“Cowboys im Winter“

Eventname: Punchfest 2017

Bands: We Like Cake, Kochkraft Durch KMA, The Intersphere, Schmutzki, apRon

Ort: Backstage, München

Datum: 11.11.2017

Kosten: 25,40 € VVK,

Genre: Rock, Punkrock, Alternative,

Besucher: ca. 1000

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

Manchmal gestalten sich Events ein wenig seltsam. Komische Mottos oder auch Band Zusammenstellungen, die sich nicht wirklich nachvollziehen lassen. Am vergangenen Samstag war wohl eher Ersteres der Fall. Nicht, dass an dem Namen Punchfest etwas auszusetzen ist. Denn dieses fand nun in seiner vierten Variante im Backstage in München statt. Mit den Bands We like Cake, Kochkraft Durch KMA, The Intersphere, Schmutzki und apRon hatte man auch durchaus eine stimmige, wenn auch abwechslungsreiche Fülle an Bands, welche in ihren eigenen Genres sowieso etwas hervortreten. Es ist beim Punchfest wohl viel eher die Beschreibung, welche plötzlich von Cowboys und auch Cowgirls redet. Als Neuling kann man damit zunächst erst mal gar nichts anfangen – was es damit nur auf sich hat?

Die Erklärung ist nach ein wenig Recherche dann aber doch einleuchtend: Gegründet wurde dieses kleine Fest von apRon, welche aus München kommen und gerade mit ihrem aktuellen Album Auf Dem Ponyhof touren – Ponyhof, Cowboys, ja, da gibt es ja durchaus eine Übereinstimmung, vielleicht ist das Motto also gar nicht so unpassend. Und mit einem passenden Outfit gab es auch noch Welcome Drinks (sofern man denn mit dem Konzept vertraut war). Ob nun als Cowboy oder nicht, die Musik war natürlich für alle da. Und wie sich die einzelnen Bands dabei machten, war am Ende vielleicht auch passender als man dachte.

Die musikalische Party beginnt mit der Gruppe We Like Cake, ebenfalls aus München – und allein der Bandname zeigt, dass sich hier nicht jeder unbedingt ernst nimmt. Eine recht unterhaltsame Mischung aus Alternative, Metal Riffen und Keyboard Passagen liefert Musik, welche zumindest instrumentell unterhält. Gesanglich muss man sich erst mal darauf einlassen. Wer hier ernste Musik erwartet, die zum Nachdenken anregt, wird eventuell enttäuscht, denn danach klingen We Like Cake auch gar nicht. Man merkt der Gruppe auch durchaus an, dass sie eher kleinere Auftritte gewohnt sind, sich ihres Stils bewusst sind und dabei auch nichts anderes wollen als eine gute Zeit. Und diese hat man auch – wenn man sich musikalisch drauf einlassen kann. Ein wenig fühlt man sich an We Butter The Bread With Butter erinnert, wenn auch eine eher ruhigere Variante.

Jeder, der hier etwas Ernsteres erwartet, wird es hoffentlich nach We Like Cake verstanden haben. Falls dies nicht der Fall ist, so realisiert man doch spätestens mit Kochkraft Durch KMA, wo man sich hier befindet. Die Formation aus Duisburg, Köln und Bonn gründete sich Ende 2014 unter dem Motto „Alles muss, nichts kann!“ – eventuell sollte diese Gruppe niemals erfolgreich werden bzw. kann wohl von Erfolg auch nicht unbedingt gesprochen werden. Auf der Bühne kostümiert, liefern Kochkraft Durch KMA Musik, die ein wenig an Jennifer Rostock oder auch Wir Sind Helden erinnert – nur ohne wirkliches Talent oder musikalisches Feingefühl. Gesanglich wirkt das Ganze auf jeden Fall etwas unterirdisch, textlich scheint alles recht absurd und die ab und zu versteckte Politik hinter den Texten macht diese nicht wirklich mehr ertragbar. Es ist eigentlich recht simpel: Entweder man ist hier schon betrunken genug, um die Musik von Kochkraft Durch KMA zu feiern oder aber man muss es wahrlich über sich ergehen lassen.

