Setlist gestrichen hat, bleibt für mich allerdings unverständlich, denn der Klassiker hätte vielleicht noch den einen oder anderen vor die Bühne gezogen. Ich hätte dann eher die Ballade Mein Glas gestrichen, denn nach kuscheln ist hier zu Beginn sowieso niemandem zumute.

Setlist Unherz: 

01. Intro
02. Ganz Oder Gar Nicht
03. Jetzt Oder Nie
04. Der Für Dich
05. Suk
06. Nie Allein
07. Narben Im Herz
08. Mein Glas
09. Seite An Seite

Besonders gespannt bin ich auf die zweite Band des Tages, die Bouzouki Rock Band Tri State Corner. Weit über 400 Konzerte hat die Band um Frontmann Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos schon absolviert und ich habe sie noch nie live gesehen. Zeit das zu ändern. Das Dreiländereck, das aus drei Griechen, einem Polen und einem Deutschen besteht, zieht dann auch viele Neugierige vor die Bühne und auch der Wettergott hat ein Einsehen. Los geht es mit Faster vom 2014er-Album Home und das Publikum ist offenbar doch willig und geht schon zu Beginn gut mit. Die virtuosen Schweinereien der nächsten 50 Minuten bestehen aus aktuellen Hero Songs, gemischt mit alten Klassikern wie Sooner Or Later und Nothing At All. Man merkt, dass Lucky in seinem eigentlichen Job als Rage Drummer eher selten zu Wort kommt, denn hier hat er den perfekten Ausgleich und quatscht zwischen den Songs wie ein Wasserfall und mutiert zum perfekten Entertainer. Mal tanzt er wie ein griechischer Derwisch über die Bühne, dann wieder ganz die coole Rampensau, der Luftgitarre spielt und den kahlen Schädel schüttelt. Er sprüht förmlich vor Energie und Spielfreude. Die völlig Metaluntypische Instrumentierung mit griechischer Bouzouki und Bongos ist für einen Old School Metaller wie mich echt gewöhnungsbedürftig, doch der Auftritt ist stimmig und der Fünfer hat definitiv einen ureigenen Stil entwickelt und bringt frischen Wind mit sich. Mit Metal hat das Ganze nichts zu tun, ich würde es als Alternative Rock mit orientalischen Farbtupfern verbuchen. Wider Erwarten kann die Bouzouki richtig heftig rocken und ist in dem Projekt keine Effekthascherei, wie Ioannis Maniatopoulos, Bruder von Frontmann Lucky, immer wieder unter Beweis stellt. Eingängige Refrains, harte Gitarrenriffs, groovige Bässe und wuchtige Drumbeats harmonieren hier exzellent mit einer griechischen Laute, die nicht einmal fehl am Platze wirkt. Auf das geläufige Zugabespielchen verzichten Tri State Corner komplett und nutzen die Zeit lieber für einen weiteren Song, schließlich ist man zum rocken da. Mit dem Klassiker Home verabschiedet man sich vom Acker und hinterlässt ein überwiegend zufriedenes Publikum. Die Jungs haben durchaus Spaß gemacht, jedoch auf Dauer ist mir der traditionelle Metal ohne multikulturelle Experimente lieber.

Setlist Tri State Corner:

01. Faster
02. Nothing At All
03. Free Prison
04. Daydreamer
05. Sooner Or Later
06. Sleepless
07. Downfall
08. Tomorrow Land
09. Kapia Stigmi
10. My Own World
11. Sudden Turn
12. Breaking News
13. Home

Im Anschluss an den Gig mache ich mich erstmals auf den beschwerlichen Weg den Hang hinauf, denn zu 20 Uhr ist die Autogrammstunde von Equilibrium angesagt. Gut, dass es mittlerweile aufgehört hat zu regnen, sonst würde der Berg zur Rutschpartie und einer echten Herausforderung. Die deutschen Pagan Metaller erscheinen pünktlich und sind gut drauf. Der Ansturm der Fans ist recht groß, aber geduldig wird alles unterschrieben und auch für eine Menge Fotos nimmt man Aufstellung.

