Obscure Fall Shadows: Stellungnahme zur Konzertabsage durch Bürgermeister

Konzertabsage war rechtens, Versäumnisse liegen beim Veranstalter

Der Fall des Obscure Fall Shadows Black Metal Open Air im hessischen Mörlenbach schlug am letzten Wochenende hohe Wellen, doch wie so oft – meist wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird.
Eigentlich sollten am letzten Samstag, dem 12. September 2020, die Bands Darvaza, Verdunkeln und Sköhsla beim ausverkauften Black Metal Open Air Obscure Fall Shadows beim Landgasthaus Zur Schönen Aussicht in Mörlenbach aufspielen, so war es vom Veranstalter Drohende Schatten Concerts zumindest geplant. Leider kam es letztendlich anders, denn laut Berichten von wütenden Fans wurde das Konzert durch den Mörlenbacher Bürgermeister Jens Helmstädter ganz kurzfristig, eine Stunde vor Einlass, verboten. Die Wut der Fans war durchaus gerechtfertigt, denn viele sind am Samstag mehrere Hundert Kilometer weit angereist und wollten einen schönen Abend bei schwarz-metallischen Klängen verbringen. Warum auch nicht, schließlich hatten sie eines der begehrten, durch COVID-19 auf 250 Stück begrenzten Tickets ergattert und das Konzert war im Vorfeld nicht durch den Veranstalter abgesagt worden. Die italienisch/norwegischen Darvaza sollten zudem ihr einziges Konzert in Deutschland in diesem Jahr spielen.
Am Samstag ließen die Fans dann auch nicht lange auf sich warten, am Mittag waren bereits etwa 200 Fans vor Ort. Die Welt war in Ordnung, der Aufbau war abgeschlossen und Techniker und Bands waren ebenfalls bereits angekommen. Die Vorfreude war groß und dementsprechend lief das Bier in Strömen, jedenfalls bis gegen 13:30 Uhr der Mörlenbacher Bürgermeister in Begleitung des Ordnungsamtes und der Polizei am Eventgelände aufkreuzte. Kurzerhand wurde allen Anwesenden mitgeteilt, dass die Veranstaltung aufgrund einer vorliegenden Verbotsverfügung des Verwaltungsgerichtes Kassel nicht stattfinden kann. Die Festivalbesucher wurden nach Hause geschickt und der Veranstalter wurde aufgefordert, unverzüglich mit dem Abbau zu beginnen.
Am frühen Abend musste die Polizei ein weiteres Mal anrücken, da viele Fans zwischenzeitlich zurückgekommen waren zum Veranstaltungsgelände. Erst jetzt äußerte sich der Veranstalter zur Situation, erklärte, dass die Techniker mittlerweile nach Hause gegangen sind und der Abbau im Gange sei und dass es definitiv keine Livemusik geben würde. Er schimpfte auf ein mieses Spiel, das schon seit Tagen zwischen verunsicherten Anwohnern und dem Bürgermeister gelaufen sein soll.
Wir baten daraufhin den Veranstalter Drohende Schatten Concerts, sowie den Bürgermeister aus Mörlenbach um ein Statement, um die Hintergründe, die zur Absage des Obscure Fall Shadows führten, zu durchleuchten. Zwar steckt die ganze Veranstaltungsbranche momentan in einer tiefen Krise und Veranstalter von Konzerten haben einen schweren Stand, denn wer will heute schon mit Sicherheit sagen, was morgen noch erlaubt und möglich ist. Dennoch kam uns das Ganze etwas spanisch vor, denn die Corona-Politik ist ja nicht erst seit gestern bekannt, auch wenn sie von Region zu Region anders umgesetzt wird.
Das gewünschte Statement des Veranstalters bekamen wir bereits am Sonntagmorgen, Jonny von Drohende Schatten Concerts berichtete, dass die Aufräumarbeiten noch immer andauerten und dass auch die Bands noch vor Ort sind, jedoch nach dem Frühstück abreisen werden. Danach begann eine Schimpfkanonade gegen den Lügner von Bürgermeister, denn das Ganze war ja nur ein inszeniertes Szenario von ihm, dessen kleingeistigen Motive in seiner rein persönlichen Lokalpolitik zu suchen sind. Er bleibt dabei, er habe erst von dem Verbot erfahren, als der Bürgermeister eine Stunde vor dem Einlass mit den Ordnungskräften erschienen ist. Er habe von vornherein auf verlorenem Posten gestanden, denn die Anwohner hätten sich gegen ihn verschworen gehabt und hätten den Bürgermeister genötigt, das Event doch per Eilantrag verbieten zu lassen.
