Nails: Europe in Pain 2017 am 08.11.2017 in Köln im Gebäude 9

Headliner: Nails

Vorband(s):, Svffer, Teethgrinder

Ort: Gebäude 9, Deutz-Muelheimer-Straße 127, 50679 Köln

Datum: 08.11.2017

Kosten: 20 € VK zzgl. Gebühren, 24 € AK

Genre: Powerviolence, Metal Core, Grindcore, Hardcore, Crustcore, Death Metal

Besucher: ca. 400

Veranstalter: Kingstar http://www.kingstar-music.com/

Link: https://www.facebook.com/events/252252981944939/?active_tab=discussion /

Setlisten:

  1. Venom
  2. Systematisierung
  3. War Paint
  4. Orphan
  5. Staub
  6. Imbalance
  7. Canvas
  8. Error
  9. This Life / A curse
  10. Volueless
  11. Arrows
  12. Destruktiv

  1. Somnambulant
  2. The Soil
  3. Hellbound
  4. Hope In Death
  5. Death Of The Individual
  6. 187
  7. Force Fed
  8. Iron Jaw
  9. Isolation
  10. Sicarius
  11. Desolation
  12. Pach exceeds the …

Heute Abend gibt es also was richtig Hartes zu hören. Ich freue mich riesig, endlich mal wieder was aus dieser Richtung zu hören. Also mit Kumpel Rene ab ins Auto und Richtung Köln. Wir sind schon um 19:00 im Gebäude 9 und machen eine Punktladung. Es sind nur sehr wenige Leute da. Kurz darauf erfahren wir am Einlass wieso. Beginn ist um 20:00 Uhr. Irgendwie haben wir das falsch verstanden. Da hätten wir uns nicht so abmühen müssen. Aber egal. Im Barraum des Gebäude 9 schon mal etwas mit Bandmitgliedern von Svffer und Teethgrinder gesprochen. Total nette und coole Leute. Da freue ich mich sehr auf deren Auftritte gleich. Die Anzahl der Fans ist mittlerweile doch schon kräftig gewachsen.

Mit Svffer beginnt der Abend. Und das gleich auch gewaltig sympathisch. Im Mittel ihrer Show steht Leonie an den Vocals. Man traut seinen Augen kaum, was da vorne abgeht. Leonie wirkt zierlich und zerbrechlich. Sobald sie jedoch am Mikrofon ist, grunzt und kreischt sie wie ein Berserker. Das ist wirklich gewaltig. Den entsprechenden Rahmen bilden die anderen Bandmitglieder. Schlagzeuger Jan treibt seine Vordermänner und die Vorderfrau wie eine Wildschweinherde mit irrem Geknüppel voran. Die beiden Saitenmänner Benni und Timo besorgen den Rest. Wow ist das geil. Das gefällt nicht nur mir, auch der Rest der Fans ist regelrecht begeistert. Das, was Svffer oben auf der Bühne machen, ist kaum zu beschreiben. Svffer verbinden Elemente des Hardcore und Grindcore zu einem komplexen musikalischen Gebinde. Musikgenuss auf intellektueller Ebene würde ich es mal nennen. John Zorn, der Godfather of Grindcore würde sich daran erfreuen, was Svffer am heutigen Abend machen. Einzigartig, sehens- und hörenswert ist der surreale Kreischgesang von Leonie, der seinesgleichen sucht. Dabei wirkt sie, wie bereits erwähnt, figürlich eher zierlich und zerbrechlich. Und auch ihre Ansagen während der Songs lassen diese Performance nicht erahnen. Wahnsinn! Dieses Genre ist üblicherweise auch eher durch männliche Sänger besetzt, da kann Leonie sich schon eines besonderen Status erfreuen. Zu hören gibt es Songs ihrer beiden bisherigen Alben Empathist und Lies We Live. Nach etwas über einer halben Stunde muss dann auch leider Schluss sein. Es warten ja noch zwei weitere Bands. Ich würde mir gerne einen physischen Datenträger, am liebsten Vinyl, von der Band kaufen. Schlagzeuger Jan sagt mir am Merchstand, dass alles ausverkauft sei, man könne sich aber alles im Internet runter laden. Ich erzähle ihm, dass ich Sammler bin und physische Datenträger mir am liebsten sind. Er will mal im Keller nachschauen, ob er noch was findet. Wir tauschen die Mailadressen aus. Bisher hat er sich leider noch nicht gemeldet. Daher gehe ich mal davon aus, dass nichts mehr da ist.