Pünktlich zum Auftritt von den Schweden von Civil War bin ich wieder unten. Mit USS Monitor, dem ersten Panzerschiff der US-Marine, gehen die Power Metaller gleich in die Vollen und bieten Kontrastprogramm zu den vorherigen Tri State Corner. Damit das Panzerschiff nicht ganz auf dem Trockenen liegt, werden als Special Effect noch einmal die Himmelsschleusen geöffnet, doch der Regen stört hier niemanden mehr. Die Ex-Sabaton Veteranen haben offenbar einen Teil ihrer Fans mitgebracht, denn in den vorderen Reihen geht direkt die Post ab. Mit dem nächsten Song, St. Patricks Day, geht es zurück ins Irland des 5. Jahrhunderts zum Bischof Patrick. Entsprechend ihres Namens greifen die Schweden um Frontmann Kelly Sundown überwiegend Historisches auf und nehmen uns mit in die Schlacht um Avalon und nach Gettysburg. Erstmals an diesem Freitag kocht die Stimmung so richtig hoch und das Infield füllt sich immer mehr. Zwar können Civil War nicht mit der Hitdichte von Sabaton aufwarten, doch mit ihrer Spielfreude reißen sie fast jeden mit und auch Gettysburg kann hier lauthals mitgegrölt werden. Zu Lucifer`s Court wird die Bühne passenderweise in blutrot getaucht. Die Nackenmuskeln sind warm und der Gig wird zu einer haarigen Angelegenheit. Natürlich dürfen auch die Heeren George Armstrong Custer, Iskariot Judas und William Wallace nicht fehlen, um die Geschichtsstunde fortzuführen. Sundown ist gut bei Stimme und lässt sich von dem aufgeheizten Publikum nur zu gerne mitreißen. Die Saitenfraktion in Form von Petrus Granar und Rikard Sunden, stilecht in Uniformjacken, bekommen heute extra Kilometergeld, denn kaum ein Song vergeht ohne mehrmalige Seitenwechsel. Mit Gods And Generals geht das Set vorerst zu Ende, doch mit Tombstone werden die Fans noch zum Nachsitzen verdonnert. Weiter geht es in der Schweinebucht, bevor dann im großen Finale Rome fällt, mitten im Schramberger Wald.

Setlist Civil War:

01. USS Monitor
02. St. Patrick`s Day
03. Sons Of Avalon
04. Gettysburg
05. Lucifer`s Court
06. Custler`s Last Stand
07. Deliverance
08. Brother Judas
09. Braveheart
10. Gods And Generals
11. Tombstone
12. I Will Rule The Universe
13. Bay Of Pigs
14. Rome

Mit dem Headliner des Abends wird es düster und episch, die bayrischen Pagan Metaller Equilibrium rocken den Acker. Die Bühne ist spärlich beleuchtet und zwei kahle Bäume dienen als Dekoration. Vor der Bühne ist es schlagartig voll geworden und erste Sprechchöre setzen ein, offenbar sind viele extra für den Hauptact gekommen. Mit dem Intro gehen zahlreiche Hände und Bierbecher in die Höhe und sofort kommt Bewegung in die Menge. Im Fotograben könnte ich gleich mal kotzen, das gute alte Stroboskoplicht ist zurückgekehrt auf die Bühnen der Metal Bands und das Blitzen nervt wie eh und je. Mit Prey und Heimat, vom immer noch aktuellen Album Armageddon, finden die Bayern einen guten Einstieg, doch mit Unbesiegt oder dem Equilibrium Song schlechthin, Blut Im Auge, schaffen es natürlich auch einige Klassiker auf die Ackerbühne. Kein Wunder, immerhin feiert die Band mit ihrem sagenhaften Sagas Album in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum. Die Stimmung ist bestens, doch so richtig gehen die Metalheads erst bei den alten Klassikern ab. Plötzlich wird auch lauthals mitgesungen, die Haare kreisen noch ein wenig wilder und auch der eine oder andere Crowdsurfer muss von der Security herausgefischt werden. Als Frontmann Robert Dahn alias Robse dann zur Wall of Death auffordert, gibt es im Publikum kein Halten mehr. Entgegen ihrer Namensbedeutung bringt man das Publikum hier sehr wohl aus dem Gleichgewicht, aber die Band liefert auch eine energiegeladene Show ab, die in keinster Weise altbacken und gefühllos wirkt. Die Musiker sind Profis und verlangen sich selbst alles ab. Mit Heimwärts befindet sich natürlich auch der Song in der Setlist, den das Publikum dann später dringend benötigt, um betrunken in Richtung Zelt oder WoMo zu schwanken. Die Menge ist begeistert und feiert ausgelassen, bis Born To Be Epic alle in die Nacht entlässt.

