Moscow Death Brigade – Boltcutter

“Ein wenig wie Hollywood Undead

Artist: Moscow Death Brigade

Herkunft: Moskau, Russland

Album: Boltcutter

Genre: Hip Hop, Hardcore Punk

Release: 26.01.2018

Label: Fire and Flames Music

Link: https://de-de.facebook.com/moscowdeathbrigade/

Bandmitglieder:

Gesang – Ski Mask G
DJ, Gesang – Boltcutter Vlad

Tracklist:

  1. Renegade Stomp
  2. What We Do
  3. Anne Frank Army, Pt. II
  4. Boltcutter
  5. All for one
  6. Straight Outta Moscow, Pt. II
  7. Collateral Murder
  8. Brother & Sisterhood
  9. Rudegirl Warrior
  10. Crocodile Style
  11. One for the Ski Mask
  12. Papers Please!

Sie kommen aus Russland, gehören zu Bands bzw. Gruppen, welche sich nicht davor scheuen, eine eindeutige politische Positionen zu ziehen und waren wohl bis vor kurzer Zeit noch eher ein Geheimtipp: Die Gruppe Moscow Death Brigade verbindet Hip Hop mit Hardcore- und Punk-Elementen und scheint sich dabei wohl nicht mit Statements zurückzuhalten. Zumindest, was die musikalische Ausrichtung angeht, klingt das fast ein wenig nach Hollywood Undead, und man darf da wohl gespannt sein. Dazu passt, dass die Jungs nun am 26. Januar ihr neues Album Boltcutter rausbringen. Doch kann das Konzept überzeugen, oder bleiben sie eher im Schatten?

Der Opener Renegade Stomp klingt zumindest schon etwas nach Hollywood Undead – und ja, dieser Vergleich wird hier nicht so schnell abreißen, schließlich sind die Herren doch fast schon ein wenig einzigartig mit ihrer Kombination aus Metal und Hip Hop. Moscow Death Brigade jedenfalls werfen noch eine zusätzliche Portion Techno hinzu, und hier scheinen definitiv diese Elemente zusammen mit den Hip Hop-Parts zu überwiegen. Dennoch kann man sich Renegade Stomp durchaus mit guter Stimmung live vorstellen, wer allerdings auf solchen Konzerten anzutreffen ist, dürfte hier wieder die andere Frage sein. Und was sich an Sachen Techno bereits im Opener gezeigt hat, beweist auch What We Do, der den Techno direkt von erster Sekunde an aus der Tüte packt. Hier kommt es wohl tatsächlich auf den eigenen Gefallen an, haben sich doch Moscow Death Brigade eindeutig mit Boltcutter musikalisch ein wenig von ihren alten Platten wegorientiert. What We Do eskaliert nicht ganz so schön wie Renegade Stomp, und auch die sonstigen Elemente wissen nicht ganz zu überzeugen. Es scheint fast, als könne man die Gruppe hier nicht wirklich ernst nehmen, und unweigerlich erscheint der Begriff „Gangster Rap“ vor meinem geistigen Auge.

Diese Lage bessert sich wieder mit Anne Frank Army, Pt. II, welcher definitiv von seiner traurigen Grundmelodie bis hin von den Rap Parts weitaus mehr zu überzeugen weiß: ernsthaft, melancholisch und auf den Punkt – genau so hatte man sich das gewünscht und auch vorgestellt. Auch hier ist der Anteil an Punk oder gar Hardcore natürlich auf fast 0, insgesamt scheinen sich die Jungs von diesen auf der neuen Platte zu distanzieren. Aber als Hip Hop Fan kann man Anne Frank Army, Pt. II auf jeden Fall genießen. Der Titeltrack Boltcutter versteht es wieder, etwas mehr Hardcore leben zu lassen, als es bisher der Fall war. Die hier eingebauten Techno Elemente stören zwar noch immer etwas, aber unterstützen zumindest meist die musikalische Ausrichtung, die hier etwas zwischen Techno und Hardcore hin und hergerissen scheint. Ja, ein wenig klingt Moscow Death Brigade hier wieder nach Hollywood Undead – wenn auch nach einem eher schlechtem Abklatsch. Der Techno Interlude in der zweiten Hälfte weiß allerdings zu überzeugen. Hier dürfte sich Live wieder so einiges entwickeln. All For One punktet durch eine interessante instrumentale Ausrichtung, die vor allem mit Bässen und Klängen zu gefallen versteht und hier wieder harmonischer mit dem Gesang zusammenarbeitet. Ein gewisses Gefühl von Einigkeit und Energie strahlt All For One noch zusätzlich aus.

Ein interessantes Level präsentiert Collateral Murder, einfach weil hier ein sehr besonderer Beat abgeliefert wird mit Raps, die sich fast von selbst zu überholen erscheinen. Es macht dabei durchaus Spaß zuzuhören, wenn man auch sehnlichst ein wenig mehr Gitarren gebrauchen könnte. Hier wird die neue Ausrichtung von Moscow Death Brigade noch einmal deutlicher und wird sich wohl auch bis zum Ende des Albums nicht mehr viel ändern. Musikalischen Tiefffall gibt es dann auch noch, wenn das Wort „Gangster Rap“ wieder vor meinem inneren Auge auftaucht, denn Brother & Sisterhood hat zwar einen inhaltlich schönen Titel, musikalisch erscheint hier aber jeder Stil abhanden zu kommen, und man kann leider weder den Text noch den Rest richtig ernst nehmen. Auch hier gilt natürlich: Der Song selbst ist wohl einfach typisch Hip Hop und dürfte vielleicht doch so manchen Fans gefallen, wenn man sich eben dafür erwärmen kann. Zumindest die zweite Hälfte wertet das Gesamtwerk wieder etwas auf.

Wer wenigstens etwas Gitarren braucht, sollte sich One For The Ski Mask nicht entgehen lassen, denn hier findet man sie nun: die schwer vermissten Gitarren! Insgesamt zeigt sich dieser Bonustrack als einer der stärksten Songs der ganzen Platte, hat man doch das Gefühl hier nun endlich ein wenig mehr das ältere Moscow Death Brigade zu hören und auch kennenzulernen. Und die Hoffnung, dass Bonustrack Nummer Zwei auch etwas mehr alte Qualität aufzuweisen hat, wird nicht enttäuscht: Papers Please! überzeugt mit ähnlichen Elementen, und man hätte sich fast ein ganzes Album im Stil, wie die zwei Bonustracks es zeigen, gewünscht.

 

 

Fazit: Nun, was bleibt da noch zu sagen? Moscow Death Brigade liefern eine ähnliche Stilrichtung wie Hollywood Undead es tut, ein Genremix, der leider viel zu wenig auf gute Art und Weise umgesetzt wird. Mit ihrem neuen Album Boltcutter, welches am 26. Januar veröffentlicht wird, trennen sich die Jungs aus Russland allerdings ein wenig zu stark von den Gitarren und allem, was sie eben von "normalen" Hip Hop Gruppen zu unterscheiden verstand. Was bleibt, ist eine Platte, die durchaus Spaß macht, wenn man denn mit Techno etwas anzufangen weiß, aber leider sich zu häufig am Gangster Rap vorbei bewegt - sich die dann auf der Bühne in Masken vorzustellen, hilft da nicht unbedingt.

Anspieltipps: One for the Ski Mask, Papers Please!, Anne Frank Army, Pt. II
Anabel S.
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