Mortal Peril – Digital Idol

Kölner Thrasher legen tolles Album hin

Artist: Mortal Peril

Herkunft: Köln, Deutschland

Album: Digital Idol

Genre: Thrash Metal, Heavy Metal, Heavy Thrash Metal

Spiellänge: 45:22 Minuten

Release: 28.03.2020

Label: FTWCTP Records

Link: https://mortal-peril.de/

Bandmitglieder:

Bass, Gesang – Jan Radermacher
Gitarre, Hintergrundgesang – Pete Rode
Gitarre – Lukas Haines
Schlagzeug – Jonas Linnertz

Tracklist:

Seite A:

  1. End Of Days
  2. Don’t Forgive
  3. Digital Idol
  4. People Of War
  5. Siege Of Kobani

Seite B:

  1. Monster
  2. Warchild
  3. Flashback
  4. Misantropic Messiah
  5. Jin Division

 

Bei der jährlichen Inventur unseres Promomaterials ist er mir dann dieses kleine Juwel in die Hände gefallen…. So hätte ich jetzt natürlich anfangen können, das wäre aber gelogen. Dieses kleine Juwel (ja Leute, das ist es) hat über einen etwas anderen Weg zu mir gefunden. Dieser Weg beginnt mit meinem Review zu Asmodinas Album Inferno (hier kommt ihr zum Review), der ehemaligen Band von Angela Gossow. Dazu erhalte ich eine Rückmeldung in meinem Postfach von einem gewissen Peter Rode, den ich über einen Gig seiner Band Mortal Peril beim Field Invasion Festival kennengelernt habe. Der schreibt mir ein paar Sätze zu meinem Review und dass er einige Zeit Gitarrist von Asmodina war. Sehr interessant, so finde ich. Ich schaue noch mal in den Analen von Asmodina nach und ja, da wird als ehemaliges Bandmitglied an der Gitarre ein Pete Zimmermann angegeben…. So schließt sich der Kreis.

Peter Rode sagt mir dann auch, dass seine jetzige Band Mortal Peril im März letzten Jahres ein neues Album herausgebracht hat. Ihr Album Digital Idol ist am 28.03.2020 über FTWCTP Records als Vinyl erschienen. Zudem ist es noch digital verfügbar. Der Veröffentlichungstermin hat für die Band für einen schweren Schlag gesorgt, denn sie kann coronabedingt keine Konzerte geben und sitzt nun auf dem Vinyl.

Wer die Kölner Mortal Peril noch nicht kennen sollte, hier die notwendigen Kurzinfos: Die Band gründete sich 2012. Im aktuellen Line-Up ist man bereits seit 2016 zusammen. Digital Idol ist nach Walking On Hellish Trails (2015) und The Legacy Of War bereits das dritte Album der Thrasher.

Sie nennen ihre Art Musik zu machen Heavy Thrash und führen dies auf den Versuch zurück, Thrash amerikanischer Orientierung mit Heavy Metal britischer Prägung zusammenzuführen. Nun gut, das kann man machen und es hört sich zudem recht spannend an.

Und die neue Platte zeigt, dass Heavy Thrash eine recht spannende Angelegenheit ist. Was bereits beim ersten Song End Of Days auf der A-Seite des Vinyls auffällt, ist der absolut saubere Klang. Die einzelnen Instrumente sind wunderbar zu vernehmen. Nicht kaputt produziert, wie es manchmal ist, wenn (Thrash) Bands ein gutes Album veröffentlichen wollen. Nein, trotz toller Produktion ist Digital Idol absolut authentisch und lässt nichts, was Thrash Metal ausmacht, vermissen. Auffallend ist die tolle Arbeit am Schlagzeug. Das ist auf dem Punkt genau, das Schlagzeug treibt unheimlich, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Das macht schon einmal richtig Spaß.

Don’t Forgive macht da gleich weiter. Thrashiger Grundrhythmus und ja, die Heavy Metal Einflüsse sind unverkennbar.

Der Titelsong Digital Idol ist ein recht melodischer Song, der sich immer mehr entwickelt. Ich würde sagen, noch ein Stück mehr Heavy Metal lastiger als die beiden vorangegangenen Songs und er kann gewiss auch die Old School Heavy Metal Fraktion neben den Thrashern überzeugen. Die Gitarrenarbeit schreit hier quasi zum Himmel. Käme dieser Song von einer Band mit wesentlich höherem Bekanntheitsgrad auf dem Markt, könnte Digital Idol aus meiner Sicht durchaus auch ein Radiohit werden.

