Pain Of Salvation – Panther

Der Meister der Gegensätze liefert die Musik zum Zeitgeschehen

Artist: Pain Of Salvation

Herkunft: Eskilstuna, Schweden

Album: Panther

Spiellänge: 53:33 Minuten

Genre: Progressive Rock, Progressive Metal

Release: 28.08.2020

Label: InsideOut Music

Links: http://painofsalvation.com/
https://de-de.facebook.com/Painofsalvation/

Bandmitglieder:

Gesang und viele andere Sachen – Daniel Gildenlöw
Gitarre und Backgroundgesang – Johan Hallgren
Bassgitarre und Backgroundgesang – Gustaf Hielm
Keyboard, Gitarre und Backgroundgesang – Daniel Karlsson
Schlagzeug und Backgroundgesang – Leo Margarit

Tracklist:

  1. Accelerator
  2. Unfuture
  3. Restless Boy
  4. Wait
  5. Keen To A Fault
  6. Fur
  7. Panther
  8. Species
  9. Icon

Im zarten Alter von elf Jahren gründete Daniel Gildenlöw seine erste Band mit Namen Reality. Mit 15 Jahren änderte er den Bandnamen in Pain Of Salvation (Schmerz der Erlösung). Der Bandname entstand laut eigener Erzählung während einer Mathematikstunde. Daniel schrieb Bandnamen auf und zeigte diese einem Mitschüler, welcher später auch Bandmitglied wurde. So entstand Pain Of Salvation. Der Bassist Gustaf Hielm war bereits seit 1990 mit dabei, allerdings hatte Gustaf eine mehrjährige Pause und ist erst 2013 wieder bei Daniel. Das erste Album erschien 1997 mit Namen Entropia. Das zweite Werk One Hour By The Concrete Lake ist bereits ein typisches Markenzeichen von Daniel und seinen Mitstreitern. Hier beschäftigt man sich mit der Verschmutzung des Karatschai Sees. Nun steht also bereits Werk Nummer elf zum Release an, und es ist natürlich auch wieder ein Konzeptalbum. Nach The Passing Light Of Day und der Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterblichkeit, primär hervorgerufen durch Daniels Erkrankung, befasst man sich bei Panther nun wieder mit globalen Themen. Es geht um die Konflikte und Widersprüche zwischen sogenannten normalen Menschen und denen, die völlig anders verdrahtet sind.

Ich denke, viele der Songs handeln davon, nicht Teil der Norm der Gesellschaft zu sein„, sagt Gildenlöw. „Weil wir in einer Zeit leben, in der wir uns der Menschen bewusster sind, die nicht der Norm entsprechen, und wir als Gesellschaft alles in unserer Macht Stehende tun, um all diese Individuen anzuerkennen, aber gleichzeitig sind sie mehr denn je, medikamentöser denn je. Das Album malt Bilder einer Welt, denke ich. Wenn dies ein Film wäre, wären es Szenen aus einer Stadt. Es spielt in einer Stadt, und es wird von Hunden und den Panthern, den sogenannten normalen Menschen und den Menschen des Spektrums bevölkert. Das ist die Kulisse für das gesamte Album.

Das Mixing erledigte Daniel Bergstrand (Meshuggah, In Flames, Devin Townsend) im Studio 33 in Stockholm, das Mastering wurde von Thor Legvold / Sonovo (Tambours De Bronx, Purified in Blood, Susanne Sundfér, Gazpacho) in Los Angeles übernommen.