Weiter geht’s es mit den sympathischen Niederländern von Teethgrinder. Teethgrinder aus Zwolle in den Niederlanden gibt es seit 2013. Bereits im Vorfeld habe ich mir einige Stücke im Internet angehört und war richtig begeistert. Vor ihrem Gig am heutigen Abend unterhalte ich mich mit Vocalist Jonathan Edwards am Merchstand und sage ihm, dass ich mich auf ihren Auftritt gleich sehr freue. Ich bitte ihn, mir das neue Album Nihilsm (Erscheinungsdatum November 2016) als Vinyl in der Farbe Amber wegzulegen. Das macht er auch gerne. Teethgrinder enttäuschen mich nicht. Sie stellen eine wüste und geile Show auf die Beine. Das Setup am heutigen Abend beginnt mit Somnambulant vom aktuellen Album Nihilism. Das Ganze hat irgendwie etwas von einer postapokalyptischen Szene. Die Musik und wie sich die Jungs dazu bewegen. Nach einem etwas längeren Intro mit Stimmen aus dem Off und im Lowtempo eingespielt, explodiert der Song quasi und es geht rasant ab. Teethgrinder betäuben uns mit einem wüsten Stilmix. Die Songs werden von den beiden Alben Nihislm und Misantropy und der EP Hellbound beigesteuert. Teethgrinder setzen die gute Show ihrer Vorgänger Svffer auf der Bühne fort. Das, was sie da oben bringen, ist ein wüster Stilmix, der sich am ehesten so beschreiben lässt: Die Wut des Grindcore gemischt mit Black & Death ist das Opium, dazu gibt es leichte Nuancen von Hardcore, Post-Metal und Stoner. Der kalte Gitarrensound trifft auf das konstante Screamen von Sänger Jonathan Edwards. Er verzichtet fast gänzlich auf andere, im Grindcore übliche, Intonationen. Auf der Bühne ist ebenso viel Bewegung, wie im Publikum. Da prallen auch schon mal Bassist und Sänger zusammen. Teethgrinder kommen authentisch und sympathisch rüber. Klasse Gig. Das sage ich auch Vocalist Jonathan Edwards nach der Show. Sie werden 2018 auf dem Death Feast in Andernach spielen. Da freue ich mich total drauf.

Weiter geht es mit dem Headliner des heutigen Abend Nails. Nails, ursprünglich in Dreierbesetzung, zeigen sich seit 2017 mit Leon del Muerte (u.a. früher bei Exhumed und Impaled) in Viererbesetzung. Gerade Leon del Muerte ist aus meiner Sicht für die Band ein Gewinn, da kraftvolleres Gitarrenspiel vorhanden. Nails geben Songs ihres aktuellen Albums von 2016 mit dem Titel You Will Never Be One Of Us und ältere Songs zum Besten. Nails verbinden Einflüsse aus dem Grindcore, Hardcore Punk und Crustcore zu ihrem schnellen und extremen Sound. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass man bei ihren Konzerten nie weiß, wann gerade ein Song aufhört und wann er beginnt. Nach diesem Abend kann ich das bestätigen. Urplötzlich und ohne vorhergehende Warnung hört dann auch mal der eine oder andere Song auf und der nächste beginnt. Ob mit Absicht, kann ich nicht bestätigen, ebenso nicht, ob es zum Konzept der Show gehört. Irgendwie irritiert mich der Auftritt von Nails ein wenig. So steht Bassist John Gianelli mit bloßem Oberkörper auf der Bühne, während sich Sänger und Gitarrist Todd Jones in einer dicken Lederjacke vor dem Mikrofon aufhält. Der Gewaltpegel der Musik steigt und die Musiker zeigen sich auch gemäß ihrem Habitus assi like und das gewollt. Im Publikum steigert bzw. verändert sich vereinzelt das Verhalten einiger Akteure. Einige Tanzschritte, die wie epileptische Anfälle aussehen, werden gewagt :-). Nails spielen ihren Gig herunter. Irgendwie fehlt für mich jedoch die Empathie zum Publikum. Ich kann mich jedoch auch täuschen. Als Todd Jones mich bei beim Fotoshooting bemerkt, steckt er mir fast die Nase ins Objektiv und deutet mir ganz kurz darauf an, dass ich verschwinden soll. Naja, zu dieser Aktion will ich nichts Weiteres hier ausführen. Es passt aber zur gesamten Show. Der größte Makel der Show von Nails ist die Lautstärke. Verdammt! – muss das so sein? Klar diese Mucke muss laut sein, sonst geht gar nichts. Svffer und Teethgrinder haben es doch vorgemacht, wie es sein soll. Nicht nur mir ergeht es so mit der Lautstärke. Kumpel Rene und auch ein paar andere Fans müssen raus, weil es kaum auszuhalten ist. Draußen scheppert es noch gewaltig. Leider wird es am heutigen Abend nicht besser. Sehr schade. Nails hätten den i-Punkt auf einen großartigen Abend setzen können, der phänomenal mit Svffer und Teethgrinder begonnen hat.

Fazit: Svffer und Teethgrinder haben am heutigen Abend die Stimmung im sehr gut besetzten Gebäude 9 nicht nur angeheizt, sondern auch aufrecht gehalten. Beide Bands haben eine super Show absolviert und bleiben in Erinnerung. Von beiden möchte ich gerne mehr hören. Nails haben ihr Image aufrechterhalten, eine der härtesten Powerviolence Bands zu sein. Leider fehlte mir bei Nails doch ein Stück Authentizität und Empathie zum Publikum. Die übermäßige Lautstärke hätte man sich wirklich sparen können. Es sei denn, man will die Gehörgänge seiner Fans zerstören.

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