Pit Of Doom – Despairity

Verzweifeln muss man bei dem Album nicht

Artist: Pit Of Doom

Herkunft: Oberhausen, Deutschland

Album: Despairity

Spiellänge: 57:10 Minuten

Genre: Modern Metal, Melodic Death Metal

Release: 21.01.2021

Label: Finest Noise Releases

Link: https://www.facebook.com/pitofdoom

Bandmitglieder:

Gitarre – Lukas Ullrich
Bassgitarre – Katharina Guthoff
Schlagzeug und Gesang – Fabian Guthoff

Tracklist:

  1. Too Command
  2. Constructors
  3. Binary Afterlife
  4. The Hollow, The Lost
  5. Hate
  6. The Beloved
  7. Walk The Walk
  8. Windmills
  9. Collapse
  10. Levity
  11. When Light Becomes The Demon

Bevor ich den Play-Button auswählte, um mir zum ersten Mal Despairity auf die Ohren zu geben, musste ich doch erst mal in den Fotos auf meinen diversen Festplatten wühlen. Wirklich herausfinden konnte ich es leider nicht, aber es muss irgendwann in 2017 gewesen sein, dass ich Pit Of Doom zum ersten Mal live erlebt habe. Da hatten sie mich noch mit ihrem Namen auf die falsche Fährte gelockt, ich dachte nämlich, da käme jetzt eine Doom-Band 😀 Schon damals fand ich es zum einen bemerkenswert, dass der Schlagzeuger auch gleichzeitig der Sänger – oder der Sänger gleichzeitig der Schlagzeuger – ist, und zum anderen, dass das Mädel am Bass es augenscheinlich locker mit ihren männlichen Kollegen aufnehmen kann. Als ich die Band damals entdeckt habe, gab es sie aber schon lange. Pit Of Doom wurden nämlich bereits im Jahr 2001 gegründet. Seit der Gründung waren schon einige Gitarristen am Start, Lukas stieß im Jahr 2009 dazu und komplettiert bis heute das Trio. So müsste dann dieses Jahr nicht nur die Veröffentlichung des zweiten Albums ordentlich gefeiert werden, sondern auch das 20-jährige Bandjubiläum. Hoffen wir mal, dass die Sause noch in diesem Jahr stattfinden kann.

Nach dem mit wabernden Keyboards durchsetzten und sich langsam heranschleichenden Intro Too Command kann man gleich im folgenden Constructors in Reinkultur hören, was man von Pit Of Doom erwarten darf. Keyboards laufen, wenn überhaupt, hauptsächlich als „Füller“ im Hintergrund mit. Aber Pit Of Doom haben ihre ganz eigene Sichtweise auf den Death Metal, der hier wirklich einen sehr modernen Anstrich erhält und mit ordentlich Groove, manchmal auch ein wenig sperrig daherkommt. Die Songs dürfen sich in Spiellängen von fünf bis sechs Minuten entwickeln, nur The Beloved kratzt an der Sieben-Minuten-Marke, und der letzte Track, das großartige When Light Becomes The Demon, wartet sogar mit acht Minuten auf. Diese Zeiten nutzen die drei durchaus effektiv, es gibt kaum eine Stelle, von der ich sagen würde, dass man sie auch hätte kürzen können. Dafür sorgen nicht nur die Tempowechsel oder der Gesang von Fabian, der in schöner Regelmäßigkeit zwischen rau und clean wechselt. Besonders herausragend ist hier für mich tatsächlich das Gitarrenspiel von Lukas, der seinen Fingern mit den unterschiedlichsten Spiel- und Grifftechniken selbst die – für mich als Laie – kompliziertesten Rhythmuswechsel entlockt. Begleitet wird er dabei sehr oft von Katharina am Bass, was ich in dieser Konstellation auch nicht so oft höre.

Einem der kürzeren Songs des Albums, Hate, haben Pit Of Doom nicht nur sehr prägnante Tempowechsel, sondern in der letzten Minute gleich einen kompletten Stimmungswechsel verpasst. Da geht’s dann tatsächlich fast schon in Richtung Power Metal. Sehr cool! Auch das sehr progressive Walk The Walk kann mit recht extremen Tempowechseln punkten. Könnte man sich zunächst mal direkt in den nächsten Moshpit stürzen, folgt in der nächsten Minute schon das vertonte Gefühl, in einen Malstrom geraten zu sein. Dem entronnen, geht es mit Tempo weiter, bevor dann eine ruhige Bridge in einen Midtempo-Part überleitet. Absolut überrascht war ich aber von When Light Becomes The Demon. Einen Acht-Minuten-Song an das Ende eines knapp einstündigen Albums zu stellen, fand ich schon mutig. Aber es lohnt sich wirklich, bis hierhin dranzubleiben. Nach dem ungefähr einminütigen Keyboard-Intro tastet sich der Song mit zunächst verfremdetem Gesang langsam vorwärts und kann sich zu einer beeindruckenden Power Ballade entwickeln, die aber in der letzten Minute doch noch einen ziemlich überraschenden Twist nimmt.

Pit Of Doom – Despairity
Fazit
In die große Schublade des Modern Metal lassen sich Pit Of Doom gut reinpacken, jeder weiteren Einordnung widersetzen sie sich. Also kann ich tatsächlich nur empfehlen, selbst mal reinzuhören. Das Album ist auf allen gängigen Streamingplattformen zu finden, auf der Bandcamp-Seite von Pit Of Doom kann man sich das Album dann in digitaler Form oder als physikalischen Tonträger zulegen.

Anspieltipps: Constructors, The Hollow, The Lost und When Light Becomes The Demon
Heike L.
8
Leser Bewertung9 Bewertungen
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8
Punkte
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