Danach dürften jedem im Infield die Nackenmuskeln wehtun, doch die ganz Hartgesottenen bekommen ab 00:30 Uhr mit Arise From The Fallen noch einmal Gelegenheit, alles zu geben. Metalcore brauche ich jedoch jetzt ganz und gar nicht mehr und so kämpfe ich mich für heute ein letztes Mal die Wiese hinauf und begebe mich in die Waagerechte.

Am Samstagmorgen ist es um 6:30 Uhr mit der Nachtruhe vorbei, die ersten Pfandsammler ziehen lärmend über das Gelände und selbst die Dixies werden schon lautstark geleert und gereinigt. Nun gut, schlafen konnte ich eh nicht mehr, da mein Auto nicht so wahnsinnig bequem ist und ich irgendwie jeden Knochen im Leib spüre. Das blöde Rothaus Bier hat mir zudem noch einen dicken Schädel bereitet, der aber mit ein paar frühen Krombachern schnell wieder in Betriebsbereitschaft gebracht ist. Frühstück gibt es erst ab 9 Uhr, das dann aber mit Grillwurst, Fleischkäse im Weckle, oder Eiern mit Speck recht üppig ausfällt. Jabbadabbadoooo…., bereit für neue Schandtaten ….

Ab 10 Uhr ist dann Frühschoppen mit Livemusik angesagt und es wird nun echt Hardcore. Nein, natürlich spielt hier zur frühen Morgenstunde keine Hardcore Band, aber das Edelweiss Echo aus dem Schwarzwald ist mindestens genauso Hardcore. Die Familienband aus Tennenbronn ist auf dem Acker schon Tradition und was auf dem Holy Ground mit den Wacken Fire Fighters funktioniert, das geht auch hier auf dem Schwarzwald Acker. Direkt neben der Frühstücksstation serviert uns die Familie zünftige Volksmusik und Schlager à la Helene Fischer, Udo Jürgens, De Randfichten oder auch die Kastelruther Spatzen. Anfangs ist das langhaarige, tätowierte Publikum noch etwas skeptisch, aber nach ein paar Bier klappt es dann immer besser. Bei Dauerregen wird geschunkelt und die gute Helene wird sogar mitgegrölt. Rothaus macht es möglich und so finden sich sogar ein paar Kuttenträger, die vor der Bühne anfangen Walzer zu tanzen. Zur Not frisst der Teufel auch Fliegen und der Headbanger feiert mit den Wildecker Herzbuben. Als später dann auch vereinzelte Rockklassiker den Weg ins Repertoire finden, z.B. Satisfaction von den Rolling Stones, oder Mexico von den Böhsen Onkelz, da sind die Metal Freaks nicht mehr zu halten. Immer mehr Kuttenträger finden den Weg vor die Bühne und feiern das Edelweiss Echo, allen voran ein paar hartgesottene Dorfrocker im Edelweiss Echo Suporters Shirt. Die vierköpfige Familienband kommt nicht von der Bühne herunter, denn eine Zugabe nach der anderen wird gefordert. Wer zum Teufel sind schon Sepultura, wenn man das Edelweiss Echo haben kann?! Nach gut drei Stunden ist dann trotzdem Schluss, damit auf der Hauptbühne der Soundcheck durchgeführt werden kann.