Nachdem der Thrashgedanke etwas weiter zurückgefahren war, kommt nun mit People Of War einiges mehr in diese Richtung wieder rein. Das Tempo wird angezogen, die Gitarren krachen und lassen auch einmal einen Mustang aufheulen.

Hatte ich schon etwas zu den Voices von Jan Radermacher gesagt? Nein!? Dann muss ich es doch zwischendurch mal loswerden, dass die hier wie die Faust aufs Auge passen. Eine leicht angeraute, absolut zum Rest passende Stimme.

Der letzte Song der A-Seite The Siege Of Kobani kommt recht hymnisch rüber mit erneut mehr Heavy Metal Anteilen. Obwohl er wesentlich hymnischer und auch mehr Heavy Metal als die vorangegangenen Songs ist, gefällt er mir sehr gut. Ich bin ja eigentlich dem Thrash mehr zugetan als dem Heavy Metal, aber das Ding zündet total. Toller Gesang, tolle Gitarren, erstklassige Unterhaltung. Ein Song mit Ohrwurmcharakter. Puuh, bisher alles sehr geil auf der Platte, nun bin ich auf die B-Seite gespannt.

Monster, der Opener der B-Seite, ist sprichwörtlich ein Monster, ein Thrash Monster. Da wird die Sau mal richtig durch Dorf getrieben. Einen gehörigen Anteil hieran haben die Drums. Ein Monster, wie ich es mag!

Warchild kommt zunächst doch sehr gemächlich daher. Die ersten Takte erinnern mich sogar ein wenig an Rockklassiker, wie zum Beispiel The House Of The Rising. Dann reißt plötzlich der Himmel auf und Warchild stampft richtig vor sich hin, dies erneut mit genialer Gitarrenarbeit und toll von der Rhythmusfraktion getrieben.

Flashback wirkt oldschoolmäßig dreckig, eine kleine Zeitreise zurück in Zeiten, die noch unbeschwert waren. Das Ding geht einfach ab und besitzt eine Menge Groove und auch Melodie. Ein Höhepunkt unter vielen Höhepunkten auf dieser Platte. Hätte mein Plattenspieler einen Repeatknopf, würde der bei diesem Song heißlaufen. Misantropic Messiah folgt auf Flashback in ähnlicher Manier, so als ob Mortal Peril jetzt richtig Blut geleckt hätten.

Jin Division, der längste Song auf dem Album, schließt es in epischer Breite ab. Dies sowohl mit Heavy Metal und Thrash Anteil. Jin Division steht quasi Pate dafür, was Mortal Peril unter Heavy Thrash verstehen!

Ich glaube, ich hätte mich in den Arsch gebissen, wenn ich zu diesem Album nicht noch ein Review geschrieben hätte. Ein Album, welches es letztes Jahr bei mir durchaus auf die Bestenliste geschafft hätte. So hat die Veröffentlichung von Asmodinas Inferno im letzten Jahr für mich noch einen ganz anderen Effekt gehabt!

Ich werde mich übrigens in Kürze noch mit Peter Rode über die aktuelle Situation (neues Album inmitten der Corona-Pandemie) und auch über Vergangenes in der Kölner Szene (Asmodina, Angela Gossow usw.) unterhalten. Da könnt ihr dann bei uns in Time For Metal dran teilhaben und es nachlesen.

Mortal Peril – Digital Idol
Fazit
Digital Idol ist so etwas wie ein Dachbodenfund, den man nicht mehr hergeben möchte. Die Kölner Mortal Peril haben mit Digital Idol ein umwerfendes Album hingelegt, welches ihnen wohl bei Livekonzerten aus den Händen gerissen würde. Geiler Heavy Thrash, der sowohl die Oldschooler als auch die Newcomer unter den Metallern erfreuen dürfte. Leider kam die Veröffentlichung zeitgleich mit Corona und die Jungs können es der Metalwelt nicht vorführen. Ein Album, welches viel zu schade ist, um auf dem Dachboden zu verrotten. Die geneigten Fans sollten hier sofort zugreifen, zumal das Vinyl auf gerade mal 250 Stück (handnummeriert) limitiert ist. Sowohl Heavy Metal, als auch Thrash Metal Fans werden hier gleichsam gut bedient.

Anspieltipps: End Of Days, Monster und Flashback
Juergen S.
9.4
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9.4
Punkte
Podcast
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