Pallbearer – Support Ruby The Hatchet – am 14.08.2018 im Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden

                       „Pallbearer – Support Ruby The Hatchet – am 14.08.2018 im Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden“

Headliner: Pallbearer

Vorband(s):  Ruby The Hatchet

Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 14.08.2018

Kosten: 14 € VK, 18 € AK

Genre: Doom Metal, Prog Rock, Post Rock, Psychedelic Rock, Heavy Rock

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden

Link: https://www.schlachthof-wiesbaden.de/programmdetails/items/pallbearer-2018.html

Setlisten:


1. Symphony Of The Night
2. Killer
3. Heavy Blanket
4. Pagan Ritual
5. Vast Acid
6. Demons
7. Gemini
8. Tomorrow Never Comes


1. Watcher In The Dark
2. Dropout
3. Thorns
4. Dancing In Madness
5. Ghost I Used To Be
6. Foreigner
7. Devoid Of Redemption
8. Worlds Apart

Drei Tage nach dem Thrashmassaker hier im Kesselhaus bin ich wieder an gleicher Stelle. Heute steht Doom an. Und was für einer. Pallbearer geben sich heute Abend die Ehre. Auf dem Parkplatz ist es voller als sonst. Ich habe schon Befürchtungen, dass es total eng wird im Kesselhaus bei Pallbearer. Da wird es heute zwar auch recht voll, aber nebenan in der großen Halle im Schlachthaus spielen Calexico. Da wollen wohl die meisten hin.

Auch heute ist die Klimaanlage im Kesselhaus wieder out of order. Da kann man davon ausgehen, dass es heiß wird. Das wird es heute Abend auch extrem. Nicht nur von der Temperatur her. Extrem hot ist der Auftritt von Ruby The Hatchet mit ihrer Sängerin Jillian Taylor. Diese starke Nummer heute Abend habe ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt. Ruby The Hatchet geben heute Abend einen denkwürdigen Gig, der einfach flasht. Die Band spielt eine Mischung aus doomigen, bösen Hard Rock und okkultem Psychedelic Rock. Eine wahnsinnige Mischung, die dich der Welt entrücken lassen würde, wenn du die Augen zumachst. Aber Augen zumachen geht gar nicht. Denn da oben auf der Bühne befindet sich Sängerin Jillian Taylor. Die zelebriert die Musik von Ruby The Hatchet.

 

Jillian Taylor hat alles, was man braucht, um die Masse zu betören. Sie wirkt nymphengleich zerbrechlich und bewegt sich von jetzt auf gleich wie eine Hexe, die den Teufel im Leib hat. Ist sie die Mountain Witch? Da treffen Ying und Yang aufeinander. Ab und an sehe ich etwas von der jungen Stevie Nicks durchschimmern. Eine Elin Larsson kann sie auch stimmlich problemlos in den Schatten stellen. Sie bewegt sich zu den okkult doomigen Klängen ihrer Band fast ekstatisch. Bei einzelnen Songs nimmt sie ein Tambourin in die Hand und beschwört den Leibhaftigen. Die Musik ist absolut scharf, die Performance von Jillian Taylor auf der Bühne ist Sex pur. Mit solch einer Performance hätte ich heute nicht gerechnet. Ähnlich in Ekstase wie die Sängerin ist Keyboarder Sean Hur. Ich weiß nicht, was der mit seinem Korg da macht. Neben seinen Fingern befindet sich sein Kopf mit auf den Tasten. Irgendwann liegt er unter dem Instrument. Nur die Finger kommen nach oben und betätigten das Instrument. Hier spielt wohl das Instrument den okkulten Teil. Ich kann nur sagen: ganz große Klasse. Vor der Bühne reiben sich die Fans die Augen. Auch sie sind total angetan von Ruby The Hatchet. Gitarrist Johnny Scarps ist ebenfalls eine Klasse für sich. Was der da zaubert, ist der Trank, den Jillian Taylor braucht, um uns hier zu verhexen. Die Setlist besteht aus einem tollen Mix der beiden Alben Planetary Space Child und Valley Of The Snake. Als wenn es nach diesem superben Auftritt kein Morgen mehr gäbe, endet der Gig mit dem Song Tommorow Never Comes. Bevor die Band diesen Song spielt, sagt Jillian Taylor vom heutigen Abend selbst überwältigt zum Publikum: „Today is tuesday, isn´t it?“ – der Keyboarder entgegnet ihr: „Tuesday is the new friday!“
Regelrecht betäubt von diesem Auftritt muss ich mir die beiden Alben natürlich mitnehmen. Die gibt es am Merchstand in einem geilen farbigen Vinyl. Dort treffe ich Jillian Taylor und die Bandmitglieder, die mir die Vinyls netterweise noch signieren. Ich unterhalte mich mit den super netten Musikern noch eine Weile, die sehr begeistert sind, dass es hier so voll ist.

Nach so einem Auftritt denkt man sich, was jetzt noch kommt, ist belanglos. Weit gefehlt. Jetzt kommen Pallbearer aus Little Rock / Arkansas. Das Quartett ist erst zehn Jahre unterwegs, aber jetzt schon nahezu eine Doomlegende. Joseph D. Rowland (Bass), Devin Holt (Guitars), Brett Campbell (Guitar, Voices) und Mark Lierly (Drums) präsentieren auf der Bühne fast unspektakulär einen Gig, der seinesgleichen sucht. Der Doom von Pallbearer hat einen recht heftigen progressiven Schuss, wobei der epische Moment nicht fehlt. Bassist Joseph D. Rowland sprach einmal von einem Heavy Prog Doom. Egal wie man es jetzt nennen will, das, was die vier Jungs dort bringen, ist allererste Sahne und unverkennbar Pallbearer. Aus meiner Sicht fallen Pallbearer durch ihre Art aus der großen Masse heraus und bleiben so authentisch mit ihrer eigenen Interpretation von Doom. Die Stücke, die gespielt werden, sind richtig lange Songs, wie es im Doom Metal oft vorkommt. So stehen nur acht Songs bei einer Spielzeit von über 1 ½ Stunden auf der Setlist. Teilt man 90 Minuten durch 8, dann sind wir bei einer durchschnittlichen Spieldauer von über 11 Minuten pro Song.

 
Die Fans sind schier begeistert. Die Köpfe wippen zu den schweren Riffs im Doomtakt zur Musik. Die Setlist ist dominiert von den Songs des neuen Albums Heartless. Diese Songs sind so herzlos gar nicht, wie man bei dem Titel meinen sollte. Eher sensibel und wehmütig. Schlichtweg ergreifend die Musik von Pallbearer. Joseph D. Rowland und Brett Campbell ergänzen sich wunderbar in den Voices. Die 90 Minuten sind echt schweißtreibend, sowohl für Band als auch für die Fans. Trotzdem könnte ich mir Pallbearer immer weiter anhören. Nach dem Gig kommen die Jungs schnell runter zum Publikum und empfangen dort ihre absolut verdienten Gratulationen zu diesem herausragenden Gig. Tolle, nette Jungs, die sehr fannah sind.

Fazit: Einer der Abende hier im Kesselhaus in Wiesbaden, den man so schnell nicht vergessen wird. Pallbearer und der Support des Abends Ruby The Hatchet zeigten, dass sie in ihrem Metier jeweils Hammernummern sind. Diese Kombination könnte ich mir sofort wieder ansehen. Der Abend hat bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen. Doomkollege Heiliger Vitus, den ich regelmäßig hier treffe, war auch sehr zufrieden. Dann muss es schon richtig gut gewesen sein, um ihn zufriedenzustellen.

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