Hören wir also mal ins Album, was uns der Meister der Gegensätze auf sein neues Werk gebracht hat. Accelerator zeigt zum Start eigentlich den klassischen Daniel, ruhige Passagen wechseln sich mit intensiver Arbeit an den Saiten ab, etwas Elektronik wird für Verfremdung von z.B. Stimmen genutzt, und so entwickelt sich die für mich eigentlich typische Atmosphäre der Gegensätze. Unfuture wird etwas sperriger vom Start, nach ca. einer Minute geht der Gesang los, welcher wiederum leicht elektronisch bearbeitet wird und so eine recht düstere Stimmung verbreitet. Die intensive Rückkehr der Saitenfraktion erzeugt fast schon eine Art musikalisches Gewitter, die Nummer drückt das Gaspedal dann und wann sauber durch und kann mich mit den Richtungswechseln voll und ganz begeistern. Restless Boy wird noch etwas komplexer und sperriger, dazu recht viel elektronische Musik. Erst zum Ende gibt es etwas mehr Tempo, allerdings hat die Nummer nur eine Laufzeit von ca. dreieinhalb Minuten. Wait begrüßt den Hörer erst mal mit Pianoklängen, eine akustische Gitarre kommt nach ca. einer Minute dazu, so baut sich der Track immer weiter auf. Jede Minute kommt etwas dazu und der Sound wird runder, melodischer. Der Gegensatz erfolgt nach vier Minuten, die Richtung ändert sich, der Sound wird dunkel und auch das Piano kehrt zurück. Die beiden Teile vereinigen sich und es geht in Richtung Zielgerade, ganz großer progressiver Sport. Keen To A Fault geht elektronisch an den Start, nach ca. einer Minute übernehmen die Gitarren das Kommando und der Gesang startet. Die elektronischen Elemente treten in den Hintergrund, bleiben aber dem Song erhalten und reichen sich mit den Gitarren die Hand. Fur eröffnet mit folkloristischen Klängen und ist quasi ein ca. 90 Sekunden langes instrumentales Interlude für den Titeltrack Panther. Der klingt zum Start fast wie Depeche Mode, insgesamt recht elektronisch geprägt, der Gesang ist aber hier der dominierende Faktor und macht auch das Ding durchaus hörenswert und interessant. Species startet akustisch und erinnert mich an Musik aus den 70ern, leicht psychedelischer Einschlag. Nach ca. zwei Minuten werden die Gitarren und der Gesang intensiver und bauen eine bedrohliche, dunkle Atmosphäre auf – ein weiterer ganz hervorragender Output aus der Feder von Daniel. Der Schluss toppt dann noch mal alles. Mehr als 13 Minuten Icon, eine Art Zusammenfassung der verschiedenen Elemente der Musik auf der Scheibe in einem Track. Piano, verzerrte Elektronik, intensive Gitarren und starker Gesang, der Meister der Gegensätze liefert genau das, was man von ihm erwartet.

Abschließen möchte ich mit einem Statement von Daniel, welches er am 23.03.2020, also dem beginnenden Lockdown, veröffentlichte und genau zu dem Thema des Langeisens passt:
I am working at the studio computer at home, as usual. My kids are playing online games, as usual. The sociopolitical impact of the outbreak simply urges me to do what I normally already do on a daily basis. And its empathic focus shifts much more to where my empathic focus normally is. As saddened as I am for people around the world, and though my thoughts are with you all every hour, ironically, I also feel more in phase with mankind. It becomes obvious what we mean to each other, and how collective this planet and this species is, no matter how much we seem to try to pretend otherwise, as nations, as individuals. Whether the final toll will be 3.8% or „only“ 0.5% is of little importance, it’s the amount of total deaths that matter, and I do not care what age those people were. If they were healthy or sick. Every single one of them is important to someone. We should view them all as close family. Because, to someone, they all are.

Pain Of Salvation – Panther
Fazit
Daniel liefert die passende Musik zum Jahr 2020 mit einem passenden Thema. Er trifft den Zeitgeist, liefert Lyrics, die zum Nachdenken anregen und Musik, welche sich in der Gesamtheit sehr passend zu den Lyrics zeigt. Nicht alle Songs reißen mich vom Hocker, aber einige, wie z.B. Icon oder Wait. Die elektronischen Elemente sind gewöhnungsbedürftig, aber in seiner Gesamtheit ist es wiederum ein mehr als schlüssiges und spannendes Konzeptalbum aus der Feder von Pain Of Salvation. Die Höchstnote gibt es nicht, dazu ist mir z.B. der Titeltrack, Keen To A Fault oder auch Restless Boy dann und wann etwas zu elektronisch, aber das sind Kritikpunkte auf ganz hohem Niveau.

Anspieltipps: Unfuture, Wait, Species und Icon
Jürgen F.
9.5
Leser Bewertung1 Bewertung
9.3
9.5
Punkte
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