Am gestrigen Montag rief mich dann der Bürgermeister persönlich an, dem sehr daran gelegen war, auch seine Sicht der Dinge klarzumachen. Er berichtete, dass bei einer Ortsbegehung eine Woche zuvor sehr schnell klar gewesen wäre, dass das Gelände für solch eine Veranstaltung denkbar ungeeignet war. Das Hygienekonzept hätte da nicht richtig funktioniert und auch den Alkoholausschank hätte man in diesem Rahmen kritisch gesehen. Gerade in der Coronakrise sei man seitens der Stadtverwaltung auch an gewisse Vorgaben gebunden und wäre verpflichtet, die Einhaltung durchzusetzen. Man habe daraufhin das Gespräch mit dem Veranstalter gesucht und habe ihm diverse Angebote gemacht, z.B. dass man mit ihm gemeinsam nach einem anderen Veranstaltungstermin- und ort schaut, wo sich die Vorgaben besser hätten umsetzen lassen. Doch seitens des Veranstalters hätte man alle gut gemeinten Angebote abgelehnt und hätte auf stur geschaltet. Auch ein weiterer Gesprächstermin am Dienstag letzter Woche wäre vom Veranstalter rigoros abgelehnt worden, weshalb man gar keine andere Möglichkeit gehabt hätte, als bei Gericht die Verbotsverfügung zu beantragen. Diese hat dann bereits am Mittwoch letzter Woche vorgelegen und der Veranstalter ist telefonisch darüber informiert worden, auch die Inhaber der Gaststätte sind über das Verbot informiert worden. Am Donnerstag wurde die Verbotsverfügung dann vom Bürgermeister persönlich überbracht, doch der Veranstalter zeigte sich wenig einsichtig und war weiterhin nicht gesprächsbereit.
Im Gegenteil, seitens des Veranstalters wurden jegliche Anweisungen ignoriert und der Aufbau wurde weiter vorangetrieben. Auch am Samstag ging der Aufbau weiter und es wurde mit dem Soundcheck begonnen, sodass Bürgermeister, Ordnungsamt und Polizei dann eingreifen mussten. Die ersten Gäste wären bereits vor Ort. Erneut wurde mit dem Veranstalter gesprochen, damit dieser endlich das Verbot über die sozialen Medien bekannt gibt, damit nicht noch weitere Konzertbesucher umsonst anreisen, doch weiterhin wurden alle Anweisungen strikt ignoriert und man hatte den Eindruck, er wolle die Anreise weiter provozieren, um eine Bühne für seinen persönlichen Frust zu haben. Somit hätte man gar keine andere Möglichkeit gehabt, als das Publikum von der Absage zu unterrichten und wegzuschicken und die Räumung des Geländes voranzutreiben. Dass er abends noch einmal vor Ort gewesen ist, stimmt, laut Bürgermeister, nicht, jedoch musste die Polizei noch einmal anrücken, um das Gelände zu räumen.
Im Laufe des 20-minütigen Gespräches mit dem Bürgermeister versicherte dieser mehrfach glaubhaft, dass man anfangs überhaupt nicht darauf aus war, das Open Air Event zu verhindern. Er selbst hätte auch gar kein Problem damit, dass es sich hier um Black Metal gehandelt hätte, er hätte dem völlig vorurteilsfrei gegenübergestanden und hätte kein Problem damit gehabt, wenn sich der Veranstalter kooperativ gezeigt hätte, doch dieser wäre eben stur aufgetreten und hätte alle Angebote abgelehnt. Er selbst kenne die Situation als Veranstalter sehr gut und er wüsste auch selbst nur zu gut, dass Veranstaltern das Wasser momentan bis zum Hals steht, denn er selbst würde ab und an auch als Veranstalter in der nahe gelegenen MusicHall auftreten. Er gab auch zu, dass sich im Laufe der vorangegangenen Woche durchaus einige besorgte Bürger an ihn gewandt hätten, doch das alleine wäre kein Grund gewesen, die Veranstaltung abzusagen und auf dieser Grundlage hätte er bei Gericht auch keine Verfügung bekommen. Man war bereit, gemeinsam mit dem Veranstalter nach Ausweichmöglichkeiten zu schauen, doch diese Tür sein nun nach all dem Ärger zu, insbesondere, da es am Samstag vermehrt zu Sieg Heil-Rufen durch Besucher gekommen sei.
All das hört sich natürlich gar nicht mehr danach an, als wäre die Veranstaltung mit fadenscheinigen Begründungen abgesagt und der finanzielle Schaden des Veranstalters billigend in Kauf genommen worden. Wer sich als Veranstalter von Konzerten so wenig kooperations- und kompromissbereit zeigt, der muss sich natürlich nicht wundern, wenn ihm eine steife Brise entgegenweht.

Obscure Fall Shadows: Stellungnahme und Gegendarstellung des Veranstalters

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