Wer jetzt die Flucht ergriffen hat, hat eventuell durchaus angemessen gehandelt, dennoch ist der nächste Act nicht zum Weglaufen gedacht: The Intersphere fahren recht überzeugende Gitarrenmusik auf und präsentiert sich dabei noch überraschend normal, was an diesem Abend fast schon wünschenswert geworden ist. Das Sounddesign von The Intersphere kann nicht nur melodisch überzeugen, sondern zeigt sich auch als vielseitig, mal mit düsterer Atmosphäre, mal leicht sommerlich angehaucht verspielt. Zeitlich findet ihre Musik keine genaue Einordnung, scheinen sie sich doch aus jeder Rock Epoche etwas zu nehmen und alles zu vermischen. Die Inspiration von Muse oder auch Incubus ist dabei herauszuhören – auf jeden Fall schaffen es The Intersphere als erste Band des Abends wirklich zu überzeugen – und ein wenig bleibt die Frage, wie sie jetzt genau in dieses Line Up passen.

Manchmal sind Fans das Wichtigste – für Künstler sind diese sowieso unverzichtbar, aber bei manch anderen Bands wird diese Verbindung noch einmal relevanter als sonst. So ist es auch der Fall bei der nächsten Band Schmutzki, welche ursprünglich aus Stuttgart kommt und wohl auch dort ihre größte Fangemeinde aufzuweisen hat. Die Verbindung zur baden-württembergischen Hauptstadt wird spätestens durch den Song Wir Wollen Wulle explizit zum Ausdruck gebracht – Wulle ist übrigens ein Bier, für alle, die jetzt damit nichts anfangen können. Ernsthaftigkeit, welche ja ein wenig von The Intersphere eingeleitet wurde, schafft es während Schmutzki nicht wirklich erhalten zu bleiben. Auch die Musik der Stuttgarter ist geprägt durch Humor, wenn auch hier deutlich zwischen dem musikalischen Grundton und der Message unterschieden werden kann und Systemkritik sowie Politik auch ab und zu eine Rolle spielen – aber eben auch das Feiern, was für die Band wohl eher an vorderster Front steht. Schmutzki sprengen sehr gerne mal die Grenze zwischen Band und Fans, wodurch die besondere Verbindung zwischen den beiden Gruppen wohl auch vorhanden ist. Der Stil des Punkrocks passt dabei gut zu den sympathischen Jungs, welche zwar keine Rocker wie The Intersphere sind, das auch gar nicht sein wollen, sich aber musikalisch dann doch weitaus positiver anhören, als es noch bei Kochkraft Durch KMA der Fall war.

Als Headliner des Abends und auch Gründer des Punchfestes zeichnet die Münchener Gruppe apRon verantwortlich – experimentelle alternative Metal Musik, welche sich durchaus als sehr verspielt präsentiert, dabei aber vor allem mit stetiger Härte glänzt. Hart im Nehmen sind die Jungs dabei auf jeden Fall: 2010 gelang ihnen mit 67 Stunden live das längste Konzert der Welt. Zumindest 2014 war dieser Rekord noch aktuell, eine ziemlich beachtliche Leistung. Ähnlich energiereich geht es auch am Punchfest 2017 zu, wenn auch keine 67 Stunden. Das Publikum, welches ja bereits bemerkt hat bzw. vermutlich von Beginn an wusste, dass dies eine wahre Party wird, lässt sich ohne Zögern auf die Gruppe ein, welche im Vergleich zu den Vorbands doch um einiges härter daher kommt, als man vielleicht gedacht hätte. Ein wenig hat man das Gefühl, man habe die Core oder auch Nu Metal Variante von Rammstein vor sich – mit Konfetti obendrauf. Nicht ganz so ernst wie The Intersphere, aber dennoch weit entfernt von Kochkraft Durch KMA bewegen sich apRon auf einem recht spielerischen Mittelfeld und wissen dieses auch gut einzusetzen – es passt zu ihrer Musik, dass sie die Atmosphären frei spielen lassen, ohne dabei groß in ein bestimmtes Genre reinfallen zu wollen. apRon schaffen es, den perfekten Mix zwischen Konzert und Party zu schaffen und egal, ob nun Fan der Musik oder eher skeptischer Zuhörer: Hier hat jeder Spaß. Dadurch zeigt sich das Punchfest 2017 am Ende dann doch noch als sehr gelungener Abend, wenn man sich auch teilweise fragen musste, wer sich freiwillig die präsentierte Musik anhört – es gibt wohl Gruppen, die man einfach nur ironisch feiern kann. Und wer das im Hinterkopf behält, kann auch das Punchfest genießen.

Kommentare

Kommentare

204Followers
382Subscribers
Subscribe
16,341Posts