Nothing But Thieves – Moral Panic

Bei mir sind die Diebe nicht wirklich fündig geworden

Artist: Nothing But Thieves

Herkunft: South On The Sea, Großbritanien

Album: Moral Panic

Spiellänge: 43:02 Minuten

Genre: Alternative Rock, Indie Rock, Hard Rock

Release: 23.10.2020

Label: Sony Music

Link: https://www.nbthieves.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Conor Mason
Gitarre – Joe Langridge-Brown
Gitarre – Dominic Craik
Bassgitarre – Philipp Blake
Schlagzeug – James Price

Tracklist:

  1. Before We Drift Away
  2. Free If We Want It
  3. Impossible
  4. Individual
  5. Is Everybody Going Crazy
  6. Moral Panic
  7. Phobia
  8. Real Love Song
  9. There Was Sun
  10. This Feels Like The End
  11. Unperson

Die mir unbekannten Nothing But Thieves veröffentlichen die Tage ihr drittes Langeisen. Nach dem selbst betitelten Debüt (2015) und Broken Machine (2017) kommt mit Moral Panic ein neues Album auf den Markt. Die Engländer spielen dabei eine Mischung aus Alternative Rock, Hard– und Indie Rock. Damit konnten sie in ihrem Heimatland bereits von sich reden machen und auch in den Staaten der Schweiz und Österreich sind sie bekannt. Bei uns hält sich das noch in Grenzen, obwohl sie mit dem letzten Album zumindest kurz auf Platz 67 der Charts standen. Ob sie hier punkten können, wird sich zeigen.

Bereits der Opener zeugt von guter Qualität. Hier zwar noch etwas verhalten, kann gerade Sänger Conor Mason überzeugen. Das eher verhaltene Stück überzeugt letztendlich durch die ansteigende Intensität, die sich zum Ende hin wieder zurückbewegt. Geht das so weiter, Hut ab, auch wenn es so gar nichts Metallisches ist. Auch beim folgenden schnelleren Free If We Want It wird überdeutlich, dass die Stimme hier der große Überzeugungsfaktor ist. Die flotte Melodie inklusiv eines guten Refrains kann zupacken. Spätestens als Conor dann etwas lauter wird, ist das großes Kino. Auch seine Mitstreiter können sich hören lassen. Geile Klampfe zum Ende hin, die dem Track noch mal einen Kick versetzt. Auch mit Impossible haben sie alles richtig gemacht. Der sich leicht leidend anhörende Conor Mason überzeugt auf der ganzen Linie, auch wenn an der einen oder anderen Stelle eine leichte Muse Ähnlichkeit auftaucht.

Und dann wird es leider anders. Individual ist so ein Song, bei dem ich nicht weiß, ist es Fisch, Fleisch oder doch eher vegan? Das ist Rock, bei dem man nicht genau weiß, ob Alternative oder doch eher Hard Rock? Nee, passt nicht, das ist irgendetwas, was bestimmt seine Anhänger hat. Würde ich diesen Song als ersten der Platte hören, würde ich das nicht weiter hören wollen. Ganz anders dann Is Everybody Going Crazy. Gute Melodie, dazu Masons hoher Gesang, der aber auch mal in die tieferen Lagen wechselt. Leider ist die Qualität der überlassenen Version eher schlecht, sodass über das Mixing kein Urteil möglich ist. Es hört sich ab und an sehr wischi waschi an. Bässe und Drums kommen aber gut zum Einsatz und die Gitarrenfraktion hat ihre Momente, ohne arg in den Vordergrund gemischt zu sein. Das ist ohne Weiteres gut anhörbar.

Mit dem Titeltrack geht es weiter und der gehört wieder in die Reihe der nicht so überzeugenden Songs. Er ist zwar recht flott, hat ’ne gute Gitarre zu bieten, aber hier geht die Stimme oftmals im Sound unter. Nicht so schlecht, aber da gab es überzeugendere Tracks. Phobia schließt sich an und lässt einen zunächst aufhorchen. Der Bass tupft aus den Boxen und unterstützt Mason eindrucksvoll. Wieder eine Assoziation zu Muse. Aber eigentlich gefällt es und der Song schleicht sich ganz langsam in die Wohlfühlzone. Und dann? Plötzlich setzen Gitarren ein, die den schönsten Mittagsschlaf so unsanft unterbrechen, als wenn die Müllabfuhr vorm Fenster Sperrmüll abholt. Das braucht kein Mensch. Das ist mir an dieser Stelle zu viel Alternative. Damit haben sie mich unsanft geweckt und auch der folgende Track lässt es nicht besser werden. Der Real Love Song verbreitet wenig Liebe und auch There Was The Sun trifft mich nicht mehr richtig, auch wenn beim Letzteren eine recht ordentliche Melodie zustande kommt. Es geht mir nun zu stark in eine Richtung, die mir einfach nicht zusagt. Da wird für meine Ohren nichts Besonderes geboten, eher so 08/15 Nummern. Das war zu Beginn noch anders. Eigentlich könnte der mit elektronischen Einflüssen gespickte Song This Feels Like The End auf das nahende Ende hindeuten und dem ist auch so. Nochmals können gute Gitarrenparts für etwas Versöhnung sorgen, ansonsten eher unspektakulär. Dann wird mit Unperson noch einer losgelassen und der lässt das Album in keiner guten Erinnerung zurück.

Nothing But Thieves – Moral Panic
Fazit
Wer auf Alternative Rock steht und für Experimente offen ist, ist hier bestimmt richtig. Auch Sony Entertainment muss etwas Gutes gesehen haben und so sind sie bei einem großen Label untergekommen. Einem Metalfreund würde ich hier abraten, der kann damit nicht so viel anfangen. Das ist alles zu sehr von anderen Genres beeinflusst und selbst die Hard Rock Anteile, die da sein sollen, sucht man vergebens. Wer aber solche Sachen, die nicht eindeutig zuzuordnen sind, mag, der wird nicht enttäuscht. Für mich sind trotzdem schöne Passagen und Songs zu finden und die Stimme Conor Masons sagt mir an vielen Stellen zu. Aber vieles ist dann einfach nicht meins und selbst bei viel Toleranz komm ich mit vielen Tracks nicht klar. Kaufen würde ich die Platte nicht.

Anspieltipps: Free If We Want It, Impossible und Is Everybody Going Crazy
Kay L.
6.7
Leser Bewertung2 Bewertungen
8.6
6.7
Punkte
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