Metallisch wird es auf der Hauptbühne erst wieder ab 15:30 Uhr mit Atlaphere aus Oberkirch bei Achern. Die fünfköpfige Band heizt den Metalackerbesuchern schon am Nachmittag mit ihrem melodischem Post-Hardcore ein, in den sie aber auch verschiedene andere Elemente einfließen lassen. Der leicht punkig angehauchte Hardcore erinnert etwas an Billy Talent oder Ignite. Die noch junge Band, die sich erst 2015 zusammenfand, um den Frontmann Bene spielt sich wortwörtlich den Arsch ab und geht gut nach vorne. Man sieht den Jungs an, dass sie richtig Bock haben den Acker zu rocken, aber die Resonanz im Publikum hält sich in Grenzen. Nur wenige finden den Weg vor die Bühne und feiern mit den Oberkirchern. Überhaupt ist auf dem Gelände noch nicht allzu viel los, viele hängen noch auf dem Camp ab und regenerieren sich vom gestrigen Tag oder schlafen den ersten Rausch vom Frühschoppen aus.

Das ändert sich dann aber schlagartig mit der zweiten Band des Tages, Call Of The Sirens aus der Südpfalz. Der erste Anblick, ein paar Jungs in durchlöcherten Shirts und mit rot / schwarz beschmierten Gesichtern, lässt nichts Gutes erwarten, denn das Outfit hat jeder schon gefühlte Hundert mal gesehen und wirkt ausgelutscht. Zunächst ist auch hier nicht viel los, doch es dauert nicht lange und es zieht immer mehr Zuschauer vor die Bühne. Die fünf Pfälzer eröffnen mit dem Song Megalodon und machen gleich klar, dass sie den Acker nur mit ein paar neuen Fans im Gepäck wieder verlassen wollen. Die 2010 gegründete Band um Frontmann Andre bezeichnet ihren Musikstil selbst als ein Mix aus Thrash und Melodic Death Metal, doch Metalcore oder Melodic Deathcore trifft es wohl etwas besser. Die Songs haben ordentlich Druck und klatschen brutal gegen das Trommelfell und reißen einfach jeden im Publikum mit. Die kompromisslosen Moshparts und die knallhart abgefeuerten Riffs zünden. Im Handumdrehen haben die Jungs das Infield im Griff und es wird gebangt und gemosht. Dass sie das Publikum so schnell in den Griff bekommen haben, das haben die Pfälzer nicht zuletzt ihrem bandeigenen Zoo zu verdanken, denn mal steht ein bangender und tanzender Hai auf der Bühne und animiert das Publikum zum Mitmachen, dann wieder ein Wolf in einem alten zerfetzten Hemd. Immer wieder stürzen sie sich auch mutig in die Menge und mischen im Circle Pit ordentlich mit, oder bangen mit den Fans gemeinsam um die Wette. Der Platz vor der Bühne füllt sich immer mehr, die Hasswalze, die von der Bühne ausgeht, ist mega ansteckend. Aber auch Frontmann Andre haut seine Growls kompromisslos in die Menge und ist eine echte Rampensau, der wild über die Bühne tobt und nichts unversucht lässt, um die Meute mitzureißen. Ein bisschen fühlt man sich an As I Lay Dying oder Black Dahlia Murder erinnert. Für mich definitiv ein Highlight des bisherigen Festivals. Wie gut die Band beim Publikum ankam, ist dann im Anschluss bei der Autogrammstunde zu sehen.

Setlist Call Of The Sirens:

01. Megalodon
02. Tear Up My Eyes
03. Black Candles
04. Drunken Werewolf
05. Tealirium
06. Burn The Witch
07. Parasit
08. Mowing Devil
09. Contest Incest
10. Nutcracker

Mit der nächsten Band kommt etwas Farbe auf den düsteren Metalacker. Angetreten sich Deep Sun, eine Female Symphonic Metal Band aus dem Kanton Aargau in der Schweiz, die ich bis dato noch nicht kannte. Der Name ist allerdings nicht Programm, denn mit einer tief stehenden Sonne könnte hier auf dem Acker wohl jeder gut leben, stattdessen zeigt sie sich aber gar nicht am regnerischen Himmel. Die Band konnte schon eine Menge Auftritte in der ganzen Schweiz absolvieren, doch der Gig auf dem Metalacker ist der Erste in Deutschland. Sofort zu Beginn des Auftritts fallen drei Dinge auf, zum einen die mächtige Sopranstimme der klassisch ausgebildeten Frontfrau Debora Lavagnolo, dann das leuchtend orangerote Kostümkleid der Sängerin und last but not least die sehr markanten Keyboardmelodien von Tom Hiebaum. Debora wirkt in ihrem Outfit wie eine Prinzessin aus 1000 und eine Nacht, als wäre sie gerade eben einem Märchen entsprungen. Spätestens mit Race Against Time und dem folgenden Walking Dead Man haben Deep Sun die wilde Meute auf ihrer Seite. Schade, dass der Sound nicht ganz stimmig ist, die Stimme von Gitarrist Pascal Töngi geht stellenweise völlig unter, sodass sich die Sängerin allein durch das Set schlagen muss. Das Publikum stört das jedoch wenig und feiert die Band und besonders die attraktive Sängerin. Es muss so sein, denn es ist schon auffällig, dass überwiegend männliche Zuschauer im Infield stehen. Mit ihrer Bühnenpräsenz kann Frau Lavagnolo überzeugen, doch es ist mir ein Rätsel, wie man sich in Stiefeln mit solchen Killerabsätzen überhaupt bewegen kann. Aber auch die anderen Bandmitglieder gehen mit voller Hingabe und Spielfreude zur Sache. Auch die Setlist ist stimmig, die beiden bisherigen Alben Flight Of The Phoenix und Race Against Time werden in etwa gleichermaßen berücksichtigt, aber vor allem das ganz in Deutsch gesungene Des Königs Krieger sticht besonders hervor. Eigentlich war ich der Meinung, mit Bands wie Nightwish, Within Temptation, Epica, Delain, Sirenia, Therion, After Forever, Xandria, Leaves Eyes, Laguna Coil, Evanescence, Beyond The Black, Tristania, Amaranthe, ReVamp, Edenbridge … wäre dieses Genre mehr als hinreichend ausgelutscht, doch alleine mit diesem einen deutschen Song können sich die Schweizer von allen etablierten Bands absetzen. Wiedererkennungswert und somit Daseinsberechtigung sind gegeben.

Setlist Deep Sun:

01. Intro
02. Hero
03. Race Against Time
04. Walking Dead Man
05. Riders Of Death
06. Flight Of The Phoenix
07. Relentless Resistance
08. Circle Of Witches
09. The Believer
10. Des Königs Krieger
11. The Pattern
12. Good Old Times

In den Abendstunden gehen die Temperaturen auf der Trombachhöhe rapide in den Keller, was aber nicht zwingend mit der folgenden Band Winterstorm zu tun hat. Die folkigen Power Metaller aus dem Raum Bayreuth haben sich ein Plätzchen in der Mitte der heutigen Running Order gesichert. Als Frontmann Alexander Schirmer und seine Mannen druckvoll mit Pacts Of Blood And Might in das Set einsteigen, kann man zuschauen, wie viele Metaller die Beine in die Hand nehmen, um eilig vor die Bühne zu kommen. Die Stimmung ist von Beginn an aufgeheizt und Fäuste und Pommesgabeln werden in den Abendhimmel gereckt. Die Fans machen es der Band leicht und trotzdem lässt Schirmer die Rampensau raushängen und tut alles, um die Leute noch weiter auf Betriebstemperatur zu bringen. Zu Kings Will Fall springt er wild über die Monitore und zu Winterhumppa schunkelt er fröhlich mit den Fans zur Akkordeonmusik. Zwischen den Songs witzelt er über das Wetter, demnach kämen die momentanen Temperaturen dem Winterstorm ja sehr nahe, während Deep Sun zuvor ihrem Namen nicht gerecht geworden seien. Aber schließlich ständen im Anschluss ja auch noch Eisregen auf dem Programm und man könne gespannt sein, was da für Wetterkapriolen auf uns zu kämen. Winterstorm haben ihre Livequalitäten ja schon oft unter Beweis gestellt und werden ihrem Ruf als geile Liveband auch hier wieder gerecht. Die Band ist gut eingespielt und alles passt irgendwie, was sich dann auch so auf das Publikum überträgt. Durch die mehr als deutliche Folk Schlagseite erinnern die Power Metaller etwas an die Arnsberger Orden Organ, ohne jedoch Imitatoren von Sebastian Levermanns Baby zu sein. Ein rundum gelungener Auftritt, bei dem alle Seiten zufrieden sind.

Der Eisregen Auftritt auf dem Metalacker wird wohl genauso sehr erwartet, wie der anschließende Gig von Sepultura. Eine Menge Fans in Eisregen Shirts laufen zumindest auf dem Gelände rum und die Jünger der Thüringer sind ja dafür bekannt, dass sie der Band überall hin zu den Konzerten hinterherfahren. So ist es nicht verwunderlich, dass das Infield schon während der Umbaupause brechend voll ist und schon früh erste Eisregen Rufe laut werden. Der von Alexander Schirmer zuvor prophezeite Eisregen bleibt bisher jedoch aus, es ist wider Erwarten trocken, aber richtig kalt. Klar, dass die Thüringer Dark Metal Walze hier noch einmal alles gibt und so rollt Blutkehle Michael Roth auch wie ein Panzer über den Metalacker und reißt alles mit. Wobei das Rollen nicht wörtlich gemeint ist, denn viel Bewegung entsteht nicht auf der düster gehaltenen Bühne. Die Band überzeugt durch ihre provokanten Songs und der gewaltigen Stimme von Roth. An der Band scheiden sich bekanntlich die Geister, doch mich fasziniert die Stimme, die mal ein humorvoller Mörder und im nächsten Moment ein kreischender Wutzwerg ist, immer wieder aufs Neue. Offenbar bin ich damit nicht alleine, denn der Acker rastet zu Songs wie z.B. Mein Gott Ist Ein Panzer regelrecht aus. Bei Panzerschokolade grölt das Publikum lauthals mit und auch bei 1000 Tote Nutten sorgt die Blutkehle dafür, dass die Fans lautstark aushelfen. Im Laufe des Auftritts haut Roth noch eine ganze Reihe dieser berüchtigten Klassiker in den nächtlichen Himmel, aber auch neuere Songs wie z.B. Satan Liebt Dich werden hier gut aufgenommen und mitgebrüllt. Das Highlight ist jedoch Elektro Hexe, bei dem noch einmal alles aus den Fans herausgeholt wird. Ein grandioser Auftritt und definitiv ein Highlight des Festivals, das stimmungstechnisch nun von Sepultura nur schwer zu schlagen sein wird.

In der Umbaupause leert sich das Infield nun gar nicht mehr, im Gegenteil, auch die letzten Headbanger scheinen nun aus ihren Löchern zu kriechen. Vor der Bühne ist kein Durchkommen mehr und die Erwartungen sind hoch. Leider dauert der Umbau diesmal etwas länger, was bei den Temperaturen nicht besonders erfreulich ist. Scheiße, es ist Sommer, es ist Festivalzeit und es sollte warm sein, aber für August ist es abends ziemlich kalt. Als die Band, nach einer gefühlten Ewigkeit, dann auf die Bühne läuft, wird es laut, es wird gegrölt und gepfiffen. Nach dem Intro legen die Brasilianer mit I Am The Enemy, einem neuen Song vom Machine Messiah Album, los wie die Feuerwehr. Die Bühne ist leider noch düsterer gehalten wie zuvor schon bei Eisregen, sodass die Musiker oft nur als Silhouetten im Nebel zu erkennen sind. Frontmann Derrick Leon Green scheint gut drauf zu sein, denn immer wenn ihn mal ein Scheinwerfer erfasst, grinst er wie ein Honigkuchenpferd. Klar, die Menge ist bestens aufgeheizt und geht von Beginn an gut mit. Mit Phantom Self folgt ein weiterer neuer Song, bevor dann mit Kairos der erste ältere abgefeuert wird. Obwohl ich oft genug die Möglichkeit hatte, habe ich nach der Trennung von Sänger Max Cavalera keine Sepultura Show mehr gesehen. Von Konserve hat mich das neuere Material einfach nicht mehr so überzeugt und ich bin immer noch der Meinung, never change a winning team. Jetzt muss ich jedoch zugeben, live ist Derrick richtig geil, der Junge fügt sich gut ein und die Songs kommen mit ordentlich Druck rüber. Gitarrist Andreas Kisser hat sich seit damals kaum verändert, während Bassist Paulo Xisto Pinto Jr. kaum wiederzuerkennen ist. Er ist alt und grau geworden, dazu die kurzen Haare und der Bart. Ihre Instrumente beherrschen beide jedoch wie eh und je und Kisser hat auch das Posen nicht verlernt. Was folgt, ist natürlich ein Mix aus neuen Machine Messiah Songs und alten Klassikern. Beim Megasong Territory gibt es dann im Publikum kein Halten mehr, die Fans rasten aus und auch ich muss zugeben, die Cavaleras hätten den Song kaum besser präsentieren können. Der Oberhammer ist aber der Kisser, der immer präsent ist und mit Green die Show reißt. Vielleicht sogar mit kleinem Vorteil für den Gitarristen, klar, Heavy Metal Superstar. Obwohl nur mit einer Gitarre auf der Bühne fehlt es hier an nichts. Nach den drei Klassikern Desperate Cry, Refuse / Resist und Arise erwarte ich eigentlich schon dass Schluss ist, doch die Herren lassen sich gar nicht lange bitten und legen mit Slave New World, Resistant Parasites, Ratamahata und Roots noch einmal gewaltig nach. Sepultura sind live immer noch eine Macht und ich werde mir nun garantiert nicht wieder 20 Jahre Zeit lassen bis zum nächsten Konzert der Brasilianer.

Setlist Sepultura:

01. Intro
02. I Am The Enemy
03. Phantom Self
04. Kairos
05. Territory
06. Inner Self
07. Sworn Oath
08. Against
09. Choke
10. Boycott
11. Machine Messiah
12. Iceberg Dances
13. Desperate Cry
14. Refuse / Resist
15. Arise
16. Slave New World
17. Resistant Parasites
18. Ratamahata
19. Roots

Aufgrund der Tatsache, dass ich heute Nacht noch zurückfahren muss, ist für mich nach Sepultura Schluss. Zwar hätte ich auch die Melodic Death Metaller von Nachtschatten als Rausschmeißer gerne noch gesehen, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.

Fazit:

Wie schon in den letzten Jahren konnte der Metalacker auf ganzer Linie überzeugen. Ein kleines, feines, familiäres und friedliches Festival, das kaum Wünsche offen lässt. Von dem Preis / Leistungsverhältnis sollten sich viele andere Veranstalter mal eine Scheibe abschneiden. Klar, der Metalacker wird nur von ortsansässigen Vereinen auf ehrenamtlicher Basis organisiert und gestemmt, aber gerade deshalb ist es mehr als beachtlich, was hier auf die Beine gestellt wird. Klasse Location, freundliches, hilfsbereites Team, tolle Bands, super Service, perfekte Organisation, freundliche Security. Gute Verpflegung, auch wenn das Rothaus Bier nicht allererste Wahl ist. Kein Stress, kein Ärger, einfach nur Metal und Party, von Fans für Fans. Vielleicht sollte man im nächsten Jahr darüber nachdenken, ob man am Samstag nicht etwas früher die Tore öffnet und etwas eher mit den Bands beginnt. Vielleicht kann man ja zwei/drei kleinere Regio Bands dazu holen, die den Samstag dann eröffnen und schon mittags beginnen, denn der Samstag Vormittag, bis um 15 Uhr das Programm beginnt, zieht sich doch ganz ordentlich, vor allem, da man fernab der Zivilisation ist. Zwar gibt es das Angebot vom Tennenbronner Freibad, aber Ende August ist das Wetter ja nicht immer so toll, dass man schwimmen gehen kann, so wie in diesem Jahr eben. Etwas mehr Metalacker Merchandise wäre im nächsten Jahr auch nicht schlecht. Im letzten Jahr war früh alles weg und auch in diesem Jahr war schon am frühen Freitagabend nichts mehr zu kriegen. Ansonsten aber alles top. Wer den Metalacker bisher nicht auf dem Schirm hatte, sollte den Schwarzwald im nächsten Jahr unbedingt in seine Festivalplanung mit aufnehmen, aber Achtung, in diesem Jahr war ausverkauft, also früh genug um Tickets kümmern!

In diesem Sinne, weiter so, freue mich auf den Metalacker 2019…

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